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Entries tagged with “Sozialversicherung”.


Krankenversicherung, Rente und Arbeitslosengeld

Das Stichwort „Taiwan“ verbinden in Deutschland einige immer noch mit Begriffen wie „Entwicklungsland“ oder „Armes Asien“. Das hat mit der Realität nicht viel zu tun.

Skyline Dächer Taipeh

Auch, wenn im Moment mal wieder viel über das angeblich zu schwache Wirtschaftswachstum lamentiert wird: Die meisten der 23 Millionen Taiwaner genießen einen Lebensstandard, der mehr mit Europa oder Japan als mit Thailand oder Vietnam zu tun hat. Es gibt weder Slums noch Massenarmut. Dafür aber mittlerweile ein recht ordentliches soziales Sicherungsnetz.

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Sind Sie ein Schlangenmensch?

Chinesisch Neujahr und mehr im zweiwöchentlichen Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung (s.u.). Dieses Mal u.a. mit folgenden Themen:

  • Kulturprogramme im Ausland
  • Rentenreform angekündigt
  • Wiederaufnahme von Wirtschaftsgesprächen mit den USA
  • Chinesisches Neujahr 2013 – Vom Drachen zur Schlange

Kulturprogramme im Ausland

Taiwans erst vor kurzem eingerichtetes Kulturministerium hat einen Fördertopf gegründet, um im Ausland Taiwans Kultur stärker zu fördern: Ausstellungen, Festivals, Vorlesungen und andere Veranstaltungen.

Der Kulturfond konnte aufgrund einer Spende des Vorsitzenden der Ruentex Group, Samuel Yin, aufgelegt werden, berichtete (Kulturministerin Lung Ying-tai) weiter und fügte an, sie sei überzeugt, dass die Privatwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Förderung von Taiwans Kunst und Kultur spielen werde. Im ersten Jahr des Programms, so Lung, werde ihr Ministerium die komplette Finanzierung der kulturellen Veranstaltungen im Ausland übernehmen. Sie hoffe jedoch, dass in den folgenden Jahren die Universitäten und Institute allmählich dazu übergehen können, die Hälfte der finanziellen Bürde des Programms zu tragen.

Zu den sieben Universitäten, die bereits ihr Interesse bekundet haben, zähle auch die Rupert-Karl-Universität Heidelberg.

 

Neuer Taiwan-Kunstverein in Deutschland

In diesem Zusammenhang interessant: Vor kurzem wurde in Deutschland der HoHaiYan Künstlerverein zur Förderung von Musik und darstellender Kunst aus Taiwan gegründet. Der Verein will dieses Jahr in Deutschland mehrere Konzerte mit Kompositionen und Künstlern aus Taiwan veranstalten.

Ein solches Konzert, Fantasia Formosa, fand am 9.2. in München statt.

HoHaiYan-Künstlerverein auf Facebook

Chinesisches Neujahr 2013 – Vom Drachen zur Schlange

CNY Chinesisch Neujahr

Am 10. Februar begann laut chinesischem Mondkalender das „Jahr der Wasserschlange“. Im Newsletter finden sich mehr Infos zum Fest, zur Bedeutung des Schlange-Tierkreiszeichens, und diese interessanten Angaben:

Prominente, die in einem Jahr der Schlange geboren wurden: Aristoteles Onassis, Audrey Hepburn, Grace Kelly, Greta Garbo, Heinrich Böll, Henry Fonda, Jean-Paul Sartre, Johannes Paul II, John F. Kennedy, Max Schmeling, Mohammed Ali.

Schlangenjahre: 23.01.1917 – 10.02.1918 * 10.02.1929 – 29.01.1930 * 27.01.1941 – 14.02.1942 * 14.02.1953 – 02.02.1954 * 02.02.1965 – 20.01.1966 * 18.02.1977 – 06.02.1978 * 06.02.1989 – 26.01.1990 * 24.01.2001 – 11.02.2002 * 10.2.2013 – 30.01.2014

 

Ursprung und Traditionen: Mein Blogeintrag über Chinesisch Neujahr in Taiwan

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


Sind Buxiban schädlich für Kinder?

Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung (s.u.) beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit folgenden Themen:

  • Präsident Ma bekräftigt den „Konsens von 1992“
  • Engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Taiwan und EU
  • Neue Regeln für Pensionäre
  • Schüler sollen weniger lernen

Kritik an Taiwans „Paukschulen“

Kinder auf Spielplatz in Taiwan

Besonders interessant finde ich den aus der China Post übersetzten Bericht über die Nachhilfeschulen. Die „Child Welfare League Foundation“ fordert Eltern auf, lieber mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und Ihnen Dinge beizubringen wie „Schuhe binden oder Radfahren“, statt sie bis spät Abends in die Buxiban (補習班) zu schicken.

Kinder derartig lange in der Schule zu lassen ist schlussendlich sinnlos. Erziehungswissenschaftler schlagen vor, den Kindern keinen Nachhilfeunterricht erteilen zu lassen. (…) So verführerisch es auch sein mag die Kinder sieben Tage die Woche mit Extraunterricht zu Höchstleistungen zu trimmen, sie schaffen es nicht.

Lesetipp: Meine Beobachtungen über Schüler in Taiwan

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


Wer sich für Taiwan interessiert, konnte in den vergangenen Wochen einiges Interessante aus der deutschsprachigen Blogosphäre erfahren. Vor allem Ludigels Output war mal wieder beträchtlich. Hier meine persönlichen Highlights.

Bürokratisches

In Sachen Papierkram-Pedanterie stehen Taiwaner den Deutschen in nichts nach. Ludigel hat sich daran gewagt, einen Pfad ins Dickicht zu schlagen. Er erklärt uns, wie man für in Taiwan geborenen Nachwuchs einen deutschen Pass beantragt, und versucht, Taiwans Rentensystem zu durchdringen: Hat man als Nicht-Staatsbürger auch Ansprüche und wenn ja, welche?

Und dann hat er noch herausgefunden: Lässt man sich von Amazon.de nach Taiwan liefern, wird offenbar die Umsatzsteuer erstattet, und Amazon kümmert sich ums Verzollen. Außerdem hat die Lieferung (eines Objektivs) nur drei Tage gedauert.

Heimisches

Taiwan buildings

Impressionen aus „Käfignesien“, Ludigels Wohnviertel in Taipeh. Über Fenstergitter, Parkplatzknappheit und Baulärm. Das ganz normale Leben halt.

Positives

Taiwan ist ein sicheres Land, freut sich Ludigel. Hier muss man sich spätabends im 7/11 weniger Sorgen machen als an einer Darmstädter Tankstelle.

Halbherziges

Im deutschen Redaktionsblog von Radio Taiwan International findet sich ein Bericht vom „Internationalen autofreien Tag“ in Taipeh. Da hat die Stadtregierung es doch tatsächlich geschafft, für einen halben Tag den Platz vor dem Rathaus für Autos zu sperren. Wahnsinn.

Was eigentlich passieren müsste, steht z.B. in diesem Kommentar in der Taipei Times.

Taiwan traffic, bike

Historisches

„Taiwan gehört sehr jeher zu China.“ So hört und liest man ja gelegentlich. Dass das großer Blödsinn ist, zu diesem Schluss kommen viele, die sich eingehend mit der Geschichte beschäftigen. Dezhong von Blickpunkt Taiwan hat sich die Mühe gemacht, über das Taiwan-Bild zur Zeit des chinesischen Kaiserreichs zu schreiben.

Tatsächlich sind konkrete Äußerungen zu Taiwan in altchinesischen Quellen mehr als spärlich. Der heutige Stand der seriösen Geschichtsforschung ist, dass es bis zum Ende der Ming-Dynastie (1368-1644) keine Aufschreibungen gibt, die sich eindeutig an Taiwan festmachen lassen. Das heißt natürlich nicht, dass kein Chinese zuvor jemals den Weg vom Festland auf „das andere Ufer“ gefunden hat.

Besinnliches

Luo2You1 macht sich so einige Gedanken über die geografischen Mittelpunkte Deutschlands und Taiwans.

Wahrnehmbar gemeinsam war beiden Orten ein dicker Stein, der unverrückbar bestätigte, dass die Suchenden selber im Mittelpunkt stehen. Denn die Zweifel an der Bedeutung solcher Punkte angesichts der eher willkürlichen Definition, technischen und tatsächlichen Meßbarkeit, der Veränderlichkeit staatlicher oder weniger staatlicher Gebilde, Motivation der Aufsteller sind enorm.

Und er hatte interessante Begegnungen in einer christlichen Kirche am Sonne-Mond-See: „Come back to God.“

Italienisches

Italienische Restaurant gibt’s in Taiwan viele, aber mit unseren europäischen Vorstellungen haben sie nicht immer viel gemein. Luo2You1 erinnert sich an einen Besuch:

Statt Parmesan, da die taiwanesische Reaktion auf würzigen Käse schwer einzuschätzen ist, gab es auf den Spaghetti Bolognese Bambusscheiben als „Käse-Fake“. Das passte und schmeckte gut zu den Nudeln. Zur Sicherheit hatte die Bestellerin noch eine extra Portion Teigtaschen geordert. Im übrigen war bei jedem Hauptgericht ein Glas Saft inbegriffen.

Auch in Ludigels Nachbarschaft hat so ein Taiwano-Italiener aufgemacht:

Der große Renner unter den Nudelgerichten ist ein chinesischer Seafood-Nudeltopf, bei dem lediglich die chinesischen Nudeln durch Spaghetti ersetzt worden ist. Etwa 50% der Kunden bestellen das. Die restlichen 50% bestellen Spaghetti mit Seafood, mit einer Art Bolognese dazu. Ich hatte immer Nudeln mit weißer Soße und Hühnerwürfeln drin, völlig geschmacklos, ohne Salz und ohne Wein und ohne Gewürze, aber hübsch anzusehen.

In der Nachbarschaft wurde der Laden ein großer Erfolg, so dass Ludigels taiwanische Familie ihn nun drängt, ebenfalls ein Lokal zu eröffnen.

Mein Einwand war immer, das wir als La Familia in Punkto Gastronomie keine Erfahrung haben würden, aber – so machte meine Frau deutlich – mangelnde Fachkenntnis ist in Taiwan kein Hinderungsgrund ein Geschäft auf zu machen.

Ich empfehle auch einen regelmäßigen Blick ins deutsche Forum von Deutschland.tw bzw. Forumosa.com und auf meine Liste weiterer deutschsprachiger Taiwan-Informationsquellen. Hinweise auf alles, was ich übersehen habe, sind immer willkommen.


Senioren in Taiwan

Weniger Kinder, mehr Alte – nicht nur in Deutschland zerbrechen die Regierenden sich den Kopf darüber, wie das Zusammenleben in Zukunft funktionieren soll.

Taiwans Herausforderungen klingen verblüffend bekannt: Die Geburtenrate in Taiwan ist eine der niedrigsten der Welt. Dazu eine steigende Lebenserwartung (etwa 80 Jahre), das ergibt eine rapide alternde Gesellschaft. Mehr als zehn Prozent der Taiwaner haben den 65. Geburtstag schon hinter sich.

Taiwan elderly women in park

Aktiv im Alter

Um mir ein eigenes Bild zu machen, muss ich nur die Straße vor meiner Haustür überqueren. Der kleine Park hinter der Polizeiwache ist ein beliebter Treffpunkt für Senioren, die keine Lust haben, den Tag in einer engen, neonbeleuchteten Wohnung zu verbringen. Auf dem Sockel der Chiang Kai-Shek-Statue sitzen sieben oder acht Frauen, tauschen Neuigkeiten aus und haben alles im Blick – auch die Männer mit den Gehstöcken, die an einem Holztisch unter den Bäumen gegenüber stundenlang ins Brettspiel vertieft sind.

Taiwan elderly, senior citizens

Stehe ich besonders früh auf, sehe ich Seniorengruppen bei der Frühgymnastik oder einzelne hochkonzentriert beim Schattenboxen. In vielen Parks stehen spezielle Fitnessgeräte für Ältere, damit die Gelenke nicht einrosten. Viele Taiwaner sind im Rentenalter (das hier meist um die 60 beginnt) erstaunlich fit und überholen mich mühelos auf den steilen Bergwanderwegen.

Taiwan elderly person, wheelchair, caretaker

Nichts geht ohne Pflegekräfte

Genauso oft sehe ich aber pflegebedürftige Greise im Rollstuhl. Der wird normalerweise von einer jungen Frau mit südostasiatischen Gesichtszügen geschoben. Altenpflegerinnen kommen hier nicht aus Polen, sondern von den Philippinen, aus Vietnam oder Indonesien – aus Taiwans Sicht Billiglohnländer. Etwa 200.000 junge Frauen leben in Privathaushalten und versorgen alte Menschen, deren Kinder arbeiten – meist rund um die Uhr, denn Mindestlohn und Urlaubsregelungen gelten für sie nicht. Es sind harte Bedingungen, und leider hört man immer wieder von Pflegerinnen, die in den Familien wie Arbeitssklaven ausgebeutet werden.

Lesen Sie meinen englischen Beitrag über Gastarbeiter in Taiwan und ihre schwierige Situation.

Häusliche Pflege ist der Normalfall. Nur etwa zwei Prozent der Senioren in Taiwan leben in Heimen. (Interessante Infos: Experts call for better scheme for senior citizens’ care) Seine Eltern ein Leben lang zu ehren, ist eine eherne Grundregel in chinesisch geprägten Gesellschaften. Die Pflicht zum Gehorsam endet für Kinder nicht, wenn sie erwachsen werden.

Viele Paare leben ganz selbstverständlich mit den Eltern des Mannes in einer Wohnung (verheiratete Frauen zählen traditionell zur Familie des Ehemanns). Noch viel stärker als in Deutschland gilt die Vermutung: Wer seine Eltern im Alter nicht daheim versorgt, ist undankbar und egoistisch.

Taiwan senior citizens, couple

Ob das System noch lange funktioniert? Vor einigen Jahren erst hat Taiwan eine allgemeine Rentenversicherung eingeführt. Sechs Prozent vom Lohn zahlen Arbeitgeber nun aufs persönliche Alterskonto. Über eine Pflegeversicherung wird genauso diskutiert wie über flächendeckende Tagesbetreuung. Nur Altenheimbetreiber, die mit Senioren viel Geld verdienen, gibt es wohl noch nicht.

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.


Am schönsten ist es, wenn der Schmerz nachlässt: Wenn es im Kreuz mal wieder heftig zwackt, weil ich zu viel Zeit sitzend vor dem Rechner verbringe, gehe ich zum Masseur meines Vertrauens und lasse mich quälen. Mag Xiao Zhong mit seinem runden Gesicht und dem freundlichen Lächeln auch harmlos wirken – er weiß er doch genau, wo er drücken muss, um den maximalen Schmerz zu erzeugen. Mit sanfter deutscher Massage hat das nicht viel zu tun. Er walkt mich durch, renkt die Wirbelsäule ein, dass es nur so knackt, und setzt bei Bedarf auf besonders verspannte Stellen Saugglocken, deren Abdrücke tagelang sichtbar bleiben. Außerdem redet er mir jedes Mal gut zu: Mehr Schlaf, weniger Kaffee, ordentlich sitzen. Hinterher gehe ich dann tatsächlich ein paar Tage wie auf Wolken und freue mich, dass die halbstündige heilsame Tortur keine 10 Euro gekostet hat.

Überhaupt ist es eine Behandlung in Taiwan selten teuer. Das liegt vor allem daran, dass es seit 1995 eine allgemeine staatliche Krankenversicherung gibt, die mehr als 99% der Bevölkerung abdeckt – ein System, um das Taiwan von fast ganz Asien beneidet wird, und das sogar in den USA immer wieder als mögliches Vorbild genannt wird. Mit meiner Krankenversicherungskarte habe ich die freie Wahl unter staatlichen und privaten Krankenhäusern und Ärzten. Die monatlichen Beiträge sind im Vergleich zu Deutschland verschwindend gering, viele Probleme ähneln sich: Steigende Kosten, alternde Versicherte und Patienten, die so lange den Arzt wechseln, bis einer die gewünschte Diagnose stellt.

Über die Qualität der Behandlung in Taiwans 500 Krankenhäusern und fast 20.000 Arztpraxen höre ich vor allem Gutes. In Sachen Privatsphäre allerdings müssen Patienten – wie so oft im überfüllten Taiwan – Abstriche machen. In der Notaufnahme des Krankenhauses sitzt man sich gegenseitig fast auf dem Schoß, und viele Arztpraxen sind von der Straße her komplett einsehbar. Nur einige Stellwände oder ein Vorhang trennen den Wartebereich von der Liege, wo der Doktor spritzt oder bohrt.

Ganz anders als in Deutschland, zahlt die Krankenkasse nicht nur für westliche Schulmedizin, sondern auch für traditionelle chinesische Behandlungen. Taiwaner haben die Wahl, ob sie sich eine Pille oder einen Kräutercocktail verschreiben lassen. Für die chinesische Medizin liegen viele Beschwerden darin begründet, dass der Patient seinen Körper ins Ungleichgewicht bringt, indem er zu viele „heiße“ oder „kalte“ Speisen zu sich nimmt – was nichts mit der messbaren Temperatur zu tun hat. Ob es sich bei all dem um Quacksalberei oder um seit Jahrtausenden bewährte Heilmethoden handelt, darüber will mir kein Urteil anmaßen. Wer heilt, hat Recht.

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.