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Mal wieder Lust auf ein schön anzuschauendes Taiwan-HD-Video mit vielen tollen Landschaften? Bitte sehr:

Besonders angenehm fand ich es, dass hier zur Abwechslung mal nicht das Essen als eine der Attraktionen herausgestellt wurde, die Taiwan angeblich ausmachen. Oder habe ich das nur übersehen?

Marc in Taipeh

Essen ist auch eines der Themen, über die Marc seit Februar auf seinem Blog „Ein Hesse in Taiwan“ schreibt. Er verbringt gerade ein Auslandssemester an der Fakultät für Maschinenbau der Taida (NTU). Die Seite steht nun auch in meiner Blogroll (rechts).

Rou Song 肉鬆 alias „Meat Floss“ oder „Fadenfleisch“ mag er gar nicht, aber die original chinesische Schmerz-Massage hat es ihm angetan. Und ein Fahrrad hat er sich auch schon geliehen.

Kommentare

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Ich werde auf diesem Blog künftig nur noch Kommentare veröffentlichen, die mit einer real existierenden Mail-Adresse versehen sind (die nicht veröffentlicht wird). Das überprüfe ich übrigens über diese Seite.

Ich erwarte von niemanden, seinen kompletten Klarnamen öffentlich zu machen, aber ein Mindestmaß an Transparenz und Erreichbarkeit erwarte ich hier einfach. Dazu gehört auch, dass man als Absender einen (Vor-)Namen angibt und kein Pseudonym.

In diesem Sinne: Danke an alle Kommentatoren und Leser, die sich schon lange ganz selbstverständlich so verhalten und dieses Blog mit konstruktiven Kommentaren bereichern.

Taiwan-Lektüre

Und noch eine kleine Neuerung: Wer mal einen Blick in die rechte Seitenleiste wirft, sieht dort hoffentlich eine animierte Auswahl von Taiwan-Büchern und -DVDs, die man per Amazon.de bestellen kann. Wer Anregungen hat, was noch in diese Liste aufgenommen werden sollte: Immer her damit!


Eine Menge interessante Taiwan-Veranstaltungen stehen diesen Monat noch an – in Taiwan (meist in Taipeh) sowie in Hamburg. Sicherlich auch anderswo, aber davon weiß ich nichts.

Infos vom Deutschen Institut Taipei, Bambusrunde e.V. u.a.

Termine in Taiwan

Im Kino, aktuell

Der für den deutschen Filmpreis 2010 nominierte Streifen „Goethe!“ (Chinesisch: „少年歌德的煩惱“) läuft derzeit in Taipeh in den Kinos Ambassador-Changchun, Wonderful und Halar (Neihu) sowie in Chungli (Metromall, Chung-yuan-Rd Sec. 2, No. 501, 5F) und in den Wonderful-Cinemas Taichung (Gong-yuan Rd., No. 34).


Deutsche Homepage des Films


Trailer mit chin. UT:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=yiFndwfhE9w;]

17. Februar: Grünkohlessen 2012 in Taipeh

„Gute Traditionen sind es wert, fortgesetzt zu werden“, schreiben die Veranstalter. Es ist 2012 bereits das 12. Grünkohlessen. 
Das Grünkohlkomitee lädt dazu am 17.02.2012 ins Westin-Hotel in Taipeh ein und verspricht: „Auch für Süddeutsche geeignet und alle, die mal wieder Spaß haben wollen.“

Infoflyer (PDF)

Anmeldung und nähere Infos

18. Februar: Vortrag des deutschen Medizin-Nobelpreisträgers Prof. Dr. Harald zur Hausen

Auf Einladung des Deutschen Instituts und in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Taipeh wird der deutsche Krebsforscher und Medizin-Nobelpreisträger 2008, Prof. Dr. Harald zur Hausen einen Vortrag mit dem Titel „Wissenschaft verständlich gemacht: Ist Krebs verhinderbar?“ halten. 
Sein zur Hausens spezielles Forschungsgebiet ist die Entstehung von Krebsarten aus Virusinfektionen. Er wird auch als „Vater der HPV-Impfung“ bezeichnet. 


Dr. zur Hausen wird deutsch sprechen. Eine Verdolmetschung ins Chinesische oder Englische ist nicht vorgesehen. Medizinische Fachkenntnisse sind zum Verständnis des Vortrags nicht Voraussetzung.
Die Teilnahme ist kostenlos.

Eine Anmeldung ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber die Veranstalter wären dankbar, wenn Teilnehmer eine kurze Bestätigung per Mail schicken könnten – zwecks besserer Planung für Sitzplätze sowie Kaffee und Kuchen. 



Samstag, 18 Februar, 14:00-15:30 Uhr Vortrag, 15:30-17:00 Uhr Kaffee und Kuchen 

Ort: 
Goethe-Institut Taipeh, Heping West Road, Sec. 1, No. 20 Heping West Rd., 12F

台北歌德學院,臺北市和平西路一段20號12樓

28./29. Februar: Taiwantournee des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks



Im Rahmen des „Taiwan International Festival of Arts“ wird das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 28. und 29. Februar in Taipeh (National Concert Hall) auftreten. Unter Leitung von Daniel Harding kommen Werke von Beethoven, Brahms, Schubert, Mahler und Bruckner zur Aufführung.

Termine in Hamburg

15. Februar: Zur Kulturgeschichte des Feng-Shui

Die Hamburger Bambusrunde schreibt:

Wir freuen uns sehr, dass wir die Leiterin der Ost- und Südasien-Abteilung des Hamburger Museums für Völkerkunde, Frau Dr. Susanne Knödel, gewinnen konnten, uns einen Einblick in die Kulturgeschichte des Feng-Shui zu geben.

Fengshui, aus chinesisch FENG = Wind (風) und SHUI = Wasser (水), wird häufig übersetzt als «Geomantik» und ist zunächst eine Methode, Gräber und Gebäude rituell korrekt zu positionieren. Erdadern dürfen nicht durchschnitten oder beseelte Landschaftsformationen gestört werden, die Ausrichtung von Gebäuden zum Berg und zum Wasser wirkt sich direkt auf ihre Bewohner aus. Diese Vorstellungen nutzen schon seit früher Zeit begabte oder gewiefte Fengshui-Meister, die, unseren Wünschelrutengängern nicht unähnlich, mit Kompass und anderen Werkzeugen «Wind-Wasser-Leistungen» anbieten.

Fengshui hat zudem alle Lebensbereiche erobert, wurde zu einem System, das seinen «Zweck in der Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung» (Wikipedia) hat. Fengshui – eines der wenigen chinesischen Worte, die Eingang in den Duden fanden – wird in ernsten wissenschaftlichen Zusammenhängen diskutiert, und ist zugleich in seichten, esoterischen und populären Ausprägungen allgegenwärtig. Und das schon seit sehr langer Zeit.

Weitere Infos zum Vortrag und dem anschließenden (optionalen) Essen:

Mittwoch 15. Februar um 18.00 Uhr
Restaurant „Ni Hao“, Wandsbeker Zollstraße 25-29, Hamburg

17. Februar: „Entomologische Reise nach Taiwan – Auf den Spuren von Hans Sauter“

Die abwechslungsreiche Landschaft Taiwans und das vielfältige Muster von Temperaturen und Niederschlägen spiegeln sich im Artenspektrum der Insektenwelt wieder. Der deutsche Entomologe Hans Sauter (1871-1943) sandte Anfang des 20. Jahrhunderts umfangreiche Ausbeuten taiwanischer Insekten nach Europa.

Sauter, der ab 1905 ständig in Taiwan lebte, hat einen wichtigen Beitrag für die entomologische Forschung in Taiwan in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts geleistet. Er durchstreifte ganz Taiwan mit Ausnahme eines Teils der unwegsamen Ostküste und der Gebiete, die damals wegen der als Kopfjäger bekannten Ureinwohner noch nicht zugänglich waren.

Der Vortrag von Dr. Stephan Blank wird von einer Powerpoint-Präsentation begleitet. Neben den Insekten wird auch die einzigartige und vielfältige Landschaft Taiwans gezeigt.

Eine Kooperation der Taipeh Vertretung Hamburg und des Zoologischen Museums Hamburg.

Sonderveranstaltung: Freitag 17. Februar, 18.00-21.00 Uhr (Vortrag ca. 1 Stunde)
Zoologisches Museum, Martin-Luther-King-Platz 3, 20146 Hamburg


Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

„Ganz schön verbaut hier!“ Das war mein allererster Eindruck von Taiwan, als ich vor bald vier Jahren landete. Überall Wohnhäuser, Straßen, Brücken und rund um Taipeh Satellitenstädte, die fließend ineinander übergehen. Menschenleere Landschaft wie in meiner norddeutschen Heimat, über die man einfach mal den Blick schweifen lassen kann, gibt es hier wohl nicht – dachte ich. Doch da hatte ich mich getäuscht.

Taiwan ist wirklich ein Land der Extreme. Kleiner als Niedersachsen, hat es etwa dreimal so viele Einwohner. Die drängeln sich zum allergrößten Teil in der westlichen Küstenebene, wo auch die Hauptstadt Taipeh liegt. Zwei Drittel der Insel aber sind kaum besiedelt, denn da ragt von der Nord- bis zur Südspitze ein Gebirge auf, vor dem die deutschen Alpen nur als Hügelkette durchgehen würden. Weil Taiwan an einer Plattengrenze liegt, haben sich hier die höchsten Berge Asiens östlich des Himalaya aufgetürmt, mit mehr als 200 Gipfeln über 3000 Meter. Der höchste überragt mit 3952 Metern noch den Fujiyama in Japan, heißt Jadeberg, und jeder Taiwaner hat sich fest vorgenommen, ihn einmal im Leben zu erklimmen. Da steht mir noch was bevor.

Bequemer zu erreichen ist eines von Taiwans spektakulärsten Naturwundern an der Nordostküste: Die Taroko-Schlucht. Wo ein Fluss über Jahrmillionen sein Bett gegraben hat, windet sich hier eine schmale Straße 20 Kilometer lang zwischen Marmor-Felswänden hindurch, die zu beiden Seiten hunderte Meter senkrecht in die Höhe steigen. Ein atemberaubener Anblick, vor dem jede Weitwinkel-Kamera versagt. Steinige Wanderwege führen in Seitentäler, Hängebrücken überspannen Abgründe, Wasserfälle stürzen in die Tiefe. Manche Wege sind gesperrt, weil die Natur sich durch Erdrutsche und Steinschläge zurückholt, was der Mensch ihr abgerungen hat.

Ursprünglich gab es hier keine Touristen, sondern nur Eingeborenenstämme, die auf uralten Trampelpfaden zur Jagd gingen oder von Dorf zu Dorf zogen. Manchmal kombinierten sie beides, denn Taiwans Ureinwohner waren berüchtigte Kopfjäger, wovon auch die frühen chinesischen Siedler sie nicht abbringen konnten. Erst die japanischen Kolonialherren bauten Anfang des 20. Jahrhunderts Straßen in die Berge, um die Stämme unter Kontrolle zu bringen.

Nachdem 1949 die nationalchinesische Armee nach Taiwan geflüchtet war und zehntausende Soldaten beschäftigt werden mussten, ließ die Regierung sie die jetzige Straße ins Bergmassiv schlagen. Hoch an einer Felswand erinnert der „Schrein des ewigen Frühlings“ an hunderte Arbeiter, die bei den waghalsigen Sprengarbeiten ums Leben kamen.

Taiwans Ureinwohner jagen heute höchstens noch Wildschweine. Wie in Amerika oder Australien haben viele sich unter Aufgabe ihrer Traditionen in die moderne Gesellschaft integriert. Andere versuchen, in ihren angestammten Gebieten ihre Geschicke möglichst selbst zu bestimmen – so sehr im Einklang mit der Natur, wie es heute noch möglich ist. In der Taroko-Schlucht verkaufen sie Schnitzereien an Touristen, und Kinder führen abends im Hotel traditionelle Tänze und Kostüme vor – ein Projekt, um benachteiligten Familien zu helfen und um daran zu erinnern, dass Taiwans ursprüngliche Bewohner keine Chinesen sind.


 


Demonstration against the Taipei Dome

The Taipei Dome (大巨蛋, „big giant egg“), located next to Songshan Culture Park, is one of those „development“ projects that currently abound in Taipei. A 40.000-seat-indoor baseball stadium right across from Sun Yat Sen Memorial Hall, a shopping mall, hotels and office buildings. Business as usual. Big corporations pour lots of concrete and make a lot of money. Citizens and tourists go shopping.

So what is the problem with it?

The problem, as many people see it, is that by greenlighting the construction of the Taipei Dome, the Taipei City government has thrown away the chance to establish something the city and its people really need – namely, a second inner-city forest park.

That is why there is a protest movement. Recently a few hundred people held a protest march (video) from Taipei City Hall to the headquarters of the developer, Farglory Group, and on the the site where the concrete has already started pouring. (newspaper report)

I admire all these citizen groups in Taiwan hitting the streets to protest for their cause. They are too late this time, I am afraid. Big business has succeeded again in establishing facts (chopping down trees, bringing in the big machines, digging holes) before public pressure could make politicians change their minds.

Demonstration Taipei Dome

Citizens protesting against the loss of urban green spaces, 30 Oct 2011.

What a great park this could have been. No one would deny that is was a stroke of genius to establish Daan Forest Park, a few kilometers away to the south-west, at the site of a former military village. But it is just one site. Another forest park, not quite as big, directly across from Sun Yat Sen Memorial Hall would really have breathed life into this part of the city. There are not a lot of green spaces left in the East District along Zhongxiao East Rd.

But there used to be this magnificent spot that is the former Songshan Tobacco Factory. After closing down (apparently in 1998), its grounds had been neglected for years. Trees could grow, wildlife could spread. This is how it looked like (source):

Songshan Tobacco Factory 2006

Before: The area in 2006.

But around 2005/2006, the Taipei City Government signed a contract to turn the area over to Farglory and have them build the „Taipei Arena“ there. As a BOT (build-operate-transfer) project, Farglory would operate the project for 50 years (sacking in all the profits) and then return the area (including a by then probably derelict building) to the city.

Enviromentalists and people from the area (there is a primary school next door) protested and sued. But before all rulings were final, or the project had passed all enviromental impact assessments, the City Government already started removing trees. (mehr …)


Ab ins Grüne – in Taipeh!

Wochenend und Sonnenschein – da will ich auch in Taipeh nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen oder mich auf der Straße an Motorrollern vorbeiquetschen. Was tun, wenn die eigene Wohnung keinen Balkon hat und der Park gegenüber vom Zelt einer Trauerfeier blockiert ist?

Zum Glück leben im Ballungsraum der Hauptstadt zwar außer mir noch ca. 6 Millionen Menschen, aber wenn die mal ins Grüne wollen, haben sie es nicht allzu weit.

Zeitungsbericht über Parks in Taiwan

Wandern rund um Taipeh

Elefantenberg, Tigerberg, Yangming-Berg: Direkt hinter den Wohnblocks und Bürotürmen steigen sie in die Höhe. An drei Seiten ist Taipeh von Hügeln und sogar einem erloschenen Vulkan umgeben. So betongrau das Straßengewirr aus der Ferne wirkt, so sattgrün wuchern Büsche und Bäume an den steil ansteigenden Hängen.

Ein Netz von gut ausgebauten Wanderwegen bietet gestressten Großstädtern die Möglichkeit, schnell die Asphaltpisten hinter sich zu lassen. Der Weg ist vorgegeben, denn die Vegetation geht in unseren Breitengraden als Urwald durch, und es ist unmöglich, die vorgegebenen Pfade zu verlassen.

Hiking path near Taipei City

Wenn es im Sommer mit 35 Grad und mehr gar zu heiß vom Himmel brennt, oder wenn während der Frühjahrs-Regenzeit jeden Moment ein Wolkenbruch droht, überlege ich mir gut, ob ich so einen doch recht schweißtreibenden Aufstieg beginnen will. Wenn ich dann – noch frohgemut ausschreitend – die ersten gepflasterten Treppen erklimme, werde ich oft von Rentnern überholt, für die der Weg zum Gipfel seit Jahren allmorgendliche Routine ist.

Nehmen die Steintreppen kein Ende, werden die Beine schwer, aber ein vorzeitiges Umkehren kommt nicht in Frage. Schließlich ergeben sich immer wieder schöne Aussichten über die Häuserschluchten von Taipeh, aus denen der bambusförmige Wolkenkratzer Taipei 101 mit seinen 500 Metern aufragt wie der Pfeil auf einer Dartscheibe.

View over Taipei City with Taipei 101

Radfahren in Taipehs Flussufer-Parks

Wenn es mal weniger steil zugehen soll, schwinge ich mich gern auf Rad und nehme den kürzesten Weg zum nächsten Fluss. Nur dort lässt es sich in Taipeh richtig entspannt radeln: An beiden Ufern der Ströme, die durch Taiwans Hauptstadt fließen, ziehen sich mehr als 100 Kilometer grüne Parkstreifen entlang. An einigen Stellen sind sie mehrere hundert Meter breit.

Neben Radwegen und Rasenflächen finden sich hier auch Feuchtgebiete, Hundewiesen und Sportplätze. Überall spielen dort am Wochenende Amateur- und Jugendmannschaften Baseball, Taiwans beliebtesten Mannschaftssport, der vor etwa hundert Jahren von den Japanern ins Land gebracht wurde. Vorbei geht die Fahrt auch an Basketball- und sogar Tennisplätzen, die alle frei zugänglich sind und auf denen trotzdem kein Netz Opfer von Vandalismus wird.

Und in der Stadt? Meine Beobachtungen zum Radfahren in Taipeh, mit Video.

Riverside bike path in Taipei City, with Taipei 101

Von Menschen, die Taipeh schon länger kennen, höre ich (PDF meines Zeitungsartikels): Vor 10, 15 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Wo heute Blumenbeete angelegt und Flutwände mit Mosaiken verschönert werden, war damals verkommenes Brachland, das gern als wilde Müllkippe genutzt wurde.

Dann erkannte die Stadtregierung, dass ihre Bürger nicht immer nur Geld verdienen, sondern auch mal entspannen wollen, und startete ein großes Reinemachen. Projekt Lebensqualität – davon profitiere ich gern.

 



Dieser Beitrag zu meiner Taiwan-Kolumne in der heimatlichen Lokalzeitung ist mittlerweile von der politischen Realität überholt worden.

Nachdem Anwohner, Wissenschaftler und Studenten jahrelang gegen das Kuokuang-Raffinierieprojekt (chin. Infos bei Wikipedia) mobil gemacht  und immer mehr Bürger aus ihre Seite gezogen haben, hat Taiwans Präsident Ma Ying-jeou kürzlich entschieden: Es wird nicht gebaut. Zumindest nicht im Wattenmeer vor der Küste von Changhua County. Eine Tage zuvor war Ma von wütenden Anwohnern ausgebuht worden. Und der Präsidentschaft-Wahlkampf hat begonnen.

Die Betreiberfirma Kuokuang ist ca. zur Hälfte in Staatsbesitz. Noch offen ist, ob die Regierung sich auf die Suche nach einem neuen Standort in Taiwan machen wird, oder ob das Projekt ins Ausland verlagert wird. Malaysia und Indonesien sind im Gespräch. Umweltschützer fordern, den Plan gänzlich fallen zu lassen.

Kennen Sie die niedersächsische Nordseeküste? Schön, das Wattenmeer, oder? Nun stellen Sie sich vor, eine staatseigene Firma würde zwischen Cuxhaven und Neuwerk auf einer künstlichen Insel eine mehrere Quadratkilometer große Chemiefabrik errichten. Mit ständig qualmenden Schloten und einem Frischwasserverbrauch, der die Weser trockenlegen könnte. Das würden Sie nicht gut finden? Dann verstehen Sie auch, warum in einem der letzten naturbelassenen Küstenstreifen Taiwans die Anwohner gerade gegen genau solche Pläne auf die Barrikaden gehen.

Die Fahrt durch Taiwans Westen ist immer wieder ernüchternd. So majestätisch und unberührt das Hochgebirge im Osten der Insel, so zersiedelt und verschandelt ist hier die Küstenebene. Autobahnen ziehen sich auf Betonstelzen durch endlose Gewerbegebiete, zwischen Reis- und Gemüsefeldern stehen unvermittelt hässliche Wohnblöcke, und wo ich auch hinblicke, sind Straßen und Gebäude. Natur, so weit das Auge reicht, gibt es vielleicht in Niedersachsen, aber nicht hier. Klar, irgendwo müssen die 23 Millionen Taiwaner wohnen. Aber ihr jahrzehntelanger Wirtschaftsboom ging eindeutig zu Lasten von Natur, Lebensqualität und Gesundheit – denn es ist kein Nebel, der die Luft so dunstig macht. Es sind Abgase aus den nahen Chemiefabriken.

Ochsenkarren im Wattenmeer vor Taiwan

Über den mit struppigem Gebüsch bewachsenen Deich führt ein Weg direkt ins Wattenmeer, das sich endlos gen Westen erstreckt. Irgendwo da hinten liegt China. Wir sitzen auf einem Ochsenkarren, der mit seinen dicken Gummireifen im Schlick gut vorankommt. (mehr …)