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Taiwans „nüchterne, unaufdringliche Hausfassaden“

Das ist meine Lieblingsformulierung aus einem neuen halbstündigen SWR-Radiofeature über Taiwan, das komplett im Netz steht.

Haus Wohnblock Taiwan

Es geht aber auch um den internationalen Status der Republik China, um freie Demonstrationen, die Arbeit im Auslandssender Radio Taiwan International (RTI) und darum, wie man als Deutsche Taiwan erlebt.

Die Autorin Mandy Fox hatte einige Monate als Praktikantin bei RTI gearbeitet, und nach ihrer Rückkehr hat sie diese hörenswerte Reportage erstellt.

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Wie ich schon auf Facebook schrieb: Einige historische und politische Hintergründe bleiben auch in einer halben Stunde unscharf, aber das geht fast allen Taiwan-Berichten so, und dieses Feature ist auf jeden Fall hörenswert.

Warum ich den „anderes China“-Titel für die Verwendung in Medien nicht optimal finde, hatte ich bereits näher erläutert: Diese Taiwan-Phrasen sparen wir uns lieber

Um Radio Taiwan International ging es hier übrigens in einem meiner allerersten Blogeinträge, über fünfeinhalb Jahre ist das schon her…


Warum Taiwan keine „abtrünnige Provinz“ ist

Auf der deutschen Huffington Post habe ich mir heute den Frust von der Seele geschrieben – den Frust über die deutsche Taiwan-Politik. Da gilt nämlich viel zu oft: Taiwaner müssen draußen bleiben.

Wenn Sie über die Huffington Post den Weg hierher gefunden haben: Herzlich wilkommen! Sehen Sie sich ganz in Ruhe um. Falls Sie mit Taiwan noch nicht vertraut sind, könnte mein kurzer Abriss zur Geschichte Taiwans bzw. der Republik China interessant sein.

Soldaten der Republik China in Taipeh

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um hier einige Begriffe aufzulisten, die in deutschen Medien häufig in Verbindung mit Taiwan gebraucht werden – leider. Aus dem einen oder anderen Grund sollte man sie lieber auf den Phrasen-Müllhaufen verbannen.

Taiwan-Phrase #1: „Abtrünnige Provinz“

Warum nicht?

Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan nicht als „abtrünnige Provinz“ oder „renegade province“. Auch, wenn die Medien immer wieder auf diese griffige Floskel zurückgreifen: Mir konnte noch niemand eine Quelle zeigen, in der die chinesische Seite sie verwendet. Sie muss also als Medien-Erfindung gelten.

Was dann?

China nennt Taiwan gern einen „unabtrennbaren Bestandteil des chinesischen Territoriums“.

Taiwan-Phrase #2: „Abgespalten“

Warum nicht?

Taiwans hat sich nach dem Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1949 nicht „abgespalten“. Die unterlegene Regierung der 1911/12 gegründeten Republik China zog sich mit den Resten der Armee und dem gesamten Staatsapparat nach Taiwan zurück. In der Folge beschränkte ihr Herrschaftsgebiet sich auf Taiwan und einige Inselgruppen.

Was dann?

Wahrscheinlich wäre es korrekter, zu sagen: Die Volksrepublik China hat sich von der Republik China abgespalten.

Taiwan-Phrase #3: „Staatsgründer Chiang Kai-shek“

Warum nicht?

Chiang Kai-shek hat keinen Staat gegründet. Nicht die Republik China, denn die bestand schon lange, bevor er sich nach Taiwan zurückzog. Und ganz bestimmt keinen Staat „Taiwan“. Den gibt es offiziell sowieso nicht.

Taiwan-Phrase #4: „Wiedervereinigung“

Warum nicht?

Was sich wiedervereinigt, muss ja schon mal vereinigt gewesen sein. Taiwan ist aber nie von der Volksrepublik kontrolliert worden. Und eine „Wiedervereinigung“ von Volksrepublik und Republik China würde bestimmt nicht auf Augenhöhe stattfinden. Peking würde die Bezeichnung „Republik China“ weder anerkennen noch die Bezeichnung der Volksrepublik ändern.

Was dann?

„Vereinigung“ oder „Anschluss“.

Taiwan-Phrase #5: „Das andere China“

Warum nicht?

„Anderes China“, „freies China“, „kleines China“… bequeme Medienfloskeln, die vermeintlich Vieles in Kürze auf den Punkt bringen, tatsächlich aber die komplexe Realität verkleistern. Zwar besteht auf Taiwan offiziell noch die „Republik China“, aber die Menschen hier sind sich selbst überhaupt nicht einig, was das denn nun bedeutet. Manche lehnen die Bezeichnung rundweg ab, andere bezeichnen sich als Taiwaner und als Chinesen. Nur eine Minderheit sieht in Taiwan nach wie vor nicht mehr als einen kleinen Bestandteil der (eigentlich) großen Republik China.

Was dann?

„Das demokratische Land“, „Die Inseldemokratie“, „Taiwan“

Also, wenn Sie mal wieder einen Medienbericht über Taiwan lesen: Achten Sie darauf, wie viele Floskeln Sie entdecken können.

(Nachtrag: Ja, wer fleißig Google anschmeißt, findet vielleicht auch in meinen eigenen Berichten solche Negativbeispiele. In mindestens einem Fall hat die Redaktion es mir nachträglich reingeschrieben. Die anderen habe ich verdrängt. Man lernt im Lauf der Zeit ja auch dazu.)


Die Republik China (Taiwan) und ihre diplomatischen Beziehungen

Ma meets Merkel: Taiwans Präsident Ma Ying-jeou unternahm diese Woche eine ganz besondere Reise. Zur Amtseinführung von Papst Franziskus am Dienstag reiste er als offizieller Staatsgast in den Vatikan. Dort konnte er unter anderem Angela Merkel Hallo sagen – ganz cool mit Sonnenbrille.

Taiwans Präsident Ma trifft im Vatikan auf Angela Merkel (Quelle: Worldjournal.com)

So bald wird er die Gelegenheit nicht wieder haben, denn wie fast die ganze Welt hat Deutschland keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mit Taiwan. Und Ma – obwohl demokratisch gewählt – darf die EU nicht mal als Tourist besuchen, geschweige denn als Präsident.

Taiwan nur noch von 23 Staaten offiziell anerkannt

Unfair? Aber sicher. Das liegt natürlich vor allem an der Volksrepublik China, die Taiwan für sich beansprucht und ihre weltpolitischen Muskeln spielen lässt. Wer es sich mit Peking nicht verderben will, der fasst Taiwan politisch lieber nur mit ganz spitzen Fingern an.

Übersicht bei Wikipedia: Taiwans diplomatische Verbündete

Weltweit rollen nur noch 23 Länder dem Staatsoberhaupt der Republik China – Taiwans offizielle Bezeichnung – den roten Teppich aus. In Europa ist es nur der Vatikan. Bevölkerungsreichster Verbündeter ist Burkina Faso mit 17 Millionen Einwohnern. Paraguay, Panama oder Haiti kennt man noch. Aber würden Sie auf der Weltkarte auf Anhieb Belize, Palau, St. Lucia oder die Salomonen finden? Dies alles sind Länder, in denen Taiwan offizielle Botschaften unterhält.

Diplomatische Verbündete der Republik China (Taiwan)

Ein ziemlicher diplomatischer Abstieg ist das, den dieser Staat seit Jahrzehnten erlebt. Als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen saß die Republik China bis 1971 sogar im U.N.-Sicherheitsrat. Nachdem es durch die Volksrepublik ersetzt wurde, schmolz die Zahl der Verbündeten zusammen.

Lesetipp: Deutsches Buch zur Geschichte der Republik China

Anders als die USA (bis 1979) oder Japan (bis 1972) hatte Deutschland nie diplomatische Beziehungen zur Republik China. Angeblich war Konrad Adenauers Position: Die Bundesrepublik sollte im Fall dieses anderen „geteilten“ Landes keine Position beziehen. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, in den fünfziger Jahren Beziehungen mit Südkorea aufzunehmen. Aus Sicht der DDR, die von Anfang an die Volksrepublik anerkannte, stand Taiwan sowieso im feindlichen Lager.

Lesetipp: Between ROC and a hard place: Taiwan und die Republik China

Pekings „Ein-China-Politik“ und Taiwan

1972 vereinbarte auch die BRD diplomatische Beziehungen mit Peking. Das brachte den Zwang mit sich, der „Ein-China-Politik“ zu folgen, die sinngemäß lautet: „Es gibt nur ein China, das ist die Volksrepublik, und Taiwan gehört dazu. Du sollst keine anderen Chinas anerkennen neben mir, und Taiwan schon gar nicht.“

Heute halten die meisten kleinen Länder vor allem wegen der großzügigen Entwicklungshilfe zu Taiwan – und vielleicht auch, weil sich ihre Staatsoberhäupter hier als Ehrengäste umschmeichelt fühlen können.

Der Vatikan, Taiwan und China: Wie geht’s weiter?

Dass Präsident Ma im Vatikan noch willkommen ist, liegt daran, dass Chinas Regierung die katholische Kirche kontrollieren will. Doch genau so, wie Chinas riesiger Markt andere Länder anlockt, weiß auch der Vatikan: In China leben etwa 10 Millionen Katholiken, in Taiwan nur 300.000.

Es liegt nun an Papst Franziskus, ob Taiwans Präsident Ma weitere Vatikan-Reisen planen kann, oder ob er bald in ganz Europa vor verschlossenen Türen steht.


Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung (s.u.) beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit folgenden Themen:

  • Positive Reaktion auf Hsiehs China-Besuch
  • Moody’s bestätigt Taiwans Bonität
  • Mega-Immobilienprojekt in Taipeh
  • Ausstellung zu Günter Grass in Tainan

So wie hier in Hongkong soll es bald auch rund um Taipehs Hauptbahnhof aussehen:

Der Hauptbahnhof von Taipeh soll zu einem mehrere Milliarden NT$ schweren Immobilienkomplex ausgebaut werden. Die Planungen sehen vor Hotels, Büros, Restaurants und Geschäfte in den Gebäudekomplex zu integrieren (…). Im Rahmen des Bauprojekts, das außerdem die Errichtung zweier Hochhäuser mit 56 respektive 76 Stockwerken vorsieht, wird eine Nutzfläche von insgesamt 158.000 Quadratmetern geschaffen werden, also eineinhalbmal soviel wie die Fläche des Taipei 101. Des weiteren soll der Komplex zu einem Verkehrsknotenpunkt umgestaltet werden, an dem neben den drei U-Bahn-Linien die Hochgeschwindigkeitszüge und die Eisenbahn Taiwans sowie die S-Bahn zum Flughafen zusammenlaufen werden.

Das wird dann sicher auch ein Fall für den Architekturführer Taiwan.

In der vorherigen Ausgabe, die ich noch nicht online gestellt hatte, ging es u.a. um diese Themen:

  • Präsident Ma zum Nationalfeiertag
  • Außenhandel wächst wieder
  • Frauen in der Politik

Taiwans Gesellschaft hatte schon immer moralische Vorurteile gegenüber Frauen in der Politik sowie einen starken Hang zum Voyeurismus, was viele Frauen davon abhält, in die Politik zu gehen. Yang Tsui, Professorin an der Dong Hwa University sagt, es gebe ein gespaltenes Verhältnis in der Gesellschaft in Fragen von Geschlecht und Macht. Männer, die gezielt eine Machtposition anstreben, würden für die Zurschaustellung von Männlichkeit und Stärke bewundert, aber eine Frau, die Ambitionen auf eine Machtstellung zeigt, werde oft unbewusst als jemand angesehen, der “die hässliche Seite seines Charakters zeigt“ oder gar verteufelt.

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


Neue Berichte aus Taiwan

In den vergangenen Wochen gab es zwei große Taiwan-Themen, über die ich im deutschen Radio berichten konnte.

100 Jahre Republik China

Da war einmal der Nationalfeiertag am 10. Oktober. Gefeiert wurden 100 Jahre – was eigentlich? Jedenfalls nicht „100 Jahre Taiwan“, denn die Insel gibt es schon ein bisschen länger, und einen Staat diesen Namens offiziell gar nicht.

Um Taiwans Situation zu begreifen, muss man den Begriff „Republik China“ kennen. Was es damit auf sich hat, dazu steht auf meiner Seite über Taiwans Geschichte ein kleiner Abriss.

Taiwaner und ihre Identität

Wie die Menschen hier sich als Taiwaner und/oder Chinesen definieren, darüber habe einen zehnminütigen Bericht für den WDR erstellt:

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US-Waffenlieferungen an Taiwan

Und dann war da noch das Dauerthema der amerikanischen Waffenlieferungen an Taiwan. Was haben die Chinesen sich mal wieder aufgeregt! Dabei hat Obama Taiwans größten Posten auf dem Wunschzettel mal wieder ignoriert – statt neuer F16-Flugzeuge sollen nur die alten aufgemotzt werden. So sind irgendwie alle nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, einschließlich der US-Opposition.

Meinen Beitrag für den Deutschlandfunk kann man nachlesen oder gleich hier hören:

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Nachtrag: Taiwaner oder Chinesen? Eine lesenswerte Typologie in meinem deutschen Lieblingsblog von Ludigel.


Wo Demokratie auf Chinesisch funktioniert

Die „Republik China“ auf Taiwan ist Peking ein Dorn im Auge – US-Waffenlieferungen Thema beim Gipfeltreffen in Washington

Taiwans größte Touristenattraktion sorgt dieses Jahr für Verwirrung. Seit dem spektakulären Silvesterfeuerwerk prangt in 20 Meter hohen Leuchtbuchstaben „100 ROC“ an der Fassade des bambusförmigen Taipei 101, bis vor kurzem der höchste Wolkenkratzer der Welt. „100 Jahre Republic of China“ – welche Bedeutung dieses Jubiläum hat, ist den meisten Besuchern nicht bekannt.

Gerade mal so groß wie Baden-Württemberg, ist Taiwan seit über 60 Jahren potentieller Krisenherd und Mittelpunkt eines vertrackten Beziehungsdreiecks. Beteiligt ist neben der Volksrepublik China und den USA die Republik China – ein Staat, der für die internationale Diplomatie eigentlich gar nicht mehr existiert, (mehr …)