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Traditionen und Verpflichtungen: Die Sache mit den Eltern

Mit über 30 noch bei den Eltern zu wohnen, dürfte in Deutschland mittlerweile die Ausnahme sein. In Taiwan gilt es als völlig normal. Moderne, berufstätige junge Männer und Frauen mit Hochschulabschluss leben in einem Zimmer in der elterlichen Wohnung, lassen Mama die Lunchbox fürs Büro zubereiten und gucken abends mit Papa die Fernsehnachrichten.

Fürchten sie die Unabhängigkeit, oder sind sie zu bequem, um auf eigenen Füßen zu stehen?

Ein wichtiger Grund, zumal in Taipeh, sind die hohen Wohnkosten. Gerade zu Beginn des Berufslebens sind die Gehälter nicht üppig. Da spart man sich das Geld für die Miete lieber. Außerdem gilt es als undankbar, Eltern allein zurückzulassen. Sie haben sich so lange um die Kinder gesorgt, lautet die tief verwurzelte Logik, dass es nun deren erste Pflicht ist, den Eltern umgekehrt jede Unterstützung zukommen zu lassen. Und wenn diese einen Auszug als Affront und Beweis für Liebesentzug empfinden würden, hat man sich zu fügen.

Alte Menschen in Taiwan

Romantik oft nur im Hotel

Die Partnersuche erschwert das natürlich. Ungestörte Stunden zu zweit? Dafür gibt es spezialisierte „Romantikhotels“, in die man stundenweise einchecken kann. Und wenn das Thema Hochzeit auf der Tagesordnung steht, ist das Urteil der Eltern oft ausschlaggebend.

Lesetipp: Eine Hochzeit in Taiwan

Hochzeit-Fotos Taiwan

Nach dem Jawort braucht das vielleicht nicht mehr ganz so junge Paar dann einen Platz zum Wohnen. Eine Eigentumswohnung (freistehende Häuser sind in Taiwans Städten unvorstellbarer Luxus) sollte es schon sein, um der Familie „Sicherheit“ zu bieten, Immobilienblase hin oder her. So verschulden die Brautleute sich gleich mal kräftig, und oft schießen die Eltern noch einen guten Teil ihrer Lebensersparnisse zu.

Traditionell hatten Frauen sich einzuordnen

Gibt es viel Platz oder eine freie Wohnung im selben Haus, ziehen manchen Paare auch gleich bei den Eltern ein – seinen Eltern, wohlgemerkt. Nach chinesischer Tradition wird die Frau mit der Heirat Teil der Familie des Mannes. Ihren Nachnamen behält sie zwar, aber ansonsten bestehen die Verbindungen zum Elternhaus künftig vor allem im jährlichen Besuch zum Neujahrsfest. „Töchter sind wie verschüttetes Wasser“, lautet ein altes Sprichwort. Spuren dieses Denkens halten sich bis heute.

Folge des engen Zusammenlebens sind oft Spannungen zwischen Ehefrau und Schwiegermutter. Aus dem eigenen Bekanntenkreis habe ich von Schwiegermüttern mit Zweitschlüssel gehört, die nachts unter absurden Vorwänden vor der Schlafzimmertür auftauchen. Wahrscheinlich kontrollieren sie, ob die Neue auch alles tut, um ihnen zeitig das gewünschte Enkelkind zu bescheren.

Kann Mama nicht loslassen, bringt der Sohn es oft nicht fertig, ihr die Stirn zu bieten und Partei für seine Frau zu ergreifen. Eheprobleme sind die logische Folge.

Lesetipp: Alternde Gesellschaft und Geburtenmangel in Taiwan

Die meisten Frauen verfolgen auch in Taiwan mittlerweile parallel zur Ehe ihre eigene Karriere. Viele sind finanziell unabhängig und nicht mehr bereit, sich in das traditionelle Rollenbild der Männer und der älteren Generation einzupassen. So heiraten vor allem die gut Ausgebildeten lieber gar nicht oder warten darauf, dass ihnen irgendwann ein fortschrittlich denkender Kandidat über den Weg läuft – auch, wenn es für Kinder dann zu spät sein könnte.


Wer wirklich brauchbares Chinesisch lernen will, sollte die Textbücher liegen lassen und sich ein Handy zulegen. Dort erhält man ab und zu Mini-Lektionen wie diese frei Haus:

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Eine Minute kostet also 7,2 NT$, das sind ca. 17 Euro-Cent. Günstiger als private Chinesischlehrer. Und bestimmt mit interessanterem Vokabular. Ob man gleich durchgestellt wird?

Und ob es auch die männliche Variante gibt?


Nicht für das Leben, für die Schule lernen sie

Schüler in Taiwan: Warum sie so viel lernen müssen und welche Folgen das hat.

Wenn es schon dunkel wird in Taipeh, zwischen fünf und sechs Uhr abends, strömen sie auf die Gehsteige und stürmen die Busse: Heerscharen von Schülerinnen und Schülern, gekleidet in Uniformen, die geschnitten sind wie Trainingsanzüge oder Pyjamas. Grün-schwarz, rot-grau oder himmelblau – die Farben verraten auf einen Blick, aus welcher Schule sie kommen. Sie quatschen, tuscheln und kichern genau wie Teenager in Deutschland. Man sieht ihnen nicht an, dass sie gerade acht oder neun Stunden Frontalunterricht hinter sich haben. Und das war noch längst nicht alles.

Zeitungsartikel: Schüler in Taiwan

Nachhilfeschulen in Taiwan

Als Schüler in Bremervörde hatten wir den anstrengenden Teil des Tages spätestens gegen 14 Uhr überstanden und machten uns auf den Heimweg. Von so viel Freizeit können Taiwaner nur träumen. Schule bis in den späten Nachmittag, und danach führt der Weg oft direkt in eine der zahllosen privaten Nachhilfeschulen – Englisch oder Mathe pauken. Bis zu Hause die letzten Hausaufgaben gemacht sind, ist es schon fast Mitternacht. Was deutsche Eltern auf die Barrikaden triebe, von den Schülern ganz zu schweigen, ist hier Alltag.

Bildung gilt in Taiwan schon fast als Religion. Von Kindern wird erwartet, dass sie sich verausgaben und gute Noten nach Hause bringen, um der Familie keine Schande zu machen. Dafür zahlen die Eltern klaglos Schulgeld, Nachhilfe und Studiengebühren. Die Wurzeln dieser Einstellung reichen zurück ins alte China, wo jeder die Chance hatte, durch Fleiß und Eifer die kaiserliche Beamten-Prüfung zu bestehen. Der Weg aus dem Reisfeld führte schon immer über die Bildung.

Immer identifizierbar mit Schuluniform und Nummer

Taiwans Schulsystem orientiert sich am amerikanischen Modell: Sechs Jahre Grundschule und jeweils drei Jahre „Junior“ und „Senior High School“. Beim Schulwechsel entscheiden die Noten, ob der Weg auf eine renommierte oder eine durchschnittliche Anstalt führt. Nach der Grundschule sorgt die Schuluniform fürs Gruppengefühl, und eine aufgestickte Schülernummer garantiert, dass der Träger oder die Trägerin auch außerhalb des Schulgeländes identifiziert werden kann. Da überlegt man es sich dreimal, bevor man in der U-Bahn die Füße auf den Sitz legt.

Pflichtbewusstsein und Leistungsdruck bleiben nicht ohne Folgen. Wenn ich mich mit deutschen Schülern unterhalte, die ein Austauschjahr in Taiwan verbringen, beschreiben sie ihre Altersgenossen als fleißig, interessiert und diszipliniert – aber auch als unreif, schüchtern und unselbstständig.

Schwierige Partnersuche für Taiwans Teenager

Nie würden Pärchen auf dem Schulgelände Händchen halten. Die erste Beziehung mit 14? Das lenkt doch nur vom Lernen ab. Viele Jungs kennen das andere Geschlecht vor allem aus Online-Spiele und Manga-Comics. Für Mädchen sind gefärbte Haare, auffälliges Make-up oder gar Piercings tabu. Im Unterricht spricht der Lehrer ins Mikro und alle schreiben mit. Freies Sprechen wird kaum trainiert. Erst wenn die Aufnahmeprüfung zur Uni bestanden ist, können junge Taiwaner sich wirklich ausleben.

Wenn ich sie aber so beobachte, etwa nach Schulschluss, fällt mir auf: Die gute Laune lassen sie sich trotzdem nicht nehmen.


In Taipeh gibt es viele Tempel, aber einer ist besonders beliebt – denn dort wohnt der „Matchmaker God“. Ein Besuch lohnt sich immer, und sei es nur, um junge Taiwaner(-innen) beim Räucherstäbchenschwenken zu beobachten. Ein Thema also auch für meine kleine Taiwan-Kolumne im heimischen Anzeigenblatt.

Hier noch ein Erfahrungsbericht einer westlichen Besucherin sowie Infos zu der städtischen Single-Party, die ich im Text erwähne.