Ein Spielcasino auf Matsu?

Gerade mache ich mir Gedanken, auf welche der Inseln, die zu Taiwan gehören ich als nächstes fahren sollte. Matsu, Kinmen, Xiaoliuqiu und Lüdao (Green Island) habe ich gesehen. Penghu und Lanyu (Orchid Island) stehen noch aus.

Eigentlich wäre Penghu an der Reihe. Aber ich glaube, ich werde noch einmal nach Matsu zurückkehren, wo ich letzten November ein paar Tage auf Nangan und Beigan verbracht habe. Denn (wie hier schon mal berichtet) Matsus Ruhe und Schönheit könnten bald Vergangenheit sein: Im Juli haben die Einwohner der Inselgruppe sich mehrheitlich dafür entschieden, dass Investoren ihnen ein riesiges Spielkasino in die unverbaute Natur k(l)otzen. Mit Hotels, Straßen, einem neuen Flughafen und allem, was sich aus Beton so machen lässt.

Sollte das Projekt nun tatsächlich realisiert werden, wären die Folgen verheerend.

There are few buildings on the island now. But its green hills could be dotted with high-rise hotels soon. Weidner expects 4.5m Chinese tourist-gamblers a year. Many could easily take the half-hour ferry ride over. An influx of Chinese gamblers could dramatically change Matsu’s calm atmosphere. But promises of convenience and prosperity have won over the local residents.

(Quelle: BBC)

Gemäß Taiwans Innenminister Lee Hung-yuan müssen vor dem Bau eines Casinos mehrere Probleme gelöst werden. Derzeit fehle es zum Beispiel an genügend Wasser; die momentane Wasserversorgung reiche für die derzeitige Bevölkerung und sei nicht für ein Casino-Resort konzipiert, so die China Times. Außerdem hätten weder die betroffene Lokalregierung, die Polizeibehörden noch sein Ministerium Erfahrungen mit Casinos.

(Quelle: Asienspiegel)

Aus dem Album Matsu: Abandoned military installations and bunkers

Dann ist da noch die nicht ganz unberechtigte Furcht vor Kriminalität. In Spieler-Hochburgen wie Macau weiß man Bescheid:

„Wo Casinos sind, da ist immer auch Kriminalität“, erklärte ein Sprecher der Behörden der Agentur Bloomberg in einem Telefoninterview. (…) Den Festgenommenen wird u. A. Geldwäsche, Betrieb illegaler Etablissements, Mord, Mordversuch und weitere Verbrechen vorgeworfen, die häufig von den Triaden begangen werden.

Aus dem Album Weird and interesting places on Matsu

Vielleicht bleibt Matsu aber auch verschont. Das wäre aber nicht unbedingt ein Grund zum Feiern, denn das würde wahrscheinlich bedeuten: Einwohner anderer Inselgruppen, wo sich leichter Geld verdienen lässt, haben sich auch blenden lassen. Dann ziehen die Geier einfach weiter.

Other casino giants hope the Matsu initiative increases pro-gambling sentiment in the Taiwan Strait archipelago of Penghu or in Kinmen, a group of Taiwan-controlled islands just off the swanky mainland city of Xiamen. Kinmen and Penghu have better infrastructure than Matsu, including bigger airports, meaning less investment and easier returns for any casino operators. Penghu voters turned down a casino initiative in 2009, due to fears that criminals would be drawn to the new resorts. The archipelago’s voters can try for a new referendum as early as September this year. (…) One of the first to strike in Taiwan may be the lesser known British firm Claremont Partners. The firm was formed via a management buyout of AMZ Holdings, which had initially bought land in Penghu ahead of the failed 2009 referendum. The company’s management „remains optimistic“ that the next Penghu referendum will pass as it prepares for an IPO in August, a Taipei-based shareholder in the firm said.

(Quelle: Knowledge Wharton)

Vielleicht sollte ich also doch lieber mal schnell nach Penghu fahren? Oder die Hoffnung darauf, dass der gesunde Menschenverstand sich am Ende gegen die Gier durchsetzt, doch nicht aufgeben? Keine leichte Entscheidung.

Ergänzung: Etwa so soll die Anlage aussehen