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Su Beng, Taiwans ewiger Revolutionär

Als Journalist hat man immer wieder mal ganz besondere Begegnungen, über die man noch lange nachdenkt. Neulich war es für mich mal wieder so weit. Ich habe eine lebende Legende getroffen.

Su Beng

Su Beng ist 97 Jahre alt und für Taiwans Unabhängigkeitsbewegung ein Säulenheiliger. Trotz seines Alters ist er noch sehr aktiv. Su gilt als ewiger Revolutionär, manche nennen ihn sogar (mehr …)


Warum Taiwan keine „abtrünnige Provinz“ ist

Auf der deutschen Huffington Post habe ich mir heute den Frust von der Seele geschrieben – den Frust über die deutsche Taiwan-Politik. Da gilt nämlich viel zu oft: Taiwaner müssen draußen bleiben.

Wenn Sie über die Huffington Post den Weg hierher gefunden haben: Herzlich wilkommen! Sehen Sie sich ganz in Ruhe um. Falls Sie mit Taiwan noch nicht vertraut sind, könnte mein kurzer Abriss zur Geschichte Taiwans bzw. der Republik China interessant sein.

Soldaten der Republik China in Taipeh

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um hier einige Begriffe aufzulisten, die in deutschen Medien häufig in Verbindung mit Taiwan gebraucht werden – leider. Aus dem einen oder anderen Grund sollte man sie lieber auf den Phrasen-Müllhaufen verbannen.

Taiwan-Phrase #1: „Abtrünnige Provinz“

Warum nicht?

Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan nicht als „abtrünnige Provinz“ oder „renegade province“. Auch, wenn die Medien immer wieder auf diese griffige Floskel zurückgreifen: Mir konnte noch niemand eine Quelle zeigen, in der die chinesische Seite sie verwendet. Sie muss also als Medien-Erfindung gelten.

Was dann?

China nennt Taiwan gern einen „unabtrennbaren Bestandteil des chinesischen Territoriums“.

Taiwan-Phrase #2: „Abgespalten“

Warum nicht?

Taiwans hat sich nach dem Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1949 nicht „abgespalten“. Die unterlegene Regierung der 1911/12 gegründeten Republik China zog sich mit den Resten der Armee und dem gesamten Staatsapparat nach Taiwan zurück. In der Folge beschränkte ihr Herrschaftsgebiet sich auf Taiwan und einige Inselgruppen.

Was dann?

Wahrscheinlich wäre es korrekter, zu sagen: Die Volksrepublik China hat sich von der Republik China abgespalten.

Taiwan-Phrase #3: „Staatsgründer Chiang Kai-shek“

Warum nicht?

Chiang Kai-shek hat keinen Staat gegründet. Nicht die Republik China, denn die bestand schon lange, bevor er sich nach Taiwan zurückzog. Und ganz bestimmt keinen Staat „Taiwan“. Den gibt es offiziell sowieso nicht.

Taiwan-Phrase #4: „Wiedervereinigung“

Warum nicht?

Was sich wiedervereinigt, muss ja schon mal vereinigt gewesen sein. Taiwan ist aber nie von der Volksrepublik kontrolliert worden. Und eine „Wiedervereinigung“ von Volksrepublik und Republik China würde bestimmt nicht auf Augenhöhe stattfinden. Peking würde die Bezeichnung „Republik China“ weder anerkennen noch die Bezeichnung der Volksrepublik ändern.

Was dann?

„Vereinigung“ oder „Anschluss“.

Taiwan-Phrase #5: „Das andere China“

Warum nicht?

„Anderes China“, „freies China“, „kleines China“… bequeme Medienfloskeln, die vermeintlich Vieles in Kürze auf den Punkt bringen, tatsächlich aber die komplexe Realität verkleistern. Zwar besteht auf Taiwan offiziell noch die „Republik China“, aber die Menschen hier sind sich selbst überhaupt nicht einig, was das denn nun bedeutet. Manche lehnen die Bezeichnung rundweg ab, andere bezeichnen sich als Taiwaner und als Chinesen. Nur eine Minderheit sieht in Taiwan nach wie vor nicht mehr als einen kleinen Bestandteil der (eigentlich) großen Republik China.

Was dann?

„Das demokratische Land“, „Die Inseldemokratie“, „Taiwan“

Also, wenn Sie mal wieder einen Medienbericht über Taiwan lesen: Achten Sie darauf, wie viele Floskeln Sie entdecken können.

(Nachtrag: Ja, wer fleißig Google anschmeißt, findet vielleicht auch in meinen eigenen Berichten solche Negativbeispiele. In mindestens einem Fall hat die Redaktion es mir nachträglich reingeschrieben. Die anderen habe ich verdrängt. Man lernt im Lauf der Zeit ja auch dazu.)


Der Herrscher über China herrschte nur noch über Taiwan

Er war der Diktator, der immer lächelte. Ob auf Fotos, Statuen oder Gemälden: Stets umspielt ein feines, gütiges Lächeln die Mundwinkel von Chiang Kai-shek. Doch der schmale, glatzköpfige General, der einst über ganz China herrschte, am Ende aber nur noch über das kleine Taiwan, hatte auch ein anderes Gesicht.

Skrupellos und machtversessen, hat sein Regime nach Schätzungen so viele Menschenleben auf dem Gewissen wie im 20. Jahrhundert sonst nur die von Mao, Hitler oder Stalin (dazu hier eine Tabelle). Zuletzt hatten das die Menschen in Taiwan zu spüren bekommen – ein Kapitel, das in meiner neuen Heimat noch immer nicht aufgearbeitet ist.

Direkt gegenüber von meinem Haus in Taipeh, neben der Polizeiwache, steht noch immer eine Statue von Chiang Kai-shek. Ein schwacher Abglanz eines Personenkultes, der einst das ganze Land erfasste. (mehr …)


In ein paar Stunden gehe ich vor die Tür, um mir das 2010-Feuerwerk am Taipei 101 anzusehen – allerdings aus sicherer Entfernung, denn rund um das Gebäude werden Menschenmassen erwartet, gegen die der Shilin-Nachtmarkt am Wochenende wie das Vereinsfest der freiwilligen Feuerwehr Neubiberg wirkt. (Grüße an Julian!)

Nachtrag: Das Video vom Feuerwerk am Taipei 101 zu Silvester 2010/2011.

Anlässlich des neuen Jahrzehnts gehe ich mit der Zeit und bin nun auch auf Twitter aktiv. Und voraussichtlich demnächst auch auf Facebook. Beides eher beruflich orientiert und auf englisch, zwecks Verbreiterung der Kontaktbasis vor Ort.

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Im neuen Jahr können wir uns ja einen Spaß daraus machen, Strichlisten zu führen: Wie viele Karten, Globen, Grafiken etc. stellen Taiwan als eigenständiges Land dar?

Im Souvenir-Shop des Taipei 101 werden jedenfalls Globen verkauft, die genau das nicht tun. Darüber regt nicht nur J. Michael Cole sich auf.

Zur Nachhilfe empfehle ich folgendes Video, mit besonderer Aufmerksamkeit bei 1:08.

Noch ein paar Links, bevor die Zeit abläuft: Miese Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter in Taiwans Fabriken (dazu auch etwas auf deutsch).

Lesetipp: Mein englischer Text über Taiwans Gastarbeiter, die Ausländer zweiter Klasse

Eine Luxusyacht reist von der Werft in Taiwan zu einer Ausstellung in Deutschland, Taiwans Werften gehören „zu den besten der Welt“. Faszinierende Zeitreise: Chiang Kai-shek war zwischen 1927 und 1955 zehnmal auf dem Cover des Time Magazine. Man kann auch die dazu gehörigen Artikel aufrufen. Ein schön ausführlicher Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1999, als Präsident Lee Teng-hui es wagte, für Taiwans Beziehungen zu China das deutsch-deutsche Verhältnis zum Vergleich heranzuziehen.

Ganz aktuell, umfassend und als sachliche Einführung zu Taiwans Geschichte und Situation unbedingt empfehlenswert: Jens Damm, der in Taiwan lebt, über „Taiwan auf dem Weg zur pluralistischen und multikulturellen Demokratie“.

Und zum Abschluss ein Hinweis der Taiwan-Vertretung in Deutschland:

Gerne möchten wir Sie auf einen Taiwan-Themenabend hinweisen der am Samstag, den 9. Januar 2010 im digitalen ARD-Sender EinsExtra ausgestrahlt wird:

20:15 Taiwan – Schatzinsel im Chinesischen Meer (wird um 23:20 Uhr wiederholt)
21:02 „EinsExtra im Gespräch“ – Moderator Ulrich Timm, der vom 15.-22.11.2009 in Taiwan weilte, und Dr. Hermann Halbeisen von der Universität Köln sprechen über die politische und wirtschaftliche Entwicklung zu beiden Seiten der Taiwanstraße
21:30 „Heilen mit Kräutern und Nadeln“ – Traditionelle chinesische Medizin auf Taiwan

Falls Sie EinsExtra digital nicht empfangen können, können Sie die Sendungen auch im Internet sehen unter http://eins-extra.de/ Sendungen von A-Z.


Stellen wir uns mal vor, in Berlin würde eine Linkspartei-Regierung die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen schließen und Walter Ulbricht eine Gedenkhalle widmen. Unvorstellbar, oder?

Kürzlich ist es mir gelungen, zwei nicht ganz unwichtige Themen in einem deutschen Medium unterzubringen: Die Rück-Umbenennung der Chiang-Kai-shek-Gedenkhalle (zuvor „Nationale Demokratie-Gedenkhalle“) und die Schließung der Gedenkstätte im ehemaligen Militärgefängnis Jingmei.

Beides sind Beispiele dafür, dass Teile der regierenden Kuomintang-Partei sich vielleicht doch noch nicht so ganz von ihrer autoritäten Vergangenheit (ca. 40 Jahre Einparteienherrschaft per Kriegsrecht, zehntausende tote Taiwaner) distanziert haben.

Der Beitrag lief in der Sendung „Fokus Asien“ im Radioprogramm der Deutschen Welle. Man kann ihn hier nachlesen.

Mir fehlt die Zeit, die Geschichte des Gefängnisses und der Namens-Kontroverse um die Gedenkhalle hier im Detail aufzurollen. Ich hoffe, irgendwann kann ich das nachholen. Bis dahin bildet Euch ein Urteil anhand des Radiobeitrags und dieser Bilder.

Für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich: Das ehemalige Militärgefängnis Jingmei (eigentlich in Xindian).

Für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich: Das ehemalige Militärgefängnis Jingmei (eigentlich auf dem Stadtgebiet von Xindian, nicht Taipeh).

Eine sehr schöne Fotogallerie des Jingmei-Gefängnisses vor und nach der Schließung mit weiteren Informationen hat Günter Whittome erstellt.

Die Menschenrechts-Gedenkstätte im Jingmei-Gefängnis.

Die Menschenrechts-Gedenkstätte im Jingmei-Gefängnis.

Blogger David Reid über die Eröffnung der Gedenkstätte 2007 und die geschlossene Ausstellung 2009.

Stacheldraht und Polizisten sorgen dafür, dass die Rück-Umbenennung der Chiang-Kai-Shek-Gedenkhalle ungestört über die Bühne geht (20.7.2009)

Stacheldraht und Polizisten sorgten dafür, dass die Rück-Umbenennung der Chiang-Kai-shek-Gedenkhalle ungestört über die Bühne ging. (20.7.2009)

Berichte über die Rück-Umbenennung der Chiang-Kai-shek-Gedenkhalle in der Taipei Times (regierungskritisch) und der China Post (regierungsfreundlich).

Nur wenige Demonstranten protestierten vor der Absperrung. (20.7.09)

Nur wenige Demonstranten protestierten vor der Absperrung. (20.7.2009)

Als einer ihrer ersten Amtshandlungen hatte die KMT-Regierung nach dem Amtsantritt im Mai 2008 den alten Zustand in der Gedenkhalle wieder hergestellt.

Innenraum der CKS-Halle im März 2008: Zu Füßen des Diktators eine Ausstellung über Taiwans Demokratiebewegung. Die Drachen sollten den "Wind der Freiheit" o.ä. symbolisieren.

Innenraum der CKS-Halle im März 2008: Zu Füßen des Diktators eine Ausstellung über Taiwans Demokratiebewegung. Die Drachen sollten den "Wind der Freiheit" o.ä. symbolisieren.

Die Gedenkhalle heute: Absperrung statt Ausstellung. Außerdem wurde wieder eine Ehrenwache (nicht im Bild) aufgestellt.

Die Gedenkhalle heute: Absperrung statt Ausstellung. Außerdem wurde wieder eine Ehrenwache (nicht im Bild) aufgestellt.

Im Souvenirshop der CKS-Halle gibt es T-Shirts mit dem Diktator zum Auf-der-Brust-Tragen.

Im Souvenirshop der CKS-Halle gibt es T-Shirts mit dem Diktator zum Auf-der-Brust-Tragen.

KMT-Präsidenten unter sich: Chiang Ching-kuo (1978-88), sein Vater Chiang Kai-shek (bis 1975), Ma Ying-jeou (seit 2008).

KMT-Präsidenten unter sich: Chiang Ching-kuo (1978-88), sein Vater Chiang Kai-shek (bis 1975), Ma Ying-jeou (seit 2008).