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Ohne Holland…

Es war im Jahr 2009. Bei den World Games in Kaohsiung trat die holländische Nationalmannschaft im Tauziehen an. Anschließend bauten diese jungen Taiwaner sich mit ihnen zum Foto auf. Eines meiner Lieblingsfotos aus dieser Zeit, und eine Szene mit besonderer historischer Bedeutung.

Holland Tauziehen Mannschaft World Games

Wenn ich von Taiwan nach Deutschland fliege, führt mein Weg oft über Amsterdam. KLM und die taiwanische Fluggesellschaft Eva Air haben Verbindungen von Taipeh in die niederländische Hauptstadt (KLM sogar als Direktflug).

Ein interessanter Zufall ist, dass es zwischen den beiden Ländern auch ganz besondere historische Verbindungen gibt: (mehr …)


Die Geigensammlung des Chimei-Museums in Tainan

Es war einer der unwirklichsten Momente, die ich überhaupt je erlebt habe. Da stand ich und hielt in meiner Hand sehr wahrscheinlich mehr Geld, als ich in meinem Leben zusammengenommen jemals verdienen oder besitzen werde.

Doch in meinen Fingern spürte ich nur das Holz einer alten Geige, die mit nicht mal einem Kilo Gewicht leicht in der Hand lag.

Geigen im Chimei-Museum

Diese Geige aber, Baujahr 1744, war mindestens zehn Millionen Euro wert. (mehr …)


Do you have experience in the vehicle industry?

An Austrian company contacted me. They are hiring in Tainan, because they are moving their production from Thailand to Taiwan.

Belassi Taiwan

The company is called (mehr …)


Seit Wochen herrscht Wahlkampf in Taiwan. Am Samstag (27.11.2010) wählen die fünf wichtigsten Regionen des Landes neue Bürgermeister sowie Parlamente: Taipei City, Xinbei City (zuvor Taipei County), Greater Taichung, Greater Tainan und Greater Kaohsiung. In den letzten drei Fällen werden die Städte mit den umliegenden Kreisen verschmolzen, im Fall Taipei County wird der Landkreis zur Start aufgewertet. Diese fünf Regionen haben dann den Status „regierungsunmittelbare Stadt“, was u.a. mehr Geld von der Zentralregierung bedeutet. Aber das nur am Rande.

Das faszinierende am Wahlkampf in Taiwan ist, dass er so allgegenwärtig und lebendig geführt wird. Überall hängen Plakate der Kandidaten, es flattern Fahnen, Lautsprecher-Wagen drehen ihre Runden, und mein eigener Nachbar kandidiert als „Borough Chief“, also so eine Art Nachbarschafts-Bürgermeister. Wenn er in seinem Laden steht, dann nur noch in Wahlkampf-Weste.

Glücklicherweise konnte ich zwei deutsche Radiosender für Berichte über den Wahlkampf gewinnen. Man kann ja gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass Taiwan eine Demokratie ist, im Gegensatz zu gewissen anderen Ländern der Region.

Besonders mag ich die Wahlplakate. Die sind in Taiwan nämlich tatsächlich plakativ.

Herr Li von der Kuomintang möchte in den Stadtrat von Taipeh gewählt werden. Er verspricht, Drogen, Banden etc. von den Schulhöfen zu „kehren“. (Sarkozy würde einen Kärcher empfehlen.) Da passt ein Kampfsport-Anzug natürlich prima zur Botschaft.

Und dieser Kandidat der DPP orientiert sich an Obama, wagt sogar englische Begriffe und leistet sich ein XXL-Plakat:

 

 


Ersatzdiplomatie

Kürzlich war wieder eine deutsche Delegation in Taipeh. Aus Weimar hatten sich der Oberbürgermeister samt Pressesprecher, die Sprecherin des Stadtrats sowie drei Professoren aufgemacht, um in Taiwan mit möglichen Partnerunis oder -städten in Kontakt zu kommen.

Besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf Tainan, das als Hort von Taiwans Kulturvergangenheit ja ganz gut zu Weimar passen würde. Ich habe die Delegation in der Kunsthochschule Taipeh abgepasst und dann diesen Artikel in der Thüringer Allgemeinen geschrieben.

Klassisches Weimar, moderne Taiwan-Kunst.

Eine Freundschaft (oder gar offizielle Partnerschaft) auf Städte-Ebene gibt es zwischen Deutschland und Taiwan m.W. bisher nicht. Lediglich Landkreise haben sich gefunden: Starnberg und Taipei County, der Erzgebirgskreis und Kaohsiung County. Interessante, ungleiche Paarungen.

Taiwans Partnerstädte

Weil Taiwan normale diplomatische Beziehungen mit den meisten Staaten ja verwehrt sind, ist es kein Wunder, dass dman offenbar jede Gelegenheit wahrnimmt, wenigstens auf lokaler Ebene Kontakte zu knüpfen. Die Liste der Partnerstädte von Taipeh oder anderen Orten in Taiwan liest sich jedenfalls beeindruckend. Übrigens gibt es für Studenten, die aus einer von Taipehs 40+ Partnerstädten kommen und in Taiwan studieren, ein Extra-Stipendium. Ich kann mich nicht dafür bewerben, im Gegensatz zu Kommilitonen aus Seoul, L.A. oder Ouagadougou.

Reiseberichte

In den vergangenen Wochen sind einige recht lesenswerte englische Taiwan-Reiseberichte im Netz erschienen. Besonders gefällt mir „Taiwan, the world’s most underrated island“, denn der kanadische Autor schreibt zwischen dem Tourismus-Palastmuseum-Standardfüllstoff z.B. auch:

„Taiwan has been Dutch, Spanish, Chinese and Japanese. What it has never been is politically Taiwanese. (…) Today’s Taiwanese are decidedly not Chinese in attitude. They no longer talk of “reclaiming the mainland.” In fact, they are one of Asia’s successful democracies. Most of the Taiwanese I encounter simply shrug at the idea of politics. Sure they’d like to have a voice in the UN (China won’t allow that), but frankly they just wish China would stop pointing missiles their way or playing war games in the Taiwan Strait.“

Visafreiheit für Briten

Ein etwas häufigerer Anblick in Taiwan dürften in nächster Zeit britische Touristen werden, denn China Airlines hat eine Direktverbindung Taipei-London aufgenommen. Hintergrund ist, dass Großbritannien und Irland Taiwanern seit neuerem eine visafreie Einreise ermöglichen und viele nun die Chance wahrnehmen, zumindest diesen Teil Europas ohne Visa-Hickhack zu erleben.

Sogar in den Kinos laufen Spots, in denen das Außenminsterium sich auf die Schulter klopft und vor Stolz strahlende Taiwaner davon berichten, dass ihr Reisepass im Ausland endlich mal tatsächlich für etwas gut war. Abwarten, wann auch Schengen-Europa samt Deutschland sich dazu durchringen kann, Taiwans Bürgern die Visa-Schikanen zu ersparen. Nebenbei bemerkt, im Gegenzug dürften dann bestimmt auch Deutsche visafrei länger als 30 Tage nach Taiwan kommen – 90 Tage, wie bei Briten und Iren, das wäre doch was!

Noch mehr Reiseberichte

Zur Feier der neuen Verbindung erschien jedenfalls auch ein Taiwan-Reiseartikel im Daily Telegraph. Ganz nett, einige brauchbare weiterführende Links (etwa zum Puppentheater-Museum), aber leider wird Taiwan in der Überschrift mal wieder hübsch plakativ auf die Formel des „anderen China“ reduziert.

Deutlich interessanter dann wieder dieser Bericht im Washington Life Magazine. Der Autor scheint Taipeh in einer sehr ruhigen Zeit besucht zu haben:

„(…) drivers (mostly) follow traffic rules (even the scooters)“

Zum Thema „Taiwan und Tourismus“ ist in Taiwan Heute schließlich noch ein sehr interessantes Interview mit Jürgen Klemm, der seit Jahren in Taipeh ein Fünfsternehotel leitet und besser als viele Reisejournalisten oder Tourismus-Beamte begriffen hat, was Taipeh in den Augen westlicher Ausländer wirklich interessant macht:

„Die meisten Gäste, die in Taiwan und in China waren, sagen, Taiwan ist doch so viel besser. Taiwan hat viele Vorteile und Pluspunkte, versteht das aber nicht zu verkaufen. Was wählt da beispielsweise das taiwanische Tourismusamt als Logo? Taipei 101. In Shanghai stehen quasi 50 ähnliche Türme an der Wasserfront. Es ist mir unverständlich, wie kann ein neues Gebäude der größte Verkaufspunkt der Insel sein? Dafür gibt es auf Taiwan 250 Berge über 3000 Meter, auf den höchsten Bergen liegt Schnee, die Leute sind freundlich, aber das weiß kein Mensch! Jeder, der herkommt, ist positiv überrascht. Warum weiß das keiner? Weil man das falsch verkauft. Taiwan ist eine wunderschöne Insel, und ich habe Leute um die Insel geschickt, die hatten großartigen Urlaub. Leider hat sich hier keiner über die Vermarktung des Produkts Tourismus Gedanken gemacht.“