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Der gute Japaner von Wushantou

Es ist wohl so ähnlich wie „Das Wunder von Bern“ à la Taiwan: „Kano“ startet kommende Woche in den Kinos, ein historisches Baseball-Epos. Es spielt in den dreißiger Jahren, als Taiwan japanische Kolonie war, und erzählt die Geschichte eines erfolgreichen Underdog-Teams.

Im Trailer zum Film erscheint (ab 1:33) eine interessante historische Figur: Yoichi Hatta, ein japanischer Ingenieur, der in Taiwan Spuren hinterlassen hat und noch heute verehrt wird.

Um über ihn zu schreiben, muss ich ein bisschen weiter ausholen. (mehr …)


Taiwan: Eine Sportnation?

Eine ganze Reihe Sportler aus Taiwan hat Weltruhm erlangt – meist in Sportarten, die in Deutschland nicht besonders populär sind.

Jeremy Lin, Superstar

Vom Bankdrücker zum globalen Basketball-Star: Wenn Sie die Geschichte von Jeremy Lin noch nicht kennen, bemühen Sie mal die Suchmaschine ihres Vertrauens. In Taiwan jedenfalls scheint es seit Wochen kaum ein wichtigeres Thema zu geben.

Die Menschen sehen Lin als einen der ihren, auch wenn er gebürtiger Amerikaner ist – schließlich sind seine Eltern einst aus Taiwan in die USA ausgewandert. Und natürlich hat es riesiges Underdog-Identifikationspotential, wenn ein keine zwei Meter großer Asian-American sich in einer so körperbetonten Liga wie der NBA nicht nur durchsetzt, sondern so auftrumpft, dass ihm die Sportwelt zu Füßen liegt.

Den Rummel hat der in Taipeh lebende Blogger Sascha Pallenberg ganz gut hier beschrieben: Linsanity in Taipei from a German perspective. Auch Lin selbst – der viel auf seinen christlichen Glauben gibt, was ihn dann doch von den meisten Taiwanern unterscheidet – fand in einer Pressekonferenz neulich nette Worte für Taiwan.

Vielleicht bringt Jeremy Lins Erfolg nun einige junge TaiwanerInnen dazu, mehr Zeit auf dem Sportplatz zu verbringen. Und wer es mehr in den Beinen hat als im Wurfarm, könnte Fußball spielen. Denn da gibt es hier noch viel Aufzubauen – anders als im Basketball, wo in der Profiliga Begegnungen wie Taiwan Beer vs. Kinmen Liquor an der Tagesordnung sind.

Jubeln für Taiwans Fußballnationalteam

An mir liegt es nicht, wenn Sie noch nie von Taiwans Fußballnationalmannschaft gehört haben. Ich habe mein Bestes getan. Beim wichtigen Olympia-Qualifikationsspiel gegen Jordanien im März vergangenen Jahres hatte ich so viele Westler wie möglich zusammengetrommelt, um im Stadion von Taipeh europäische Atmosphäre zu erzeugen.

Leider vergeblich. Taiwans U23 unterlag mit 0:2 (Spielbericht), und das Land muss weiter auf seinen ersten Auftritt auf internationaler Fußballbühne warten. Es war ein unterhaltsamer Abend, aber Fußball ist einfach nicht Taiwans Nationalsport – das ist Baseball.

Nationalsport Baseball

baseball taiwan

Die Begeisterung für das Spiel mit Schläger und Handschuh kam nicht etwa aus Amerika, sondern auf dem Umweg über Japan auf die Insel. Taiwan war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts japanische Kolonie. Heute gibt es eine Profiliga, einige Taiwaner spielen in US-Teams, und wenn ich am Wochenende durch die Parks an den Flussufern radle, sehe ich überall Mannschaften auf öffentlichen Baseballplätzen trainieren.

Mit Japan und Südkorea liegt Taiwan in ewiger Rivalität um die Baseball-Vorherrschaft in Asien. Welch eine Demütigung, als man 2008 bei den olympischen Spielen in Peking ausgerechnet gegen China eine Niederlage einstecken musste!

Taiwan bei Olympia

Leider darf Taiwan bei internationalen Wettbewerben nur unter der Bezeichnung „Chinese Taipei“ und ohne Nationalflagge antreten, weil China so eifersüchtig darüber wacht, dass Taiwan nicht als selbstständiges Land geführt wird. Um so größer der Jubel in Taiwan, wenn Athleten Edelmetall mit nach Hause bringen.

2004 in Athen gab es in der Kampfsport-Disziplin Taekwondo die beiden ersten und bisher einzigen olympischen Goldmedaillen. Starke Frauen erringen immer wieder gute Platzierungen: Taiwans Gewichtheberinnen und das Frauen-Tauziehteam stehen regelmäßig auf dem Treppchen.

Und auch die derzeit wohl beste Golfspielerin der Welt hat ihren Abschlag in Taiwan erlernt: Yani Tseng ist erst 22, gewinnt aber ein wichtiges Turnier nach dem anderen. Taiwaner sind nicht für ihren athletischen Körperbau bekannt, und „körperlose“ Sportarten dominieren. Der beliebteste Breitensport ist Basketball – und das nicht erst seit Jeremy Lin. Auch ordentliche Tennisspieler bringt Taiwan hervor. Einer schaffte es 2010 ins Viertelfinale von Wimbledon.

Städtische Sportzentren

Körperliche Erschöpfung und Schwitzen gelten vielen Taiwanern, die das Leben gerne ausgewogen angehen, als übermäßige Belastung. Wer sich trotzdem sportlich betätigen will, hat aber viele Gelegenheiten. Schulen und Universitäten öffnen abends ihre Plätze für die Allgemeinheit, und Taipeis Verwaltung hat in jedem Viertel städtische Sportzentren errichtet, mit Kursräumen, Badminton-Courts, Schwimmbädern usw. Für nur 1,30 Euro kann ich hier eine Stunde lang ohne weitere Verpflichtungen ins Fitnesscenter.

Universiade 2017 in Taipei

Vor kurzem hat Taipei international aufgetrumpft: Die Stadt wird 2017 die Universiade ausrichten, quasi die olympischen Spiele der Studenten. Weil Taiwan gut abschneiden will, wird nun darüber diskutiert, wie man Nachwuchssportler besser fördern kann. Über die Ausbildung an Taiwans Sport-Universitäten stand kürzlich übrigens ein interessanter Artikel in einer Regierungszeitschrift.

2009 fanden in Taiwan bereits zwei internationale Sport-Großveranstaltungen statt: Die World Games in Kaohsiung und die Deaflympics in Taipeh.

Damals entstand auch dieser Fernsehbericht, auf den ich heute noch ein bisschen stolz bin:

Dieser Text war ursprünglich eine Folge meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

Taiwan Zeitungsartikel Sport


Ab ins Grüne – in Taipeh!

Wochenend und Sonnenschein – da will ich auch in Taipeh nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen oder mich auf der Straße an Motorrollern vorbeiquetschen. Was tun, wenn die eigene Wohnung keinen Balkon hat und der Park gegenüber vom Zelt einer Trauerfeier blockiert ist?

Zum Glück leben im Ballungsraum der Hauptstadt zwar außer mir noch ca. 6 Millionen Menschen, aber wenn die mal ins Grüne wollen, haben sie es nicht allzu weit.

Zeitungsbericht über Parks in Taiwan

Wandern rund um Taipeh

Elefantenberg, Tigerberg, Yangming-Berg: Direkt hinter den Wohnblocks und Bürotürmen steigen sie in die Höhe. An drei Seiten ist Taipeh von Hügeln und sogar einem erloschenen Vulkan umgeben. So betongrau das Straßengewirr aus der Ferne wirkt, so sattgrün wuchern Büsche und Bäume an den steil ansteigenden Hängen.

Ein Netz von gut ausgebauten Wanderwegen bietet gestressten Großstädtern die Möglichkeit, schnell die Asphaltpisten hinter sich zu lassen. Der Weg ist vorgegeben, denn die Vegetation geht in unseren Breitengraden als Urwald durch, und es ist unmöglich, die vorgegebenen Pfade zu verlassen.

Hiking path near Taipei City

Wenn es im Sommer mit 35 Grad und mehr gar zu heiß vom Himmel brennt, oder wenn während der Frühjahrs-Regenzeit jeden Moment ein Wolkenbruch droht, überlege ich mir gut, ob ich so einen doch recht schweißtreibenden Aufstieg beginnen will. Wenn ich dann – noch frohgemut ausschreitend – die ersten gepflasterten Treppen erklimme, werde ich oft von Rentnern überholt, für die der Weg zum Gipfel seit Jahren allmorgendliche Routine ist.

Nehmen die Steintreppen kein Ende, werden die Beine schwer, aber ein vorzeitiges Umkehren kommt nicht in Frage. Schließlich ergeben sich immer wieder schöne Aussichten über die Häuserschluchten von Taipeh, aus denen der bambusförmige Wolkenkratzer Taipei 101 mit seinen 500 Metern aufragt wie der Pfeil auf einer Dartscheibe.

View over Taipei City with Taipei 101

Radfahren in Taipehs Flussufer-Parks

Wenn es mal weniger steil zugehen soll, schwinge ich mich gern auf Rad und nehme den kürzesten Weg zum nächsten Fluss. Nur dort lässt es sich in Taipeh richtig entspannt radeln: An beiden Ufern der Ströme, die durch Taiwans Hauptstadt fließen, ziehen sich mehr als 100 Kilometer grüne Parkstreifen entlang. An einigen Stellen sind sie mehrere hundert Meter breit.

Neben Radwegen und Rasenflächen finden sich hier auch Feuchtgebiete, Hundewiesen und Sportplätze. Überall spielen dort am Wochenende Amateur- und Jugendmannschaften Baseball, Taiwans beliebtesten Mannschaftssport, der vor etwa hundert Jahren von den Japanern ins Land gebracht wurde. Vorbei geht die Fahrt auch an Basketball- und sogar Tennisplätzen, die alle frei zugänglich sind und auf denen trotzdem kein Netz Opfer von Vandalismus wird.

Und in der Stadt? Meine Beobachtungen zum Radfahren in Taipeh, mit Video.

Riverside bike path in Taipei City, with Taipei 101

Von Menschen, die Taipeh schon länger kennen, höre ich (PDF meines Zeitungsartikels): Vor 10, 15 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Wo heute Blumenbeete angelegt und Flutwände mit Mosaiken verschönert werden, war damals verkommenes Brachland, das gern als wilde Müllkippe genutzt wurde.

Dann erkannte die Stadtregierung, dass ihre Bürger nicht immer nur Geld verdienen, sondern auch mal entspannen wollen, und startete ein großes Reinemachen. Projekt Lebensqualität – davon profitiere ich gern.

 


Vor einem Jahr konnte ich noch positives vermelden über Taiwans Baseball-Nationalmannschaft. Da hatten sie in der Olympia-Qualifikation gerade Deutschland geschlagen. Doch neuerdings scheint beim Nationalsport Nr. 1 der Wurm drin zu sein.

Zuerst verlor man in Peking ausgerechnet gegen China, wo Baseball im Gegensatz zu Taiwan, Japan oder Südkorea keine Tradition hat. Und nun setzte es bei einem Turnier in Japan gleich die nächste Klatsche gegen das Team aus der Volksrepublik.

Nachdem Taiwan zuvor schon gegen Südkorea mit 0:9 untergegangen war, darf das Team nun vorzeitig heimreisen und hat vorsichtshalber schon einmal bei den Fans um Verzeihung gebeten. Der Nationaltrainer sieht schwere Zeiten voraus:

„If we say that China beat Taiwan probably due to luck at the Beijing Olympics, this time we can see they are better than us. They made careful preparations to face Taiwan. We have to do self-examination.“


…und zwar im Baseball, in einem Qualifikationsspiel für die Olympischen Spiele in Peking. Es ist offenbar ziemlich knapp gewesen – dabei war Taiwan haushoher Favorit. Schließlich ist Baseball hier neben Basketball eine der beliebtesten Sportarten.

Auch auf meinem Uni-Campus wird fleißig trainiert.

Baseball Campus

Baseball ist offenbar nicht etwa von den Amerikanern ins Land gebracht worden, sondern von den Japanern. Taiwan war von 1895 bis 1945 eine japanische Kolonie.