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Ab ins Grüne – in Taipeh!

Wochenend und Sonnenschein – da will ich auch in Taipeh nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen oder mich auf der Straße an Motorrollern vorbeiquetschen. Was tun, wenn die eigene Wohnung keinen Balkon hat und der Park gegenüber vom Zelt einer Trauerfeier blockiert ist?

Zum Glück leben im Ballungsraum der Hauptstadt zwar außer mir noch ca. 6 Millionen Menschen, aber wenn die mal ins Grüne wollen, haben sie es nicht allzu weit.

Zeitungsbericht über Parks in Taiwan

Wandern rund um Taipeh

Elefantenberg, Tigerberg, Yangming-Berg: Direkt hinter den Wohnblocks und Bürotürmen steigen sie in die Höhe. An drei Seiten ist Taipeh von Hügeln und sogar einem erloschenen Vulkan umgeben. So betongrau das Straßengewirr aus der Ferne wirkt, so sattgrün wuchern Büsche und Bäume an den steil ansteigenden Hängen.

Ein Netz von gut ausgebauten Wanderwegen bietet gestressten Großstädtern die Möglichkeit, schnell die Asphaltpisten hinter sich zu lassen. Der Weg ist vorgegeben, denn die Vegetation geht in unseren Breitengraden als Urwald durch, und es ist unmöglich, die vorgegebenen Pfade zu verlassen.

Hiking path near Taipei City

Wenn es im Sommer mit 35 Grad und mehr gar zu heiß vom Himmel brennt, oder wenn während der Frühjahrs-Regenzeit jeden Moment ein Wolkenbruch droht, überlege ich mir gut, ob ich so einen doch recht schweißtreibenden Aufstieg beginnen will. Wenn ich dann – noch frohgemut ausschreitend – die ersten gepflasterten Treppen erklimme, werde ich oft von Rentnern überholt, für die der Weg zum Gipfel seit Jahren allmorgendliche Routine ist.

Nehmen die Steintreppen kein Ende, werden die Beine schwer, aber ein vorzeitiges Umkehren kommt nicht in Frage. Schließlich ergeben sich immer wieder schöne Aussichten über die Häuserschluchten von Taipeh, aus denen der bambusförmige Wolkenkratzer Taipei 101 mit seinen 500 Metern aufragt wie der Pfeil auf einer Dartscheibe.

View over Taipei City with Taipei 101

Radfahren in Taipehs Flussufer-Parks

Wenn es mal weniger steil zugehen soll, schwinge ich mich gern auf Rad und nehme den kürzesten Weg zum nächsten Fluss. Nur dort lässt es sich in Taipeh richtig entspannt radeln: An beiden Ufern der Ströme, die durch Taiwans Hauptstadt fließen, ziehen sich mehr als 100 Kilometer grüne Parkstreifen entlang. An einigen Stellen sind sie mehrere hundert Meter breit.

Neben Radwegen und Rasenflächen finden sich hier auch Feuchtgebiete, Hundewiesen und Sportplätze. Überall spielen dort am Wochenende Amateur- und Jugendmannschaften Baseball, Taiwans beliebtesten Mannschaftssport, der vor etwa hundert Jahren von den Japanern ins Land gebracht wurde. Vorbei geht die Fahrt auch an Basketball- und sogar Tennisplätzen, die alle frei zugänglich sind und auf denen trotzdem kein Netz Opfer von Vandalismus wird.

Und in der Stadt? Meine Beobachtungen zum Radfahren in Taipeh, mit Video.

Riverside bike path in Taipei City, with Taipei 101

Von Menschen, die Taipeh schon länger kennen, höre ich (PDF meines Zeitungsartikels): Vor 10, 15 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Wo heute Blumenbeete angelegt und Flutwände mit Mosaiken verschönert werden, war damals verkommenes Brachland, das gern als wilde Müllkippe genutzt wurde.

Dann erkannte die Stadtregierung, dass ihre Bürger nicht immer nur Geld verdienen, sondern auch mal entspannen wollen, und startete ein großes Reinemachen. Projekt Lebensqualität – davon profitiere ich gern.

 


Taiwans Fußballteam, in der FIFA bekannt als „Chinese Taipei“, hat es nicht immer leicht. So bestand die gesamte Qualifikation für die WM 2010  aus zwei Vorrunden-Niederlagen gegen Usbekistan (0:2 und 0:9).

Es ist Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen! Am Mittwoch braucht Taiwan unser aller Unterstützung, beim internationalen Spitzen-Länderspiel

TAIWAN – JORDANIEN

am 9.3. um 19 Uhr im Taipei Stadium (schräg gegenüber vom Ikea, Ecke Nanjing und Dunhua Rd.).

Es ist ein offizielles Qualifikationsspiel für Olympia 2012 in London.

Bringt Fahnen (deutsche, ROC, was auch immer), staubt Eure Vuvuzelas ab und schmuggelt Taiwan Beer ins Stadion – dieses Mal wird die internationale Gemeinschaft unser Gastland zu Höchstleistungen anspornen! Lasst uns eine Kulisse schaffen, wie Taipeh sie noch nie erlebt hat!

Team Taiwan (von: ctfa.com.tw)

Weitere Infos:

Ein Deutscher war übrigens auch schon mal Nationaltrainer in Taiwan: Holger Obermann, Mitte der Siebziger. Er plaudert über einige interessante Erlebnisse:

(mehr …)


Länger als einen Monat kein neuer Blogeintrag – dieser Zustand muss dringend beendet werden. Hier also eine Menge Links mit Taiwan-Bezug, die sich in der vergangenen Wochen angesammelt haben. Klicken und Lesen lohnt sich, es sind spannende Sachen dabei.

Und hübsch anzuschauende: Großartige Taiwan-Luftaufnahmen in HD (extra anklicken!), für Youtube-Verhältnisse eine atemberaubende Bildqualität:

Politik

Keine gute Sache: Laut dem neuesten Bericht von „Reporter ohne Grenzen“ befindet sich Taiwans Pressefreiheit im Rückwärtsgang. Nachdem es um 23 Plätze zurückgefallen ist, steht Taiwan nun auf Platz 59 – hinter Chinas Sonderverwaltungszone Hongkong, Haiti, Papua-Neuguinea und einigen afrikanischen Ländern.

The new ruling party in Taiwan tried to interfere in state and privately-owned media while violence by certain activists further undermined press freedom.

Journalisten berichten von versuchter Einflussnahme und Selbstzensur, um bloß China nicht zu verärgern. Taiwans Regierung ist sich keiner Schuld bewusst.

Auch die New York Times ist nicht so ganz glücklich mit Taiwans Kurs der letzten 1,5 Jahre:

Taiwan’s position as a de facto independent state seems to be morphing very slowly toward the “one country, two systems” status of Hong Kong. The process is not irreversible but the sentiments of those of mainland origin in the governing Nationalist Party, along with the self-interest of business groups and a widespread sense of economic vulnerability are all pushing the island toward accommodation with Beijing. (…) Taiwan lacks a strategic view of itself and how to balance relations with the Chinese mainland, the United States and the global economy with liberal democracy and de facto independence.

Die Wirtschaftswoche schickte ihren Peking-Korrespondenten nach Taiwan, um über die Wirtschaftssituation zu berichten. Er beschränkt sich glücklicherweise nicht nur auf Zahlen.

Wirtschaftlich sind Taiwan und die Volksrepublik heute schon eng verflochten, mehr als 80.000 taiwanische Unternehmen haben auf dem Festland investiert, annähernd 30 Prozent des Exports gehen zum großen Nachbarn. Doch vielleicht gerade darum fürchten viele Inselbewohner einen Ausverkauf an Peking und den Verlust der politischen Freiheit. Auch die Fremdenführerin Michelle Chu: „Wir fühlen uns eher als Taiwanesen, nicht als Chinesen!“

Bereits 2007 erschienen, habe ich diesen Text auf Spiegel Online erst jetzt entdeckt: Taiwans absurde politische Situation, schön anschaulich dargestellt.

Ein Staat mit 23 Millionen Einwohnern darf nicht in die Uno. Er hat nichts falsch gemacht, unterstützt weder Terroristen, noch überfällt er seine Nachbarn, ist sogar demokratisch und spendabel. Doch Taiwans Gegner heißt China.

Vorgestellt wird dort auch Taiwans Black-Metal-Band Chthonic, die sich nicht nur im übertragenen Sinn lautstark für Taiwan einsetzt. Frontmann Freddy Lim ist offenbar ein engagierter Staatsbürger, der zum Beispiel versuchte, die Uighuren-Führerin Rebya Kadeer nach Taiwan einzuladen (was von Taiwans Regierung verhindert wurde).

China

Die Volksrepublik, dieser sympathische Einparteien-Staat, hat ja kürzlich mit einer Stechschritt- und Raketen-Parade ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert. Wieso das in Taiwan niemanden groß aufregt, und warum die beiden Regierungsparteien sich so gut verstehen, dazu hatte ich einen Radiobeitrag im Programm der Deutschen Welle.

Erstaunliche High Definition-Bilder der Parade in Peking, mit viel Slomo und Zeitraffer, kann man sich hier ansehen. Das NDR-Satiremagazin Extra 3 verwurstet die Parade zu einem leider nur leidlich witzigen „Was wäre, wenn das eine Tarantino-Inszenierung wäre?“ (nicht mehr online).

Ai Wei-wei, dessen Name in deutschen Medien stets falsch und damit vermeintlich lustig ausgesprochen wird, ist ein mutiger Mann. Der chinesische Künstler traut sich, den Mund aufzumachen und Missstände in seinem Land zu kritisieren. Dafür wurde er neulich zusammengeschlagen. Seine Reaktion: Er schreibt darüber in Time, zum Beispiel Sätze wie diesen:

The Party knows its system is vulnerable, that its credibility is weak and that it has become a mafia whose only unifying ideology is to hold on to power.

Wie Chinas KP sich an der Macht hält, hat der in Taipei lebende Demokratie-Aktivist Jerome Keating schön analysiert: Sieben Prinzipien des Machterhalts.

Make everyone feel they participate in rebuilding a distant glorious past. Destroy any conflicting histories of that past. Yet, in an age of globalization, internet etc. the glorious mythical Middle Kingdom of the Earth unfortunately comes across in reality as the Middle Kingdom of pollution, poison and propaganda. Still the court historian can find enough useful idiots at home and abroad to both romanticize the past and to glorify the present.

Außerdem fährt China gerade eine weltweite Medien-Offensive, um in der Berichterstattung positiver rüberzukommen. Das NDR-Medienmagazin Zapp berichtete über die Image-Lüge der chinesischen Regierung (nicht mehr online).

Wie würde ein Angriff Chinas auf Taiwan aussehen? Verheerend, sagt dieser Text, denn Chinas Raketen werden immer treffsicherer. In wenigen Minuten wären alle Rollbahnen Taiwans zerstört und damit die Lufthoheit errungen.

Chinese air superiority would allow Beijing to attack military and civilian targets on the island while suffering acceptable losses and would be vital for any serious cross-strait invasion attempt. (…) it will prove increasingly difficult for Taiwan to protect its military and civilian infrastructures from heavy damage, even with American help. Despite the calm political climate currently prevailing across the Taiwan Strait, this is a sobering finding.

Einmal dem Dalai Lama die Hand geben, schon sind die Gefühle von mehr als einer Milliarde Chinesen offiziell verletzt. Pekings inflationäres Kollektiv-Schmollen nimmt eine Glosse in der Taipei Times aufs Korn:

China’s feelings had been officially hurt at least 140 times by a minimum of 42 countries and several organizations since Mao Zedong’s (毛澤東) bandits came to power in 1949. (…) I, for one, am curious how the Chicoms can be so certain that the people have had their feelings trampled on — it’s not as if they regularly ask the proletariat for their opinion on issues of importance.

Noch mal Extra 3 über China, aber definitiv besser als der Beitrag oben: „Klaus“ erklärt China.

Kultur

China als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat auch Taiwans Situation ein klein wenig ins Blickfeld der Medien gerückt. In den Feuilletons sind einige Texte erschienen, die sich umfassender mit Taiwan befassen, als man das aus den Politik-Teilen gewohnt ist. Vorneweg der in Taipeh lebende Autor Stephan Thome, der für seinen (in Hessen angesiedelten) Debütroman „Grenzgang“ gerade von allen Seiten höchstes Lob erfährt. In der Welt schreibt er über Taiwans „kulturelle Schizophrenie“ und kommt zu dem nur allzu wahren Schluss:

Das eigentlich Erstaunliche ist das Desinteresse Europas. Ein Volk von 23 Millionen verweigert sich dem Machtanspruch Pekings, und unsere in die Dissidenten vom Festland geradezu verliebte Öffentlichkeit sieht weg.

Auch die FAZ machte eine Menge Platz frei, um Taiwans Kultur und Literatur ausführlich zu beleuchten.

In Ermangelung eines souveränen, voll handlungsfähigen Staats stellt sich den Taiwanern seit mehr als zwanzig Jahren die Frage: Wie können wir unsere mühsam errungene Demokratie und Eigenständigkeit gegenüber der Volksrepublik, die auf uns Anspruch erhebt, behaupten? In welchem Sinn gehören wir, wenn überhaupt, zu China, und was gehört außerdem noch zu uns? Was ist überhaupt „China“, abgesehen von der das Land zurzeit regierenden Kommunistischen Partei? So wird Taiwan für die Diskussion, was die chinesische Kultur zur Gegenwart beitragen kann, unentbehrlich.

In diesem Text wird bereits die Publizistin Lung Ying-tai erwähnt, deren „Großer Strom, großes Meer“ über die verschwiegenen Massaker des chinesischen Bürgerkriegs auf der Buchmesse wohl die meiste Medienaufmerksamkeit erfahren hat. So schrieb der Asien-Korrespondent des Spiegel über dieses Werk, und die taz veröffentlichte ein ganzes Kapitel vorab.

Nun ist dieses Buch sicherlich lesenswert, die als „Taiwans Literatur-Star“ gepriesene Frau Lung (die übrigens mit einem Deutschen verheiratet war und lange in Deutschland gelebt hatte) aber nicht ganz unumstritten. Eine von ihr initiierte (und nach ihr benannte) Stiftung hat sich zwar offiziell der Förderung der Zivilgesellschaft in Taiwan verschrieben, es gibt aber in Taipeh viele, die finden: Ihr eigentliches Ziel ist es, die Verständigung mit China zu fördern, jedenfalls kein „taiwanisches“ Bewusstsein. Lung Ying-tais Familie stammt vom Festland und kam mit den KMT-Besatzungstruppen nach Taiwan. Sie selbst steht der KMT nahe und war Taipehs Kultur-Stadträtin, als der jetzige Präsident Ma Oberbürgermeister war. In einem Brief über die Korruptionsvorwürfe gegen den damaligen Präsidenten Chen Shui-bian (dem mittlerweile von der KMT-nahen Justiz der Schauprozess gemacht wurde) offenbarte sie 2006 ein etwas merkwürdiges Geschichts- und Demokratieverständnis. Ein Leser kommentiert den SPON-Artikel:

Es wäre interessant zu erfahren, was die Autorin über die Greueltaten der KMT in Taiwan schreibt, da sie ja über ihren Vater, der Teil der KMT-Armee war, Einsichten gehabt haben dürfte. Zumindest kann sie sich bestimmt gut in die Kinder der Parteielite in China einfühlen, da sie selber Teil eines solchen Systems war.

Mehr über Taiwan als über China dürfte man in dem Roman „Die Insel der Göttin“ von Jade Y. Chen erfahren, der seit der Buchmesse „zum Sprung vom Undergroundtipp zum Bestseller ansetzt“, so Deutschlandradio Kultur.

Chen erzählt darin eine exemplarische Familiengeschichte, die Geschichte der Lins, in der die Kolonialgeschichte Taiwans als von den Japanern besetzte Insel ebenso beschrieben wird wie die Herrschaft der Kuomintang, in der bis 1987 der Leser eines Buches von Karl Marx im Gefängnis landen konnte.

Die Autorin war auch auf Lesereise in Deutschland unterwegs.

Sonstiges

Ein Fundstück bei 11 Freunde, dem Fußballmagazin für Leser, die gerne mitdenken. Der Fußball-Weltenbummler (und Journalist) Holger Obermann, der in über 30 Ländern tätig war, hat auch mal versucht, in Taiwan eine Fußball-Nationalmannschaft aufzubauen (leider nicht mehr online).

Eines Tages im Jahr 1975 fragte uns ein DFB-Funktionär bei einer Trainerfortbildung: »Meine Herren, wer von ihnen möchte nach Taiwan?« Taiwan? Meine Kollegen sahen sich an und schüttelten die Köpfe. Auf so ein Abenteuer in einem nach dem Bürgerkrieg autoritär geführten Land wollte sich niemand einlassen. Ich schon. Es sollte der Startschuss für meine Karriere als Fußball-Entwicklungshelfer werden.

Spannend liest sich seine Schilderung eines Ausflugs zur Inselgruppe Kinmen, die damals noch militärisches Sperrgebiet war. Der Fußball-Weltverband FIFA kennt Taiwan übrigens natürlich nur als „Chinese Taipei“, in der Weltrangliste steht es auf Platz 161 zwischen Liberia und Puerto Rico. In der Vor-Auswahl zur WM-Qualifikation verlor „Chinese Taipei“ am 28.10. ein Heimspiel gegen Usbekistan mit 0:2. Schon toll, was man im Netz alles finden kann. Schade, dass ich nicht dabeisein konnte, vielleicht hätte es geholfen.

Zwar nicht Taiwan, aber interessant: „Asiatinnen auf dem Vormarsch“, u.a. über die Situation der Frauen in China.

Obwohl jedes Jahr eine große Zahl von Studenten die Universitäten verlässt, herrscht Mangel an Absolventen, die über jene Qualifikationen verfügen, die westliche Firmen benötigen. Junge Chinesinnen greifen deshalb mit beiden Händen nach der einmaligen Chance, Karriere zu machen und finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.


Auf und davon, und ins Fernsehen

Die Deaflympics sind vorbei, die meisten Sportler heute früh wieder in Deutschland gelandet. Es war ganz groß. Nicht nur für mich, weil ich einige Berichte über die Deaflympics in deutschen Medien unterbringen konnte. Sondern vor allem für die gehörlosen Sportler, die sich hier in Taiwan nach eigener Aussage zum ersten Mal auf Augenhöhe mit den „echten“ Olympischen Spielen gefühlt haben.

Besonders schön waren die Spiele natürlich für alle Medaillengewinner. Einen von ihnen konnte ich glücklicherweise mit meiner Kamera begleiten (vor, während und nach dem Wettkampf) und der so entstandene Fernsehbeitrag lief im NDR-Fernsehen. Das Video steht online.

Ich vermute, es sind die einzigen Bilder von den Deaflympics, die es überhaupt ins deutsche Fernsehen geschafft haben. Das ist schade, denn wenn man miterlebt hat, mit wie viel Engagement und Leidenschaft die Beteiligten (Taiwaner, Deutsche und alle anderen) dieses  Großereignis gestemmt haben, wünscht man ihnen so viel Öffentlichkeit wie nur irgend möglich. Natürlich werden Olympische Spiele und Fußball-WM immer eine Klasse für sich bleiben, aber von den Paralympics wird schließlich auch jedes Mal berichtet.

Deaflympics Daniel Helmis

Daniel Helmis läuft schnell. Sehr schnell. Er kommt aus Malchin in Mecklenburg-Vorpommern und hat in Taipeh Silber über 1500 Meter gewonnen. Und es könnte noch einiges nachkommen, denn mit 21 steht er erst am Anfang seiner Sportlerkarriere.

Deaflympics Daniel Helmis Tempel

Ich habe ihn beim Training getroffen und auch bei einem Ausflug in den Longshan-Tempel begleitet, wo er für ein gutes Rennen Räucherstäbchen entzündet hat. Es scheint geholfen zu haben.

Herzlichen Glückwunsch! Und alles Gute für die Ausbildung, die diesen Monat beginnt.


Nein, nicht „Deathlympics“…

Mal wieder findet in Taiwan gerade ein sportliches Großereignis statt, das für die Beteiligten und Taiwan von größter Bedeutung ist, vom Rest der Welt aber kaum wahrgenommen wird.

Vor zwei Monaten erst waren es die World Games in Kaohsiung, nun treffen sich 4000 gehörlose Spitzensportler aus 81 Ländern in Taipeh zu ihren eigenen Weltspielen – den Deaflympics.

Deaflympics German Team

Von der Sportarten her ist das weniger skurril als die World Games, dafür sind die Teilnehmer um so interessanter.

Es war mir gar nicht bewusst, dass Gehörlose sich international durch Gebärdensprache verständigen können. Zwar nicht völlig problemlos, aber im Prinzip können Taiwaner, Deutsche, Brasilianer und Kasachen fröhlich miteinander „gebärden“.

Deaflympics Taipei 2009 opening ceremony

Gestern ging es los. Bislang erinnert mich alles sehr an die World Games:

  • Eine Eröffnungsfeier, die in Sachen Aufwand alles in den Schatten stellt, was andere Länder zuvor aufgefahren hatten (Fotos hier).
  • Freundlich distanzierte Taiwaner, die erst nach und nach begeistert werden müssen.
  • Eine Armee stets etwas übermotivierter Volunteers.
  • Und tausende Teilnehmer aus aller Welt, die es nach Taiwan verschlagen hat, die dieses Land nun kennenlernen, Eindrücke gewinnen und mit nach Hause nehmen werden. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste und für Taiwan Bleibendste an diesen Veranstaltungen.

Deaflympics Taipei Opening Ceremony

Ich versuche wieder, die frohe Botschaft in der Heimat zu verbreiten. Bisher gibt es einen Vorbericht im Deutschlandfunk sowie im Südkurier einen Text über die Eröffnungsfeier aus Sicht des Schwimmers Nicky Lange und in den Nürnberger Nachrichten einen weiteren Bericht.

Deaflympics 2009 Taipei Fireworks Opening Ceremony

Weitere Informationen:

Nachtrag: Ein Bericht über einen gehörlosen Fußballer von mir bei Spiegel Online. Und drei Sportler aus Bielefeld freuen sich über ihre Medaillen im Westfalen-Blatt.

Über einen deutschen Silbermedaillengewinner habe ich einen Fernsehbeitrag für den NDR gedreht.


World Games 2009 in Kaohsiung

Es hat schon eine ganz besondere Ironie, dass die World Games ausgerechnet in Taiwan stattfinden. Haben doch die meisten Menschen nie davon gehört, und wenn doch, können sie es nicht so richtig einordnen. Die World Games (noch bis zum 26. Juli) sind im Sport das, was Taiwan in der Welt ist: Eigentlich wichtig genug, um Bedeutung zu haben, werden sie trotzdem nicht ganz ernst genommen.

So wie Taiwan nicht Mitglied der UNO sein darf, sind die Sportarten der World Games nicht bei den Olympischen Spielen zugelassen. Und so, wie die Taiwaner sich trotz allem ein schönes Leben machen in ihrem Land, haben die Sportler bei den kleinen World Games mindestens so viel Spaß wie ihre Kollegen bei den großen Olympischen Spielen. Kurz: Wenn es die World Games nicht schon seit 1981 gäbe, man müsste sie eigens für Taiwan erfinden.

Ein großes Spektakel: die Eröffnungsfeier am Donnerstag.

Ein großes Spektakel: die Eröffnungsfeier am Donnerstag.

Die World Games, um die es hier geht, haben nichts mit dem Computerspiel aus den 80ern zu tun. Da musste man Baumstämme werfen und mit Schlittschuhen über Bierfässer springen. Aber wahrscheinlich würden auch diese Disziplinen nicht weiter auffallen in einem Programm, das von Sumoringen bis Bowling, von Fallschirmspringen bis Inline-Hockey, Drachenbootrennen bis Orientierungslauf und von Beach-Handball bis Kanu-Polo eine Menge gegensätzlichster Sportarten vereint, von denen man wahrscheinlich entweder noch nie gehört hat (Korfball, Tschoukball) oder nicht gedacht hätte, dass es tatsächlich als Sport betrieben wird, mit Verbänden und Regelwerk und Nationalmannschaften (Bodybuilding, Frisbee, Tauziehen).

Deutschlands Tauzieh-Nationalmannschaft im Einsatz in Taiwan.

Deutschlands Tauzieh-Nationalmannschaft im Einsatz in Taiwan.

Damit nicht der Eindruck entsteht, ich schriebe hier über eine obskure Hinterzimmer-Veranstaltung mit einer Handvoll Teilnehmern, kurz die Dimensionen: An den 31 Sportarten der World Games in Kaohsiung nehmen mehr als 3200 Athleten aus 90 Ländern teil. Kaohsiung, Taiwans zweitgrößte Stadt (1,5 Millionen Einwohner), hat sich eigens für die Spiele ein neues Stadion für 40.000 Zuschauer gebaut, das nicht nur schön ist, sondern auch hochmodern – so wird der gesamte Energiebedarf über Solarzellen gedeckt. Für Taiwan sind die World Games nicht nur die größte internationale Sportveranstaltung, die je in diesem Land stattfand. Die Bedeutung geht weit darüber hinaus. Es ist das erste Mal, dass Taiwan überhaupt offiziell Gastgeber ist für so viele Länder. Und das erste Mal, dass die Menschen zumindest in Kaohsiung die Erfahrung machen, wie es ist, wenn plötzlich so viele unterschiedliche fremde Gäste auf den Straßen unterwegs sind, neugierig und gut gelaunt ein Land entdecken wollen.

Ich muss ein bisschen ausholen. 2006 hatte das Losglück mir Karten für das Eröffnungsspiel der Fußball-WM beschert. Mittlerweile ist es in Vergessenheit geraten, aber kurz vor dem Beginn der WM war in Deutschland vom Sommermärchen noch nichts zu spüren. Da wurde gemäkelt und gemeckert und darüber diskutiert, ob es No-Go-Areas für Ausländer gibt und wenn ja, warum im Osten. Irgendwie fühlte Deutschland sich wie ein unbeliebter Schüler, der die ganze Klasse zu einer Party eingeladen hat, nun in seiner frisch aufgeräumten Wohnung auf die Gäste wartet, die Musik vorbereitet und das Essen kalt gestellt hat und sich fragt, ob wohl überhaupt jemand auftauchen wird.

München, 9. Juni 2006. Costa Rica mag uns.

München, 9. Juni 2006. Costa Rica mag uns.

Ich werde niemals den Moment vergessen, als ich am Vormittag des Eröffnungsspiels in München aus der U-Bahn ans Tageslicht trat und plötzlich auf einem Marienplatz stand, der zum Bersten voll war mit Mexikanern und Australiern, Costa-Ricanern, Russen und Amerikanern, die zusammen mit den plötzlich ganz gelösten Deutschen einfach nur sich selbst feierten, das schöne Wetter und den Fußball. Die waren tatsächlich alle freiwillig nach Deutschland gekommen – und sie hatten hier auch noch Spaß!

Deutsche Drachenboot-Paddler beobachten ein Kanupolo-Spiel.

Deutsche Drachenboot-Paddler beobachten ein Kanupolo-Spiel.

Von der WM 2006 abgesehen, leiden wir Deutschen ja kollektiv an dem Gefühl, vom Rest der Welt nicht wirklich gemocht zu werden. Und weil wir ahnen, dass wir daran selbst Schuld sein könnten, mögen wir uns selbst nicht so recht. Aber wir konnten uns mit Wirtschaftswunder, Weltmeistertiteln usw. darüber hinwegtrösten. Taiwaner zu sein, muss noch schwieriger sein. Die Menschen hier wachsen seit mindestens 30 Jahren mit dem demütigenden Gefühl auf, nicht für voll genommen zu werden. Ihr Land steht ewig im Schatten Chinas, muss mit Anhängseln wie „umstritten“, „international nur von wenigen Staaten anerkannt“, „abtrünnig“ oder „von China für sich beansprucht“ leben. Von allen UN-Aktivitäten ausgeschlossen, wird Taiwan von der sogenannten „internationalen Gemeinschaft“ behandelt wie ein Schmuddelkind, mit dem zu reden sich nicht schickt.

"Chinese Taipei", was ist das? Zumindest die Zuschauer dürfen Flagge zeigen.

"Chinese Taipei", was ist das? Zumindest die Zuschauer dürfen Flagge zeigen.

Statt zu resignieren, hat Taiwan sich aber in den letzten Jahrzehnten ganz besonders ins Zeug gelegt. Eine Diktatur überwunden, die Demokratie umarmt, einen Wirtschaftsaufschwung hingelegt, der noch erstaunlicher ist als der deutsche. Neuerdings entdecken sie hier den Umweltschutz, wollen Vorreiter beim Energiesparen sein, die Schulausbildung verbessern, Touristen anlocken. Aber sie können so viele Netbooks erfinden, wie sie wollen – für den Rest der Welt bleibt Taiwan das Land, das keines sein darf.

Das deutsche Team zieht bei der Eröffnungsfeier ins Stadion ein.

Das deutsche Team zieht bei der Eröffnungsfeier ins Stadion ein.

Ist es da ein Wunder, dass die World Games für Taiwan viel mehr sind als eine Sportveranstaltung – nämlich die allerbeste Gelegenheit, sich der Welt von seiner besten Seite zu zeigen? Die letzten World Games fanden 2005 in Duisburg statt, und ich würde mich wundern, wenn der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen vorbeigeschaut hat. In unseren Medien liefen damals nur ein paar Kurzberichte. Taiwans Fernsehen überträgt ständig live und berichtet in den Nachrichten, Kaohsiung hat ein neues Stadion gebaut, eine U-Bahn (zugegeben, die war wahrscheinlich sowieso geplant), und eröffnet hat die Spiele Taiwans Präsident Ma höchstpersönlich – was überraschend war und für Chinas Regierung so unzumutbar, dass sie in typischer Spielverderber-Manier ihr komplettes Team die Eröffnungsfeier boykottieren ließ.

World Games Tauziehen Holland Teamfoto

Ein paar Jungs nutzen die Gelegenheit für ein Foto mit Hollands siegreicher Tauzieh-Mannschaft.

Aber eigentlich wichtig ist ja: Was kommt bei den Menschen an? Bei den Einheimischen, und bei den Gästen aus der Welt? Ich war gerade drei Tage in Kaohsiung, habe die Eröffnungsfeier um Stadion gesehen und einige Disziplinen an den Wettkampfstätten. Ich habe Taiwaner erlebt, die wildfremde Ausländer mit ehrlicher Freude begrüßen und in gebrochenem Englisch neugierig fragen, woher sie kommen. Die sich bemühen, ihnen den Aufenthalt zu erleichtern, und in der U-Bahn-Station unaufgefordert fragen, ob man Hilfe braucht. Jugendliche auf Motorrollern, die holländischen Sportlern auf der Straße zuwinken und hinterherrufen. Durchtrainierte Französische Ju-Jutsu-Kämpfer, die auf dem Nachtmarkt alle Blicke auf sich ziehen. Britische und belgische Ehepaare, deren Töchter bei den World Games antreten und die nun auf dieser Insel Urlaub machen, die sie sonst im Leben nie betreten hätten. Slowaken und Italiener beim Stadtbummel, bulgarische Sumoringerinnen und Tauzieher aus Lettland beim Wettkampf.

World Games Drachenboote Lotussee

Drachenbootrennen auf dem Lotus-See von Kaohsiung. Im Hintergrund die Tiger- und Drachen-Pagoden.

Nehmen wir mal Taiwans Drachenboot-Mannschaft. Die hat am Freitag über 200 Meter die Bronzemedaille erpaddelt, nur Russland und Ungarn waren schneller. Es war zu diesem Zeitpunkt wohl die erste Medaille für Taiwan (das hier übrigens wie bei Olympia nur unter dem schwachsinnigen Kunstnamen „Chinese Taipei“ firmieren darf, keine Flaggen, keine Hymne – eine Demütigung sogar im eigenen Land). Als die Sportler ihre Medaillen umgehängt bekamen, war die Freude schon groß. Dann stiegen Russen und Ungarn schon vom Podest herab, und weil die Taiwaner noch immer für Fotos posierten, standen sie noch auf ihrem Treppchen. Im Vorbeigehen gaben die Russen und Ungarn nun jedem einzelnen von ihnen die Hand und gratulierten. Da war der Stolz der Taiwaner fast körperlich spürbar. Da gewinnen sie im eigenen Land eine Medaille in einer ihrer Nationalsportarten, und dann steigen die Sportler aus diesen anderen Ländern, deren Regierungen das Wort „Taiwan“ am liebsten gar nicht in den Mund nehmen und die niemals zum Staatsbesuch vorbeikommen werden, auch noch vom Podest herab und behandeln Taiwan so, wie man es sonst gar nicht kennt – respektvoll und gleichwertig. Selten habe ich Menschen erlebt, die vor Glück so gestrahlt haben wie Taiwans Drachenboot-Mannschaft in diesem Moment.

World Games Taiwan Drachenboot

...und später haben sie sogar noch eine Silbermedaille gewonnen.

In den deutschen Medien kommen die World Games erwartungsgemäß so gut wie gar nicht vor. Weder ARD noch ZDF berichten, und von den Verbandswebsites abgesehen wird auch wenig geschrieben. Löbliche Ausnahme ist der Tagesspiegel, der offenbar einen Korrespondenten geschickt hat. Ich selbst versuche im Rahmen meiner Ein-Mann-Möglichkeiten, etwas zu reißen. Bislang kam dabei ein Vorbericht im Deutschlandfunk heraus, und ein Artikel über das deutsche Drachenboot in der Rhein-Zeitung.

Links zu deutschen Berichten über die World Games schön zusammengefasst bei Blickpunkt Taiwan