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Trump-Schock auf taiwanisch

Um die US-Wahlen zu verfolgen, lebe ich in Taiwan genau in der richtigen Zeitzone. Morgens um sieben schlossen die ersten Wahllokale. Und am frühen Nachmittag, als die Amerikaner schon die Nacht durchmachen, stand das Ergebnis fest – das die meisten in Deutschland dann erst nach dem Aufwachen erfahren haben.

Trump Park Werbung Taipeh

Natürlich war die Überraschung hier genauso groß wie im Rest der Welt. Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten – noch vor einem Jahr war das die Pointe von müden Witzen. Aber es ist nun mal passiert.

Was heißt das nun für Taiwan?

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Tag des offenen Cockpits im Hochsicherheitsbereich

In Taiwan sind sie derzeit Nachrichtenthema Nummer Eins: Kampfhubschrauber des Typs Apache AH-64E. Denn die Sicherheitsvorkehrungen haben sich als schlechter Witz erwiesen.

Dreißig dieser topmodernen Höllenmaschinen hat Taiwan kürzlich in den USA eingekauft, zum Stückpreis von Zigmillionen Dollar. Mit solchen Waffenlieferungen will Taiwan deutlich machen, dass es sich im schlimmstmöglichen Fall eines chinesischen Angriffs nicht kampflos ergeben würde. Was das wirklich bringen würde, steht auf einem anderen Blatt.

Nun sind diese Apachen also der Stolz des Militärs, und natürlich dürfen nur die besten der besten mit ihnen fliegen – Piloten, die extra in den USA ausgebildet wurden. Einer von ihnen hat nun ganz großen Mist gebaut und damit Taiwans ganzes Militär in eine Vertrauenskrise gestürzt.

Janet Lee im Apache-Hubschrauber

Der Skandal begann auf Facebook. (mehr …)


Demonstrationen in Taiwan nach Tod eines Soldaten

Jahrzehntelang war es der Stolz der Nation, doch derzeit hat Taiwans Militär einen ganz schweren Stand. Wohl mehr als 200.000 Taiwaner, etwa ein Prozent der Bevölkerung, gingen neulich in Taipeh auf die Straße und protestierten gegen die Zustände in ihrer Armee. Kaum eine andere Demonstration der letzten Jahre hatte so einen Zulauf.

Video der Demo vom 3. August 2013:

Grund für den Volkszorn war der Tod eines 24-Jährigen Rekruten im Militärgefängnis. Nur wenige Tage vor Ende seines Wehrdienstes war Hung Chung-chiu verknackt worden, weil er ein Kamerahandy in die Kaserne mitgenommen hatte. Das ist streng verboten, weil Taiwans Militär chinesische Spionage fürchtet.

Taiwan Wehrdienst Rekruten

Kameras bleiben im entscheidenden Moment schwarz

In der Haft wurde Hung offenbar so hart geschliffen und malträtiert, dass er nach fast einer Woche an Hitzschlag starb. Solche Fälle kommen ab und zu vor, aber diesmal wurden Medien und Öffentlichkeit aufmerksam. Die Angehörigen forderten eine Untersuchung und Bestrafung der Verantwortlichen. Das Verteidigungsministerium wollte die Sache natürlich lieber unter den Teppich kehren. Als aber bekannt wurde, dass die Überwachungskameras in Hungs Zelle während der entscheidenden Momente offenbar verhängt worden waren, war das Maß voll und die Wut groß.

Lesetipp: „Linda in Taiwan“ über Taiwans Militär-Skandal

Taiwan Militär exerzieren Soldaten

Junge wollen nicht in dieses System gezwungen werden. Eltern sind besorgt um die Gesundheit ihrer Kinder. Und viele Ältere haben keine guten Erinnerungen an ihren eigenen Wehrdienst. In der Vergangenheit war die Kriegsgefahr Alltag, und Taiwans Armee galt als extrem schlagkräftig und gut ausgebildet, aber auch als harte Schule.

Taiwan hat mehr Soldaten als Deutschland – noch

Während wir in Deutschland die Wehrpflicht gerade abgeschafft haben, müssen junge Taiwaner noch immer zwölf Monate zum Dienst anrücken – übrigens erst nach Abschluss des Studiums. Taiwans Armee ist daher mit einer Truppenstärke von 235.000 Mann neuerdings größer als die Bundeswehr. Doch das soll sich ändern. Der Präsident will das System in zwei Jahren auf Berufsarmee umstellen. Wo die nötigen Freiwilligen herkommen sollen, ist die große Frage. Eine Militärlaufbahn ist für Taiwaner kaum noch attraktiv. Statt zum Dienst am Vaterland streben die meisten lieber möglichst schnell nach hohem Verdienst, gern auch drüben im Taiwan eigentlich feindlich gesonnenen China.

Ehrenwache Taiwan Soldat

Militärdienst gilt zum einen als öde Zeitverschwendung, zum anderen glauben die meisten nicht mehr daran, dass die Armee im Fall eines Konfliktes mit China überhaupt etwas ausrichten könnte. Die Volksarmee hat in den letzten Jahrzehnten so massiv aufgerüstet, dass Taiwan eine Invasion im Ernstfall wohl nicht mehr zurückschlagen könnte. Dass einige hochrangige Offiziere als chinesische Spione enttarnt wurden und andere sich nach der Pensionierung gern in die Volksrepublik einladen lassen, fördert das Vertrauen auch nicht.

Taiwan Panzer

Rücktritte und Anklagen nach dem Tod des jungen Soldaten

Auf den aktuellen Skandal hat die Politik reagiert. Der Verteidigungsminister ist zurückgetreten, sein Nachfolger kurz darauf auch – wegen einer Plagiatsaffäre, Deutschland lässt grüßen. Einige Vorgesetzte Hungs wurden festgenommen und angeklagt. Dank einer Gesetzesänderung werden Soldaten sich in Friedenszeiten künftig vor zivilen Richtern verantworten statt vor einen Militärgericht.

Doch die Schadensbegrenzung kam so spät, dass viele Taiwaner ihr Vertrauen ins Militär wohl komplett verloren haben.


Das Geld hat gesprochen, der Beton kann fließen. Eine Volksabstimmung auf der von Taiwan verwalteten Inselgruppe Matsu hat kürzlich ergeben: Demnächst könnten hier gigantische Spielcasinos und Hotelkomplexe entstehen. Nur etwa 40% Wahlbeteiligung mögen nicht gerade aussagekräftig sein, aber so ist nun mal das Ergebnis. Ganz gut zusammengefasst ist das Thema hier im Asienspiegel.

Aus dem Album Typical architecture on Matsu

Bevor die schöne Natur verschandelt wird, war ich zum Glück vor einiger Zeit noch rechtzeitig auf Matsu, genauer gesagt auf den Hauptinseln Nangan und Beigan. Einst verlief hier eine der heißesten Frontlinien im Kalten Krieg. Keine zwanzig Kilometer sind es von Matsu zur chinesischen Küste, aber verwaltet wird die Inselgruppe von Taiwan, das mehr als 150 Kilometer südöstlich liegt. Nur eine Stunde dauert der Flug von Taipeh.

Aus dem Album Taiwanese Soldiers on Matsu

Schon am Flughafen fällt mir auf, wie viele Soldaten hier unterwegs sind. Seit die nationalchinesischen Truppen bei ihrer Flucht vom Festland 1949 die Inseln als Brückenkopf gehalten hatten, ist das Militär auf Matsu allgegenwärtig. Die jungen Männer in Flecktarn sind zum größten Teil Wehrdienstleistende, die bestimmt lieber irgendwo auf Taiwan stationiert wären, wo es in der Freizeit mehr Unterhaltung gibt als nur eine Handvoll Internetcafés und Karaoke-Bars. Die 7/11-Minimärkte in den Dörfern sind ihre Treffpunkte.

Aus dem Album Taiwanese Soldiers on Matsu

Wenigstens müssen sie sich keine Sorgen über feindlichen Artilleriebeschuss machen. Derzeit versucht China, Taiwan mit wirtschaftlichen Mitteln für sich zu gewinnen, und die Kanonen schweigen. Doch das war nicht immer so. Bis in die neunziger Jahre kochte der Konflikt immer wieder hoch, und Matsu war bis an die Zähne bewaffnet. Das halbe Dutzend Inseln ist zusammen nicht mal so groß wie Borkum, aber überall finden sich Kasernen und Geschützstellungen.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Die Granitfelsen sind mit hunderten Tunneln und Bunkern durchzogen wie ein Schweizer Käse. Die Soldaten, die damals darin für den Ernstfall gedrillt wurden, mussten bis zu drei Jahre dienen, und Heimaturlaub gab es nur ganz selten.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Inzwischen hat das Militär viele Stellungen geräumt, und einige davon kann man besichtigen. Die „eiserne Festung“ etwa, ein ausgehöhltes, von Wellen umtostes Riff, in dem eine Elite-Einheit von Froschmännern in ständiger Alarmbereitschaft stationiert war. Oder den „Nordsee-Tunnel“, in dem 120 Landungsboote vor Bombardierung geschützt ankern konnten. Mehr als 700 Meter lang und 10 Meter breit, wurde er über drei Jahre mit Presslufthämmern in den Granit geschlagen. Dutzende Männer kamen dabei ums Leben. Keine 30 Jahre später wurde der Tunnel für überflüssig erklärt. An die Soldaten erinnert ein Denkmal.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Auf einem Bergplateau stehen ausrangierte Panzer und Flugabwehrgeschütze. Früher war hier Sperrgebiet.

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Die Aussicht ist beeindruckend: Meer, Klippen, Wind und Wellen. Und hinten am Horizont das chinesische Festland. Es sind schöne Inseln, deren zerklüftete Küsten manchmal ans Mittelmeer erinnern. Nur, dass dort keine bunten Tempel die Landschaft zieren.

Aus dem Album Weird and interesting places on Matsu

Hoffentlich bleiben sie künftig vom Geschützdonner verschont. Und von Spielcasinos.

Aus dem Album Weird and interesting places on Matsu

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

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Landminen in Kambodscha, trimedial aufbereitet

Ein Beispiel für geglückte Mehrfachverwertung eines journalistischen Themas.

Als Vertreter von Weltreporter.net sitze ich morgen auf einem Podium bei der Hamburger Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche. Thema:  „Glücklich, aber arm? Die Zukunft von freien Auslandsjournalisten“

Eine der Fragen, über die wir diskutieren sollen: „Tageszeitung und Hörfunk – funktioniert das alte Modell der Mehrfachverwertung noch?
“

Kambodscha Minenfeld Schild

Wie es funktionieren kann, wenn es gut läuft, dazu ein Beispiel aus meiner Arbeit – wenn auch nicht aus Taiwan. Vergangenes Jahr hatte ich in Kambodscha zu tun und stieß im Vorfeld meiner Reise auf Informationen über den Deutschen Peter Willers, der dort ein Minenräum-Kommando leitet. Über die deutsche Botschaft war schnell ein Kontakt hergestellt.

Kambodscha Minenfeld

In der Gegend der Tempelanlagen von Angkor Wat konnte ich Willers zwei Tage lang mit meiner Videokamera ins Feld begleiten. Daraus entstanden in den folgenden Monaten ein Fernsehbeitrag für Deutsche Welle-TV, zwei Radioberichte für WDR 5 und den Deutschlandfunk sowie eine Print-Reportage, die in der taz und der Rheinischen Post gedruckt wurde.

Kambodscha Minenfeld Fernsehen

So soll es sein. So klappt es aber leider nicht immer.

Zum Ansehen, Hören und Nachlesen:


Hochinteressante Diskussionen im Forum von Spiegel Online anlässlich der US-Waffenlieferungen an Taiwan.

Da kommen sie alle zu Wort, die Faktenverdreher, Anti-Amerikanisten, China-Trolle und Nazi-Vergleicher. Und auch eine ganze Reihe vernünftiger, sachkundiger Stimmen. Falls einer von denen zufällig hier mitlesen sollte, bitte meldet Euch mal. (G.W., Dich kenne ich natürlich schon.)