Taipeh Flüge jetzt buchen EVA AIR

 

Entries tagged with “Meine Medien-Berichte”.


Selbstbeweihräucherung zum Jahresende

Zeit für eine kurze Bilanz: Was habe ich dieses Jahr im Netz bewegt, welche sonstigen Projekte haben meine Arbeit geprägt?

40 Prozent Blog-Wachstum

Dieses Blog war 2008 ursprünglich nur als kleines Online-Tagebuch meiner ersten Taiwanreise gedacht. Es hat sich 2013 gut entwickelt. Ich hatte 2013:

  • fast 100.000 Seitenabrufe jährlich
  • fast 200 Besuche täglich (oder fast 6000 monatlich)

Diese beiden Benchmarks will ich 2014 natürlich übertreffen.

So haben sich die Besucherzahlen von „Brennpunkt Taipeh“ seit dem Start 2008 entwickelt (via Google Docs):
(mehr …)


Warum Taiwan keine „abtrünnige Provinz“ ist

Auf der deutschen Huffington Post habe ich mir heute den Frust von der Seele geschrieben – den Frust über die deutsche Taiwan-Politik. Da gilt nämlich viel zu oft: Taiwaner müssen draußen bleiben.

Wenn Sie über die Huffington Post den Weg hierher gefunden haben: Herzlich wilkommen! Sehen Sie sich ganz in Ruhe um. Falls Sie mit Taiwan noch nicht vertraut sind, könnte mein kurzer Abriss zur Geschichte Taiwans bzw. der Republik China interessant sein.

Soldaten der Republik China in Taipeh

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um hier einige Begriffe aufzulisten, die in deutschen Medien häufig in Verbindung mit Taiwan gebraucht werden – leider. Aus dem einen oder anderen Grund sollte man sie lieber auf den Phrasen-Müllhaufen verbannen.

Taiwan-Phrase #1: „Abtrünnige Provinz“

Warum nicht?

Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan nicht als „abtrünnige Provinz“ oder „renegade province“. Auch, wenn die Medien immer wieder auf diese griffige Floskel zurückgreifen: Mir konnte noch niemand eine Quelle zeigen, in der die chinesische Seite sie verwendet. Sie muss also als Medien-Erfindung gelten.

Was dann?

China nennt Taiwan gern einen „unabtrennbaren Bestandteil des chinesischen Territoriums“.

Taiwan-Phrase #2: „Abgespalten“

Warum nicht?

Taiwans hat sich nach dem Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1949 nicht „abgespalten“. Die unterlegene Regierung der 1911/12 gegründeten Republik China zog sich mit den Resten der Armee und dem gesamten Staatsapparat nach Taiwan zurück. In der Folge beschränkte ihr Herrschaftsgebiet sich auf Taiwan und einige Inselgruppen.

Was dann?

Wahrscheinlich wäre es korrekter, zu sagen: Die Volksrepublik China hat sich von der Republik China abgespalten.

Taiwan-Phrase #3: „Staatsgründer Chiang Kai-shek“

Warum nicht?

Chiang Kai-shek hat keinen Staat gegründet. Nicht die Republik China, denn die bestand schon lange, bevor er sich nach Taiwan zurückzog. Und ganz bestimmt keinen Staat „Taiwan“. Den gibt es offiziell sowieso nicht.

Taiwan-Phrase #4: „Wiedervereinigung“

Warum nicht?

Was sich wiedervereinigt, muss ja schon mal vereinigt gewesen sein. Taiwan ist aber nie von der Volksrepublik kontrolliert worden. Und eine „Wiedervereinigung“ von Volksrepublik und Republik China würde bestimmt nicht auf Augenhöhe stattfinden. Peking würde die Bezeichnung „Republik China“ weder anerkennen noch die Bezeichnung der Volksrepublik ändern.

Was dann?

„Vereinigung“ oder „Anschluss“.

Taiwan-Phrase #5: „Das andere China“

Warum nicht?

„Anderes China“, „freies China“, „kleines China“… bequeme Medienfloskeln, die vermeintlich Vieles in Kürze auf den Punkt bringen, tatsächlich aber die komplexe Realität verkleistern. Zwar besteht auf Taiwan offiziell noch die „Republik China“, aber die Menschen hier sind sich selbst überhaupt nicht einig, was das denn nun bedeutet. Manche lehnen die Bezeichnung rundweg ab, andere bezeichnen sich als Taiwaner und als Chinesen. Nur eine Minderheit sieht in Taiwan nach wie vor nicht mehr als einen kleinen Bestandteil der (eigentlich) großen Republik China.

Was dann?

„Das demokratische Land“, „Die Inseldemokratie“, „Taiwan“

Also, wenn Sie mal wieder einen Medienbericht über Taiwan lesen: Achten Sie darauf, wie viele Floskeln Sie entdecken können.

(Nachtrag: Ja, wer fleißig Google anschmeißt, findet vielleicht auch in meinen eigenen Berichten solche Negativbeispiele. In mindestens einem Fall hat die Redaktion es mir nachträglich reingeschrieben. Die anderen habe ich verdrängt. Man lernt im Lauf der Zeit ja auch dazu.)


Was Deutsche in Taiwan so arbeiten

Immer wieder interessant ist es für mich, mehr darüber zu erfahren, wie meine Landsleute in Taiwan ihr Geld verdienen. Unternehmer und Angestellte, Akademiker und Kreative – alle sind vertreten. Ab und zu kann ich über einen von ihnen berichten, und manchmal mündet das sogar in einen Fernsehbeitrag.

Deutscher Designer in Taipei

Der gebürtige Wuppertaler Georg Todtenbier wollte nach dem Design-Studium ursprünglich in Japan arbeiten. Doch dann verschlug es ihn nach Taiwan. Seit elf Jahren lebt er schon in Taipeh und arbeitet in einem Design-Büro, das vor allem Computerhardware gestaltet – Mäuse, PC-Gehäuse – aber auch schon mal einen Wok.

Immer geht es darum, einen Gebrauchsgegenstand so zu gestalten, dass er nicht nur nett aussieht, sondern sich vor allem besser handhaben lässt. Um Althergebrachtes neu zu erfinden, müssen Designer auch Selbstverständlichkeiten grundlegend überdenken. Beim Wok etwa: Warum werden die Griffe eigentlich immer nachträglich angebracht? An den Nahtstellen setzt sich Dreck fest, und früher oder später werden sie wackelig. Die Lösung: Wok und Griffe aus einem Stück. Das spart sogar noch einen Produktionsschritt. Der Hersteller, der seit 30 Jahren Woks herstellte, war angeblich beeindruckt.

Innovationen, Taiwan, ein Deutscher – Georg Todtenbiers Geschichte passte auch gut in die ZDFinfo-Sondersendung „Asiens Computerwelten“ zur diesjährigen Computex. Mein Beitrag über ihn steht nun auch auf Youtube:

Deutsche Unternehmer in Taiwan: Ein Medienthema

Es war nicht das erste Mal, dass ich über die Arbeit von Deutschen in Taiwan berichtet habe. Meine Kooperation mit Tech-Blogger Sascha Pallenberg begann ebenfalls mit einem TV-Porträt über ihn, das ich für 3sat gedreht hatte:

Und dann waren da noch…

Melden Sie sich ruhig, wenn auch Sie in Taiwan einen interessanten Beruf haben oder Ihre Geschäftsidee realisieren. Vielleicht ergibt sich ja eine Berichterstattung.


3D-Drucker, biegsame Akkus, menschliche Versuchskaninchen

In Taipei beginnt heute die Computex 2013. Den IT-Innovationen aus Asien widmet die ZDF-Redaktion Wiso Plus aus diesem Anlass die Sondersendung „Neues aus Asiens Computerwelten“.

Die Videos im Netz:

Und was war vor einem Jahr los?

Tipp: Meine ZDF-Beiträge zur Computex 2012

Meine Arbeit als Videojournalist in Taiwan

Diese vier Beiträge aus der Sendung habe ich in den vergangenen Wochen im Alleingang hier in Taipeh gedreht und geschnitten:

  • Blick in die Smartphone-Zukunft
  • Flexible Akkus made in Taiwan
  • Ein deutscher Designer in Taipeh
  • 3D-Druck als Technologie der Zukunft

Außerdem noch ein Stück über ein ganz besonderes Stadtviertel von Taipeh: Im Living Lab des Minsheng-Viertels direkt am Songshan-Flughafen testen Freiwillige im Alltag neue Technologien, die von Taiwans Institute for Information Industry (III) entwickelt wurden.

ZDF-Wiso-Plus-Living-Lab

Dieses Stück hat es aus Zeitgründen nicht in die Sendung geschafft, steht aber ebenfalls online.

Weitere Links zu Firmen und Institutionen, die in den Beiträgen vorkommen:

Der deutsche Experte vor Ort

Wie schon bei früheren Beiträgen habe ich für das Stück über die Smartphone-Zukunft Sascha Pallenberg interviewt. Der Macher des Techblogs Mobilegeeks.de lebt etwa so lange in Taipeh wie ich und weiß über neue Trends in Sachen Mobile Computing einfach verdammt gut Bescheid.

Lesetipp: Wie ich mit Pallenberg in Taipeh fürs deutsche TV drehe

Viel Spaß beim Anschauen und Weitersagen!


Technik, Taiwan, TV: Meine Berichte fürs ZDF

Als ausgebildeter Fernsehjournalist macht es mir immer besondere Freude, wenn ich in Taiwan selbst zur Kamera greifen kann. Seit einiger Zeit arbeite ich dafür mit einem deutschen Blogger zusammen, der ebenfalls in Taipeh lebt: Sascha Pallenberg.

Voll vernetzt und immer online

Wer einen Beweis sucht, dass die Technik-Welt sich immer schneller dreht, braucht sich nur Mobiltelefone anzusehen: Vor 20 Jahren noch kiloschwer und vor 15 Jahren ein teures Luxusgut, hatten sie vor zehn Jahren schon Farbdisplays und Kameras. Seit fünf Jahren kommen sie sogar ohne Tasten aus, können aber so viel wie ausgewachsene Computer.

Auf den Smartphone-Zug bin ich recht spät aufgesprungen. Erst seit Anfang 2011 bin ich auf meinen Streifzügen durch Taipeh immer online, kann Fotos sofort ins Netz stellen und unterwegs wichtige E-Mails lesen. Mein Telefon ist natürlich Made in Taiwan: HTC ist ja mittlerweile auch in Deutschland ein Begriff.

Mobile Computing ist ein Milliardenmarkt, der außer Smartphones auch tragbare PCs und Tablet-Computer umfasst. Weil viele Hersteller in Taiwan sitzen, lassen sich neue Trends hier früher aufspüren als in Deutschland. Kaum jemand macht sich das so konsequent zunutze wie Sascha Pallenberg.

Sascha Pallenberg: Ein deutscher Mobile Geek in Taiwan

Der Dortmunder ist wie ich 2009 nach Taipeh gezogen. Er lebt davon, übers Internet als erster neue Produkte vorzustellen und zu testen, auf deutsch und englisch. Seine aktuelle Website ist mobilegeeks.de. Was sich wie für viele wie Technik-Fachchinesisch liest, interessiert tatsächlich extrem viele Menschen. Allein Pallenbergs selbstgedrehte Videos, in denen er neue Geräte und Programme vorstellt, werden jeden Tag mehr als 100.000-mal abgerufen.

Sascha Pallenberg in Taipei, Taiwan

Davon lässt es sich tatsächlich leben. Über Anzeigen und Provisionen nimmt Pallenberg so viel ein, dass nicht nur er und seine kanadische Geschäftspartnerin gut über die Runden kommen, sondern er auch noch einige Blogger in Deutschland, den USA und Hongkong dafür bezahlen kann, dass sie ihm regelmäßig Beiträge schreiben.

Außerdem fliegt er rund um die Welt. Die Internationale Funkausstellung in Berlin ist jedes Jahr ebenso ein Pflichttermin wie Messen in Las Vegas oder Barcelona. In deutschen Internet-Expertenkreisen gilt Pallenberg als Musterbeispiel dafür, dass man im Internet mit einem klar definierten Fachgebiet und viel Einsatz erfolgreich sein kann – ganz ohne Verlagshäuser oder gedruckte Medien.

Ein Vortrag von Sascha Pallenberg auf dem Blogger-Treffen Republica:

Meine Fernsehberichte mit Sascha aus Taiwan

Auch ich konnte davon schon profitieren. Zunächst drehte ich 2011 einen Fernsehbeitrag für 3sat, in dem ich Pallenberg und seine Arbeit vorstellte.

Das Video und mehr Infos: Der vielleicht erfolgreichste deutsche Blogger lebt in Taiwan

Seit 2012 drehen wir gemeinsam regelmäßig Beiträge für den digitalen ZDF-Infokanal: Sascha oder seine Geschäftspartnerin Nicole vor der Kamera, ich dahinter. Die Berichte können Sie sich hier gebündelt ansehen: Mobilegeeks im ZDF

Im Gegenzug hat Pallenberg sich bei mir schon einige Kniffe abgeschaut, um seine eigenen Videos noch professioneller zu gestalten. Aller Vernetzung zum Trotz – am besten arbeitet es sich doch zusammen, wenn man am selben Ort ist. Und das ist in unserem Fall eben Taiwan.


Studenten gegen „Medienmonster“

Von wegen unpolitisch: Auch in Taiwan gibt es eine Studentenbewegung. Die jungen Taiwaner demonstrieren für Meinungsfreiheit und Pressevielfalt. Und sie befürchten wachsenden chinesischen Einfluss auf Taiwans Medien.

Natürlich engagiert sich in dieser Bewegung nur eine Minderheit der Studenten. Aber die ist gut organisiert, weiß sich Gehör zu verschaffen und hat bisher Durchhaltevermögen bewiesen.

Ein Milliardär als Gegenspieler der Studenten

Im Sommer 2012 protestierten erstmals Studenten gegen die Übernahme eines Kabelfernseh-Netzes durch die Want Want China Times-Mediengruppe. Die gehört einem der reichsten Männer Taiwans: Tsai Eng-meng. Er ist bekannt dafür, dass seine Medien nicht gerade China-kritisch sind – denn in der Volksrepublik macht Tsai den Großteil seiner Geschäfte.

Tsais Blätter schrieben damals, die Demonstranten seien gekauft gewesen. Das ärgerte die Studenten so, dass sie erneut auf die Straße gingen, als im November bekannt wurde: Tsai steckt auch hinter einer Gruppe von Investoren, die Taiwans größte Boulevardzeitung und das einflussreichste Nachrichtenmagazin übernehmen wollen.

Taiwan Studenten Demo Medienmonster

Warum die Studenten vor dem Entstehen eines „Medienmonsters“ warnen und worum es genau geht, habe ich in diesem Bericht für die taz beschrieben. Und in einem Beitrag für die Journalistenzeitschrift Medium Magazin:

Ein Gesicht der Bewegung: Chen Wei-ting und die Medien

Einer der Wortführer der Studentenbewegung ist Chen Wei-ting (陳為廷). Diesen jungen Mann haben Taiwans china- und regierungsfreundliche Blätter offenbar besonders im Visier. Schon im Juli drohte ein China Times-Redakteur, ihn zu verklagen.

Chen Wei-ting Studentenführer Taiwan

Und auch die Proteste Anfang Dezember, bei denen Chen die Menge lautstark einstimmte, hatten ein Nachspiel: Zunächst bat Taiwans Erziehungsministerium in einem Brief verschiedene Universitäten darum, sich doch bitte um die protestierenden Studenten zu „kümmern“ – schließlich sei es draußen so kalt. Kurz darauf war Chen Gastredner in einem Parlementsausschuss und sagte dem Erziehungsminister ins Gesicht, dass er sehr wenig von solcher „Sorge“ hält.

Dies wiederum nahm die Zeitung United Daily News zum Anlass, Chen auf der Titelseite als unhöflichsten Studenten Taiwans zu attackieren. Um den Fokus von seiner Person abzulenken, bat Chen öffentlich um Entschuldigung. Die Attacken aber fachten den Widerstandsgeist der Studenten nur noch mehr an… und so geht es immer hin und her.

Zeitungsartikel Chen Wei-ting

Die Silvesternacht verbrachten mehrere hundert Studenten bei einer Mahnwache auf dem Freiheitsplatz vor der Chiang Kai Shek-Gedenkhalle, statt sich am Taipei 101 das Feuerwerk anzusehen. Es war kalt und nass. Denen muss es ernst sein.

Jimmy Lai, Apple Daily und die Wild Strawberries

Einige interessante Punkte:

  • Hongkongs Medienmogul Jimmy Lai, der seine taiwanischen Print- und Fernsehmedien abstoßen will, wird weiter in Taiwan präsent bleiben: Mit Next Media Animation, der Firma, die sich seit einigen Jahren mit schrägen News-Animations-Videos international einen Namen macht. In Wired stand mal ein großer Bericht über Jimmy Lai und Next Media, den ich auch verlinkt hatte.
  • Apple Daily, für dessen Unabhängigkeit die Studenten auf die Straße gehen, hat sich journalistisch bestimmt nicht immer mit Ruhm bekleckert. Die Redakteure dort schrecken nicht vor plumpen Klischees zurück, wenn etwa eine Sex & Crime-Story mit westlichen Ausländern anliegt. Aber anders als die restlichen großen Tageszeitungen Taiwans (China Times, United Daily News, Liberty Times) bildet Apple Daily auf seinen Politik- und Meinungsseiten nicht vorwiegend entweder „blaue“ oder „grüne“ Positionen ab. Das ist schon mal viel wert.
  • Vorläufer der aktuellen Studentenbewegung sind die „Wild Strawberries“, die 2008/09 protestierten, nachdem es beim Besuch eines chinesischen Gesandten zu Ausschreitungen und fragwürdigen Polizeiaktionen gekommen war. Damals hatte ich auch in diesem Blog über Taiwans Wild Strawberries geschrieben.

Ein Video mit Fotos einer Studentendemo im Dezember in Taipeh:

Auch wenn die Studenten den Mediendeal nicht verhindern können: Dies ist eine wichtige Entwicklung. Der jungen Generation ist Politik offenbar doch nicht ganz egal. Viele junge Taiwaner machen sich so ihre Gedanken um die Zukunft ihres Landes. Sie fühlen sich von der etablierten Politik für dumm verkauft und von der älteren Generation nicht ernst genommen. Das kann noch spannend werden.