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Es gibt drei Arten von Nicht-Chinesisch-Muttersprachlern:

Die einen, für die chinesische Schriftzeichen ein zwar dekoratives, aber undurchschaubares Buch mit sieben Siegeln sind, so wie vielleicht auch die arabische, thailändische oder koreanische Schrift (nur etwas bekannter, dank Hongkong-Filmen). Sie nehmen zur Kenntnis, dass es sie gibt, und lassen es damit bewenden. Das ist die größte Gruppe.

Dann eine kleine Gruppe von Ausländern, die es wagen, diese Sprache und damit auch die Schriftzeichen zu erlernen. Die wundern sich immer wieder, wenn mit einer neuen Lektion im Lehrbuch wieder ein Dutzend neue Zeichen auf sie niederprasselt, die binnen weniger Tage memoriert sein wollen. So viele Eselsbrücken kann man sich gar nicht ausdenken, wie da gefragt sind. Und dann stellt man fest, dass man trotzdem keinen Zeitungsartikel lesen kann, vielleicht gerade mal den Sinn der Überschrift erfassen. (Ja, da spreche ich aus eigener Erfahrung.)

Und schließlich gibt es einige Menschen, die zwar keine Ahnung von chinesischen Schriftzeichen haben, sich aber trotzdem gerne damit schmücken – vermutlich gerade, weil sie so fremd und exotisch erscheinen. Und das kann tierisch in die Hose gehen.

Schauen wir uns doch mal dieses Bild an. Eine Messe oder ein Autohaus irgendwo in Deutschland. Und weil deutsche Autos an sich so langweilig sind, kann man sie prima mit solchen Aufklebern verschönern:

Schriftzeichen Aufkleber

Wieso sich jemand „Geburt“ oder „Böse“ auf die Karre kleben will, oder seinen Ferrari in „fa-la-li“ umbenennen, das lassen wir hier mal dahingestellt sein. Wer aber drei Euro und mehr für Aufkleber hinlegt, die in der Herstellung vermutlich ein paar Cent gekostet haben, der sollte zumindest korrekte Ware erwarten können. Ist aber nicht so: (mehr …)


Über die faszinierende Welt der chinesischen Schriftzeichen und die Frage, warum die Chinesen nicht schon längst aufs ABC umgestiegen sind, habe ich hier mal was geschrieben.

Schön, dass ich mit meinen Überlegungen offenbar nicht so falsch lag. Heute stellt Spiegel Online sich nämlich die gleiche Frage: Warum schreiben Chinesen mit Zeichen? Und erklärt bei der Gelegenheit auch gleich, was es mit dem elektrischen Gehirn, der elektrischen Sprache und der Hand-Maschine auf sich hat. Über die Unterschiede zwischen Lang- und Kurzzeichen findet sich dort allerdings leider nichts.

Noch mehr zum Thema Schriftzeichen steht in diesem Blog übrigens hier und hier. Und dieses Flash-Video kann ich jedem nur noch einmal nachdrücklich ans Herz legen!


Heute ist ein trauriger Tag. In einer Stunde mache ich mich zum letzten Mal auf zu meinem Chinesisch-Kurs an der Uni. Die zwölf Wochen gingen vorbei wie im Flug.

Das heißt aber nicht, dass ich schon auf gepackten Koffern sitze. Ich werde noch ein paar Wochen in Taiwan bleiben und versuchen, vieles von dem zu sehen, wozu der Kurs mir keine Zeit ließ. Und noch ein bisschen mehr: Kommende Woche bin ich von Montag bis Donnerstag in Hongkong. Das liegt quasi um die Ecke. Ich sehe es mir nicht nur aus Neugier an, sondern auch, weil mein Visum Ende Mai abläuft und ich bei erneuter Einreise nach Taiwan wieder 30 Tage Aufenthalt bekomme. Am 20. Juni fliege ich dann zurück nach Deutschland.

Jetzt möchte ich noch ein Versprechen einlösen: Birger hatte vor einiger Zeit gefragt, wie das Eintippen von chinesischen Schriftzeichen am Computer funktioniert.

Gucken wir uns mal eine taiwanische Computer-Tastatur an. Überraschung: Sie hat nicht etwa 2000 Tasten, sondern sieht fast so aus wie im Westen.

So weit ich es verstanden habe, gibt es im wesentlichen drei verschiedene Methoden, um mit ein paar Dutzend Tasten zehntausende Schriftzeichen einzutippen. Und immer funktioniert es so wie beim SMS-Tippen: Nach Beginn der Eingabe macht die Software Vorschläge mit den wahrscheinlichsten Varianten, und je mehr man eintippt, desto präziser werden die Vorschläge. Für besonders häufige Begriffe muss man also nur eine oder zwei Tasten drücken.

Wie das allerdings vor dem Aufkommen grafischer Benutzeroberflächen funktioniert hat, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.

一 „Zusammenbasteln“

Es ist ja nicht so, dass alle chinesischen Schriftzeichen sich völlig voneinander unterscheiden. Sie sind vielmehr zu großen Teilen aus wiederkehrenden Elementen zusammengesetzt, die immer neu kombiniert werden.

So bedeutet das Zeichen 貝 z.B. „Muschel“, steht aber als Bauteil für „Geld“. Und taucht deshalb etwa in folgenden Zeichen auf:

  • 買 kaufen
  • 賣 verkaufen
  • 貴 teuer

Auf der Tastatur seht ihr unter den Buchstaben links und rechts die häufigsten Elemente der chinesischen Schriftzeichen. Unter dem „D“ findet sich zum Beispiel links ein Baum 木 und rechts eine Sonne 日. Ich vermute, wenn man die beiden kombiniert, schlägt das System als einen der ersten Treffer 東 vor. Guckt Euch das Zeichen mal genau an (Schrift vergrößern). Es ist quasi ein Baum, hinter dem die Sonne aufgeht. Und es heißt… Osten. Denn im Osten geht nun mal die Sonne auf.

Weitere nette Beispiele für zusammengesetze Zeichen:

  • 媽 Mutter = Frau 女 + Pferd 馬
  • 好 gut = Frau 女 + Sohn 子
  • 明 hell = Sonne 日 und Mond 月
  • 家 Zuhause = Schwein 豬 unter einem Dach

Diese Methode benutzen die Leute, wenn sie zwar wissen, wie ein Zeichen aussieht, aber nicht unbedingt, wie es ausgesprochen wird. Soll ja vorkommen.

二 Bopomofo

Der andere Ansatz: Man nähert sich dem Schriftzeichen über die Aussprache. Da gibt es außer den Umschriften, die lateinische Zeichen verwenden (wie Pinyin, s.u.) ein System mit dem schönen Namen „Bopomofo“, das wohl vor allem auf Taiwan verwendet wird. Dabei wird jedem der möglichen Laute (Konsonanten und Vokale), also „b“, „p“, „ei“, „ian“ usw. ein Haken-ähnliches Symbol zugewiesen. Diese Symbole seht ihr rechts neben den lateinischen Buchstaben. Sie finden sich auch auf taiwanischen Handy-Tastaturen und neben den Schriftzeichen in Kinder- oder Sprachlern-Büchern.

Das heißt, wer 好 hao=“gut“ tippen will, drückt zuerst das Bopomofo-Zeichen für „h“, also ㄏ und dann für „ao“, also ㄠ.

In Taiwan ist Bopomofo extrem verbreitet, weil es in den Grundschulen gelehrt wird. Es kommt auch Japanern, die chinesisch lernen wollen, entgegen, da es in deren Sprache ein ähnliches Lautschrift-System namens Katakana gibt. Auch einige westliche Sprachstudenten schwören drauf, weil sie es für „exakter“ halten als Pinyin – lateinische Buchstaben verführen dazu, sie falsch auszusprechen.

In der Volksrepublik scheint es dagegen wirklich so zu sein (bitte korrigiert mich ggf.), dass die Menschen lateinische Buchstaben lernen müssen, weil dort als Umschrift Pinyin verwendet wird.

三 Pinyin

Das Pinyin-System habe ich ja ansatzweise hier schon mal erklärt. Ich halte es für ziemlich praktisch, da ich keinen Nerv hatte, mit Bopomofo quasi noch mal ein neues Alphabet zu lernen. Man muss halt nur immer bedenken, dass die korrekte Aussprache mit dem, was wir gemeinhin mit den Buchstaben verbinden, nicht viel zu tun hat.

先生 z.B. heißt „Herr“ (wörtliche Übersetzung: „zuerst geboren“). In Pinyin schreibt man es xiānshēng. Ausgesprochen wird es aber, ganz grob vereinfacht, „chiän-schang“ (ch wie in „ich“, nicht wie in „Bach“).

Auf meinem Mac habe ich das Programm QIM installiert, mit dem das Pinyin-Eintippen in jedem Programm problemlos möglich ist. Ich kann mit einem Tastendruck hin- und herschalten.

So sieht es z.B. aus, wenn sich in Word das Fenster (oder genauer: der Floater) mit den Vorschlägen öffnet:


Der Kollege Lix hat sich angesichts der Komplexität und Vielzahl chinesischer Schriftzeichen gefragt:

Ist eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen, Chinesisch in lateinische Zeichen zu transkribieren (wie es zum Beispiel die Türken mit ihrer Sprache gemacht haben)?

Aber sicher – wie sonst können wir heute von Peking bzw. Beijng sprechen. Wie die unterschiedlichen Schreibweisen schon zeigen, gibt es sogar eine ganze Reihe von Lautschrift-Systemen, um Chinesisch mit unseren Buchstaben aufzuschreiben.

Das gebräuchlichste heißt Pinyin, das benutzen wir auch im Unterricht.

Nun ist Chinesisch eine Tonsprache mit vier verschiedenen „Tönen“.

Das heißt, eine Silbe wie jiu (sprich ungefähr „Joe“) kann ich auf vier verschiedene Arten aussprechen, die in Pinyin so notiert werden (ich hoffe, Euer Browser zeigt das korrekt an):

  • jiū
  • jiú
  • jiǔ
  • jiù

Ein zweisilbiges Wort wie „Beijing“ kann also auf rund 16 verschiedene Arten ausgesprochen werden. Damit auch in der Umschrift klar ist, was gemeint ist (nämlich „Nördliche Hauptstadt“), müssten wir also jedes Mal eigentlich schreiben: běijīng

Das ist das erste Problem mit der Umschrift. Das zweite ist noch gravierender: Weil Mandarin mit vier Tönen im Vergleich zu anderen Tonsprachen noch vergleichsweise wenig hat, gibt es insgesamt nur einige hundert unterschiedlich ausgesprochene Silben – aber viele tausend Schriftzeichen. Das heißt, der Trend geht zur Mehrfachverwertung.

Allein für jiu im dritten Ton, also jiǔ, kenne ich nach meinen paar Wochen Unterricht schon folgende Bedeutungen und Schriftzeichen:

  • Neun 九
  • lange Zeit 久
  • Alkohol 酒

Warum sollten die Chinesen/Taiwanesen ihre über Jahrtausende entwickelte Schrift gegen ein System eintauschen, das selbst bei korrekter Schreibweise keinen Unterschied zwischen „Alkohol“ und „Neun“ macht? Der Sinn von Texten würde sich auf den ersten Blick gar nicht mehr erschließen (dass es beim Sprechen funktioniert, halte ich immer noch für ein Wunder).

Kurz gesagt: Ein Fünftel der Weltbevölkerung kommt mit den Schriftzeichen gut klar. Ich würde nicht darauf setzen, dass sich das so bald ändert.


Chinesisch lernen macht Spaß! Ich weiß, am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich geändert. Wer als unvorbelasteter Westler diese Sprache lernen will, kann sich in Zukunft sämtliche Gehirnjogging-Ratgeber sparen. Es ist faszinierend, wie sich die Informations-Partikel, die zu Beginn ziemlich unkoordiniert im Hirn herumschwirren, nach und nach zusammensetzen und Sinn ergeben.

Nehmen wir mal die Schriftzeichen. Davon gibt es ziemlich viele, und auf den ersten Blick ergeben sie keinen großen Sinn. Teilweise sehen sie sich sogar zum Verwechseln ähnlich.

Allein mit den Schriftzeichen in der unteren Bildhälfte lassen sich allerdings schon solche Sätze bilden:

  • 李先生不是英國人 („Herr Li ist kein Engländer.“)
  • 他是中國人 („Er ist Chinese.“)
  • 您貴姓 („Wie lautet Ihr werter Name?“)
  • 我姓馬,你呢 („Ich heiße Ma, und Sie?“) (Könnte ein Zitat des künftigen Präsidenten sein)

(Falls die Schriftzeichen zu klein dargestellt werden, kann man im Browser-Menü die Schriftgröße verändern. Falls sie gar nicht angezeigt werden, muss man die passenden Schriften installieren.)

Es steckt also ein System hinter diesen nur scheinbar willkürlichen Zeichen. Was für eines? Das habe ich bisher noch nirgendwo (auch nicht in unserem Unterricht) so anschaulich und einleuchtend erklärt bekommen wie in diesem Flash-Video. Unbedingt anschauen! Ein paar Minuten, nach denen Ihr klarer seht – versprochen.

Und woher stammt dieses schöne Video, und noch einige mehr? Von dieser Website.


Wir lernen Chinesisch mit praktischen Beispielen, Folge 1:

Dieses Schild hängt nicht in meiner Uni, das Bild stammt nicht von mir und höchstwahrscheinlich auch nicht aus Taiwan, sondern vom Festland

  • 今 天 jin tian = heute
  • 明 天 ming tian = morgen
  • 工 作 gong zuo = arbeiten
  • 努 力 nu li = fleißig
  • 不 bu = nicht
  • 找 zhao = suchen

„Heute Arbeit nicht fleißig – morgen fleißig suchen Arbeit.“

So einfach ist chinesische Grammatik! Mit den Schriftzeichen sieht es leider anders aus – ich kannte sie auch nicht alle… Danke an Conny für die Übersetzungshilfe und das Foto.

Noch was anderes: In Taiwan greift offenbar die political correctness um sich. Meine Lieblings-Bushaltestelle auf dem Weg zur Uni hieß bislang in Durchsage und Bus-Display erfrischend unkompliziert „Educational Institute for the Mentally Retarded“. Seit heute: „Institute of Special Education“. Wieder ist die Welt ein kleines Stückchen langweiliger geworden.