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Der 28. Februar ist heute in Taiwan ein Feiertag (Warum? Mein Blogeintrag über das 228-Massaker), und da es in Taipeh mal wieder regnet, ist dies vielleicht eine gute Gelegenheit, auf einige lesenswerte Berichte der vergangenen Wochen hinzuweisen.

„Das Rohe und das Gekochte“

Nach seiner Premiere auf der Berlinale hat Monika Treuts kulinarisch-politische Taiwan-Dokumentation „The Raw and the Cooked“ eine positive Besprechung im Branchenblatt Variety erhalten.

The film digs deeper and deeper into obscure joints in the middle of nowhere, places even most Taiwan residents may never have heard of.

Im Videointerview erzählt die Regisseurin mehr über den Film und (ab 4:20) auch darüber, dass sie sich Sorgen um Taiwans Zukunft macht.

Weitere interessante Berichte über Taiwan

  • Neuer Zürcher Zeitung: Taiwans Erfolgsmodell auf die Probe gestellt

    Die beeindruckende demokratische Reife, die Taiwan aber gerade wieder bei den Präsidentschaftswahlen gezeigt hat, darf zwar nicht über Missstände im Parteiensystem und im Politikbetrieb hinwegtäuschen. Im Wettbewerb müsste sie aber ein Trumpf sein. Eine innovative Gesellschaft entfaltet sich in einem engen politischen Korsett nicht.

  • Taipeh im Regen
    Schön geschriebener Taiwan-Reisebericht eines deutschen Fernsehreporters

„Das Rohe und das Gekochte“ auf der Berlinale

Auf der Berlinale feiert heute ein Dokumentarfilm Premiere, der bei Taiwan-Freunden auf größtes Interesse stoßen dürfte: „Das Rohe und das Gekochte“, gedreht von der Hamburger Regisseurin Monika Treut.

Dokumentation über Esskultur in Taiwan

Das Berlinale-Programm beschreibt den 83-minütigen Film als „dokumentarische Entdeckungsreise durch die kulinarischen Traditionen Taiwans, die zeigt, wie eng das Essen mit den unterschiedlichen Kulturen des Vielvölkerstaats verbunden ist.“ (Filmbeschreibung deutsch / englisch)

Leckeres Essen, interessante Menschen und schöne Landschaften also – aber Monika Treut blendet in ihrem Film, der von Taiwans öffentlich-rechtlichem Public Television Service koproduziert wurde, auch die soziale Realität nicht aus:

Die Urbanisierung Taiwans schreitet voran und bedroht die Landwirtschaft. Zum Glück gibt es seit einigen Jahren eine Umweltsschutzbewegung. Wir filmen eine Demonstration von Bauern und sprechen mit zwei Mitgliedern der noch jungen Grünen Partei Tawains.

Dreh in Taiwan

Im November 2010 hat Treut mit ihrem Team u.a. auf einer Großdemo gegen die geplante Kuokuang-Chemiefabrik gefilmt. Viele Anwohner aus Changhua County waren dafür nach Taipeh gereist.

Weitere Fotos von dieser Demo hatte ich bei Facebook hochgeladen.

Monika Treut

Unter allen deutschen Filmemachern hat Monika Treut (Facebook-Seite) wohl die größte Taiwankompetenz und -erfahrung. Sie hatte bereits eine lange Karriere als Autorenfilmerin hinter sich (Lebenslauf / Filmografie), als sie 2002 von einem Frauenfilmfest nach Taiwan eingeladen wurde.

Ich wusste bis dahin gar nichts über Taiwan und las mir im Flugzeug mein erstes Wissen im Reiseführer an… von Anfang an gab es irritierende Erlebnisse, die mich immer neugieriger machten. Auf dem Festival lernte ich dann sehr spannende Leute kennen. (Quelle: taz)

Den Tigerfrauen wachsen Flügel

Nachdem Ihr Interesse geweckt war, reiste Treut noch viele Male nach Taiwan und drehte zunächst „Den Tigerfrauen wachsen Flügel“ (母老虎飛飛飛), der 2005 auf der Berlinale uraufgeführt wurde (Filmbeschreibung).

Die Dokumentation zeigt Taiwans gesellschaftlichen Wandel am Beispiel von drei Frauen aus drei Generationen und ist in Deutschland offenbar nicht DVD erhältlich, dafür aber in Taiwan (z.B. bei Eslite oder im Taiwan Bookshop). (Chinesische Film-Infos z.B. hier oder hier)

Made in Taiwan

Ebenfalls 2005 hatte „Made in Taiwan“ seine Erstausstrahlung. Die 30-minütige Dokumentation entstand für 3sat und schildert den Alltag von Yi-chun, einer ganz normalen 17-Jährigen in Taipeh.

Die junge Frau isst gerne, doch jede Nahrungszufuhr wird von ihrer Familie argwöhnisch beobachtet, die kleinste Gewichtszunahme ist für ihre Tanzkarriere hinderlich. Ihr Voice-Over erzählt von ihrem Schulalltag, der einer strengen Dramaturgie unterworfen ist: der Wecker klingelt um 5h45, zu Hause ist sie oft erst um 19 Uhr, dann Hausaufgaben machen, duschen und ins Bett – für einen festen Freund hast sie weder Zeit noch Energie. Der erlösende Ausbruch aus der Routine ist der jährliche Schulausflug ans Meer.

Dieser kleine Film ist ein persönlicher Favorit von mir, weil er so liebevoll unaufdringlich beobachtet, die Kamera immer im richtigen Moment hin- oder wegguckt, und weil Treut es nicht für nötig befindet, Ausrufezeichen hinter ihre Beobachtungen zu setzen – jeder Zuschauer kann sich sein eigenes Bild machen. Ab und zu wird er im deutschen Fernsehen wiederholt, also aufpassen.

Ghosted

In der Folge arbeitete Treut an der ersten deutsch-taiwanischen Spielfilm-Koproduktion überhaupt: „Ghosted“ (曖昧) kam 2009 ins Kino. Es ist eine Liebesgeschichte zwischen Hamburg und Taiwan, in der die Grenzen zwischen Dies- und Jenseits verschwimmen. Ganz wie im Geistermonat, der in Taiwan jeden Sommer begangen wird.

Trailer:

Taiwan-Fernsehbericht über die Premiere auf der Berlinale (Filmbeschreibung):

„Ghosted“ ist in Deutschland auf DVD erhältlich:

Und natürlich auch in Taiwan. Hier entdeckt Monika Treut die DVD im Fembooks Frauenbuchladen in Taipeh.

Vorführungen in Deutschland

Zurück zum aktuellen Film: „Das Rohe und das Gekochte“ wird leider keinen regulären Kinostart haben, aber nach der Berlinale immerhin ein paar Mal in Kinos in Hamburg (Abaton, Metropolis) und Berlin laufen. Im Mai wird er dann bei der Edition Salzgeber auf DVD erscheinen.

Wer hat einer der Filme gesehen? Ich bin gespannt auf Kommentare und Meinungen.