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Mit Taiwan hat dies zur Abwechslung nichts zu tun, jedenfalls nicht direkt. Ein kurzer Blick nach China:

Der blinde Anwalt Chen Guangcheng hat die amerikanische Botschaft nach wenigen Tagen wieder verlassen. Nach dem Tiananmen-Massaker 1989 ging ein ähnlicher Fall ganz anders aus: Mehr als ein Jahr lang lebte der Dissident Fang Lizhi streng abgeschirmt in der US-Botschaft in Peking, bis er China verlassen konnte. Vor einer Konfrontation mit der chinesischen Regierung scheuten die USA damals nicht zurück.

Es war eine Nacht und Nebel-Aktion wie aus einem Agentenroman: Am späten Abend des 5. Juni 1989, einen Tag nach der blutigen Niederschlagung der Studentenbewegung, schlichen zwei US-Botschaftsmitarbeiter durch den Hintereingang ins Pekinger Jianguo-Hotel. Im Zimmer eines amerikanischen Journalisten erwartete sie einer der meistgesuchten Männer des Landes: Fang Lizhi hatte den Zorn von Chinas Machthaber Deng Xiaoping mit einem offenen Brief auf sich gezogen, in dem er die Freilassung politischer Gefangener forderte.

In den Wirren nach dem Tiananmen-Massaker fürchtete der Astrophysiker um sein Leben und bat mit seiner Familie in der US-Botschaft um Asyl. Doch erst, nachdem das Außenministerium grünes Licht gegeben hatte, durfte Fang den rettenden amerikanischen Boden betreten. Ein unauffälliger Kleinbus schaffte ihn und seine Frau Li Shuxian vom Hotel aufs Botschaftsgelände. Mehr als ein Jahr lang sollten sie es nicht wieder verlassen.

Anders als in Fall Cheng Guangcheng gab das Weiße Haus schon am nächsten Tag bekannt, dass die Vereinigten Staaten dem Dissidenten Zuflucht gewährten. Entspannung brachte das nicht – im Gegenteil: „Die chinesische Regierung flippte aus“, erinnert sich der damalige US-Botschafter James Lilley in seiner Autobiographie („China Hands“, sehr lesenswert). „Für sie hatten wir uns in Chinas innere Angelegenheiten eingemischt und seine Souveränität verletzt.“

Nur ein halbes Dutzend von Lilleys engsten Vertrauten wusste, dass Fang und seine Frau Zuflucht in der Medizinstation gefunden hatten. Ohne Tageslicht und nur durch die Außenwand von den chinesischen Soldaten getrennt, die das Gelände umstellt hatten, setzen sie über ein Jahr lang kaum einen Fuß vor die Tür. Lebensmittel und Bücher wurden nachts in ihr Versteck geschmuggelt, damit das chinesische Botschaftspersonal keinen Verdacht schöpfte.

Ganz unbegründet waren die Vorsichtsmaßnahmen nicht: „Die CIA erfuhr, dass China darüber nachdachte, Fang mit einem Sondereinsatzkommando aus der Botschaft zu entführen“, schreibt James Lilley. Das Außenministerium bestellte daraufhin Chinas US-Botschafter ein, um mit Klartext zu reden. Weil der Dissident den diplomatischen Bemühungen im Weg stand, nach Tiananmen die Scherben des US-Chinesischen Verhältnisses zu kitten, suchten beide Seiten nach einen gesichtswahrenden Weg, Fang außer Landes zu schaffen. „Die Chinesen brauchten einen Vorwand, ihn ziehen zu lassen“, erinnert sich Lilley. In den Verhandlungen dramatisierte er Fangs Gesundheitszustand und bestand darauf, eine Behandlung im Ausland sei zwingend nötig.

So konnten Fang und Li am 25. Juni 1990 nach Großbritannien ausfliegen. Die Flucht von Chen Guangcheng hat „Chinas Andrej Sacharow“ nicht mehr erlebt: Nach zwei Jahrzehnten im Exil starb Fang Lizhi Anfang April mit 76 Jahren im US-Bundesstaat Arizona.


Why China Will Never Rule the World

Es heißt ja gelegentlich, Chinas Aufstieg zur Weltmacht sei unaufhaltsam, und der Westen tue gut daran, seine Konzepte mal kräftig zu überdenken und sich in der einen oder andere Hinsicht an China zu orientieren. Aber was ist es eigentlich, das der Rest der Welt angeblich von diesem Land lernen kann?

Nachdem er zehn Jahre in Taiwan gelebt hatte, war der Kanadier Troy Parfitt so neugierig auf die Antwort, dass er selbst nach China gefahren ist, um sie zu suchen. Seine zwei Reisen kreuz und quer durch die Volksrepublik sowie ein anschließender Trip durch Taiwan lieferten den Stoff für sein Buch „Why China Will Never Rule the World“ – auch für Taiwan-Interessierte eine lohnende, allerdings polarisierende Lektüre.

Man kann es vorwegnehmen: Parfitt hat in China wenig gefunden, was er aus westlicher Sicht für erstrebenswert hält. Immer wieder trifft er auf Menschen, deren Verhalten mit ignorant oder wahnwitzig noch freundlich beschrieben wäre. Das Lesen seines Reiseberichts hat etwas von einer Freak-Show, und begegnet er zwischendurch einmal freundlichen, aufgeschlossenen Chinesen, verdienen sie es, eigens herausgestellt zu werden. Die Schuld für diesen Zustand sieht Parfitt nicht bei den Einzelnen, sondern im System, in dem sie aufwachsen.

This is what habitually gets glossed over in the China analysis: Chinese culture remains locked in a self-replicating state of chaos, myopia, inefficiency, intolerance, violence, and irrationality. It is, in a word, backward.

Parfitts Schreibe ist nicht akademisch, sondern unmittelbar, schonungslos und dabei durchaus unterhaltsam. Sicher wurden noch nicht viele Reiseberichte geschrieben, die auf über 400 Seiten so konsequent die schlechten Seiten eines Landes herausstellen. Es gibt aber gute Gründe, „Why China Will Never Rule the World“ nicht als simples China-Bashing aus der Feder eines voreingenommenen Westlers abzutun. So spricht Parfitt offenbar ordentliches Mandarin. Er versteht, was um ihn herum gesagt wird und versucht immer wieder, über Themen zu reden, die übers Touristenniveau herausgehen. Dabei fällt er durchaus mal mit der Tür ins Haus, wenn er sein Gegenüber in Widersprüche verwickeln will oder Tabu-Themen direkt anspricht.

Außerdem hatte er sich vor seinen Reisen ein beachtliches Wissen über chinesische Geschichte (und Gesellschaftsgeschichte) angelesen und teilt es mit dem Leser. Einer der größten Vorzüge des Buches besteht darin, dass es nebenbei auch durchaus packend die Grundzüge der chinesischen Geschichte umreißt. Parfitt sucht gezielt Schauplätze von historischen Ereignissen auf und integriert knackige Zusammenfassungen in seine Erzählung. So lernt man einiges z.B. über die Taiping-Rebellion, den Xi’An-Zwischenfall oder den Verlauf des Krieges gegen Japan.

Von stolzen Verweisen auf „5000 Jahre Geschichte“ hält er wenig:

Surely, a darker or more tragic history cannot exist. Chinese history is thousands of years of tyranny, treachery, brutality, conflict, warfare, upheaval, and chaos. It makes Russian history, also extremely bleak, appear rather cheery by comparison.

Wenn es ihm auf den Reisen zu bunt wird, zieht Parfitt sich immer wieder zurück, indem er sich in ein Buch vertieft. Mehrfach erwähnt er, wie man ihn dafür erstaunt oder misstrauisch beäugt. Unter seiner Reiselektüre sind auch die „Gespräche des Konfuzius“. Dessen Lehren hat Parfitt besonders auf dem Kieker: Sie zementiere die Autoritätshörigkeit, verhindere eigenständiges Denken und sei alles andere als attraktiv in einer aufgeklärten (westlichen) Welt.

Einer seiner Kronzeugen ist Bo Yang (1920-2008), dessen „The Ugly Chinaman and the Crisis of Chinese Culture“ Parfitt ausgiebig zitiert:

„Narrow-mindedness and intolerance,“ he writes, „result in an unbalanced personality constantly wavering between two extremes: chronic inferiority on the one hand, and overbearing arrogance on the other. A Chinese with an inferiority complex is a slave; a Chinese with a superiority complex is a tyrant. In the inferiority mode, they feel like a heap of dog-shit, so the closer they get to influential people, the wider their smiles. In the arrogant mode, everyone else is a heap of dog shit.“

Nachdem er entnervt von seiner zweiten China-Reise zurückgekehrt ist, entschließt Parfitt sich, statt einem weiteren Trip, der ihn nach Tibet geführt hätte, seine langjährige Heimat Taiwan noch einmal gründlich zu bereisen. Das macht ihm ganz offenbar mehr Spaß, doch auch sein Taiwan-Bild ist nicht ungetrübt:

Even with its oddness, Taiwan, Republic of China is considerably more normal than the People’s Republic of China, and its citizens are visibly happier; living in a free and open society seems to have that effect on people … Without question, Taiwan is more advanced than China in almost every regard, yet in terms of cultural influence vis-à-vis the West and the rest of the world, it is on the road to nowhere.

Aus seiner Erfahrung als Lehrer in Taiwan schildert Parfitt etwa, wie Schulleiter Kinder nachsichtig behandeln, weil sie ihre Missetaten rundweg abstreiten, statt sie einzuräumen. Er berichtet von Schülern, die von ihren übervorsichtigen Eltern zur Unselbständigkeit erzogen werden. Er marschiert direkt ins Atommüll-Lager auf der Orchideeninsel. Er verzweifelt ob eines nicht enden wollenden Stromes an Nachrichten aus der Rubrik „Zu absurd, um wahr zu sein“. Und am Ende hat er einfach keine Lust mehr:

There was no question that my experience had made me more tolerant, but I would never become a cultural convert. As someone who has always harboured a deep-seated suspicion towards authority, Chinese society’s paternalism pertubed me. So did its Philistine nature, its perennial miserliness, its myopia, its near total ignorance of the outside world, its quashing of creativity, its ruination of critical thinking, and its disregard for individualism. To counter Mao’s Cultural Revolution, the Chiang regime launched a crusade called the Cultural Renaissance. In addition to glorifying Sun Yat-Sen’s Three Principles of the People, it belittled Western liberalism ad its overarching emphasis on the individual. Definitely, things had gotten a lot better since the Chiang days, but if you asked me, they were by no means good.

Heute lebt Troy Parfitt wieder in Kanada. Man kann mehr über ihn und sein Buch auf seiner Homepage erfahren. Und es gibt Interviews:

Würde ich mir dieses Buch kaufen, hätte ich es nicht als Rezensionsexemplar erhalten? Wahrscheinlich schon. In seiner Unverblümtheit und Subjektivität hebt es sich wohltuend ab von handelsüblichen Reiseberichten und Geschichtsbüchern, und von wirtschaftszentristischer China-Rosafärberei sowieso.

Ich denke, Parfitt geht es nicht ums Provozieren. Er schildert die Dinge rücksichtslos so, wie er sie sieht, weil es ihm ein Bedürfnis ist. Man muss seine Sichtweise bestimmt nicht teilen. Aber sie liefert viele interessante Denk- und Diskussionsansätze.

„Why China Will Never Rule the World: Travels in the Two Chinas“ kann man in Deutschland direkt bei Amazon bestellen, auch als eBook für den Kindle.


Was stimmt nicht mit dieser Zeitung?

Mal ist der Titel blau, mal grün – das ist kein Druckfehler, sondern der Versuch, es jedem recht zu machen. Eine Gratiszeitung in Taiwan hatte während des Wahlkampfes jeden Tag eine Pro-KMT und eine Pro-DPP-Ausgabe erstellt. Clever oder schizophren?

Mehr darüber habe ich drüben im Blog von Weltreporter.net geschrieben.

Themenwechsel. Wie klingt es, wenn ein chinesischer Diplomat sich so in patriotische Rage redet, dass vor dem geistigen Auge der Speichel trieft und die Adern schwellen? Hört Euch mal dieses Interview an, das die BBC 2006 mit Sha Zukang führte, dem damaligen UN-Botschafter Chinas in Genf. Der hat auch was zu Taiwan zu sagen.

Wenn es nicht so gruselig wäre, würde ich darauf tippen, dass hier ein Titanic-Redakteur der BCC einen Streich gespielt hat. Und da fragen sich ernsthaft noch Leute, warum die Taiwaner überhaupt nicht scharf darauf sind, unter den Mantel so eines Landes zu schlüpfen?


Mandarin lernen in Taiwan

Mein Bericht auf Spiegel Online

Vor drei Jahren habe ich damit begonnen, in Taiwan Chinesischkurse zu besuchen. Und ich habe viele Studenten kennen gelernt, die zuvor schon in China Erfahrungen gemacht hatten und das Studium in beiden Ländern vergleichen können.

Daraus ist nun dieser Bericht für Spiegel Online entstanden: Entspannt auf der Schatzinsel – Chinesisch lernen in Taiwan.

Hoffentlich weckt der Text bei einigen Lesern Interesse an Taiwan. In den Kommentaren geht es jedenfalls schon mal munter zur Sache.

Über das Thema Chinesisch lernen in Taiwan hatte ich hier im Blog schon ausführlicher geschrieben.


Morgen Abend wird fein gespeist in einer Wannsee-Villa, man wird sich beraten, Abkommen unterzeichnen und gegenseitig seiner Wichtigkeit versichern. So geht es zu, wenn Chinas Premierminister Wen Jiabao mit 13 Ministern zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen nach Berlin kommt. China ist eine Diktatur, aber für Deutschland ein zu wichtiger Handelspartner, um nicht den roten Teppich auszurollen.

Taiwan dagegen ist eine Demokratie, ein wichtiger Handelspartner, aber nicht wichtig genug, um das „gute Verhältnis“ mit China zu trüben. So kommt es, dass die Bundesregierung Taiwans Demokratie mit Missachtung straft, während sie ansonsten gern weltweit für Demokratie und Selbstbestimmung eintritt, vom Kosovo bis zum Südsudan. (mehr …)


It seems quite natural that someone who has been head of the DPP twice is now competing for its Presidential nomination. However, the closer one looks at the case of Hsu Hsin-liang (許信良), the more unsusual it appears to be.

For example, a Chinese dissident has mentioned Hsu’s name in connection with alleged plans for a Beijing-funded political organization, to be established as a puppet party in Taiwan after the 2012 Presidential elections (see below).

He has also been called a „DPP turncoat“ whose „position in the election primary is exactly the same as the KMT’s.“

(mehr …)