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Per Mail erreichte mich kürzlich dieser Hilferuf aus Deutschland:

Im Angesicht dessen, dass vermutlich bald ein chinesischer Großaktionär bei uns einsteigt, ist unter den Kollegen das Interesse an der (Kommunikations-) Kultur und Sprache gestiegen.

Könntest Du mir ein paar Eigenarten nennen, die beim Kontakt mit Chinesen für uns Europäer
als unkonventionell gelten und vielleicht auch etwas über den Aufbau der Sprache sagen?

Nun lebe ich zwar in Taiwan und nicht in China, aber natürlich gibt es zwischen beiden Ländern eine Menge kulturelle Gemeinsamkeiten – genauso wie große Unterschiede. Was ich also einigermaßen spontan (und hoffentlich nicht zu konfus) als Antwort zusammengeschrieben habe, bezieht sich auf China, wird aber z.T. gespeist durch meine Erfahrungen in Taiwan.

Generalisierungen bringen es immer mit sich, dass man vielen nicht gerecht wird. Ich bitte um Nachsicht, falls meine Stichpunkte zu holzschnittartig ausgefallen sind. Es gibt sind natürlich schon viele Bücher zu genau diesen Themen geschrieben worden, über kulturelle Differenzen zwischen China und dem Westen im Allgemeinen, und auch im Hinblick auf Business.

Ganz unbedingt empfehlen kann ich „Ost trifft West“, denn dieses Buch erklärt wichtige Punkte ganz ohne Worte, nur mit brillanten Piktogrammen. Das ist nicht nur aufschlussreich, sondern auch unterhaltsam, und wird sicher auch allen Kollegen gefallen.

Zur Vorbereitung auf Taiwan habe ich damals u.a. den „China-Knigge“ gelesen, der auch viele lohnenswerte Kapitel enthält.

In der Kommunikation zwischen Deutschen und Chinesen kommt es häufig zu Missverständnissen, wenn Deutsche Probleme direkt ansprechen und Kritik offen aussprechen. (mehr …)


Wo Demokratie auf Chinesisch funktioniert

Die „Republik China“ auf Taiwan ist Peking ein Dorn im Auge – US-Waffenlieferungen Thema beim Gipfeltreffen in Washington

Taiwans größte Touristenattraktion sorgt dieses Jahr für Verwirrung. Seit dem spektakulären Silvesterfeuerwerk prangt in 20 Meter hohen Leuchtbuchstaben „100 ROC“ an der Fassade des bambusförmigen Taipei 101, bis vor kurzem der höchste Wolkenkratzer der Welt. „100 Jahre Republic of China“ – welche Bedeutung dieses Jubiläum hat, ist den meisten Besuchern nicht bekannt.

Gerade mal so groß wie Baden-Württemberg, ist Taiwan seit über 60 Jahren potentieller Krisenherd und Mittelpunkt eines vertrackten Beziehungsdreiecks. Beteiligt ist neben der Volksrepublik China und den USA die Republik China – ein Staat, der für die internationale Diplomatie eigentlich gar nicht mehr existiert, (mehr …)


Interessante Veranstaltung am Wochenende:

Unter der Überschrift „Von Erzfeinden zu Blutsbrüdern“  (Chin: „世仇怎麼變密友“, Eng: „Who offers the first olive twig?“) findet am 30.10.2010 im Taipei-Salon eine Diskussion über die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen und die Entwicklung dieser beiden historischen Erzfeinde zu außergewöhnlich gut befreundeten Partnern in der EU statt.

Vortragen werden dazu die Generaldirektorin des Deutschen Instituts, Birgitt Ory, und der Leiter des Französischen Instituts in Taipei, Patrick Bonneville. Die Veranstaltung wird moderiert durch Frau Prof. Lung Yingtai.

30.10. (Samstag), 14:00-16:00 Uhr in der Yue-han Hall, Taipeh, Jinhua-Street, 110 (月涵堂會議廳,台北市金華街110號). Tel.: 02-33224907

Die gesamte Veranstaltung wird auf Englisch, ohne Verdolmetschung, durchgeführt.
Registrierung auf der Webseite der Lung-Yingtai-Stiftung ist empfohlen.

Interessant, dass ausgerechnet die Lung-Yingtai-Stiftung diese Diskussion durchführt. Frau Lung („Drache“) 龍應台 ist eine der bekanntesten Intellektuellen Taiwans und Professorin an einer Uni in Hong Kong. Sie stammt aus einer Festland-Familie und war unter Bürgermeister Ma Ying-jeou (dem jetzigen Präsidenten) Kultur-Stadträtin von Taipeh. Sie spricht sich für Demokratie und Eigenständigkeit Taiwans (bzw. der Republik China) aus. Allerdings sieht sie Taiwan dabei, so weit ich das verstehe, immer als Teil eines „chinesischen Kulturraums“, wie die derzeitige Regierung ja auch.

Ein Beispiel: Lungs vor einem Jahr international hoch gelobtes Buch „Großer Fluss, großes Meer“ über den chinesischen Bürgerkrieg hat mit Taiwan direkt nur wenig zu tun, schildet es doch die Kämpfe zwischen Kommunisten und KMT auf dem Festland. Dennoch wurde Lung im Ausland als repräsentative Stimme Taiwans verstanden, und es entstand der Eindruck, als seien die von ihr geschilderten Ereignisse eine taiwanische Kollektiv-Erfahrung oder irgendwie konstituierend für Taiwans Selbstverständnis. (6 Millionen Menschen lebten bereits auf Taiwan und hatten mit dem Bürgerkrieg nichts am Hut, als 1949 die KMT mit nur 1,5-2 Millionen übersetzte.)

Das deutsch-französische Modell der Aussöhnung auf Taiwan und China zu übertragen, wie es die Wahl ausgerechnet dieses Themas für eine Diskussion in Taipeh naheliegt, würde natürlich voraussetzen, dass beide Seiten komplett getrennte Antagonisten mit völlig unterschiedlichen Hintergründen sind. Das sieht aber niemand in Taiwans derzeitiger Regierung so.

(PS: Wann erscheint das Buch eigentlich in deutscher Übersetzung? Oder in englischer?)

 


Hochinteressante Diskussionen im Forum von Spiegel Online anlässlich der US-Waffenlieferungen an Taiwan.

Da kommen sie alle zu Wort, die Faktenverdreher, Anti-Amerikanisten, China-Trolle und Nazi-Vergleicher. Und auch eine ganze Reihe vernünftiger, sachkundiger Stimmen. Falls einer von denen zufällig hier mitlesen sollte, bitte meldet Euch mal. (G.W., Dich kenne ich natürlich schon.)


Ich bin wirklich kein Militarist. Den Kriegsdienst habe ich verweigert, gegen den Irak-Krieg demonstriert, und beim Gerede von „Friedensmissionen“ oder „Stabilisierungseinsätzen“ bekomme ich Wut.

Seit ich in Taiwan lebe, ist mein Wertesystem nun ein wenig durcheinander geraten. Denn angesichts der ungebremsten Aufrüstung der Volksrepublik China, die keinen Hehl daraus macht, im Fall der Fälle Taiwan anzugreifen (und das hieße zunächst einmal: mit einem Raketenhagel zu überziehen), begrüße ich alles, was diesen Schritt unwahrscheinlicher macht. Neben einem möglichst starken Militär Taiwans mit vielen, vielen Abwehrraketen ist das vor allem die Präsenz der US-Armee in der Region.

Der Taiwan Relations Act ist seit mehr als 30 Jahren der seidene Faden, in dem die Freiheit Taiwans baumelt. Ohne dieses Gesetz, das die USA verpflichtet, Taiwans Entwicklung als wichtige Angelegenheit zu betrachten und Verteidigungswaffen zu liefern, wäre es unter Garantie bereits vor langer Zeit zum Anschluss ans Festland gekommen.

Soldaten der taiwanischen Armee.

Ob die USA auch militärisch zugunsten Taiwan eingreifen würden (d.h. einen Krieg mit China riskieren), darüber steht nichts im TRA, und das lässt die US-Regierung auch stets ungeklärt (wie überhaupt den Status Taiwans, an dessen verfahrener Situation die USA die Hauptschuld tragen).

Womöglich könnte die Entscheidung aber schneller akut werden, als uns alles das lieb ist. Wer sich mal gepflegt gruseln möchte, dem empfehle ich die Lektüre des Berichts „Defense Planning for the Long Haul“ des US-Thinktanks CSBA. Als PDF gibt es eine Pressemitteilung und den kompletten Bericht. Die Taipei Times hat darüber berichtet.

Die Autoren gehen von einer hypothetischen Situation aus: Im Jahr 2019 kommt es in China aufgrund eines verlangsamten Wachstums und der alternden Gesellschaft zu sozialen Spannungen (zu viele junge Männer ohne Perspektive, unzureichendes Rentensystem) und massiven Unruhen. Anstatt gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen (vgl. Tiananmen), setzt die Regierung auf die Nationalismus-Karte. Da die Volksbefreiungsarmee nach 20 Jahren Aufrüstung in der Luft und zu See stark genug ist, blockiert China Taiwan und fordert die Regierung in Taipeh auf, einen Status als Sonderverwaltungszone à la Hongkong zu akzeptieren. Die Frage ist nun: Sind die USA auf diese Situation vorbereitet, und wie werden sie reagieren?

Exerzieren vor der CKS-Halle in Taipeh.

Da die PDF-Datei offenbar gegen Copy & Paste geschützt ist (wusste gar nicht, dass das geht), kann ich hier nicht die spannendsten Passagen zitieren. Ich empfehle daher nachdrücklich die Lektüre der Seiten 41-46 und 60-63. (Im Rest geht es um Szenarios in Nigeria und Iran.)

Das liest sich leider alles sehr plausibel. Es soll niemand behaupten, er sei nicht gewarnt worden.

Taiwans eigene Armee wird gar nicht erwähnt. Die war der VR zwar jahrzehntelang überlegen, aber die Zeiten sind dank Chinas Aufrüstung vorbei. Das wird sich bis zum Jahr 2019 auch bestimmt nicht mehr ändern.


Google hat bekannt gegeben, Suchergebnisse in China künftig nicht mehr zu zensieren – selbst, wenn das bedeuten würde, sich aus China zurückziehen zu müssen. Wenn das ernst gemeint ist, ist es ein Kracher. Damit zersplittert die wohlmeinende Fassade, die Chinas Regierung ihrer „Great Firewall“ zu geben versucht, mit einem Schlag. Und andere Unternehmen könnten ermutigt werden (und den Druck spüren), ebenfalls Konsequenz zu zeigen.

Grund für die Entscheidung war nach Angaben von Google eine großangelegte Hacker-Attacke, die vermutlich dem Zweck diente, auf Gmail-Konten von chinesischen Menschenrechts-Aktivisten zuzugreifen.

Außerdem habe man entdeckt, dass regelmäßig auf Gmail-Konten von Nutzern in Europa, China und den USA zugegriffen worden sei, die für Menschenrechte in China eintreten. Diese Zugriffe seien vermutlich via Spyware, Passwort-Phishing o.ä. erfolgt.

These attacks and the surveillance they have uncovered–combined with the attempts over the past year to further limit free speech on the web–have led us to conclude that we should review the feasibility of our business operations in China. We have decided we are no longer willing to continue censoring our results on Google.cn, and so over the next few weeks we will be discussing with the Chinese government the basis on which we could operate an unfiltered search engine within the law, if at all. We recognize that this may well mean having to shut down Google.cn, and potentially our offices in China.

Freiheit in Taiwan: Fortschritt oder Rückschritt?

Nach Taiwan. Die Organisation Freedom House veröffentlich jährlich eine Rangliste „Freedom in the World“. Deren Ergebnisse nehmen Taiwans Regierungen seit Jahren zum Anlass, den Fortschritt der Demokratisierung in Taiwan herauszustellen.

Im neuesten Ranking schneidet Taiwan nun sowohl besser als auch schlechter ab als im Vorjahr:

In Taiwan, increased government efforts to enforce anticorruption laws were marred by flaws in the protection of criminal defendants’ rights, and new legislation restricted the political expression of academics.

Taiwan’s political rights rating improved from 2 to 1 due to enforcement of anticorruption laws that led to the prosecution of former high-ranking officials, the annulment of several legislators’ elections owing to vote-buying, and the investigation of over 200 candidates for alleged vote-buying in local elections.

Taiwan’s civil liberties rating declined from 1 to 2 due to flaws in the protection of criminal defendants’ rights that were exposed during anticorruption prosecutions and a high-profile murder case, as well as a law that infringes on academic freedom by barring staff and scholars at public educational facilities from participating in certain political activities.

Ich werde die Zitate in Kürze noch mit Links zu den dahinter steckenden Ereignissen ergänzen.

In diesem Zusammenhang noch einmal der Hinweis auf die neueste Pressefreiheits-Rangliste von Reporter ohne Grenzen, in der Taiwan von Rang 36 auf 59 zurückgefallen ist.

Und auf dieses NDR-Video zum Thema „Freiheit in Taiwan“, das hier schon mal Thema war: