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Klischees über Taiwan und Deutschland im Dienste der Wissenschaft

Mit den Klischees über andere Länder ist es so eine Sache. Natürlich gehen Sie meist an der Realität vorbei, aber einen wahren Kern haben sie irgendwo schon – sonst würden sie ja nicht existieren.

Jetzt können Sie mithelfen, die Frage zu klären: Was denken Deutsche über Taiwan, und Taiwaner über Deutsche? Alles streng wissenschaftlich.

Bierkrug Deutschland Fußball

Helfen Sie einer taiwanischen Studentin in Deutschland!

Vera kommt aus Taipeh und studiert Germanistik an der Universität Duisburg-Essen. Sie schreibt:

  • “Ist Taiwan ein armes Land?”
  • “Isst man in Taiwan Hunde?”
  • “ Taiwan? Ach so, nicht Thailand?”
  • “Taiwan ist bestimmt ein komisches Land wie China, oder?”

Dies sind Fragen, die Deutsche mir mal gestellt haben. Ich bin ziemlich überrascht und verzweifelt zu wissen, dass meine Heimat Taiwan solche Eigenschaften in Deutschland hinterlässt, da es vor allem für seine High-Tech Produkte, leckeres Essen und die schönen Landschaften bekannt ist.

Dies hat mich dazu bewegt, mehr in diese Richtung zu recherchieren und herauszufinden, was die Deutschen für ein Image über uns haben.

Auch wir ordnen den Deutschen bestimmte Eigenschaften zu, aber was denken sie eigentlich über Taiwan? Stimmen die Merkmale und Vorurteile wirklich?

Jetzt den Klischee-Fragebogen ausfüllen

Hier sind zwei Umfragen, die für Deutsche und Taiwaner programmiert wurden. Die Umfragen dauert ca. 5 Minuten (max. 20 Min.) und es geht um die Eigenschaften über Taiwan und auch über Deutschland.

Alle erhobenen Daten werden anonym und nur für wissenschaftliche Zwecke verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Am Ende werden wir mit diesen Daten eine Statistik erheben, die einen genaueren Eindruck und Einblick über das Image zwischen Deutschland und Taiwan ermöglicht.

Ich danke euch im Voraus!

Vorurteile, Klischees, Stereotypen: Reden wir darüber!

Ich habe den Fragebogen schon ausgefüllt, und es hat mir Spaß gemacht. Es geht auch um persönliche Eigenschaften von Deutschen und Taiwanern. Wer ist also besonders gewissenhaft, flexibel, gut gelaunt, gutaussehend etc.?

Da man auch angeben muss, woher man seine Erkenntnisse über die andere Seite hat (Ehepartner? Freunde? Hörensagen?) denke ich, dass sich die Ergebnisse auch gut differenzieren lassen.

Tipp: Langweilig? Was Taiwaner denken, die in Deutschland leben

Es dauert wirklich nicht lange, und die Eingabemasken sind sauber programmiert, so dass man nicht mit unnötigen Antworten aufgehalten wird.

Natürlich hoffe ich, dass ich die Ergebnisse auch irgendwann hier vorstellen kann!

Also los, mitmachen und für besseres Verständnis sorgen. Und schicken Sie den Link auch an Freunde, die noch gar keine Erfahrungen mit dem anderen Land haben. Denn wenn es schon Klischees gibt, sollte man sie auch erforschen.

Welche Taiwan- und Deutschland-Stereotypen hören Sie besonders häufig? Welche amüsieren, welche ärgern Sie?


Botschafterin und Bubble Tea: Begegnungen mit Taiwanern in Berlin

Was macht ein Taiwanreporter, wenn er im Deutschlandurlaub seine Insel vermisst? Er fährt nach Berlin! Neulich auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in unserer Hauptstadt habe ich neben der ganzen Technik auch viele Taiwaner gesehen.

IFA Berlin Taiwan

Traditionell teilen sich auf der IFA alle Unternehmen aus Taiwan, die keinen ganz großen Messestand zahlen wollen, eine eigene Halle: Ein großes Zelt mit vielen kleinen Ständen. Wer sich für Handy-Hüllen, Tastaturen, Netzteile und Ähnliches interessiert, könnte hier Stunden verbringen. Und vielleicht sogar Geschäfte machen, denn viele Firmen plakatieren groß: Vertriebspartner für Europa gesucht. Mir machte es einfach Spaß, wieder vertraute Gesichter zu sehen.

Mach Dir Dein Licht! Technik aus Taiwan

Dank meines Taipeh-T-Shirts dauerte es nicht lange, bis sich ein Gespräch ergab. Zwei Herren der Firma Gunitech aus Hsinchu demonstrierten mir ihr Vorzeige-Produkt: Eine LED-Leuchte, die in jede Fassung passt und deren Lichtfarbe sich stufenlos verändern lässt, und zwar – Achtung! – per Handy. Quasi eine bunte Bluetooth-Glühbirne. So kann jeder vom Sofa aus seine ganz persönliche Lichtorgel fernsteuern. Ob die Welt darauf gewartet hat, weiß ich nicht, aber verblüffend war es schon.

Taiwan Botschafterin Berlin

Habe die Ehre! Taiwans oberste Vertreterin in Deutschland

Auf der IFA habe ich auch die Gelegenheit genutzt, Taiwans neue Botschafterin kennen zu lernen. Frau Chen, auf dem Foto im fliederfarbenen Kostüm, sitzt seit Juli in der Taipeh-Vertretung am edlen Gendarmenmarkt. Natürlich darf sie sich offiziell nicht „Botschafterin“ nennen, denn Taiwan ist für unsere Bundesregierung ja kein richtiges Land. Sie war zuvor in Griechenland stationiert, davor in Hamburg. Obwohl sie besser Deutsch spricht als ich Chinesisch, haben wir uns den Spaß gemacht, in ihrer Muttersprache zu plaudern.

Damit sie versteht, was ich in ihrem Land so treibe, drückte ich ihr möglichst schnell mein Taiwan-Buch und den neuen Kalender in die Hand. Sie revanchierte sich mit einer Einladung zum Mittagessen. So bekam ich auf Kosten von Taiwans Steuerzahlern Lachs und neue Kontakte – und von beidem hat man bekanntlich nie genug.

Lin YL

In Berlin gibt es einen Kollegen, der das gleiche macht wie ich – nur umgekehrt. Lin Yu-li berichtet als freiberuflicher Journalist aus Deutschland für Taiwan. Im Moment schreibt er an einem Buch, in dem er seinen Landsleuten unsere Heimat näher bringen will. Sein Trick: Politik, Gesellschaft und das alltägliche Leben so beschreiben, dass die Leser Vergleiche mit ihrem eigenen Land anstellen können. Klingt bekannt, oder?

Prost Blasentee! Ein Restaurant hat überlebt

Kurz bevor der Zug zurück nach Bremervörde fuhr, besuchte ich Berlins führendes Bubble Tea-Restaurant. „Come Buy“ hat den Hype um das aus Taiwan stammende Trendgetränk ebenso überstanden wie das große Ladensterben nach der Medienhysterie letzten Sommer um angebliche Giftspuren. Vielleicht liegt es daran, dass die Kette wirklich aus Taiwan kommt und auch Taiwaner hinterm Tresen stehen.

Beim Blick auf die Speisekarte verstand ich die Bedeutung von „Teuro“: 紅豆餅 (hongdoubing), kleine gefüllte Küchlein, heißen hier „Hot Drums“ – und kosten mit 2,20 Euro acht mal mehr als in Taipeh. (Foto)

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151647636628295&set=pb.234843808294.-2207520000.1379375843.

Während ich mir noch überlegte, ob ich mir das leisten will, kam ich ins Gespräch mit den jungen Taiwanern am Nebentisch (Foto). Sie machen gerade einen Sprachkurs und wollen danach in Deutschland klassische Musik studieren. In Taiwan haben Orchestermusiker und Dirigenten kaum Arbeitsmöglichkeiten. Wie lange sie in Deutschland bleiben wollen? „Am liebsten für immer!“

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151647975138295&set=pb.234843808294.-2207520000.1379375843.

Die Welt ist halt oft dort spannender, wo man gerade nicht lebt.


Schnäppchen hier, Luxus dort: Lebenshaltungskosten in Deutschland und Taiwan

Sind Lebensmittel in Taiwan generell billiger als in Deutschland? Meistens ja, aber nicht immer. Die Unterschiede sind krass. Mangos etwa bekommt man in Taiwan fast hinterher geschmissen, für Kirschen aber muss man tief in die Tasche greifen.

Wie schaffen Taiwaner es, einen mit Europa vergleichbaren Lebensstandard zu halten, wenn sie umgerechnet nur etwa ein Drittel der deutschen Gehälter verdienen? 1000 Euro (40.000 Taiwan-Dollar) gelten hier als prima Einkommen für Büroangestellte mit Uni-Abschluss. Ein Grund dafür sind sicher die niedrigen Lebenshaltungskosten. Ob frisches Gemüse, Obst, Zeitungen oder Zugfahrkarten: Vieles kostet nur einen Bruchteil der deutschen Preise.

Lesetipp: Mehr Einträge über Lebenshaltungskosten in Taiwan

Große Supermärkte, wie sie sich in Deutschland überall breitgemacht haben, gibt es selbst in Taipeh viel seltener. Dafür finden in vielen Viertel, so auch auf einer Straße nicht weit von meiner Wohnung, jeden Tag traditionelle Märkte statt, die eine Grundversorgung mit Lebensmitteln sicherstellen – und das günstig.

Markt Taiwan Obststand

Am Marktstand kostet ein Pfund frische Mangos weniger als einen Euro, nebenan die gleiche Menge Ananas keine 50 Cent und Wassermelonen noch einmal die Hälfte.

Klagen wir in Deutschland über Spritpreise und Tabaksteuer, tanken Taiwaner Benzin für ca. 80 Cent pro Liter und kaufen Zigaretten für zwei Euro die Schachtel. Für den selben Betrag kann ich mich übrigens in zahllosen Restaurants satt essen.

Auch Deutschland kann günstiger sein

Das heißt nun nicht, dass in Deutschland alles teurer ist. Im Gegenteil – bringen Sie einen Taiwaner nach Germanien, und er wird aus dem Staunen nicht herauskommen.

Nur 70 oder 80 Cent für eine Kugel Eis, für die er daheim mindestens 1,50 berappen müsste? Da nimmt man doch gern eine Sorte mehr.

Eisbecher in Taiwan

Ein Latte Macchiato kostet in Taipehs Cafés gern 3,50 Euro, ordentliches Brot beim deutschen Bäcker von Taipeh mehr als gewohnt, und der billigste Rotwein im Supermarkt erleichtert das Portemonnaie um mindestens fünf Euro.

Das hat mit Angebot und Nachfrage zu tun und damit, was zwingend importiert werden muss. Kirschen etwa wachsen kaum in Taiwan, das ansonsten ein wahres Königreich der Früchte ist. Importiert aus Japan oder Kalifornien, kosten sie hier mindestens 8 Euro pro Kilo und gelten als Luxus-Obst. Fahren Sie einen Taiwaner während der Kirschernte durch ein Obstanbaugebiet wie das Alte Land, und er wird meinen, im Garten Eden gelandet zu sein.

Noch krasser ist der Unterschied bei Blaubeeren. In Deutschland habe ich sie letztes Jahr für 2,60 pro Kilogramm selbst gepflückt. Zurück in Taipeh musste ich für ein 100-Gramm-Schälchen mindestens drei Euro ausgeben.

Ein Kapitel für sich sind Milchprodukte. Zwar leiden eher weniger Taiwaner an der Asiaten oft nachgesagten Laktose-Intoleranz, aber da in Taiwan schlicht kein Platz für Rinderhaltung ist, wird fast alles importiert. Außerdem hat Käse es längst noch nicht auf jeden Speiseplan geschafft. So gibt es in den meisten Supermärkten bestenfalls Scheibletten-Plastik, und an der Käsetheke im Spezialitätengeschäft kostet der billigste Gouda 2,50 Euro pro 100 Gramm.

Zwei Top-Tipps für Mitbringsel nach Taiwan: Gummibärchen und Vitamintabletten. Die Fruchtgummis kosten in Taiwan mindestens doppelt so viel wie in Deutschland und gelten manchmal sogar als gesund. Eine Bekannte dachte jedenfalls, die Angabe „ohne Fett“ gäbe ihr das Recht, Gummibären nach Belieben zu futtern. Dass sie eine Menge Zucker enthalten, wurde ihr erst klar, als sie das nächste Mal auf die Wage stieg.

Deutsche Vitamin-Brausetabletten in Taiwan

Das wäre ihr nicht passiert, hätte sie sich exzessiv von Vitamin-Brausetabletten ernährt. Die werden dafür aber auch mit Preisen von bis zu acht Euro pro Röhrchen gehandelt. (Zum Beispiel in Taiwans deutschen Reformhäusern.) Eine Goldgrube für findige Geschäftsleute. Packen Sie sich also ruhig den Koffer voll!

Lebensmittel, die in Taiwan teuer sind:

  • Käse Gouda 100g NTD 100
  • Eis Kugel NTD 60
  • Milch 1l NTD 60
  • Champignons (klein) 300g NTD 40
  • Champignons (groß) 600g NTD 120
  • Kuchen/Torte NTD 80 (aber sehr klein)
  • Schokolade 100g (schwarz) NTD 100
  • Rotwein (billig) NTD 200
  • Pfirsiche 1 Schachtel NTD 160

Lebensmittel, die in Taiwan billig sind:

  • Gemüse 600g NTD 30
  • Mango 600g NTD 40
  • Ananas 600g NTD 20
  • Hühnerbrust 1kg NTD 120
  • Wassermelone 600g NTD 12
  • Benzin 1l NTD 35
  • Zigaretten ca. NTD 80
  • Schweinshaxe NTD 200

Was für Preisunterschiede sind Ihnen noch aufgefallen?


Kulturschock Taiwan-Deutschland beim Schüleraustausch: Muss nicht sein

Nicht jeder Deutsche schafft es, Taiwan zu besuchen. (Schade.) Aber vielleicht kommt Taiwan ja zu Ihnen nach Hause? Jahr für Jahr machen sich viele junge Taiwaner zum Schüleraustausch auf den Weg nach Deutschland. Wenn Sie einen Gastschüler aus Taiwan bei sich aufnehmen möchten, sind hier ein paar Tipps für Gasteltern, um gerade am Anfang Missverständnisse zu vermeiden.

Vorweg: Dieser Text basiert zum Teil auf meinen eigenen Beobachtungen und Schlussfolgerungen, zum Teil auf Erfahrungen und Erzählungen von Freunden und Bekannten. Natürlich trifft er nicht auf jeden jungen Taiwaner zu, und ich will auch keine Klischees verfestigen. Aber ich glaube, um Großen und Ganzen ist was dran. Sollte ich völlig danebenliegen, bitte ich um Nachsicht.

Kennen Sie Taiwan?

Um Ihren Gast aus Taiwan besser zu verstehen, machen Sie sich zunächst bewusst, aus was für einem Land er kommt. Aus ganz persönlicher Erfahrung weiß ich: Wer noch nicht in Taiwan war, macht sich als Deutscher oft unzutreffende Vorstellungen. Eine Menge Südostasien-Klischees spuken in unseren Köpfen herum. Ein anderer deutscher Blogger in Taipei hat das mal drastisch auf den Punkt gebracht:

Taiwan klingt halt für viele wie Kinderprostituierte-unter-Palmen-wirft-mit-alter-Blechbüchse-auf-Affen.

 

Palme

Nun ist Taiwan aber tatsächlich ein entwickeltes, technisiertes und wohlhabendes Land. Es gibt hier kaum offene Armut, keine Slums, dafür eine breite Mittelschicht und einen Lebensstandard, der dem europäischen absolut vergleichbar ist.

Wenn die Familie Ihres Gastschülers sich einen Austausch leisten kann, vielleicht sogar über den Rotary-Club, können Sie davon ausgehen: Dieser junge Taiwaner kommt aus sehr ordentlichen Verhältnissen und hat wahrscheinlich auch schon die eine oder andere Auslandsreise nach Japan, Singapur oder Kalifornien hinter sich.

Aus dem Blog-Archiv: Aufruf an deutsche Gasteltern, Austausch-Schüler aus Taiwan aufzunehmen

Gastschüler: Eine Mentalitätsfrage

Das heißt nun nicht, dass es keinen Kulturschock geben wird. Dazu bestehen doch zu viele kulturelle Unterschiede zwischen Changhua und Husum oder Pingtung und Leizig.

Wenn Ihr 15- oder 18-jähriger Gast aus Taiwan erst mal gut angekommen ist und im Wohnzimmer sitzt, werden Sie vermutlich zunächst feststellen, dass die Kommunikation eher schleppend in Gang kommt. Einige spezifische Gründe könnten sein:

  • Wenn ein Taiwaner sich seiner Fremdsprachenkenntnisse nicht sicher ist, sagt er lieber wenig und vermeidet so das Risiko, Fehler zu machen.
  • Die familiäre Bindung ist in Taiwan traditionell sehr eng, und für Jugendliche ist es kein erklärtes Ziel, so schnell wie möglich rauszukommen und auf eigene Faust die Welt zu erkunden.
  • Taiwaner sind generell zunächst zurückhaltend, wenn sie neue Bekanntschaften machen. Sie mögen es nicht, sich aufzudrängen.

Vielleicht kommt Ihr Gast aus Taiwan Ihnen auch ein bisschen unreif vor, verglichen mit gleichaltrigen Teenagern in Deutschland. Das mag daran liegen, dass er daheim in einem Bildungs- und Erziehungssystem steckt, das spätestens seit der siebten Klasse noch immer größtenteils auf Auswendiglernen und Test-Bestehen ausgerichtet ist. Eine eigene Meinung haben, quer denken, gar Autoritäten hinterfragen – das steht in Taiwan kaum auf dem Lehrpan. Höchste Priotiät für die meisten Schüler ist es, so fleißig wie möglich zu lernen, um gute Noten nach Hause zu bringen und den Eltern keine Schande zu machen. „Brav“ kann man das wohl auch nennen.

Schüler Konzert Taiwan Geigen

In Taiwan ist diese Mentalität mittlerweile vielleicht nicht mehr so in Reinkultur anzutreffen wie in anderen Ländern der Region (Jahrzehnte des westlichen Einflusses machen sich bemerkbar), aber sie ist nach wie vor prägend.

Lesetipp: Mein Beitrag über Schüler in Taiwan

Und nun erlebt so ein junger Taiwaner (oder eine Taiwanerin) das deutsche Schulwesen, in dem Schüler mit dem Lehrer über das Für und Wider von Hausaufgaben diskutieren, und wo spätestens ab der achten Klasse der nächste Freitagabend wichtiger ist als die nächste Klassenarbeit. Da kann die Eingewöhnung ja gar nicht von jetzt auf gleich gelingen.

Schülerinnen Taiwan Schuluniform

Schüleraustausch: Willkommen in der Fremde

Von der Schule wieder zurück ins Wohnzimmer. Vielleicht leben Sie, liebe deutsche Gasteltern, in einem freistehenden Einfamilienhaus mit eigenem Garten? Das allein ist für die meisten Taiwaner schon mal eine ganz neue Erfahrung. In Taiwans Städten ist ein eigenes Haus ein unvorstellbarer Luxus, von dem nur Millionäre träumen können. Machen Sie Ihrem Gast sanft begreiflich, dass er in einer völlig normalen Familie gelandet ist – nur in einem Land, in dem mehr Platz ist.

Auch ein eigenes Zimmer mag für Taiwaner, die daheim mit Eltern, Geschwistern, Großvater und dessen indonesischer Pflegekraft gemeinsam in einer Wohnung leben, eine neue Erfahrung sein.

Sobald Ihr Gast das neue Heim betritt, wird er sich reflexartig die Schuhe abstreifen und Ausschau nach einem Paar Schlappen halten. Das gehört zum guten Benehmen für Taiwaner, seit die Japaner die Insel regierten. Freuen Sie sich also, falls Sie wertvollen Teppichboden verlegt haben. Falls es in Ihrer Familie aber üblich ist, die Schuhe im Haus zu tragen, erklären Sie es lieber.

Damit Ihr Gast sich wohl fühlt, sorgen Sie für eine ordentlich straffe Matratze. Deutsche Betten sind für viele Taiwaner zu weich. Legen Sie ein paar Extra-Decken und eine dicke Jacke bereit, gegen das arktische deutsche Klima. Zeigen Sie ihm, wie er die Heizung regulieren kann – in Taiwan gibt es nämlich keine fest installierten Heizkörper. (Und wo Sie schon dabei sind, bereiten Sie ihn schonend darauf vor, dass es auch im Sommer keine Klimaanlage gibt.)

Wenn Sie nur ein Badezimmer haben, machen Sie sich keine Sorgen, dass es am Morgen zum Stau kommt: Taiwaner duschen am Abend, bevor sie zu Bett gehen. Undenkbar ist es für sie, ungewaschen unter die Decke zu schlüpfen. Wie sie dann ohne Dusche wieder wach werden, habe ich bis heute nicht begriffen.

Toilettenpapier Taiwan

Noch ein potenziell heikles Thema aus dem Badezimmer: In Taiwan spült man benutztes Toilettenpapier nicht weg, sondern entsorgt es in Mülleimern. Angeblich sind viele Abwasserrohre so eng, dass man Verstopfungen vermeiden will. (Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass meist kein wasserlösliches Papier benutzt wird.) Eigentlich sind Taiwaner sich bewusst, dass im größten Teil der Welt Klopapier nichts im Papierkorb verloren hat. (Nachtrag: Die Regierung hat 2017 die Klopapier-Politik geändert.) Wie dem auch sei: Üben Sie Nachsicht, falls der Besucher es im Eifer des Gefechts doch einmal vergessen sollte.

Programm für Austauschschüler: Je lebhafter, desto besser

Dass Ihr junger Gast aus Taiwan wahrscheinlich zunächst sehr zurückhaltend agiert, habe ich ja schon erwähnt. Aktivieren Sie ihn von Anfang an. Lassen Sie ihn nicht allein im Zimmer sitzen, um ihm seine „Privatsphäre“ zu gönnen. Da wird er sich wahrscheinlich einsam und verlassen vorkommen. In Taiwan ist es üblich, dass Gastgeber sich für ihre Gäste ein Bein ausreißen. Fragen Sie mal deutsche Schüler in Taiwan nach einem normalen Tagesprogramm – da bleibt kaum eine freie Minute.

Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Austauschschüler die neue Umgebung kennen lernt – machen Sie Ausflüge, zeigen Sie ihm, was gemeinhin als „typisch deutsch“ gilt (Burgen, Schlösser, Weinberge, Wälder) aber auch, was Sie selbst besonders mögen.

Planen Sie eine Radtour, so erkundigen Sie sich lieber vorher, ob der Gast ein geübter Fahrradfahrer ist. Stellen Sie den Sattel so niedrig wie möglich ein, die meisten Taiwaner scheinen sich so am wohlsten zu fühlen.

Steht ein Badeurlaub an? Klären Sie, ob Ihr Gast schwimmen kann. Taiwan ist zwar eine Insel, aber selbstverständlich ist es deshalb noch lange nicht.

Wer in Taiwan lebt, dem kommt Deutschland sehr leer und still vor, man könnte auch sagen: tot. Glauben Sie mir. Es geht mir selbst so. Taiwaner aber lieben Orte, an denen viel los ist. „Renao“ nennen sie das, „heiß und laut“, und das ist ein positiv besetzter Begriff. Menschenmassen sind nicht schlimm, bedeuten sie doch, dass es etwas zu sehen gibt.

„Deutschland ist zu ruhig“ – das denkt auch eine Taiwanerin in Hamburg

Acker im Winter Schnee

Sorgen Sie dafür, dass Deutschland Ihrem Gast aus Taiwan nicht so leblos erscheint! Zeigen Sie ihm:

  • Volksfeste
  • Weihnachsmärkte
  • Wochenmärkte

Besuch aus Taiwan: Hauptsache Essen

Ein Besuch auf dem Wochenmarkt verbindet buntes Treiben mit dem Lieblingsthema so gut wie aller Taiwaner: Essen.

Die Bedeutung des Essens für Taiwaner kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist die nationale Leidenschaft, Lieblingsbeschäftigung und zudem ein sicheres Gesprächsthema, zu dem jeder immer etwas zu sagen hat (und das nicht, wie etwa Politik, zu Streit führen kann).

Mein Blogeintrag über Essen und Essen gehen in Taiwan

Essen in Taiwan ist nicht nur allgegenwärtig und viel günstiger als in Deutschland, es ist auch gut. „Hauptsache satt“ ist eine Einstellung, die Taiwanern völlig fremd ist.

Genauso fremd wird es ihnen vorkommen, was in deutschen China-Restaurants serviert wird. „Süßsauer“ steht in Taiwan auf so gut wie keiner Karte. Und es stimmt auch nicht, dass Asiaten sich zu geschätzt 85% von Reis ernähren.

Aber hier soll es ja nicht ums Essen in Taiwan gehen, sonder darum, wie Taiwaner deutsches Essen wahrnehmen. Als absolutes Nationalgericht der Germanen gilt in Taiwan die gegrillte Schweinshaxe. Wenn Sie nicht gerade in Bayern leben, müssen Sie Ihrem Gastschüler wohl begreiflich machen, dass nicht jede Woche Hax’n auf dem Speiseplan steht. Das wird eine große Überraschung sein.

Davon abgesehen besteht deutsche Ernährung für Taiwaner vor allem aus:

  • Fleisch
  • Brot
  • Kartoffeln

Frikadelle mit Bratkartoffeln

Und was kommt zu kurz? Vor allem Gemüse. Ein paar weichgekochte Erbsen und Möhren als Sättigungsbeilage machen keinen Taiwaner glücklich. Je mehr Grünzeug (Kohl, Blattgemüse), desto besser – aber nicht roh, sondern blanchiert oder sautiert (d.h. im Wok gebraten), so bekämpfen Sie kulinarisches Heimweh (und leben selbst gesünder).

Genauso, wie Deutsche oft eine Abneigung vor „zu scharfem“ Essen haben, gibt es für Taiwaner „zu salzig“, und glauben Sie mir: Vieles, was Deutsche ganz normal finden, ist für Taiwaner kaum genießbar. Seien Sie also mit dem Salz lieber sparsam.

Taiwaner mögen Brot. Sie verstehen darunter allerdings weiche Hefeteig-Teilchen, süß oder herzhaft gefüllt, die man direkt isst. Aufschneiden und belegen oder bestreichen? Exotisch! Der deutsche Bäcker in Taipeh bietet eigens „So belegt man ein Sandwich“-Kurse an. Gewöhnen Sie den Gast aus Taiwan also lieber langsam ans deutsche Brot, und wundern Sie sich nicht, wenn Schwarzbrot oder gar Pumpernickel ihm suspekt bleiben.

Weitere Leckereien, mit denen viele Taiwaner sich nicht anfreunden können:

  • Marzipan
  • Zimt
  • Lebkuchen
  • Lakritz
  • Weich- und Schimmelkäse

Gar nicht gut an kommt die Kombination von Fleisch mit Obst, wie sie in Norddeutschland nicht unüblich ist. Birnen-Bohnen-Speck, Buchweizenpfannkuchen mit Speck und Zwetschgen oder das köllsche Himmel un Äd haben auf viele Taiwaner offenbar eine ähnliche Wirkung wie Entenblut-Suppe auf Europäer.

Noch ein paar Worte zu Frühstück und Abendessen: In Taiwan ist eine Mahlzeit nur dann eine Mahlzeit, wenn es etwas Warmes gibt. (Kaffee zählt nicht.) Um dem Neuankömmling den Einstieg zu erleichtern, denken Sie also mal an ein Rührei, Omelett, oder abends ein Süppchen – er wird es Ihnen danken.

Das alles soll nun nicht bedeuten, dass man einen Gastschüler vor neuen Erfahrungen bewahren sollte. Im Gegenteil! Aber es kann ja hilfreich sein, zu wissen, was er sich vielleicht gerade denkt.

Wollen Sie junge Leute aus Taiwan noch besser verstehen? Ein ganz wunderbarer, einfühlsamer Dokumentarfilm über eine 17-Jährige Taiwanerin ist Made in Taiwan. Der Film der Hamburger Regisseurin Monika Treut wird ab und zu auf 3sat oder Phoenix wiederholt.

Liebe Leser in Deutschland, hatten Sie schon Besuch aus Taiwan? Liebe Taiwaner, wie erleben Sie Deutschland? Möchten Sie etwas korrigieren oder ergänzen?


Warum Taiwaner auf deutsches China-Öl abfahren (und viel Geld ausgeben)

Es war für mich immer eines der großen ungeklärten Rätsel in Taiwan: Warum sieht man so oft Reformhäuser mit schwarz-rot-goldener Flagge, und wieso verkauft man dort „China-Öl“, das offenbar aus Deutschland stammt?

Irgendwann war meine Neugier so groß, dass ich einfach nachgeforscht und einen Artikel darüber geschrieben habe. Der ist in der Financial Times Deutschland erschienen:

Taiwan Chinaöl Reformhaus Germany
Außerdem habe ich noch diesen Text geschrieben:

Wo deutsche Qualität ihren Preis hat

Ein Glas Honig aus dem heimatlichen Elbe-Weser-Dreieck hat neulich in Taipeh bei mir für ein echtes Aha-Erlebnis gesorgt. Kaltgeschleudert und von Hand abgefüllt vom Imker in Klein-Meckelsen, ist der importierte Thymian-Honig hier ein echtes Premium-Produkt: Ein 500-Gramm-Glas kostet umgerechnet mehr als 30 Euro.

German Honey Taiwan

Solch edles Wabengold gibt es nicht im Supermarkt, sondern nur in einer Ladenkette mit dem ganz un-taiwanesischen Namen „Reformhaus“ und der deutschen Flagge als Logo. Schon seit längerer Zeit sind diese Geschäfte mir im Vorbeigehen aufgefallen, und nun wollte ich herausfinden: Was und wer steckt dahinter?

Herr der 16 Reformhäuser in Taiwans besten Lagen ist Wu Ching-Yun. Der 61-Jährige gelernte Apotheker setzt voll auf deutsche Gesundheitsprodukte. In seinen Läden sehe ich viel Bekanntes: Er importiert und verkauft auch Vitamin-Brausetabletten, Em-eukal Bonbons, Doppelherz-Pillen und, was mich am meisten erstaunt: China-Öl made in Germany.

Bestimmt haben viele in deutschen Apotheken schon mal das Pfefferminzöl in den gelb-blauen Fläschchen gesehen. Es kommt aus Berlin und ist so deutsch wie Birkenstock-Sandalen. Wer Taiwanern Berliner China-Öl verkaufen kann, muss wohl etwas richtig machen, und wäre Herr Wu ein Eskimo, würde er vermutlich Kühlschränke verticken.

Reformhaus Germany in Taiwan

„Deutsche Bioprodukte gelten in Taiwan als besonders rein und gesund“, verrät er mir den wichtigsten Grund für seinen Erfolg. Vom Qualitätsbonus profitieren im Ausland also nicht nur deutsche Autohersteller. Auf einer Messe in München entdeckte Wu in den neunziger Jahren das teutonische China-Öl und sicherte sich die Vertriebsrechte.

Glaubt man seiner Werbung, wirkt das Zeug nicht nur gegen Beschwerden jeglicher Art – wir Deutschen reiben es uns auch bei jeder Gelegenheit an die Schläfen, schnuppern an den Phiolen oder trinken es gleich in heißem Wasser verdünnt. Und in Umfragen wählen deutsche Apotheker es angeblich immer wieder zur beliebtesten Allzweck-Arznei schlechthin.

Für so ein Wundermittel kann Herr Wu von seiner zahlungskräftigen Kundschaft Preise verlangen, die ein Vielfaches über dem deutschen Niveau liegen. 100 ml kosten 70 Euro, und das 5-ml-Fläschchen, das auch in tausenden 7/11-Minisupermärkten an der Kasse liegt, immerhin sieben Euro. Der Absatz dieses Jahr soll 200.000 Flaschen übertreffen. Er könnte wohl noch höher sein, ließen sich viele Taiwaner das China-Öl nicht gleich von nach Deutschland reisenden Bekannten mitbringen.

Video: Glückliche Deutsche schnüffeln an China-Öl.

In Taiwans Reformhäusern gibt es kein Müsli und keine Jutesäcke. Hell und aufgeräumt wirken die Filialen, schwarz-rot-goldene Streifen prangen auf glänzend weißen Wänden. Trotz des Anti-Zipperlein-Sortiments sind nicht etwa Rentner die wichtigsten Kunden, sondern Frauen zwischen 30 und 50. „Die stehen voll im Berufsleben und haben viel Stress“, erklärt Wu. „Außerdem kaufen sie bei der Gelegenheit gleich für ihre Eltern mit ein.“

Die Beratung übernehmen Verkäuferinnen wie Novia Chiu, die im grün-weißen Dirndl auch Deutschland-Flair verbreiten sollen. Kein Wunder, erzählt die junge Frau, dass einige Kundenwünsche über die Gesundheitsprodukte herausgehen: „Manchmal fragen sie uns auch nach Tipps für die beste Deutschlandreise.“ Sie könnte ihnen ja mal Klein Meckelsen empfehlen.

German vitamin tablets in Taiwan Reformhaus

Dieser Text erschien auch im Rahmen meiner Taiwan-Kolumne in der heimatlichen Lokalzeitung.


Schweigen im Bloggerwald

Sind schon alle im Urlaub, oder liegt es an der EM? Es war eine ruhige Woche in der deutschen Taiwan-Blogosphäre.

Wenn das so weiter geht, findet diese Blogschau im Sommer vielleicht nur alle zwei Wochen statt.

Assoziationskette der Woche

Luo2 You1 macht sich ein paar Gedanken über McDonald’s nicht unumstrittene Bubble Tea-Werbekampagne in Deutschland, kommt auf das japanische Erbe in Taiwan und Besonderheiten der taiwanesischen Sprache zu sprechen und endet mit einem Foto des wohl schönsten Toilettenhäuschens von Taiwan. Puh.

Ein Stück Niedersachsen in Taipeh: Ein Militaria-Laden in Ximending verkauft solche Helme. Ob die auch Scooter-tauglich sind? Die schwarzen Mützen mit dem Totenkopf-Emblem aus dem Regal darüber bilde ich hier lieber nicht ab.

Trip der Woche

Marc alias „Ein Hesse in Taiwan“ hat Strandurlaub auf den Philippinen gemacht. Auf den Billigairline-Flügen dorthin wird offenbar gern mal das Gepäck geplündert. Er verrät, wie er sich dagegen geschützt hat. Außerdem schildert Marc, wie der kürzliche Tropensturm ihn dann doch nicht getroffen hat und gibt bekannt, dass er Taiwan bald wieder verlassen wird. Schade!

Ich empfehle auch ab und zu einen Blick ins deutsche Forum von Deutschland.tw bzw. Forumosa.com. Und Tipps für interessante Blogeinträge sind immer willkommen.