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Botschafterin und Bubble Tea: Begegnungen mit Taiwanern in Berlin

Was macht ein Taiwanreporter, wenn er im Deutschlandurlaub seine Insel vermisst? Er fährt nach Berlin! Neulich auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in unserer Hauptstadt habe ich neben der ganzen Technik auch viele Taiwaner gesehen.

IFA Berlin Taiwan

Traditionell teilen sich auf der IFA alle Unternehmen aus Taiwan, die keinen ganz großen Messestand zahlen wollen, eine eigene Halle: Ein großes Zelt mit vielen kleinen Ständen. Wer sich für Handy-Hüllen, Tastaturen, Netzteile und Ähnliches interessiert, könnte hier Stunden verbringen. Und vielleicht sogar Geschäfte machen, denn viele Firmen plakatieren groß: Vertriebspartner für Europa gesucht. Mir machte es einfach Spaß, wieder vertraute Gesichter zu sehen.

Mach Dir Dein Licht! Technik aus Taiwan

Dank meines Taipeh-T-Shirts dauerte es nicht lange, bis sich ein Gespräch ergab. Zwei Herren der Firma Gunitech aus Hsinchu demonstrierten mir ihr Vorzeige-Produkt: Eine LED-Leuchte, die in jede Fassung passt und deren Lichtfarbe sich stufenlos verändern lässt, und zwar – Achtung! – per Handy. Quasi eine bunte Bluetooth-Glühbirne. So kann jeder vom Sofa aus seine ganz persönliche Lichtorgel fernsteuern. Ob die Welt darauf gewartet hat, weiß ich nicht, aber verblüffend war es schon.

Taiwan Botschafterin Berlin

Habe die Ehre! Taiwans oberste Vertreterin in Deutschland

Auf der IFA habe ich auch die Gelegenheit genutzt, Taiwans neue Botschafterin kennen zu lernen. Frau Chen, auf dem Foto im fliederfarbenen Kostüm, sitzt seit Juli in der Taipeh-Vertretung am edlen Gendarmenmarkt. Natürlich darf sie sich offiziell nicht „Botschafterin“ nennen, denn Taiwan ist für unsere Bundesregierung ja kein richtiges Land. Sie war zuvor in Griechenland stationiert, davor in Hamburg. Obwohl sie besser Deutsch spricht als ich Chinesisch, haben wir uns den Spaß gemacht, in ihrer Muttersprache zu plaudern.

Damit sie versteht, was ich in ihrem Land so treibe, drückte ich ihr möglichst schnell mein Taiwan-Buch und den neuen Kalender in die Hand. Sie revanchierte sich mit einer Einladung zum Mittagessen. So bekam ich auf Kosten von Taiwans Steuerzahlern Lachs und neue Kontakte – und von beidem hat man bekanntlich nie genug.

Lin YL

In Berlin gibt es einen Kollegen, der das gleiche macht wie ich – nur umgekehrt. Lin Yu-li berichtet als freiberuflicher Journalist aus Deutschland für Taiwan. Im Moment schreibt er an einem Buch, in dem er seinen Landsleuten unsere Heimat näher bringen will. Sein Trick: Politik, Gesellschaft und das alltägliche Leben so beschreiben, dass die Leser Vergleiche mit ihrem eigenen Land anstellen können. Klingt bekannt, oder?

Prost Blasentee! Ein Restaurant hat überlebt

Kurz bevor der Zug zurück nach Bremervörde fuhr, besuchte ich Berlins führendes Bubble Tea-Restaurant. „Come Buy“ hat den Hype um das aus Taiwan stammende Trendgetränk ebenso überstanden wie das große Ladensterben nach der Medienhysterie letzten Sommer um angebliche Giftspuren. Vielleicht liegt es daran, dass die Kette wirklich aus Taiwan kommt und auch Taiwaner hinterm Tresen stehen.

Beim Blick auf die Speisekarte verstand ich die Bedeutung von „Teuro“: 紅豆餅 (hongdoubing), kleine gefüllte Küchlein, heißen hier „Hot Drums“ – und kosten mit 2,20 Euro acht mal mehr als in Taipeh. (Foto)

Während ich mir noch überlegte, ob ich mir das leisten will, kam ich ins Gespräch mit den jungen Taiwanern am Nebentisch (Foto). Sie machen gerade einen Sprachkurs und wollen danach in Deutschland klassische Musik studieren. In Taiwan haben Orchestermusiker und Dirigenten kaum Arbeitsmöglichkeiten. Wie lange sie in Deutschland bleiben wollen? „Am liebsten für immer!“

Die Welt ist halt oft dort spannender, wo man gerade nicht lebt.


Tee bis zum Abwinken

Taiwan ist noch immer ein Land der Tee-Trinker. Mit großem Aufwand wird er an steilen Berghängen angebaut. Arbeiterinnen pflücken ihn Blatt für Blatt. Als Hochgebirgs-Oolong-Tee erzielt er phantastische Preise.

Tee Ernte Taiwan Teeberge

Dass Taiwan traditionell eine Hochburg der Tee-Kultur ist, könnte ich in Taipeh glatt vergessen. Überall gibt es Kaffee: In großen Ketten wie Starbucks, in jedem 24-Stunden-Minisupermarkt, und in unzähligen privat betriebenen und oft liebevoll dekorierten Cafés. Der Siegeszug des Koffeins begann in den Neunzigern.

Tee-Fans müssen trotzdem nicht durstig bleiben. Es gibt sogar deutsche Tee-Reisegruppen, die nur zur gemeinsamen Verkostung nach Taiwan kommen.

Die Teeberge von Taipeh

Ein Tee-Trip könnte etwa am Stadtrand von Taipeh beginnen. Gleich neben dem Zoo startet eine Seilbahn ins Tee-Anbaugebiet von Maokong.

Maokong Seilbahn Taipei

Wer nach dem Höhenflug – vielleicht in einer Gondel mit gläsernem Boden – noch Appetit hat, kann hier durch Felder spazieren, die Weinberg-artig an den Hängen angelegt sind, und in einem Teehaus mit Blick über die Stadt einkehren.

Oolong-Tee trinken: Keine Zeremonie, aber eine Wissenschaft für sich

Zur zünftigen Teeverkostung serviert werden dann ein Wasserkocher, eine irdene Kanne und Tässchen, die nicht größer als Eierbecher sind. Man wählt eine Sorte Oolong (Wulong). Dieser halb fermentierte Tee liegt geschmacklich zwischen Grün- und Schwarztee und hat gewaltiges Wachmacher-Potenzial. Eine Tasse des bernsteinfarbenen Trunks nach 18 Uhr, und ich finde bis weit nach Mitternacht keinen Schlaf. In Deutschland finden sich, anders als in Taiwan, leider keine Beutel im Supermarkt.

Taiwan Oolong Tee trinken

Ernsthafte Connaisseure brühen sowieso die Blätter auf. Den ersten Aufguss schütten sie gleich wieder weg: Zu bitter. Der zweite darf eine Minute ziehen, jeder weitere zehn Sekunden länger. Über den Geschmack können sie so wortreich fabulieren wie Weinverkoster nach dem zwölften Glas. Und sie zahlen Höchstpreise, besonders im Ausland: Für einige preisgekrönte Oolong-Sorten können Taiwans Teebauern sagenhafte 2000 Euro pro Kilo verlangen. Besonders chinesische Kunden greifen tief in die Tasche.

Tee pflücken in den Bergen von Taiwan

Je höher, desto besser: Lagen über 1000 Meter gelten als perfektes Anbaugebiet. Maschinelles Pflücken ist unmöglich. Zur Erntezeit kraxeln Arbeiterinnen mit breiten Strohhüten über die Hänge und füllen ihre Körbe – malerische Bilder, die demnächst auch in einer NDR-Fernsehreportage über Taiwan zu sehen sein sollen.

Tee Ernte Taiwan NDR Fernsehen

Taiwan produziert 20 Prozent der weltweiten Oolong-Ernte, aber es ist auch ein großes Tee-Importland. Weniger hochwertige Teesorten kauft man mittlerweile vor allem in Südostasien, wo die Arbeit weniger kostet. Die Plantagen dort sind oft mit taiwanischem Know-How entstanden.

Die Produktion landet in Taiwan dann zum Beispiel im Bubble Tea, der es zuletzt auch in Deutschland zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Leider hat die knallbunte Chemie-Brühe, die man in Berlin oder Hamburg für Bubble Tea hält, mit dem Original kaum noch was zu tun.


Asien-Klischees in Deutschland

Stereotype, Vorurteile, Rassismus – zu diesen Themen habe ich hier schon einiges geschrieben. Meist ging es dabei um meine Beobachtungen als Westler in Taiwan. Auch die Situation südostasiatischer Gastarbeiter hierzulande interessiert mich. Aber was erleben Taiwaner und andere Asiaten eigentlich in Deutschland?

Als McDonald’s im Juni begann, in seinen deutschen Restaurants Bubble Tea zu verkaufen, wurde das begleitet von der unfassbar dämlichen „Chan McTi“-Werbekampagne und solchen Videos:

Geärgert hat mich daran nicht nur, dass dem aus Taiwan stammenden Bubble Tea hier offenbar ein „typisch japanisches“ Knallbunt-Schräg-Image verpasst werden sollte („Bubblezaaaiiii!“). Ich fand auch die Darstellung von Herrn McTi als augenrollender, in gebrochenem Deutsch kreischender Asiate reichlich fragwürdig.

Halten wir mal fest: Diese Werbung steht dem, was McDonald’s als Bubble Tea anbietet, an Geschmacklosigkeit kaum nach. Aber ist es angebracht, sie rassistisch zu nennen?

Wo beginnt Rassismus?

Ich bin eher vorsichtig mit diesem Begriff. Als zum Beispiel eine im Hamburg lebende (weiße) Australierin sich in Ihrem Blog über ein Plakat aufregte, auf dem zwei Comedians Schlitzaugen ziehen, hatte ich zur Mäßigung aufgerufen:

Can we all agree that there is a fundamental difference between racism and the (be it satirical or thoughtless, but not evil-minded) use of cultural, national and, yes, sometimes racial stereotypes?

Damals fühlte ich mich nicht berufen, von Rassismus zu sprechen, denn ich war (wie die Autorin) nicht direkt betroffen. Und ich hatte von niemandem gehört, dass er sich verletzt fühlt. Soll ich mir etwa anmaßen, über die Empfindungen Anderer zu spekulieren?

Etwas ganz anderes ist es, wenn jemand selbst sagt: „Stopp! Ich fühle mich rassistisch behandelt.“

Im Fall McDonald’s fand ich schnell heraus, dass viele Menschen Probleme mit der Werbung hatten. Da ist nicht nur die Tatsache, dass das Video auf Youtube aktuell fast dreimal mehr negative Bewertungen hat als positive. Auf Twitter stieß ich auf diesen Eintrag von Calvin Ho aus L.A., der auch ein Blog über Themen wie die „asiatische Diaspora“ schreibt:

Tweet "Racist McDonald's Bubble Tea Commercial"

„Leicht rassistisch“ fand die Werbung auch die Autorin dieses Blogs.

Wie sich das über Twitter entwickelte, und wie McDonald’s sich eine halbherzige Entschuldigung abrang, habe ich in diesem Eintrag zusammengefasst: Wie McDonald’s sich mit Bubble Tea-Werbung Rassismus-Vorwürfe einhandelt

Interview: Zwei Deutsche mit asiatischer Abstammung

Kurz darauf lernte ich in Hamburg Christopher Schmidt kennen. Er hat neben Sprachwissenschaft auch Sinologie studiert und im Studium ein Jahr in Taiwan verbracht. Seine Mutter stammt aus Japan, sein Vater aus Deutschland.

Ich fragte Christopher, ob er seine Meinung zur Bubble-Tea-Werbung von McDonald’s mit mir teilen möchte. Er zog noch einen weiteren Bekannten mit Asien-Connection zu Rate: Ramin Amiri studiert Jura, hat iranische Eltern, ist ebenso wie Christopher in Deutschland geboren und besitzt auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Beide sind zweisprachig aufgewachsen.

Was war Eure erste Reaktion, als Ihr die Videos von McDonald’s gesehen habt?

Entsetzen über den plumpen Rassismus in der Werbung. Hier werden Vorurteile auf eine besonders herabwürdigende Art und Weise dargestellt.

 
Was sagt Ihr zur Aussage von McDonald’s, es gehe um eine Persiflage auf asiatische Werbekultur?

Das mag wohl die ursprüngliche Zielsetzung gewesen sein, aber das geht wegen der völligen Ignoranz der kulturellen Unterschiede (z.B. japanische Werbekultur, aber taiwanesischer Bubble Tea) voll daneben, so dass es beleidigend wirkt. Von der Aussprache des Schauspielers, die an das berühmt-berüchtigte Tsching-Tschang-Tschong erinnert, ganz zu schweigen.

 

Tweet McDonalds: Ironic Ad

Wieso meint Ihr, McDonald’s sollte sich entschuldigen? Wie und wofür?

Wenn man eine bestimmte ethnische Gruppe beleidigt, dann gehört es zum guten Ton, sich zu entschuldigen. Die „Notpology“ dazu von McDonald’s ist eine Frechheit. Diese Art der Entschuldigung ist wertlos, da sie statt den eigenen Fehler anzuerkennen indirekt die Verantwortung dem Beleidigten zuschiebt.

 
Sehr Ihr hier Rassismus? Wenn ja, gibt es schlimmen und weniger schlimmen Rassismus?

Grundsätzlich sehen wir diese Werbung als derart klischeebehaftetes Spielen mit Stereotypen, dass die Grenze zum Rassismus schon überschritten ist. Sicherlich gibt es schlimmere Form von Rassismus (rassistisch motivierter Rassenhass NSU), aber wir wollen davor warnen den Rassismusbegriff zu eng zu fassen (z.B. Alltagsrassismus). Wir würden den Beteuerungen von McDonald’s, dass eine rassistische Wirkung nicht beabsichtigt gewesen wäre, gerne Glauben schenken, was uns aber angesichts von früheren Kampagnen wie „Los Wochos“ etwas schwer fällt.

 

Wo zieht Ihr eine Grenze von Rassismus zu Unbedachtheit oder Dummheit?

Als erstes würden wir dafür werben die Aussage, etwas sei rassistisch, nicht mit Rassenhass gleichzusetzen. Viele alltagsrassistische Äußerungen sind oft unbedacht und nicht von einer bewussten Rassenideologie getragen. Uns geht es darum, das Bewusstsein dafür zu schärfen und aufzuklären. Bei dem Verhalten von McDonald’s prangern wir eher die Reaktion des Unternehmens an, die von fehlendem Bewusstsein für die Problematik des Alltagsrassismus zeugt, was man jedoch von einem Weltkonzern erwarten dürfte.

 
Was für Reaktionen seid Ihr als Deutsche asiatischer Abstammung im Alltag gewöhnlich ausgesetzt? Habt Ihr mit Vorurteilen zu tun?

Ja. Alltagsrassismus ist gegenwärtig. Als Beispiel sei nur die häufige Frage genannt woher man denn eigentlich komme, obwohl man hier geboren und aufgewachsen ist und fließend die Sprache als Muttersprache beherrscht.

 
(Hervorhebungen von mir)

Im Zuge der unsäglichen „Gift im Bubble Tea“-Medienkampagne ist das Getränk in Deutschland ja mittlerweile in Verruf geraten. Ich vermute mal, ohne es von Taiwan aus kontrollieren zu können, dass Chan McTi sich damit auch erledigt hat. Oder macht er die deutschen McDonald’s-Restaurant noch immer unsicher?

Lesetipp: Meine Beiträge über Deutschland aus Sicht der Taiwaner

Frage an die Leser: Ist „Alltagsrassismus“ in Deutschland ein Problem? Falls ja, wie könnte man das ändern? Falls nein, wie kann man verhindern, dass solche Eindrücke entstehen?


Ist der Bubble Tea-Trend vorbei? Google verrät es

Seit kurzem googlen die Deutschen wieder häufiger nach „Taiwan“ als nach „Bubble Tea“. Das war nicht immer so.

Kaum spiele ich ein bisschen mit Google Trends herum, erhalte ich diese spannende Grafik:

Was lernen wir daraus?

  1. Das deutsche Interesse an Taiwan hält sich in Grenzen.
  2. Am meisten gegoogelt (gegooglet?) wurde „Taiwan“ im März 2005. Damals hatte China sein „Anti-Abspaltungsgesetz“ beschlossen.
  3. Danach ging es bergab. Ein Interessen-Hoch folgte noch im August 2009, als nach dem Taifun Morakot ein paar Tage lang Taiwan in der Tagesschau zu sehen war.
  4. Im Juli 2011 zog „Bubble Tea“ vorbei – ungefähr ein Jahr, nachdem im großen Stil Shops in Deutschland eröffneten. Diese Entwickung kann man an den Kommentaren zu meinem ersten Post über Bubble Tea in Deutschland ganz gut nachvollziehen.
  5. Bubble Tea Shop Berlin mit Suhi

    Bubble Tea gibt’s in Deutschland mittlerweile wirklich überall. Aber was sind das für Farben?

  6. Ihren Höhepunkt erlebte die Bubble Tea-Suche im Juni 2012, als McDonald’s ein entfernt ähnliches Getränk ins Sortiment aufnahm. (War McDonald’s BubbleTea-Werbung rassistisch?) Kurz danach brach die unsägliche mediale Sommerloch-Empörungswelle über angebliches Gift im Bubble Tea etc. ausbrach.

Tja, und seitdem scheint es wieder ruhiger zu werden. Hört man denn schon davon, dass in Deutschland Bubble Tea-Läden wieder geschlossen werden?


Wohnen in Taipei: Ein teures Vergnügen

Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit den steigenden Preisen für Wohneigentum.

In Taipeh kosten Wohnungen 1:1 umgerechnet mittlerweile so viel wie in Hamburg – wenn nicht mehr.

Beim Verhältnis zwischen den Preisen für Eigentumswohnungen und Wohnhäusern in der Hauptstadt Taipeh und dem Einkommen der Durchschnittsbürger herrscht seit Jahren ein starkes Missverhältnis. Sollte ein Arbeiter mit einem mittleren Einkommen versuchen, sich eine Wohnimmobilie in Taipeh Stadt anzuschaffen, so müsste er theoretisch 13,7 Jahre ohne Essen und Trinken auskommen.

Lesen Sie dazu auch meinen Artikel über das Leben in Taiwan.

Außerdem geht es u.a. um die Erfolgsgeschichte des Bubble Tea, den Tod eines früheren taiwanischen Kardinals und eine Ausstellung des Nationalen Palastmuseums in Tokio.

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


„In Taiwan werden Lebensmittel überhaupt nicht kontrolliert.“

Die Bubble Tea-Hysterie in Deutschland hat wohl einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Warnungen vor zuviel Zucker (macht Kinder dick!) und Erstickungsgefahr durch Tapioca-Perlen (macht Kinder tot!) haben Chemiker einer Aachener Hochschule nun angeblich Spuren von giftigen Stoffen in Bubble Tea entdeckt.

Sicher ist bisher wenig, und die Untersuchung war wohl ursprünglich auch gar nicht auf solche Stoffe ausgelegt. Die Wissenschaftler hatten offenbar lediglich im Auftrag des Herstellers das Gerät getestet. Selbst die Boulevard-News-Seite Nr. 1 im deutschen Internet meldet:

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums sagte SPIEGEL ONLINE, die von der Firma zur Verfügung gestellten Untersuchungsergebnisse reichten für eine Bewertung nicht aus. Das Ministerium nehme den Verdacht sehr ernst und würde Bubble Tea stichprobenartig untersuchen, sowohl auf die jetzt gefundenen Stoffe als auch darüber hinaus. Bis wann erste Ergebnisse vorliegen werden, konnte der Ministeriumssprecher noch nicht sagen.

Ein Berliner Kinderarzt als Taiwan-Experte im ZDF

ZDF Moma Bubble Tea Gift

So vergleichsweise differenziert geht es im Fernsehen meist nicht zu. Das ZDF-Morgenmagazin lieferte heute früh ein Paradebeispiel. Da wurde der Kinderarzt Dr. Martin Karsten aus Berlin-Wilmersdorf vor die Kamera gestellt und von der Moderatorin zum Kronzeugen gegen Bubble Tea gemacht. Und nicht nur das – auch zu Taiwan im Allgemeinen hatte der Doktor wenig Schmeichelhaftes zu sagen.

Falls jemand es nicht für möglich hält – zum Glück steht das Video online.

Update: Das Video wurde mittlerweile leider „depubliziert“.

Dr. Martin Karstens Kernthese bei 1:25:

Man muss einfach wissen: 90 Prozent der Bubble Teas wird in Taiwan hergestellt, und da werden Lebensmittel überhaupt nicht überprüft. Und was hier auf den Markt geschwemmt wird, ist sicher höchst gesundheitsgefährdend.

Dieser Punkt war ihm offenbar wichtig. Bei 4:18 urteilt er über Bubble Tea-Zutaten:

…wenn sie aus Ländern aus Fernost wie Taiwan kommen, wo Lebensmittel eben überhaupt nicht kontrolliert werden, dann sollten sie hier vom Markt genommen werden.

Und bei 4:40:

90% aller Bubble Teas kommen aus Taiwan, von einem Hersteller, und davor sollte sicher gewarnt werden.

Lebensmittelkontrollen in Taiwan

Würde ich in der Food and Drug Administration arbeiten, die Taiwans Gesundheitsministerium untersteht, würde ich Dr. Karsten z.B. auf diese Übersicht von Gesetzen und Verordnungen zur Lebensmittelsicherheit hinweisen.

Man könnte auch darüber grübeln, wie in Taiwan vergangenes Jahr der Einsatz von gesundheitsschädlichen Substanzen in Gelees etc. nachgewiesen werden konnte, gäbe es keine Lebensmittelkontrollen.

Oder darüber, warum viele Taiwaner sich dermaßen über den Stoff Ractopamin in US-Rindfleisch erregen, wenn sie gar keine Möglichkeit hätten, es nachzuweisen.

Bubble Tea, die Mediensau der Woche

Aber irgendwie interessiert das wahrscheinlich kaum jemanden, der Beiträge wie diesen heute im ZDF-Morgenmagazin sieht. Weil man darauf vertraut, dass die „Experten“ schon wissen, wovon sie reden. Oder darauf, dass die Moderatoren als gute Journalisten mäßigend eingreifen, wenn apodiktisch irgendwelche Fragwürdigkeiten behauptet werden – statt noch Öl ins Feuer zu gießen.

Dieser ganze traurige Bubble Tea-Shitstorm dient einigen Medienvertretern, Politikern und anderen Bedenkenträgern vor allem dazu, das Sommerloch zu füllen. In ein paar Wochen werden schon wieder ganz andere Säue durchs Dorf getrieben.

Ob dabei Image-schädigender Unfug über Taiwan verbreitet wird, ist solchen Leuten egal. Mir aber nicht. Und Ihnen?

Liebe Leser, bitte sachlich bleiben. Ich werde hier keine beleidigenden Kommentare veröffentlichen. Und sollte Dr. Martin Karsten mal nach Taipeh kommen, werde ich ihm gern persönlich meine Lieblings-Bubble Tea-Läden zeigen. Damit er sich ein eigenes Bild machen kann. Er kann von mir aus auch Messgeräte mitbringen.

Nachtrag: Vielleicht interessiert der eine oder andere Leser sich für meinen ersten Bericht über Bubble Tea in Taiwan. Aus dem Jahr 2009, als das alles in Deutschland noch nahezu unbekannt war.