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Su Beng, Taiwans ewiger Revolutionär

Als Journalist hat man immer wieder mal ganz besondere Begegnungen, über die man noch lange nachdenkt. Neulich war es für mich mal wieder so weit. Ich habe eine lebende Legende getroffen.

Su Beng

Su Beng ist 97 Jahre alt und für Taiwans Unabhängigkeitsbewegung ein Säulenheiliger. Trotz seines Alters ist er noch sehr aktiv. Su gilt als ewiger Revolutionär, manche nennen ihn sogar (mehr …)


Schon mal was von Spark gehört?

Eine junge klassische Band aus Deutschland gibt vier Konzerte in vier taiwanischen Städten, und hier werden Freikarten vergeben! Erfahren Sie mehr über Spark und ihre Taiwan-Auftritte vom 30.9. bis zum 5.10.2014.

Spark Cover Title

Den Pferdewagen werden sie wohl in Deutschland lassen. Geige, Cello und zwei Blockflöten passen ins Flugzeug. Und Klaviere gibt’s auch in Taiwan. Mit dieser ungewöhnlichen Kombination von Instrumenten (mehr …)


Let’s talk about Taiwan on YouTube

If you are interested in Taiwan and spent any time on YouTube recently, you probably noticed some very popular videos in which foreigners share their opinions about Taiwan, for example „Taiwanese Girls Are Not Easy“ or „Taiwan’s Unreasonable Working Conditions“.

These videos are not only massively successful, they also offer perspectives on a lot of interesting questions. So who is the person behind this new voice in Taiwan’s social media sphere? I decided to find out and ask him why he is doing it.

Although this guy is the face of many of Stop Kiddin‘ Studio’s most viewed videos, he is not the director.

American Taiwan Youtube Guy

Responsible for the videos is 30-year-old Johnny Chiang, a Taipei native who recently (mehr …)


Exotischer als asiatisches Essen: Grünkohl in Taipeh

Niedersachsen verfolgt mich nach Taiwan! In meiner norddeutschen Heimat ist es jeden Winter gute Tradition, sich mindestens einmal mit Grünkohl zu mästen. Kassler, Kohlwurst, Pinkel (wer jetzt stutzt, ist kein Nordlicht), Kartoffeln und scharfer Senf gehören natürlich dazu. Und was zu trinken.

Wer es wie ich diesen Winter nicht nach Deutschland schafft, oder wer seinen taiwanischen Bekannten ein spezielles Stück deutscher Kultur nahebringen will, den dürfte interessieren:

Am 21. Februar findet in Taipeh wieder das große Grünkohlessen statt. Und zwar schon zum 14. Mal. Was hat es damit auf sich? Wie viele Leute kommen? Und warum kostet es 2000 Taiwandollar? Ich habe einen der Organisatoren befragt.

Grünkohl

Bislang habe ich so ein Grünkohl-Fest in Taipeh noch nie besucht, aber die Ankündigungen (mehr …)


Deutscher Rechtsanwalt in Taipeh warnt vor Fallstricken

„Es kann jedem Ausländer in Taiwan jederzeit passieren, dass er absolut ungerechtfertigt gekündigt wird.“

Wer als Ausländer in Taiwan lebt, hofft natürlich, von juristischen Problemen verschont zu bleiben. Nicht immer ist das möglich. Was tun, wenn etwa der Chef plötzlich den Arbeitsvertrag kündigt? Welche Rechte habe ich, was steht mir laut Gesetz zu?

In Taiwan gibt es eine Handvoll deutsche Rechtsanwälte. Einer von Ihnen, Walter Appel (Kanzlei Appel & Partners), hielt kürzlich im Deutschen Institut Taipei einen Vortrag rund um die Themen Arbeitsrecht und Mietrecht in Taiwan.

Was müssen Ausländer bei der Arbeit in Taiwan beachten?

Im Anschluss an der Vortrag konnte Appel vor meiner Kamera noch einmal einige der wichtigsten Fragen beantworten (Video). Zum Beispiel: Was sollten Ausländer bedenken, die in Taiwan einen Arbeitsvertrag unterschreiben? Wie langfristig können sie planen?

Rechtsanwalt Appel Taipeh

Recht haben und Recht bekommen, das ist bekanntlich nicht das selbe. Der Grund, dass so viele Taiwaner sich einen ungerechtfertigten Rausschmiss gefallen lassen, statt vor Gericht zu ziehen: Selbst, wer vor Gericht gewinnt, erhält seine Anwaltskosten nicht erstattet. Da überlegen die meisten es sich dreimal, ob sie es auf einen Rechtsstreit mit ihrer Firma ankommen lassen.

Zivilrecht Taiwan Anwaltsgebühren

Die Regelungen für Kündigungen usw. stehen in Taiwan im Labor Standards Act. Der ist auch in einer englischen Version online.

Die Gründe für eine ordentliche Kündigung:

Arbeitsrecht Taiwan ordentliche Kündigung

Die Kündigungsfrist in Taiwan beträgt mindestens 10 Tage und maximal 30 Tage, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit:

Arbeitsrecht Taiwan Kündigungsfristen

Gibt es in Taiwan Abfindungen nach Kündigung?

Pro Jahr Betriebszugehörigkeit erhält der gekündigte Arbeitnehmer ein Monatsgehalt als Abfindung.

Arbeitsrecht Taiwan Abfindung

Rechtsanwalt Appel Taipei

Warum ist Taiwans Recht dem deutschen oft so ähnlich?

Viele dieser gesetzlichen Regelungen sind dem deutschen Arbeitsrecht sehr ähnlich. Appel erklärte das so: Die Japaner (Taiwans Kolonialherren 1895-1945) und auch die nationalchinesische Regierung (seit den 1920er/30er Jahren) haben große Teile des damals geltenden deutschen Rechts schlicht übernommen. Das betrifft vor allem das im BGB geregelte Zivilrecht.

Link: Der deutsche Einfluss auf das taiwanesische Recht

Dies ist auch der Grund, warum es für Taiwans Juristen lange geradezu Pflicht war, in Deutschland zu studieren und die deutsche Sprache zu beherrschen.

Recht Taiwan deutsche Ursprünge BGB

Die vielen Reformen, die das deutsche Recht seit 1949 erlebt hat, finden sich in Taiwans Gesetzen natürlich nicht wieder. Einige Regelungen erscheinen daher heute aus deutscher Sicht ein wenig überholt.

Wie viele Urlaubstage haben Angestellte in Taiwan?

Die Urlaubsregelungen sehen auf den ersten Blick den deutschen sehr ähnlich, aber die Zahlen sind ganz andere: Im ersten Arbeitsjahr in einem Unternehmen gibt es gar keinen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Während der nächsten zwei Jahre im Betrieb haben Taiwans Arbeitnehmer dann nur Anspruch auf sieben Urlaubstage.

Arbeitsrecht Taiwan Urlaubsanspruch

Welche Rechte haben Mieter in Taiwan?

Auch im Mietrecht gilt: Was auf dem Papier steht, stimmt mit der Realität, wie man sie in Taiwan erlebt, nicht immer überein. Beispiel: Der Umgang der Vermieter mit der Mietkaution.

Mietrecht Taiwan Mietkaution Kaution

Und auch den Grundsatz „Verkauf bricht Miete nicht“ haben viele Mieter in der Realität schon anders erlebt. Wenn der (oft ältere) Vermieter es den Bewohnern wortreich und voller Bedauern nahelegt, die Wohnung zu räumen, widersprechen in Taiwan wohl die wenigsten.

Mietrecht Taiwan Reparatur

Was für Erfahrungen haben Sie mit dem Rechtssystem in Taiwan gemacht – als Arbeitnehmer, Mieter, oder im Allgemeinen?


Aussöhnung statt Empörung

Streit unter Nachbarn ufert gerne aus. Taiwan und die Philippinen liegen derzeit im diplomatischen Clinch. Es geht um einen Toten, um diplomatische Gesichtswahrung und das gesunde Volksempfinden. Filipinos, die in Taiwan arbeiten, stehen zwischen den Fronten.

Pinoy event Taipei

Die Sonne knallte so stark, dass die Menschen im Park sich in den Schatten der Bäume zurückzogen. Es gab gratis Mittagessen, auf der Bühne sprachen Redner von Freundlichkeit und Völkerverständigung. Angenehme Stimmung herrschte letzten Sonntag auf diesem Straßenfest in Taipeh. Taiwaner hatten eingeladen, Filipinos waren gekommen. Für die ist Sonntag oft der einzige freie Tag.

Mein Video der Veranstaltung, inkl. Interview mit einem der Organisatoren:

Der Hintergrund dieser Veranstaltung war leider nicht schön: Ein Mensch ist tot, die Regierungen Taiwans und der Philippinen streiten sich, und die fast 80.000 Filipinos, die in Taiwan arbeiten, könnten es ausbaden. Daher die Aufrufe: Seid nett zueinander!

Tod auf hoher See

Mit Schüssen auf hoher See begannen die Probleme vor knapp drei Wochen. Die philippinische Küstenwache traf auf ein taiwanisches Fischerboot. Der Ort: Gewässer, in denen beide Seiten Fischereirechte geltend machen. Was genau passierte, ist unklar. Jedenfalls eröffnete die Küstenwache das Feuer und durchsiebte das kleine Boot mit etwa 50 Kugeln, bevor sie abdrehte. Ein 65-Jähriger Fischer wurde getötet.

Was ist passiert? Taiwans offizielle Version im Video des Außenministeriums:

So nah und doch so fern? Taiwan und die Philippinen

Taiwan hat ein nicht ganz einfaches Verhältnis zu seinem Nachbarn im Süden. Die Philippinen mit ihren über 7000 Inseln und 92 Millionen Einwohnern (mehr als Deutschland) liegen Taiwan näher als alle anderen Länder, abgesehen von China. Wirtschaftlich aber spielen sie zwei Klassen tiefer. Zahllose Filipinos müssen in die Welt hinausziehen, um Geld für ihre Familien zu verdienen – oft als Seeleute.

In Taiwan erledigen sie Arbeiten, für die Einheimische nicht mehr zu gewinnen sind: Die Männer arbeiten am Fließband oder als Bauarbeiter, die Frauen als Dienstmädchen und Altenpflegerinnen. Für viele Taiwaner ist „Filipino“ gleichbedeutend mit „Gastarbeiter“, und einige werden regelrecht ausgebeutet.

Lesetipp (engl.): Taiwans „Ausländer zweiter Klasse“

Auf einige Inselgruppen im Südchinesischen Meer erheben beide Seiten ebenso Anspruch wie andere Länder der Region – ein ungelöstes Problem, das aber normalerweise nicht in Gewalt umschlägt. Fischgründe sind ein weiterer Konfliktherd. Weil die küstennahen Gewässer bald leergefischt sind, fahren die Boote immer weiter hinaus, und Zusammenstöße sind die Folge.

Screenshot von der englischen Website des ROC-Außenministeriums:

MOFA Cold Blooded Murder

Die Empörungsspirale dreht sich

Nach dem Tod des Fischers entflammte in Taiwan der Volkszorn, angeheizt durch Medien und Politiker, die sich parteiübergreifend durch betont nationalistisches Auftreten profilierten. Mindestens ein DPP-Abgeordneter war sich nicht zu blöd dazu, vor laufenden Kameras die Flagge seines Nachbarlandes zu verbrennen.

Die Reaktion der Philippinen konnte die Wogen nicht glätten – im Gegenteil. Taiwan redet von „kaltblütigem Mord“, verlangt ein offizielles Schuldeingeständnis, eine Entschuldigung der Regierung in Manila und Entschädigung für die Familie des Getöteten.

Englische Website des Außenministeriums zu dem Vorfall

Die Philippinen sprachen zunächst nur von einem unbeabsichtigten Zwischenfall und ließen einen Gesandten des Präsidenten dessen persönliche Entschuldigung ausrichten. Weil das den Taiwanern nicht gut genug war, setzten sie Sanktionen in Kraft: Anwerbestopp für Filipinos, Einfrieren der gegenseitigen Zusammenarbeit, Zurückholen der offiziellen Gesandten. Sogar Sportmannschaften, die in Taiwan antreten sollten, wurden ausgeladen.

Manila, Taipeh und der China-Faktor

Der Unmut von Taiwans Regierung lässt sich wohl zum Teil auch damit erklären, dass die Philippinen es mit ihrer „Ein-China-Politik“ begründen, warum eine offizielle Entschuldigung von einer Regierung zur anderen nicht möglich sei. Mit der selben Begründung hatte Manila Taipeh vor gut zwei Jahren brüskiert: 14 in den Philippinen festgenommene Taiwaner, die einer Straftat verdächtigt wurden, sind damals an die Volksrepublik statt nach Taiwan ausgeliefert worden.

Bald gab es Berichte, dass einige Taiwaner ihre Empörung an Filipinos auslassen, mit bösen Worten und sogar durch Übergriffe. Einige stellten sich als frei erfunden heraus, andere nicht.

Erst nach mehreren Tagen riefen Politiker dazu auf, Filipinos in Taiwan anständig zu behandeln. Zum Glück gibt es eine rege Zivilgesellschaft, die mit Aktionen wie dem Straßenfest deutlich macht: Von einigen Idioten auf beiden Seiten lassen wir uns nicht aufeinander hetzen.

Meine Fotos von der Veranstaltung

Schweigeminute Filipinos Taipei

Nach einigen Wochen Krisenstimmung können die Regierungen nun wieder vernünftig miteinander reden. Beide Seiten haben Teams von Ermittlern zur Gegenseite geschickt, die zunächst herausfinden sollen, was eigentlich genau passiert ist.

Es sieht so aus, als ob die Vernunft sich am Ende doch noch durchsetzt.