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Auszeichnung für deutschen Kryptographie-Experten

Der Darmstädter Informatiker Prof. Johannes Buchmann ist in Taiwan geehrt worden. Mehr dazu unten.

Kasino-Komplex auf Matsu nicht vor 2017

Zunächst aber ein kurzes Update zu den Plänen, auf der von Taiwan verwalteten Inselgruppe Matsu ein riesiges Spielkasino zu errichten: Vor Mitte 2017 werden die Roulettekugeln nicht rollen, denn das nötige Gesetz soll frühestens Mitte 2013 verabschiedet werden. Und danach dauert alles noch einige Zeit.

Was für ein Komplex dort entstehen könnte, zeigt Apple Daily mit einigen Grafiken und einem Videobericht.

Matsu Casino Plans

Taiwan-News aus München

Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung (s.u.) beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit folgenden Themen:

  • EU-Parlamentarier lobt Mas Friedensinitiative
  • Jahresendzulage sorgt für Wirbel
  • Europäische Handelskammer berät Taiwan
  • Deutscher Wissenschaftler ausgezeichnet

Johannes Buchmann, ein deutscher Experte der Kryptographie und Computeralgebra-Forschung ist mit dem Tsungming Tu Research Award ausgezeichnet worden, der höchsten akademischen Ehrung, die ausländischen Wissenschaftlern durch die Regierung der Republik China verliehen werden kann. (…) Johannes Buchmann ist Professor am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt und Vizedirektor von CASED, dem Center for Advanced Security Research Darmstadt. Der Experte für Kryptographie und IT-Sicherheit beschäftigt sich unter anderem mit der Theorie und Praxis neuer Verschlüsselungs- und Signaturverfahren, die auch zukünftigen Bedrohungen z.B. durch Quantencomputer standhalten.

Johannes Buchmann in Taiwan

Prof. Johannes Buchmann bei einem Vortrag im Deutschen Institut Taipei, 16.11.2012.

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


Ein Spielcasino auf Matsu?

Gerade mache ich mir Gedanken, auf welche der Inseln, die zu Taiwan gehören ich als nächstes fahren sollte. Matsu, Kinmen, Xiaoliuqiu und Lüdao (Green Island) habe ich gesehen. Penghu und Lanyu (Orchid Island) stehen noch aus.

Eigentlich wäre Penghu an der Reihe. Aber ich glaube, ich werde noch einmal nach Matsu zurückkehren, wo ich letzten November ein paar Tage auf Nangan und Beigan verbracht habe. Denn (wie hier schon mal berichtet) Matsus Ruhe und Schönheit könnten bald Vergangenheit sein: Im Juli haben die Einwohner der Inselgruppe sich mehrheitlich dafür entschieden, dass Investoren ihnen ein riesiges Spielkasino in die unverbaute Natur k(l)otzen. Mit Hotels, Straßen, einem neuen Flughafen und allem, was sich aus Beton so machen lässt.

Sollte das Projekt nun tatsächlich realisiert werden, wären die Folgen verheerend.

There are few buildings on the island now. But its green hills could be dotted with high-rise hotels soon. Weidner expects 4.5m Chinese tourist-gamblers a year. Many could easily take the half-hour ferry ride over. An influx of Chinese gamblers could dramatically change Matsu’s calm atmosphere. But promises of convenience and prosperity have won over the local residents.

(Quelle: BBC)

Gemäß Taiwans Innenminister Lee Hung-yuan müssen vor dem Bau eines Casinos mehrere Probleme gelöst werden. Derzeit fehle es zum Beispiel an genügend Wasser; die momentane Wasserversorgung reiche für die derzeitige Bevölkerung und sei nicht für ein Casino-Resort konzipiert, so die China Times. Außerdem hätten weder die betroffene Lokalregierung, die Polizeibehörden noch sein Ministerium Erfahrungen mit Casinos.

(Quelle: Asienspiegel)

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Dann ist da noch die nicht ganz unberechtigte Furcht vor Kriminalität. In Spieler-Hochburgen wie Macau weiß man Bescheid:

„Wo Casinos sind, da ist immer auch Kriminalität“, erklärte ein Sprecher der Behörden der Agentur Bloomberg in einem Telefoninterview. (…) Den Festgenommenen wird u. A. Geldwäsche, Betrieb illegaler Etablissements, Mord, Mordversuch und weitere Verbrechen vorgeworfen, die häufig von den Triaden begangen werden.

Aus dem Album Weird and interesting places on Matsu

Vielleicht bleibt Matsu aber auch verschont. Das wäre aber nicht unbedingt ein Grund zum Feiern, denn das würde wahrscheinlich bedeuten: Einwohner anderer Inselgruppen, wo sich leichter Geld verdienen lässt, haben sich auch blenden lassen. Dann ziehen die Geier einfach weiter.

Other casino giants hope the Matsu initiative increases pro-gambling sentiment in the Taiwan Strait archipelago of Penghu or in Kinmen, a group of Taiwan-controlled islands just off the swanky mainland city of Xiamen. Kinmen and Penghu have better infrastructure than Matsu, including bigger airports, meaning less investment and easier returns for any casino operators. Penghu voters turned down a casino initiative in 2009, due to fears that criminals would be drawn to the new resorts. The archipelago’s voters can try for a new referendum as early as September this year. (…) One of the first to strike in Taiwan may be the lesser known British firm Claremont Partners. The firm was formed via a management buyout of AMZ Holdings, which had initially bought land in Penghu ahead of the failed 2009 referendum. The company’s management „remains optimistic“ that the next Penghu referendum will pass as it prepares for an IPO in August, a Taipei-based shareholder in the firm said.

(Quelle: Knowledge Wharton)

Vielleicht sollte ich also doch lieber mal schnell nach Penghu fahren? Oder die Hoffnung darauf, dass der gesunde Menschenverstand sich am Ende gegen die Gier durchsetzt, doch nicht aufgeben? Keine leichte Entscheidung.

Ergänzung: Etwa so soll die Anlage aussehen


Das Geld hat gesprochen, der Beton kann fließen. Eine Volksabstimmung auf der von Taiwan verwalteten Inselgruppe Matsu hat kürzlich ergeben: Demnächst könnten hier gigantische Spielcasinos und Hotelkomplexe entstehen. Nur etwa 40% Wahlbeteiligung mögen nicht gerade aussagekräftig sein, aber so ist nun mal das Ergebnis. Ganz gut zusammengefasst ist das Thema hier im Asienspiegel.

Aus dem Album Typical architecture on Matsu

Bevor die schöne Natur verschandelt wird, war ich zum Glück vor einiger Zeit noch rechtzeitig auf Matsu, genauer gesagt auf den Hauptinseln Nangan und Beigan. Einst verlief hier eine der heißesten Frontlinien im Kalten Krieg. Keine zwanzig Kilometer sind es von Matsu zur chinesischen Küste, aber verwaltet wird die Inselgruppe von Taiwan, das mehr als 150 Kilometer südöstlich liegt. Nur eine Stunde dauert der Flug von Taipeh.

Aus dem Album Taiwanese Soldiers on Matsu

Schon am Flughafen fällt mir auf, wie viele Soldaten hier unterwegs sind. Seit die nationalchinesischen Truppen bei ihrer Flucht vom Festland 1949 die Inseln als Brückenkopf gehalten hatten, ist das Militär auf Matsu allgegenwärtig. Die jungen Männer in Flecktarn sind zum größten Teil Wehrdienstleistende, die bestimmt lieber irgendwo auf Taiwan stationiert wären, wo es in der Freizeit mehr Unterhaltung gibt als nur eine Handvoll Internetcafés und Karaoke-Bars. Die 7/11-Minimärkte in den Dörfern sind ihre Treffpunkte.

Aus dem Album Taiwanese Soldiers on Matsu

Wenigstens müssen sie sich keine Sorgen über feindlichen Artilleriebeschuss machen. Derzeit versucht China, Taiwan mit wirtschaftlichen Mitteln für sich zu gewinnen, und die Kanonen schweigen. Doch das war nicht immer so. Bis in die neunziger Jahre kochte der Konflikt immer wieder hoch, und Matsu war bis an die Zähne bewaffnet. Das halbe Dutzend Inseln ist zusammen nicht mal so groß wie Borkum, aber überall finden sich Kasernen und Geschützstellungen.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Die Granitfelsen sind mit hunderten Tunneln und Bunkern durchzogen wie ein Schweizer Käse. Die Soldaten, die damals darin für den Ernstfall gedrillt wurden, mussten bis zu drei Jahre dienen, und Heimaturlaub gab es nur ganz selten.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Inzwischen hat das Militär viele Stellungen geräumt, und einige davon kann man besichtigen. Die „eiserne Festung“ etwa, ein ausgehöhltes, von Wellen umtostes Riff, in dem eine Elite-Einheit von Froschmännern in ständiger Alarmbereitschaft stationiert war. Oder den „Nordsee-Tunnel“, in dem 120 Landungsboote vor Bombardierung geschützt ankern konnten. Mehr als 700 Meter lang und 10 Meter breit, wurde er über drei Jahre mit Presslufthämmern in den Granit geschlagen. Dutzende Männer kamen dabei ums Leben. Keine 30 Jahre später wurde der Tunnel für überflüssig erklärt. An die Soldaten erinnert ein Denkmal.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Auf einem Bergplateau stehen ausrangierte Panzer und Flugabwehrgeschütze. Früher war hier Sperrgebiet.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Die Aussicht ist beeindruckend: Meer, Klippen, Wind und Wellen. Und hinten am Horizont das chinesische Festland. Es sind schöne Inseln, deren zerklüftete Küsten manchmal ans Mittelmeer erinnern. Nur, dass dort keine bunten Tempel die Landschaft zieren.

Aus dem Album Weird and interesting places on Matsu

Hoffentlich bleiben sie künftig vom Geschützdonner verschont. Und von Spielcasinos.

Aus dem Album Weird and interesting places on Matsu

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

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