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Selten genug: Die Welt zu Gast in Taiwan

Meine stärkste Erinnerung an das „Sommermärchen“ der WM 2006 ist der Tag des Eröffnungsspiels. Am Münchner Marienplatz kam ich aus der U-Bahn und stand plötzlich inmitten tausender fröhlich feiernder Gäste aus aller Welt. Damals galt Deutschland noch nicht als so cool und attraktiv wie heute, und es war eine überraschende Erkenntnis: Die sind wirklich alle extra hierher gekommen. Und es gefällt ihnen auch noch bei uns!

Taiwan hat gerade seine eigene Version so eines Sommermärchens erlebt. (mehr …)


Verhängnisvolle Nachspielzeit: „Chinese Taipei“ gegen Vietnam

Ein Volkssport ist Fußball in Taiwan sicher nicht. Es gibt auch keine Profiliga. Aber ab und zu bieten sich seltene Gelegenheiten, ein offizielles Spiel live zu sehen. Neulich war so eine: WM-Qualifikation in Taipeh!

Von einem Olympia-Qualifikationsspiel Taiwans gegen Jordanien mal abgesehen, hatte ich zuvor nur ein einziges Mal ein echtes Fußball-Länderspiel live im Stadion gesehen: Das Eröffnungsspiel der WM 2006 in München, Deutschland gegen Costa Rica. (Hier ein paar Erinnerungen auf Deutsch und Chinesisch.) Verdammt lang her ist dieses Sommermärchen schon wieder. Damals gab es noch nicht mal Smartphones. Aber ich schweife ab.

FIFA-Länderspiel in Taipeh

Fußball Stadion Taipeh

Voll besetzte Fanblöcke in blau und in rot, Flaggen, Flutlicht, Vorfreude auf den Anpfiff: Als ich neulich das Stadion von Taipeh betrat und mir einen Platz in der Kurve suchte, (mehr …)


Willkommen zur Korbjagd im Kerker

Was ist gerechtfertigt für Publicity? Gelten in einer Gedenkstätte andere Regeln? Fragen, die sich nun Taiwans Behörden und ein nicht ganz unbekannter Energy-Drink-Hersteller aus Österreich stellen müssen.

Zellentuer Green Island

Es ist ein bedrückender Ort in idyllischer Umgebung. Nur einen Steinwurf vom Pazifikstrand, am Fuße dicht bewaldeter Hügel, steht ein altes Gefängnis. (mehr …)


Taiwan jubelt Schwarz-Rot-Gold

Sportsbar? Deutsches Restaurant? Für mich gibt es jetzt nur noch einen Ort, an dem ich das Halbfinale gegen Brasilien in Taipeh sehen will: Beim Public Viewing zusammen mit vielen, vielen taiwanischen Deutschland-Fans!

Taiwan Germany Football Fans

Das war das Publikum bei Viertelfinale gegen Frankreich. Ich habe nur zwei oder drei möglicherweise deutsche Gesichter gesehen, aber hunderte Taiwaner, die sich schwarz-weiße Trikots angezogen und Schwarz-Rot-Gold auf die Backen gemalt hatten. So wie sie mitfieberten, stöhnten und jubelten, hätten sie jedem deutschen Public Viewing alle Ehre gemacht. Nur Sprechchöre und Gegröhle wie „Schlaaand!“ oder „Sieg!“ gab es nicht. (mehr …)


Schwimmen statt streiten: Kinmen im Weltspiegel

Neulich war Taiwan ein Thema im ARD-Weltspiegel. Das wohl renommierteste Auslandsmagazin im deutschen Fernsehen berichtete von einem grenzüberschreitenden Wettschwimmen: Vom chinesischen Xiamen nach Kinmen, das von Taiwan verwaltet wird. Verpasst? Hier sind die Videos und ein paar Hintergrund-Infos.

ARD Weltspiegel Kinmen Flagge Taiwan China

120 Chinesen, 80 Taiwaner, acht Kilometer Schwimmen und ein Rennen – das Xiamen-Kinmen-Schwimmen fand am 6. Juli bereits zum fünften Mal statt. Die Richtung, in der die Schwimmer die Meerenge überqueren, wechselt von Jahr zu Jahr.

ARD Weltspiegel Kinmen Schwimmen Karte

China links, Kinmen rechts. Das Ziel war dieses Mal in der Mitte, auf der Insel Lieyu („Little Kinmen“).

Kinmen: Brennpunkt im Kalten Krieg

Natürlich hat die Veranstaltung eine große symbolische und auch politische Bedeutung. Die ältere Generation kennt Taiwans Vorposten vielleicht noch unter dem Namen „Quemoy“. In den fünfziger und sechziger Jahren war Kinmen auch deutschen Nachrichten ein großes Thema: Eine der heißesten Frontlinien im Kalten Krieg, bewaffnet bis an die Zähne, Sperrgebiet sogar für Taiwaner, Ziel amerikanischer Militärausbilder und vor allem unzähliger chinesischer Artilleriegranaten.

Kein Wunder also, dass der Beitrag in der ARD unter dem Titel „Aussöhnung mal anders“ lief. Oder alternativ: „Invasion der Badehosen“.

Das Video:

(Video in der ARD-Mediathek, auch zum Download / Infos zum Nachlesen)

Nicht der erste ARD-Bericht von Kinmen

Mein Job war es, vor dem Rennen Kontakt zur Regionalregierung von Kinmen aufzunehmen, die Reise vorzubereiten und vor allem zwei Teilnehmer zu finden, die sich bereitwillig von der Kamera begleiten lassen. Zum eigentlichen Dreh konnte ich leider nicht mitreisen, weil ich gleichzeitig in Shanghai zu tun hatte (mehr dazu in einem eigenen Blogeintrag).

ARD Weltspiegel Kinmen Schwimmen

Den selben Reporter und Kameramann hatte ich bereits vor einem Jahr nach Kinmen begleitet. Damals drehten sie für den Weltspiegel mit einem Schmied, der aus alten Granaten Messer fertigt.

Lesetipp: Messer, Granaten und Kanonen

Grenzfragen: Schwierige Dreharbeiten

Da ich in die Planung des Schwimm-Beitrags von Anfang an eingebunden war, habe ich miterlebt, wie dieser Dreh sogar die ARD vor Herausforderungen stellte. Der Plan war, sowohl beim Start in Xiamen dabeizusein wie auch 90 Minuten später am Ziel in Kinmen. Die strengen chinesischen Visabestimmungen für Reporter (und auch die ARD-Strukturen) machten eine Arbeitsteilung nötig:

  • Aus dem ARD-Studio Tokio, das auch Taiwan abdeckt, flog ein Team nach Taipeh und von dort nach Kinmen.
  • Aus dem ARD-Studio Peking machte sich ein weiteres Team auf den Weg nach Xiamen.
  • Das Taiwan-Team schnitt seine Sequenzen noch am selben Abend zusammen und überspielte sie nach Peking. Von dort ging der Beitrag zum Sender nach Hamburg.

Wer die ARD nicht von innen kennt, für den mag das nicht besonders kompliziert klingen, aber glauben Sie mir: Im Vorfeld war eine Menge Feinabstimmung nötig. Ich glaube, diese Form der Auslandsstudio-übergreifenden Zusammenarbeit für einen Einzelbeitrag war für den Weltspiegel sogar eine echte Premiere.

Zum besseren Verständnis haben die Kollegen noch diesen kleinen Blick hinter die Kulissen gedreht:

(Video in der ARD-Mediathek, auch zum Download)

Schön finde ich übrigens, dass die ARD ein unverkrampftes Verhältnis zur Verwendung von Begriffen wie „Taiwan“ und „China“ auch auf Landkarten hat:

ARD Weltspiegel Karte Taiwan China

Haben Sie den Beitrag gesehen? Halten Sie ihn für ein gelungenes Beispiel der Taiwan-Berichterstattung, oder hätten Sie etwas anders erzählt?


Taiwan: Eine Sportnation?

Eine ganze Reihe Sportler aus Taiwan hat Weltruhm erlangt – meist in Sportarten, die in Deutschland nicht besonders populär sind.

Jeremy Lin, Superstar

Vom Bankdrücker zum globalen Basketball-Star: Wenn Sie die Geschichte von Jeremy Lin noch nicht kennen, bemühen Sie mal die Suchmaschine ihres Vertrauens. In Taiwan jedenfalls scheint es seit Wochen kaum ein wichtigeres Thema zu geben.

Die Menschen sehen Lin als einen der ihren, auch wenn er gebürtiger Amerikaner ist – schließlich sind seine Eltern einst aus Taiwan in die USA ausgewandert. Und natürlich hat es riesiges Underdog-Identifikationspotential, wenn ein keine zwei Meter großer Asian-American sich in einer so körperbetonten Liga wie der NBA nicht nur durchsetzt, sondern so auftrumpft, dass ihm die Sportwelt zu Füßen liegt.

Den Rummel hat der in Taipeh lebende Blogger Sascha Pallenberg ganz gut hier beschrieben: Linsanity in Taipei from a German perspective. Auch Lin selbst – der viel auf seinen christlichen Glauben gibt, was ihn dann doch von den meisten Taiwanern unterscheidet – fand in einer Pressekonferenz neulich nette Worte für Taiwan.

Vielleicht bringt Jeremy Lins Erfolg nun einige junge TaiwanerInnen dazu, mehr Zeit auf dem Sportplatz zu verbringen. Und wer es mehr in den Beinen hat als im Wurfarm, könnte Fußball spielen. Denn da gibt es hier noch viel Aufzubauen – anders als im Basketball, wo in der Profiliga Begegnungen wie Taiwan Beer vs. Kinmen Liquor an der Tagesordnung sind.

Jubeln für Taiwans Fußballnationalteam

An mir liegt es nicht, wenn Sie noch nie von Taiwans Fußballnationalmannschaft gehört haben. Ich habe mein Bestes getan. Beim wichtigen Olympia-Qualifikationsspiel gegen Jordanien im März vergangenen Jahres hatte ich so viele Westler wie möglich zusammengetrommelt, um im Stadion von Taipeh europäische Atmosphäre zu erzeugen.

Leider vergeblich. Taiwans U23 unterlag mit 0:2 (Spielbericht), und das Land muss weiter auf seinen ersten Auftritt auf internationaler Fußballbühne warten. Es war ein unterhaltsamer Abend, aber Fußball ist einfach nicht Taiwans Nationalsport – das ist Baseball.

Nationalsport Baseball

baseball taiwan

Die Begeisterung für das Spiel mit Schläger und Handschuh kam nicht etwa aus Amerika, sondern auf dem Umweg über Japan auf die Insel. Taiwan war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts japanische Kolonie. Heute gibt es eine Profiliga, einige Taiwaner spielen in US-Teams, und wenn ich am Wochenende durch die Parks an den Flussufern radle, sehe ich überall Mannschaften auf öffentlichen Baseballplätzen trainieren.

Mit Japan und Südkorea liegt Taiwan in ewiger Rivalität um die Baseball-Vorherrschaft in Asien. Welch eine Demütigung, als man 2008 bei den olympischen Spielen in Peking ausgerechnet gegen China eine Niederlage einstecken musste!

Taiwan bei Olympia

Leider darf Taiwan bei internationalen Wettbewerben nur unter der Bezeichnung „Chinese Taipei“ und ohne Nationalflagge antreten, weil China so eifersüchtig darüber wacht, dass Taiwan nicht als selbstständiges Land geführt wird. Um so größer der Jubel in Taiwan, wenn Athleten Edelmetall mit nach Hause bringen.

2004 in Athen gab es in der Kampfsport-Disziplin Taekwondo die beiden ersten und bisher einzigen olympischen Goldmedaillen. Starke Frauen erringen immer wieder gute Platzierungen: Taiwans Gewichtheberinnen und das Frauen-Tauziehteam stehen regelmäßig auf dem Treppchen.

Und auch die derzeit wohl beste Golfspielerin der Welt hat ihren Abschlag in Taiwan erlernt: Yani Tseng ist erst 22, gewinnt aber ein wichtiges Turnier nach dem anderen. Taiwaner sind nicht für ihren athletischen Körperbau bekannt, und „körperlose“ Sportarten dominieren. Der beliebteste Breitensport ist Basketball – und das nicht erst seit Jeremy Lin. Auch ordentliche Tennisspieler bringt Taiwan hervor. Einer schaffte es 2010 ins Viertelfinale von Wimbledon.

Städtische Sportzentren

Körperliche Erschöpfung und Schwitzen gelten vielen Taiwanern, die das Leben gerne ausgewogen angehen, als übermäßige Belastung. Wer sich trotzdem sportlich betätigen will, hat aber viele Gelegenheiten. Schulen und Universitäten öffnen abends ihre Plätze für die Allgemeinheit, und Taipeis Verwaltung hat in jedem Viertel städtische Sportzentren errichtet, mit Kursräumen, Badminton-Courts, Schwimmbädern usw. Für nur 1,30 Euro kann ich hier eine Stunde lang ohne weitere Verpflichtungen ins Fitnesscenter.

Universiade 2017 in Taipei

Vor kurzem hat Taipei international aufgetrumpft: Die Stadt wird 2017 die Universiade ausrichten, quasi die olympischen Spiele der Studenten. Weil Taiwan gut abschneiden will, wird nun darüber diskutiert, wie man Nachwuchssportler besser fördern kann. Über die Ausbildung an Taiwans Sport-Universitäten stand kürzlich übrigens ein interessanter Artikel in einer Regierungszeitschrift.

2009 fanden in Taiwan bereits zwei internationale Sport-Großveranstaltungen statt: Die World Games in Kaohsiung und die Deaflympics in Taipeh.

Damals entstand auch dieser Fernsehbericht, auf den ich heute noch ein bisschen stolz bin:

Dieser Text war ursprünglich eine Folge meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

Taiwan Zeitungsartikel Sport