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Mi 8 Feb 2012
Eine Menge interessante Taiwan-Veranstaltungen stehen diesen Monat noch an - in Taiwan (meist in Taipeh) sowie in Hamburg. Sicherlich auch anderswo, aber davon weiß ich nichts.
Infos vom Deutschen Institut Taipei, Bambusrunde e.V. u.a.
Termine in Taiwan
Im Kino, aktuell
Der für den deutschen Filmpreis 2010 nominierte Streifen "Goethe!" (Chinesisch: "少年歌德的煩惱") läuft derzeit in Taipeh in den Kinos Ambassador-Changchun, Wonderful und Halar (Neihu) sowie in Chungli (Metromall, Chung-yuan-Rd Sec. 2, No. 501, 5F) und in den Wonderful-Cinemas Taichung (Gong-yuan Rd., No. 34).
Deutsche Homepage des Films
Trailer mit chin. UT:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=yiFndwfhE9w;]
17. Februar: Grünkohlessen 2012 in Taipeh
"Gute Traditionen sind es wert, fortgesetzt zu werden", schreiben die Veranstalter. Es ist 2012 bereits das 12. Grünkohlessen.
Das Grünkohlkomitee lädt dazu am 17.02.2012 ins Westin-Hotel in Taipeh ein und verspricht: "Auch für Süddeutsche geeignet und alle, die mal wieder Spaß haben wollen."
Infoflyer (PDF)
Anmeldung und nähere Infos
18. Februar: Vortrag des deutschen Medizin-Nobelpreisträgers Prof. Dr. Harald zur Hausen
Auf Einladung des Deutschen Instituts und in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Taipeh wird der deutsche Krebsforscher und Medizin-Nobelpreisträger 2008, Prof. Dr. Harald zur Hausen einen Vortrag mit dem Titel „Wissenschaft verständlich gemacht: Ist Krebs verhinderbar?“ halten.
Sein zur Hausens spezielles Forschungsgebiet ist die Entstehung von Krebsarten aus Virusinfektionen. Er wird auch als „Vater der HPV-Impfung“ bezeichnet.
Dr. zur Hausen wird deutsch sprechen. Eine Verdolmetschung ins Chinesische oder Englische ist nicht vorgesehen. Medizinische Fachkenntnisse sind zum Verständnis des Vortrags nicht Voraussetzung.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Eine Anmeldung ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber die Veranstalter wären dankbar, wenn Teilnehmer eine kurze Bestätigung per Mail schicken könnten - zwecks besserer Planung für Sitzplätze sowie Kaffee und Kuchen.
Samstag, 18 Februar, 14:00-15:30 Uhr Vortrag, 15:30-17:00 Uhr Kaffee und Kuchen
Ort:
Goethe-Institut Taipeh, Heping West Road, Sec. 1, No. 20 Heping West Rd., 12F
台北歌德學院,臺北市和平西路一段20號12樓
28./29. Februar: Taiwantournee des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks
Im Rahmen des "Taiwan International Festival of Arts" wird das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 28. und 29. Februar in Taipeh (National Concert Hall) auftreten. Unter Leitung von Daniel Harding kommen Werke von Beethoven, Brahms, Schubert, Mahler und Bruckner zur Aufführung.
Termine in Hamburg
15. Februar: Zur Kulturgeschichte des Feng-Shui
Die Hamburger Bambusrunde schreibt:
Wir freuen uns sehr, dass wir die Leiterin der Ost- und Südasien-Abteilung des Hamburger Museums für Völkerkunde, Frau Dr. Susanne Knödel, gewinnen konnten, uns einen Einblick in die Kulturgeschichte des Feng-Shui zu geben.
Fengshui, aus chinesisch FENG = Wind (風) und SHUI = Wasser (水), wird häufig übersetzt als «Geomantik» und ist zunächst eine Methode, Gräber und Gebäude rituell korrekt zu positionieren. Erdadern dürfen nicht durchschnitten oder beseelte Landschaftsformationen gestört werden, die Ausrichtung von Gebäuden zum Berg und zum Wasser wirkt sich direkt auf ihre Bewohner aus. Diese Vorstellungen nutzen schon seit früher Zeit begabte oder gewiefte Fengshui-Meister, die, unseren Wünschelrutengängern nicht unähnlich, mit Kompass und anderen Werkzeugen «Wind-Wasser-Leistungen» anbieten.
Fengshui hat zudem alle Lebensbereiche erobert, wurde zu einem System, das seinen «Zweck in der Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung» (Wikipedia) hat. Fengshui - eines der wenigen chinesischen Worte, die Eingang in den Duden fanden - wird in ernsten wissenschaftlichen Zusammenhängen diskutiert, und ist zugleich in seichten, esoterischen und populären Ausprägungen allgegenwärtig. Und das schon seit sehr langer Zeit.
Weitere Infos zum Vortrag und dem anschließenden (optionalen) Essen:
Mittwoch 15. Februar um 18.00 Uhr
Restaurant „Ni Hao“, Wandsbeker Zollstraße 25-29, Hamburg
17. Februar: „Entomologische Reise nach Taiwan – Auf den Spuren von Hans Sauter“
Die abwechslungsreiche Landschaft Taiwans und das vielfältige Muster von Temperaturen und Niederschlägen spiegeln sich im Artenspektrum der Insektenwelt wieder. Der deutsche Entomologe Hans Sauter (1871-1943) sandte Anfang des 20. Jahrhunderts umfangreiche Ausbeuten taiwanischer Insekten nach Europa.
Sauter, der ab 1905 ständig in Taiwan lebte, hat einen wichtigen Beitrag für die entomologische Forschung in Taiwan in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts geleistet. Er durchstreifte ganz Taiwan mit Ausnahme eines Teils der unwegsamen Ostküste und der Gebiete, die damals wegen der als Kopfjäger bekannten Ureinwohner noch nicht zugänglich waren.
Der Vortrag von Dr. Stephan Blank wird von einer Powerpoint-Präsentation begleitet. Neben den Insekten wird auch die einzigartige und vielfältige Landschaft Taiwans gezeigt.
Eine Kooperation der Taipeh Vertretung Hamburg und des Zoologischen Museums Hamburg.
Sonderveranstaltung: Freitag 17. Februar, 18.00-21.00 Uhr (Vortrag ca. 1 Stunde)
Zoologisches Museum, Martin-Luther-King-Platz 3, 20146 Hamburg
Eine Menge interessante Taiwan-Veranstaltungen stehen diesen Monat noch an – in Taiwan (meist in Taipeh) sowie in Hamburg. Sicherlich auch anderswo, aber davon weiß ich nichts.
Infos vom Deutschen Institut Taipei, Bambusrunde e.V. u.a.
Termine in Taiwan
Im Kino, aktuell
Der für den deutschen Filmpreis 2010 nominierte Streifen “Goethe!” (Chinesisch: “少年歌德的煩惱”) läuft derzeit in Taipeh in den Kinos Ambassador-Changchun, Wonderful und Halar (Neihu) sowie in Chungli (Metromall, Chung-yuan-Rd Sec. 2, No. 501, 5F) und in den Wonderful-Cinemas Taichung (Gong-yuan Rd., No. 34).
Deutsche Homepage des Films
Trailer mit chin. UT:

17. Februar: Grünkohlessen 2012 in Taipeh
“Gute Traditionen sind es wert, fortgesetzt zu werden”, schreiben die Veranstalter. Es ist 2012 bereits das 12. Grünkohlessen.
Das Grünkohlkomitee lädt dazu am 17.02.2012 ins Westin-Hotel in Taipeh ein und verspricht: “Auch für Süddeutsche geeignet und alle, die mal wieder Spaß haben wollen.”
Infoflyer (PDF)
Anmeldung und nähere Infos
18. Februar: Vortrag des deutschen Medizin-Nobelpreisträgers Prof. Dr. Harald zur Hausen
Auf Einladung des Deutschen Instituts und in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Taipeh wird der deutsche Krebsforscher und Medizin-Nobelpreisträger 2008, Prof. Dr. Harald zur Hausen einen Vortrag mit dem Titel „Wissenschaft verständlich gemacht: Ist Krebs verhinderbar?“ halten.
Sein zur Hausens spezielles Forschungsgebiet ist die Entstehung von Krebsarten aus Virusinfektionen. Er wird auch als „Vater der HPV-Impfung“ bezeichnet.
Dr. zur Hausen wird deutsch sprechen. Eine Verdolmetschung ins Chinesische oder Englische ist nicht vorgesehen. Medizinische Fachkenntnisse sind zum Verständnis des Vortrags nicht Voraussetzung.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Eine Anmeldung ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber die Veranstalter wären dankbar, wenn Teilnehmer eine kurze Bestätigung per Mail schicken könnten – zwecks besserer Planung für Sitzplätze sowie Kaffee und Kuchen.
Samstag, 18 Februar, 14:00-15:30 Uhr Vortrag, 15:30-17:00 Uhr Kaffee und Kuchen
Ort:
Goethe-Institut Taipeh, Heping West Road, Sec. 1, No. 20 Heping West Rd., 12F
台北歌德學院,臺北市和平西路一段20號12樓
28./29. Februar: Taiwantournee des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks
Im Rahmen des “Taiwan International Festival of Arts” wird das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 28. und 29. Februar in Taipeh (National Concert Hall) auftreten. Unter Leitung von Daniel Harding kommen Werke von Beethoven, Brahms, Schubert, Mahler und Bruckner zur Aufführung.
Termine in Hamburg
15. Februar: Zur Kulturgeschichte des Feng-Shui
Die Hamburger Bambusrunde schreibt:
Wir freuen uns sehr, dass wir die Leiterin der Ost- und Südasien-Abteilung des Hamburger Museums für Völkerkunde, Frau Dr. Susanne Knödel, gewinnen konnten, uns einen Einblick in die Kulturgeschichte des Feng-Shui zu geben.
Fengshui, aus chinesisch FENG = Wind (風) und SHUI = Wasser (水), wird häufig übersetzt als «Geomantik» und ist zunächst eine Methode, Gräber und Gebäude rituell korrekt zu positionieren. Erdadern dürfen nicht durchschnitten oder beseelte Landschaftsformationen gestört werden, die Ausrichtung von Gebäuden zum Berg und zum Wasser wirkt sich direkt auf ihre Bewohner aus. Diese Vorstellungen nutzen schon seit früher Zeit begabte oder gewiefte Fengshui-Meister, die, unseren Wünschelrutengängern nicht unähnlich, mit Kompass und anderen Werkzeugen «Wind-Wasser-Leistungen» anbieten.
Fengshui hat zudem alle Lebensbereiche erobert, wurde zu einem System, das seinen «Zweck in der Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung» (Wikipedia) hat. Fengshui – eines der wenigen chinesischen Worte, die Eingang in den Duden fanden – wird in ernsten wissenschaftlichen Zusammenhängen diskutiert, und ist zugleich in seichten, esoterischen und populären Ausprägungen allgegenwärtig. Und das schon seit sehr langer Zeit.
Weitere Infos zum Vortrag und dem anschließenden (optionalen) Essen:

Mittwoch 15. Februar um 18.00 Uhr
Restaurant „Ni Hao“, Wandsbeker Zollstraße 25-29, Hamburg
17. Februar: „Entomologische Reise nach Taiwan – Auf den Spuren von Hans Sauter“
Die abwechslungsreiche Landschaft Taiwans und das vielfältige Muster von Temperaturen und Niederschlägen spiegeln sich im Artenspektrum der Insektenwelt wieder. Der deutsche Entomologe Hans Sauter (1871-1943) sandte Anfang des 20. Jahrhunderts umfangreiche Ausbeuten taiwanischer Insekten nach Europa.

Sauter, der ab 1905 ständig in Taiwan lebte, hat einen wichtigen Beitrag für die entomologische Forschung in Taiwan in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts geleistet. Er durchstreifte ganz Taiwan mit Ausnahme eines Teils der unwegsamen Ostküste und der Gebiete, die damals wegen der als Kopfjäger bekannten Ureinwohner noch nicht zugänglich waren.
Der Vortrag von Dr. Stephan Blank wird von einer Powerpoint-Präsentation begleitet. Neben den Insekten wird auch die einzigartige und vielfältige Landschaft Taiwans gezeigt.
Eine Kooperation der Taipeh Vertretung Hamburg und des Zoologischen Museums Hamburg.
Sonderveranstaltung: Freitag 17. Februar, 18.00-21.00 Uhr (Vortrag ca. 1 Stunde)
Zoologisches Museum, Martin-Luther-King-Platz 3, 20146 Hamburg
Mi 1 Feb 2012
Was stimmt nicht mit dieser Zeitung?
Mal ist der Titel blau, mal grün - das ist kein Druckfehler, sondern der Versuch, es jedem recht zu machen. Eine Gratiszeitung in Taiwan hatte während des Wahlkampfes jeden Tag eine Pro-KMT und eine Pro-DPP-Ausgabe erstellt. Clever oder schizophren?
Mehr darüber habe ich drüben im Blog von Weltreporter.net geschrieben.
Themenwechsel. Wie klingt es, wenn ein chinesischer Diplomat sich so in patriotische Rage redet, dass vor dem geistigen Auge der Speichel trieft und die Adern schwellen? Hört Euch mal dieses Interview an, das die BBC 2006 mit Sha Zukang führte, dem damaligen UN-Botschafter Chinas in Genf. Der hat auch was zu Taiwan zu sagen.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=nly67CQW-3A;]
Wenn es nicht so gruselig wäre, würde ich darauf tippen, dass hier ein Titanic-Redakteur der BCC einen Streich gespielt hat. Und da fragen sich ernsthaft noch Leute, warum die Taiwaner überhaupt nicht scharf darauf sind, unter den Mantel so eines Landes zu schlüpfen?
Was stimmt nicht mit dieser Zeitung?

Mal ist der Titel blau, mal grün – das ist kein Druckfehler, sondern der Versuch, es jedem recht zu machen. Eine Gratiszeitung in Taiwan hatte während des Wahlkampfes jeden Tag eine Pro-KMT und eine Pro-DPP-Ausgabe erstellt. Clever oder schizophren?
Mehr darüber habe ich drüben im Blog von Weltreporter.net geschrieben.
Themenwechsel. Wie klingt es, wenn ein chinesischer Diplomat sich so in patriotische Rage redet, dass vor dem geistigen Auge der Speichel trieft und die Adern schwellen? Hört Euch mal dieses Interview an, das die BBC 2006 mit Sha Zukang führte, dem damaligen UN-Botschafter Chinas in Genf. Der hat auch was zu Taiwan zu sagen.
Wenn es nicht so gruselig wäre, würde ich darauf tippen, dass hier ein Titanic-Redakteur der BCC einen Streich gespielt hat. Und da fragen sich ernsthaft noch Leute, warum die Taiwaner überhaupt nicht scharf darauf sind, unter den Mantel so eines Landes zu schlüpfen?
Mo 30 Jan 2012
With the government (Executive Yuan) facing a major reshuffle, Lee Hong-yuan (李鴻源) looks set to be Taiwan's next interior minister. That sounds like good news for those who like their politicians to actually know what they are talking about.
Lee (CV here) is currently Public Construction Commission Minister. He is holding a PhD in Civil and Environmental Engineering acquired in the U.S. and has been a professor at Taiwan National University's Department of Civil Engineering since 1991. In case you're interested here is an interesting article about his fields of expertise on the University of Iowa's Honor Wall.
As PCC minister, Lee's task was to define a strategy against the problem of land subsidence which is threatening the operation of Taiwan's High Speed Rail.
Being a scientist, he came up with some pretty sensible observations, the kind you would like to hear from politicians more often, anywhere.
"All we do now is persuade people to save water through moral appeals, but the government should set up regulations. It may be an inconvenience to the residents in the short term, but new values, industries and job opportunities focused on water conservation will appear in the long run." (Source)
Noting the recent protests by environmentalists against Taiwan’s nuclear power and petrochemical industries, Lee said similar action needs to be taken to push the government to tackle the water issue. “We can’t expect the rain to fall every time we find ourselves short of water, “ Lee said. “We need a policy that has vision.” (Source)
Addressing climate change, he does not go for the "let's change some lightbulbs and otherwise do business as usual" phrases popular with many politicians, but emphasizes the importance of scienctific expertise:
“Global climate change is not a simple problem with a simple answer, so a strategy for dealing with climate change through sustainable development needs good science, clear policies and good communication." (Source)
Here is a video of Lee speaking out against the infamous Kuokuang naphta cracker plant project in Changhua County.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=WodDLq01Rk8;]
This was in 2010, between Lee's stints as Taipei County deputy magistrate and PCC minister. At that time, the construction of Kuokuang was still heavily supported by the Kuomintang. Only in early 2011 did president Ma pull the plug, after protests by residents, scientists and enviromental activists apparently had become too much to handle. (I posted some photos from a demonstration in Taipei here.)
As interior minister, Lee would "focus his efforts on infrastructure and affordable housing", according to the Taipei Times. It seems to me that he is not the worst choice to handle these tasks.
In related news, a disgruntled former DPP bigshot who switched sides is apparently set to become minister without portfolio. Former Kaohsiung County commissioner Yang Chiu-hsing (楊秋興) left the DPP after failing to secure his party's nomination for mayor of Greater Kaohsiung in 2010. He ran as an independent and lost to Chen Chu. Last year, he announced his support for Ma in the presidential elections, which apparently now has earned him a new post. Without portfolio.
So it looks like there is more than one way to become a government minister in Taiwan. Expertise or dis-loyalty. Personally, I like Lee Hong-yuan's way better.
I am a German reporter living and working in Taiwan. Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog. You can also follow me on Twitter, Facebook, Google Plus and Plurk.
Other posts you might want to have a look at:
How the KMT is campaigning for Taiwan's undecided voters
How Taipei citizens do not get a second forest park, but just another shopping mall
Cheap labor, no rights? Taiwan's 2nd class foreigners
Jingmei Prison shows how Taiwan does not deal with its past
With the government (Executive Yuan) facing a major reshuffle, Lee Hong-yuan (李鴻源) looks set to be Taiwan’s next interior minister. That sounds like good news for those who like their politicians to actually know what they are talking about.

Lee (CV here) is currently Public Construction Commission Minister. He is holding a PhD in Civil and Environmental Engineering acquired in the U.S. and has been a professor at Taiwan National University’s Department of Civil Engineering since 1991. In case you’re interested here is an interesting article about his fields of expertise on the University of Iowa’s Honor Wall.
As PCC minister, Lee’s task was to define a strategy against the problem of land subsidence which is threatening the operation of Taiwan’s High Speed Rail.
Being a scientist, he came up with some pretty sensible observations, the kind you would like to hear from politicians more often, anywhere.
“All we do now is persuade people to save water through moral appeals, but the government should set up regulations. It may be an inconvenience to the residents in the short term, but new values, industries and job opportunities focused on water conservation will appear in the long run.” (Source)
Noting the recent protests by environmentalists against Taiwan’s nuclear power and petrochemical industries, Lee said similar action needs to be taken to push the government to tackle the water issue. “We can’t expect the rain to fall every time we find ourselves short of water, “ Lee said. “We need a policy that has vision.” (Source)
Addressing climate change, he does not go for the “let’s change some lightbulbs and otherwise do business as usual” phrases popular with many politicians, but emphasizes the importance of scienctific expertise:
“Global climate change is not a simple problem with a simple answer, so a strategy for dealing with climate change through sustainable development needs good science, clear policies and good communication.” (Source)
Here is a video of Lee speaking out against the infamous Kuokuang naphta cracker plant project in Changhua County.
This was in 2010, between Lee’s stints as Taipei County deputy magistrate and PCC minister. At that time, the construction of Kuokuang was still heavily supported by the Kuomintang. Only in early 2011 did president Ma pull the plug, after protests by residents, scientists and enviromental activists apparently had become too much to handle. (I posted some photos from a demonstration in Taipei here.)
As interior minister, Lee would “focus his efforts on infrastructure and affordable housing”, according to the Taipei Times. It seems to me that he is not the worst choice to handle these tasks.
In related news, a disgruntled former DPP bigshot who switched sides is apparently set to become minister without portfolio. Former Kaohsiung County commissioner Yang Chiu-hsing (楊秋興) left the DPP after failing to secure his party’s nomination for mayor of Greater Kaohsiung in 2010. He ran as an independent and lost to Chen Chu. Last year, he announced his support for Ma in the presidential elections, which apparently now has earned him a new post. Without portfolio.
So it looks like there is more than one way to become a government minister in Taiwan. Expertise or dis-loyalty. Personally, I like Lee Hong-yuan’s way better.
I am a German reporter living and working in Taiwan. Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog. You can also follow me on Twitter, Facebook, Google Plus and Plurk.
Other posts you might want to have a look at:
Mi 18 Jan 2012
Seit vergangenem Samstag kann ich mich nun endlich wieder um andere Themen kümmern als Wahlprogramme, Kandidaten und Prognosen, denn Taiwans Präsidenten- und Parlamentswahlen sind überstanden. Und dies wird wohl auch vorläufig der letzte Blogeintrag über die Wahl sein. Präsident Ma wurde deutlicher als erwartet wiedergewählt und kann seine Politik der Annäherung an China weiterführen. Die Verlierer haben in der Niederlage Größe gezeigt, und alles blieb friedlich - eben so, wie es in einer ordentlichen Demokratie halt sein sollte. Weil China seine Internet-Zensur nicht ganz so streng angewendet hat, konnten sogar viele Menschen in der Volksrepublik den Wahlkampf verfolgen. Wo das wohl noch hinführt?
[caption id="attachment_2425" align="alignnone" width="480" caption="Handy verboten: Eingang zum Wahllokal"][/caption]
Wie schon bei meinem ersten Taiwan-Aufenthalt vor vier Jahren konnte ich die Abstimmung unmittelbar miterleben. Ob das eine Tradition wird? Am frühen Nachmittag fragte ich meine Nachbarn nach dem Weg zum nächsten Wahllokal. Es war in einer Schule. Dank meines Journalisten-Ausweises durfte ich dort nach Belieben filmen und fotografieren und vor der Tür zum Wahllokal auch Interviews führen – natürlich unter der Bedingung, den Ablauf nicht zu stören und den Wählern nicht zu dicht auf den Leib zu rücken.
[caption id="attachment_2410" align="alignnone" width="480" caption="Wahlkabinen, Urnen... alles wie daheim"][/caption]
Statt Kreuzchen zu machen, drücken Taiwaner einen eigens bereitgestellten Stempel mit roter Farbe auf den Wahlzettel. Bloß nicht den persönlichen Namens-Stempel oder gar Fingerabdrücke benutzen, warnten im Vorfeld Spots ältere und unerfahrene Wähler. Damit würde die Stimme ungültig.
So langsam sollten die Taiwaner Routine haben - es war die fünfte freie Präsidentenwahl seit 1996. Sie funktioniert ganz einfach: Wer die meisten Stimmen erhält, gewinnt. Selbst wenn bei mehr als zwei Kandidaten niemand eine absolute Mehrheit erreicht, gibt es keine Stichwahl. So reichten im Jahr 2000 dem Gewinner 39% der Stimmen. Diesmal wurden es gut 51%.
[caption id="attachment_2426" align="alignnone" width="480" caption="Mitglieder von Taiwans Grüner Partei protestieren nach Fukushima für den Atomausstieg. Der Herr rechts ist kein Ausländer, sondern Staatsbürger und einer der Parteichefs."][/caption]
Ihr Parlament haben die Taiwaner bei der Gelegenheit gleich mitgewählt. Auch hier konnte die Regierungspartei ihre Mehrheit verteidigen. Zwei Stimmen hatte jeder, ähnlich wie in Deutschland eine für den Wahlkreis-Kandidaten und eine für die Partei-Liste. Als Besonderheit hatte in meinem Wahlkreis die große Oppositionspartei auf einen eigenen Kandidaten verzichtet und unterstützte statt dessen einen Grünen, der so immerhin auf mehr als 20% der Stimmen kam. Landesweit erzielten die Grünen nur 1,7%, aber das war etwa viermal mehr als bei den letzten Wahlen. So klein fingen sie in Deutschland 1980 auch mal an.
Die Wahllokale schlossen schon um 16 Uhr. Auch die Auszählung lief ganz öffentlich ab: Damit kein Mauschelei-Verdacht aufkommt, wurde jeder Stimmzettel in die Höhe gehalten und laut ausgerufen, wo der Stempel saß. „Ich habe in den letzten Jahren unzählige Wahlen beobachtet,“ kommentierte ein aus Peking angereister kanadischer Reporter, „aber so transparent wie hier ging es nirgendwo zu.“ Gegen 19 Uhr war das Ergebnis klar, die einen gingen feiern und die anderen betrübt nach Hause.
[caption id="attachment_2427" align="alignnone" width="480" caption="Auswertung der Ergebnisse in der zentralen Wahlkommission."][/caption]
Noch einige Links zum Thema:
Mein Bericht in der Deutschen Welle wurde auch auf Chinesisch übersetzt. (Langzeichen)
Ein weiterer Bericht fürs chinesische Programm der DW, für den u.a. ich befragt wurde.
Ein lesenswerter Wahl-Nachbericht und Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung.
So deutlich Ma gewann, so wenig glanzvoll ist sein Sieg. Vier Jahre lang hatten er und seine Kuomintang-Partei mit Zweidrittelmehrheit im Parlament regiert, ein neues Kapitel in den Beziehungen zu Peking aufgeschlagen und Verwaltung und Medien zu durchdringen versucht. Doch dem 61-Jährigen, als Sohn eines Kuomintang-Generals des chinesischen Bürgerkriegs in Hongkong geboren und später unter anderem in Harvard ausgebildet, mangelt es an Führungskraft, Rückhalt in seiner eigenen Partei und, wie manche meinen, mitunter auch an Realitätssinn. Seine Wahlversprechen von 2008 konnte er nicht erfüllen. Die Annäherung an China brachte Taiwan zwar dem Festland deutlich näher, doch gerade die Folgen dieser Politik – gegenseitige wirtschaftliche Öffnung – schafften ein verbreitetes Unbehagen.
Seit vergangenem Samstag kann ich mich nun endlich wieder um andere Themen kümmern als Wahlprogramme, Kandidaten und Prognosen, denn Taiwans Präsidenten- und Parlamentswahlen sind überstanden. Und dies wird wohl auch vorläufig der letzte Blogeintrag über die Wahl sein. Präsident Ma wurde deutlicher als erwartet wiedergewählt und kann seine Politik der Annäherung an China weiterführen. Die Verlierer haben in der Niederlage Größe gezeigt, und alles blieb friedlich – eben so, wie es in einer ordentlichen Demokratie halt sein sollte. Weil China seine Internet-Zensur nicht ganz so streng angewendet hat, konnten sogar viele Menschen in der Volksrepublik den Wahlkampf verfolgen. Wo das wohl noch hinführt?

Handy verboten: Eingang zum Wahllokal
Wie schon bei meinem ersten Taiwan-Aufenthalt vor vier Jahren konnte ich die Abstimmung unmittelbar miterleben. Ob das eine Tradition wird? Am frühen Nachmittag fragte ich meine Nachbarn nach dem Weg zum nächsten Wahllokal. Es war in einer Schule. Dank meines Journalisten-Ausweises durfte ich dort nach Belieben filmen und fotografieren und vor der Tür zum Wahllokal auch Interviews führen – natürlich unter der Bedingung, den Ablauf nicht zu stören und den Wählern nicht zu dicht auf den Leib zu rücken.

Wahlkabinen, Urnen... alles wie daheim
Statt Kreuzchen zu machen, drücken Taiwaner einen eigens bereitgestellten Stempel mit roter Farbe auf den Wahlzettel. Bloß nicht den persönlichen Namens-Stempel oder gar Fingerabdrücke benutzen, warnten im Vorfeld Spots ältere und unerfahrene Wähler. Damit würde die Stimme ungültig.
So langsam sollten die Taiwaner Routine haben – es war die fünfte freie Präsidentenwahl seit 1996. Sie funktioniert ganz einfach: Wer die meisten Stimmen erhält, gewinnt. Selbst wenn bei mehr als zwei Kandidaten niemand eine absolute Mehrheit erreicht, gibt es keine Stichwahl. So reichten im Jahr 2000 dem Gewinner 39% der Stimmen. Diesmal wurden es gut 51%.

Mitglieder von Taiwans Grüner Partei protestieren nach Fukushima für den Atomausstieg. Der Herr rechts ist kein Ausländer, sondern Staatsbürger und einer der Parteichefs.
Ihr Parlament haben die Taiwaner bei der Gelegenheit gleich mitgewählt. Auch hier konnte die Regierungspartei ihre Mehrheit verteidigen. Zwei Stimmen hatte jeder, ähnlich wie in Deutschland eine für den Wahlkreis-Kandidaten und eine für die Partei-Liste. Als Besonderheit hatte in meinem Wahlkreis die große Oppositionspartei auf einen eigenen Kandidaten verzichtet und unterstützte statt dessen einen Grünen, der so immerhin auf mehr als 20% der Stimmen kam. Landesweit erzielten die Grünen nur 1,7%, aber das war etwa viermal mehr als bei den letzten Wahlen. So klein fingen sie in Deutschland 1980 auch mal an.
Die Wahllokale schlossen schon um 16 Uhr. Auch die Auszählung lief ganz öffentlich ab: Damit kein Mauschelei-Verdacht aufkommt, wurde jeder Stimmzettel in die Höhe gehalten und laut ausgerufen, wo der Stempel saß. „Ich habe in den letzten Jahren unzählige Wahlen beobachtet,“ kommentierte ein aus Peking angereister kanadischer Reporter, „aber so transparent wie hier ging es nirgendwo zu.“ Gegen 19 Uhr war das Ergebnis klar, die einen gingen feiern und die anderen betrübt nach Hause.

Auswertung der Ergebnisse in der zentralen Wahlkommission.
Noch einige Links zum Thema:
So deutlich Ma gewann, so wenig glanzvoll ist sein Sieg. Vier Jahre lang hatten er und seine Kuomintang-Partei mit Zweidrittelmehrheit im Parlament regiert, ein neues Kapitel in den Beziehungen zu Peking aufgeschlagen und Verwaltung und Medien zu durchdringen versucht. Doch dem 61-Jährigen, als Sohn eines Kuomintang-Generals des chinesischen Bürgerkriegs in Hongkong geboren und später unter anderem in Harvard ausgebildet, mangelt es an Führungskraft, Rückhalt in seiner eigenen Partei und, wie manche meinen, mitunter auch an Realitätssinn. Seine Wahlversprechen von 2008 konnte er nicht erfüllen. Die Annäherung an China brachte Taiwan zwar dem Festland deutlich näher, doch gerade die Folgen dieser Politik – gegenseitige wirtschaftliche Öffnung – schafften ein verbreitetes Unbehagen.
So 15 Jan 2012
So, nun ist die Wahl vorbei, und die Taiwaner haben mehrheitlich entschieden, was sie wollen. China freut sich auch, obwohl so eine funktionierende Demokratie dem Regime dort eigentlich Kopfschmerzen bereiten müsste.
Taiwan kann stolz darauf sein, dass es vor den Augen der Welt eine so freie, transparente und im großen und ganzen faire Wahl-Vorstellung gegeben hat.
Mein persönliches Highlight des Tages war der Besuch im Wahllokal gleich um die Ecke, wo ich meinen Nachbarn zusehen durfte, wie sie ihren staatsbürgerlichen Pflichten nachkommen. In dem Schulgebäude herrschte eine friedliche, fast entspannte Stimmung. Aber was hatte ich erwartet - Schlammschlachten? Rumgebrülle? Das echte Taiwan ist nicht wie seine Medien oder seine Politiker.
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Mein Kurzkommentar zum Ergebnis drüben bei Facebook war:
@Grün: Wahlen sind kein Wunschkonzert. 51,6% sind deutlich.
@Blau: Hochmut tut selten gut. 45,6% sind das halbe Land.
Und was schreiben die Medien?
Nachtrag: Mein Radiobericht im Deutschlandfunk vom Wahltag, mit einem Statement des inoffiziellen deutschen Botschafters in Taiwan:
Was einen Beobachter am meisten überrascht und erfreut ist festzustellen, dass Chinesen und Demokratie zusammengehen. Dieses Gefühl bekommt man, auch wenn man jetzt die Wahlkampagne verfolgt, wie intensiv hier die Auseinandersetzung ist, manchmal auch ruppig, aber das gehört auch dazu. Wir sehen das aber doch mit Bewunderung auch, was hier inzwischen geschaffen worden ist an demokratischer Kultur.
Süddeutsche Zeitung: Pekings treuer Freund
Für Peking heißt es, irgendwann komme es zur Wiedervereinigung. Diese Perspektive lehnt die Mehrheit der Taiwaner ab, doch sind sie sich nicht einig, wie sie sich zu China positionieren sollen.
Deutsche Welle: Vorwärts Marsch zum Status Quo. Kommentar vom Leiter des chinesischen Programms.
Taiwan hat von der Öffnung gegenüber China wirtschaftlich profitiert. Es hat sich damit allerdings auch abhängiger gemacht von China. Aber der enge Austausch zwischen beiden Seiten lässt das demokratische Modell Taiwan auch nach China ausstrahlen.
Tagesanzeiger (Schweiz): Eine Wiedervereinigung mit China will in Taiwan niemand. Interview mit meinem lieben Kollegen Martin Aldrovandi von Radio Taiwan International. Hallo Martin!
Eine Wiedervereinigung in dem Sinn, dass Taiwan ein Teil der Volksrepublik wird, will eigentlich niemand, auch nicht die Regierungspartei KMT. Taiwan ist eine Demokratie, es wäre seltsam wenn sich eine Demokratie freiwillig einer Diktatur unterwerfen würde. Ein Modell Hongkong steht hier derzeit nicht zur Diskussion.
ARD-Radio: Deutlicher Sieg für Taiwans Präsidenten Ma. Prima Radiobeitrag vom Kollegen Kujath. Gute Reise zurück nach Tokio!
Die Gräben zwischen dem Lager der Befürworter eines eigenständigen Taiwans und denen einer Annäherung an das Festland sind kleiner geworden. Dies dürfte auch damit zu tun haben, dass die wirtschaftlichen Vorteile durch eine Verbesserung der Beziehungen und einer Reihe von Abkommen mit dem Festland auch im Süden zu spüren sind.
Und dann war da noch die Tagesschau. Nein, einen richtigen Beitrag gab es nicht. Das ARD-Fernsehen war nicht aus Tokio zur Wahl nach Taiwan angereist. Dafür war das Interesse in Deutschland zu gering. Statt dessen einige Sekunden Bilder und ein paar Sprecher-Sätze. Das war's.
Da gab es hier mehr zu sehen: Die Agentur dapd stellte am Tag vor der Wahl einen kurzen Videoclip bereit, der vielleicht den Weg in einige Webportale gefunden hat.
Bei stern.de finden sich Bilder von Urnengang und Auszählung, die Reuters gedreht hat.
Und ein Beispiel für hervorragende Fallschirm-Berichterstattung auf Englisch: Guardian-Korrespondentin Tania Branigan reise erst kurz vor der Wahl aus Peking an, schrieb aber schöne Berichte wie diesen. (Außerdem ist sie eine sehr nette Kollegin.)
While polls had shown Tsai edging towards her rival at one point, the scale of the victory gave Ma an unequivocal mandate, said Jonathan Sullivan, an expert on Taiwan at Nottingham University. "Ma was very clear about what he was offering ... if people didn't want that they had the opportunity to say so."
Hier noch eine schöne Nacherzählung des Wahlabends durch Tweets:
[View the story "How the vote count & Taiwan election results unfolded on Twitter" on Storify]
So, nun ist die Wahl vorbei, und die Taiwaner haben mehrheitlich entschieden, was sie wollen. China freut sich auch, obwohl so eine funktionierende Demokratie dem Regime dort eigentlich Kopfschmerzen bereiten müsste.
Taiwan kann stolz darauf sein, dass es vor den Augen der Welt eine so freie, transparente und im großen und ganzen faire Wahl-Vorstellung gegeben hat.
Mein persönliches Highlight des Tages war der Besuch im Wahllokal gleich um die Ecke, wo ich meinen Nachbarn zusehen durfte, wie sie ihren staatsbürgerlichen Pflichten nachkommen. In dem Schulgebäude herrschte eine friedliche, fast entspannte Stimmung. Aber was hatte ich erwartet – Schlammschlachten? Rumgebrülle? Das echte Taiwan ist nicht wie seine Medien oder seine Politiker.
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Wahlkabinen, Urnen… alles wie dahein in einem taiwanischen Wahllokal.
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Mein Kurzkommentar zum Ergebnis drüben bei Facebook war:
@Grün: Wahlen sind kein Wunschkonzert. 51,6% sind deutlich.
@Blau: Hochmut tut selten gut. 45,6% sind das halbe Land.
Und was schreiben die Medien?
Was einen Beobachter am meisten überrascht und erfreut ist festzustellen, dass Chinesen und Demokratie zusammengehen. Dieses Gefühl bekommt man, auch wenn man jetzt die Wahlkampagne verfolgt, wie intensiv hier die Auseinandersetzung ist, manchmal auch ruppig, aber das gehört auch dazu. Wir sehen das aber doch mit Bewunderung auch, was hier inzwischen geschaffen worden ist an demokratischer Kultur.
Für Peking heißt es, irgendwann komme es zur Wiedervereinigung. Diese Perspektive lehnt die Mehrheit der Taiwaner ab, doch sind sie sich nicht einig, wie sie sich zu China positionieren sollen.
Taiwan hat von der Öffnung gegenüber China wirtschaftlich profitiert. Es hat sich damit allerdings auch abhängiger gemacht von China. Aber der enge Austausch zwischen beiden Seiten lässt das demokratische Modell Taiwan auch nach China ausstrahlen.
Eine Wiedervereinigung in dem Sinn, dass Taiwan ein Teil der Volksrepublik wird, will eigentlich niemand, auch nicht die Regierungspartei KMT. Taiwan ist eine Demokratie, es wäre seltsam wenn sich eine Demokratie freiwillig einer Diktatur unterwerfen würde. Ein Modell Hongkong steht hier derzeit nicht zur Diskussion.
Die Gräben zwischen dem Lager der Befürworter eines eigenständigen Taiwans und denen einer Annäherung an das Festland sind kleiner geworden. Dies dürfte auch damit zu tun haben, dass die wirtschaftlichen Vorteile durch eine Verbesserung der Beziehungen und einer Reihe von Abkommen mit dem Festland auch im Süden zu spüren sind.
- Und dann war da noch die Tagesschau. Nein, einen richtigen Beitrag gab es nicht. Das ARD-Fernsehen war nicht aus Tokio zur Wahl nach Taiwan angereist. Dafür war das Interesse in Deutschland zu gering. Statt dessen einige Sekunden Bilder und ein paar Sprecher-Sätze. Das war’s.
- Da gab es hier mehr zu sehen: Die Agentur dapd stellte am Tag vor der Wahl einen kurzen Videoclip bereit, der vielleicht den Weg in einige Webportale gefunden hat.
- Bei stern.de finden sich Bilder von Urnengang und Auszählung, die Reuters gedreht hat.
- Und ein Beispiel für hervorragende Fallschirm-Berichterstattung auf Englisch: Guardian-Korrespondentin Tania Branigan reise erst kurz vor der Wahl aus Peking an, schrieb aber schöne Berichte wie diesen. (Außerdem ist sie eine sehr nette Kollegin.)
While polls had shown Tsai edging towards her rival at one point, the scale of the victory gave Ma an unequivocal mandate, said Jonathan Sullivan, an expert on Taiwan at Nottingham University. “Ma was very clear about what he was offering … if people didn’t want that they had the opportunity to say so.”
Hier noch eine schöne Nacherzählung des Wahlabends durch Tweets:
(weiterlesen …)
Sa 14 Jan 2012
[caption id="attachment_2399" align="alignnone" width="480" caption="Wie die Wahl wohl ausgehen wird? Anhänger der KMT auf einer Großkundgebung."][/caption]
Berichte in deutschsprachigen Medien:
Süddeutsche Zeitung: Kampf um die drei Nein
taz: Die gespaltene Republik / "Sie sind klüger geworden" (Interview)
Welt: Taiwans gefährliche Abhängigkeit von Chinas Markt
Zeit Online: Taiwan stimmt über die Nähe zu China ab
Deutsche Welle: Taiwan - Demokratie-Vorbild für Festlandchina?
Schweizer Fernsehen: Wahlen in Taiwan gestartet - China und USA fiebern mit
Hamburger Abendblatt: Taiwans Präsidentenwahl bringt Spannungen mit China (1. Preis für die blödeste Überschrift)
In der FAZ stand vor ein paar Tagen ein exzellenter Vorbericht, der online leider nur für zahlende Kunden zugänglich ist.
Sehr gute (und ausgewogene) Radiobeiträge zum Nachhören vom ARD-Korrespondenten aus Tokio, der nach Taiwan gereist ist:
Wahlen in Taiwan
Präsidentschaftsbewerberin Tsai Ing-wen im Porträt
Bei Twitter habe ich eine Liste mit Auslandskorrespondenten angelegt, die gerade aus Taiwan berichten. Folgt ihnen live!
Wie entstehen solche Berichte? Hier ein Video "ausländische Journalisten Fragen - Taiwans Politiker antworten", gedreht neulich bei der Pressekonferenz der DPP:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=756x_-Eo768;]
Und hier die beiden internationalen Pressekonferenzen vom KMT und DPP, mit Videos der Eingangsstatements und erzählt durch Tweets der anwesenden Reporter:
[View the story "Taiwan's KMT and DPP explain their policies to international media (videos)" on Storify]

Wie die Wahl wohl ausgehen wird? Anhänger der KMT auf einer Großkundgebung.
Berichte in deutschsprachigen Medien:
In der FAZ stand vor ein paar Tagen ein exzellenter Vorbericht, der online leider nur für zahlende Kunden zugänglich ist.
Sehr gute (und ausgewogene) Radiobeiträge zum Nachhören vom ARD-Korrespondenten aus Tokio, der nach Taiwan gereist ist:
Bei Twitter habe ich eine Liste mit Auslandskorrespondenten angelegt, die gerade aus Taiwan berichten. Folgt ihnen live!
Wie entstehen solche Berichte? Hier ein Video “ausländische Journalisten Fragen – Taiwans Politiker antworten”, gedreht neulich bei der Pressekonferenz der DPP:
Und hier die beiden internationalen Pressekonferenzen vom KMT und DPP, mit Videos der Eingangsstatements und erzählt durch Tweets der anwesenden Reporter:
(weiterlesen …)
Fr 13 Jan 2012
In letzter Minute haben nun auch die deutschsprachigen Medien Taiwans Wahlen als Thema entdeckt. Und ich habe gestern auf den internationalen Pressekonferenzen von KMT und DPP gedreht, damit man sich ein Bild von den unterschiedlichen Wahlprogrammen machen kann. Die englischen Videos sind weiter unten eingebettet.
[caption id="attachment_2390" align="alignnone" width="480" caption="Zu jung um wählen zu dürfen, aber nicht zu jung, um sich an Demokratie zu gewöhnen."][/caption]
Mein Artikel über Taiwans demokratische Enwicklung in der Welt.
Einig sind die Anhänger beider Seiten sich zumindest darin, dass sie in einem souveränen Land leben, das de facto alle Kriterien der Staatlichkeit erfüllt – eigene Verfassung, Armee, Währung –, aufgrund chinesischen Drucks aber politisch kaltgestellt wird.
In der Märkischen Allgemeinen schreibt Jutta Lietsch, die aus Peking angereist ist.
Die junge Demokratie Taiwan, bis in die 80er Jahre unter Militärrecht, ist politisch tief gespalten. Ist Taiwan ein eigener Staat mit eigenen Kultur und Identität, wie viele Anhänger der 55-jährigen Oppositionskandidatin Tsai von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) glauben? Oder ist die Insel Teil der chinesischen Nation – getrennt nur durch den historischen „Unfall“, als Maos Kommunisten 1949 die Nationalisten besiegten?
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=dXitf61ZSJw;]
"Der Schatten Chinas liegt über Taiwans Wahl", beobachtet die Wiener Zeitung.
Wie weit Tsai bei einem Wahlsieg Peking entgegenkommt, ist aber fraglich. Um Spannungen zu vermeiden, müsste sie jedenfalls die von Ma festgezurrte Grenze im Verhältnis zu China akzeptieren. Dessen Devise lautete: Es wird keine Wiedervereinigung mit China geben, aber auch keine staatsrechtliche Eigenständigkeit der Insel. Damit konnte Peking offenbar leben. Tsai vermied im Wahlkampf explizite Souveränitätsaussagen, kritisierte aber, dass man sich China zu sehr ausgeliefert habe.
Begleitend dazu das beste deutschsprachige Akademiker-Interview zu Taiwan, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Der Tübinger Professor Gunter Schubert bringt die komplexe Gemengelage im Gespräch ziemlich auf den Punkt.
Man versteht Taiwan mehrheitlich als Teil des chinesischen Kulturkreises. Aber eine Nation ist auch an einen Staat gebunden. Und wenn die Nation nicht nur kulturnationalistisch, sondern auch staatsnationalistisch definiert ist, dann bildet Taiwan eine eigene Nation, die sich entweder über die existierende Republik China oder über eine imaginäre Republik Taiwan definiert.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=mDgIdzpnzKk;]
"Taiwan steht vor einer Richtungswahl", schreibt der Standard in einem viel kommentierten Artikel.
Der Chef der chinesischen Nationalpartei Kuomintang, die seinerzeit samt General Tschiang Kai-schek und hunderttausenden ihrer Anhänger von Maos Kommunisten vertrieben wurde, setzt dabei auf Pragmatismus: auf Handel, finanzielle Verflechtungen, Tourismus - und auf das unausgesprochene Übereinkommen mit Peking, dass Taipeh rechtlich zwar ein Teil Festlandchinas sei, de facto aber unabhängig ist.
Ein kurzer Bericht im Schweizer Fernsehen über die Sparschwein-Spendenaktion der Opposition. Komisch, das ist eigentlich ein Thema von vor einem Monat.
Die Kampagne kam zustande um die Verbundenheit zwischen dem normalen Arbeitervolk und den Bauern zu ihrem Kandidaten zu dokumentieren. Zahlreiche Fans der DPP wüssten nicht, wie die Partei zu unterstützen und so sei man auf diese Kampagne gekommen, sagte ein Parteisprecher.
[caption id="attachment_2391" align="alignnone" width="480" caption="Von einer so emotionalen Wahlkampf-Atmosphäre ist Deutschland weit entfernt."][/caption]
Morgen (Wahltag) läuft noch ein Radiobeitrag von mir zum Thema in der Deutschlandfunk-Sendung "Eine Welt" (ab 13:30).
Und damit auch Kandidat Nummer 3 nicht zu kurz kommt, hier meine Nacherzählung von James Soongs internationaler Pressekonferenz in Form von Social Media:
[View the story "Taiwan 2012: James Soong's international press conference" on Storify]
In letzter Minute haben nun auch die deutschsprachigen Medien Taiwans Wahlen als Thema entdeckt. Und ich habe gestern auf den internationalen Pressekonferenzen von KMT und DPP gedreht, damit man sich ein Bild von den unterschiedlichen Wahlprogrammen machen kann. Die englischen Videos sind weiter unten eingebettet.

Zu jung um wählen zu dürfen, aber nicht zu jung, um sich an Demokratie zu gewöhnen.
Mein Artikel über Taiwans demokratische Enwicklung in der Welt.
Einig sind die Anhänger beider Seiten sich zumindest darin, dass sie in einem souveränen Land leben, das de facto alle Kriterien der Staatlichkeit erfüllt – eigene Verfassung, Armee, Währung –, aufgrund chinesischen Drucks aber politisch kaltgestellt wird.
In der Märkischen Allgemeinen schreibt Jutta Lietsch, die aus Peking angereist ist.
Die junge Demokratie Taiwan, bis in die 80er Jahre unter Militärrecht, ist politisch tief gespalten. Ist Taiwan ein eigener Staat mit eigenen Kultur und Identität, wie viele Anhänger der 55-jährigen Oppositionskandidatin Tsai von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) glauben? Oder ist die Insel Teil der chinesischen Nation – getrennt nur durch den historischen „Unfall“, als Maos Kommunisten 1949 die Nationalisten besiegten?
“Der Schatten Chinas liegt über Taiwans Wahl”, beobachtet die Wiener Zeitung.
Wie weit Tsai bei einem Wahlsieg Peking entgegenkommt, ist aber fraglich. Um Spannungen zu vermeiden, müsste sie jedenfalls die von Ma festgezurrte Grenze im Verhältnis zu China akzeptieren. Dessen Devise lautete: Es wird keine Wiedervereinigung mit China geben, aber auch keine staatsrechtliche Eigenständigkeit der Insel. Damit konnte Peking offenbar leben. Tsai vermied im Wahlkampf explizite Souveränitätsaussagen, kritisierte aber, dass man sich China zu sehr ausgeliefert habe.
Begleitend dazu das beste deutschsprachige Akademiker-Interview zu Taiwan, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Der Tübinger Professor Gunter Schubert bringt die komplexe Gemengelage im Gespräch ziemlich auf den Punkt.
Man versteht Taiwan mehrheitlich als Teil des chinesischen Kulturkreises. Aber eine Nation ist auch an einen Staat gebunden. Und wenn die Nation nicht nur kulturnationalistisch, sondern auch staatsnationalistisch definiert ist, dann bildet Taiwan eine eigene Nation, die sich entweder über die existierende Republik China oder über eine imaginäre Republik Taiwan definiert.
“Taiwan steht vor einer Richtungswahl”, schreibt der Standard in einem viel kommentierten Artikel.
Der Chef der chinesischen Nationalpartei Kuomintang, die seinerzeit samt General Tschiang Kai-schek und hunderttausenden ihrer Anhänger von Maos Kommunisten vertrieben wurde, setzt dabei auf Pragmatismus: auf Handel, finanzielle Verflechtungen, Tourismus – und auf das unausgesprochene Übereinkommen mit Peking, dass Taipeh rechtlich zwar ein Teil Festlandchinas sei, de facto aber unabhängig ist.
Ein kurzer Bericht im Schweizer Fernsehen über die Sparschwein-Spendenaktion der Opposition. Komisch, das ist eigentlich ein Thema von vor einem Monat.
Die Kampagne kam zustande um die Verbundenheit zwischen dem normalen Arbeitervolk und den Bauern zu ihrem Kandidaten zu dokumentieren. Zahlreiche Fans der DPP wüssten nicht, wie die Partei zu unterstützen und so sei man auf diese Kampagne gekommen, sagte ein Parteisprecher.

Von einer so emotionalen Wahlkampf-Atmosphäre ist Deutschland weit entfernt.
Morgen (Wahltag) läuft noch ein Radiobeitrag von mir zum Thema in der Deutschlandfunk-Sendung “Eine Welt” (ab 13:30).
Und damit auch Kandidat Nummer 3 nicht zu kurz kommt, hier meine Nacherzählung von James Soongs internationaler Pressekonferenz in Form von Social Media:
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Sa 20 Aug 2011
When I first met Victoria Linchong in January 2010, she was busy travelling around Taiwan with her small video camera, doing interviews with Aborigines in Taitung and with former democracy activists in Taipei. She told me she was an actress from New York City, doing a documentary about her parents’ home – Taiwan.
Victoria calls „Almost Home: Taiwan“ a „documentary on Taiwan's struggle for democracy“, but it is just as much about her own family. Born in the U.S., in 1986 she came to Taiwan with her father for the first time to attend a family funeral. She accompanied him again in 2008. Taiwan had changed a lot by then. This time, she took a video camera and recorded scenes of that very personal journey of discovery. The idea: turn it into a documentary.
"Almost Home: Taiwan" is a feature-length documentary that examines the legacy of political repression and the emergence of Taiwanese identity and independence, through the reunion of a Taiwanese family after 22 years.
In the documentary, filmmaker Victoria Linchong returns to Taiwan with her family, searching for long-lost connections and becoming re-acquainted with the unique culture of the island and its wild beauty. Bridging the deeply personal and globally political, "Almost Home: Taiwan" clarifies the controversies surrounding Taiwan, while introducing viewers to raucous night markets, aboriginal festivals, saint trees and kissing fish.
This is Victoria introducing the project herself:
[vimeo]http://vimeo.com/27820436[/vimeo]
One and a half years after she came to Taiwan once more for interviews and additional footage, Victoria has almost finished her film. Being a TV journalist, I know what it means to start out with nothing but an idea, but I can only try to imagine how much unpaid work (blood, sweat, tears...) one has to invest into a full-length project like this if there is no funding, no backing by TV stations or distributors, and only the vague hope to make it to the screens one day.
Right now, Victoria needs to collect US$3000 within the next 13 days to finish „Almost Home: Taiwan“ in time for the January elections, which will direct a lot of attention towards Taiwan. She is collecting donations, starting from US$20, via the crowdsourcing platform Indiegogo, which has a reputation for being trustworthy.
My goal is to finish this film by the end of the summer. With your help, I can hire an editor, a motion graphics animator and a translator for subtitles, as well as a researcher to license archival footage in Taiwan and America. This is a timely film on a controversial subject that has rarely been depicted with a critical perspective.
Every donator will be mentioned in the film’s credits. To see how many people have already donated, how much you have to give for a drink with the director, or for an associate producer credit, check out the project’s campaign site at Indiegogo.com.
I already saw a 30-minute rough cut, and it makes me look forward to the finished film. While there are some technical shortcomings, especially concerning the sound during the early self-filmed sequences, those can be fixed in post-production. I like Victoria’s approach to tell Taiwan’s complicated recent history through her own family’s story. She also managed to get her hands on some nice old newsreel footage and even Japanese propaganda from 1930’s Taiwan and weave it into the narrative.
And finally, she interviewed high-calibre democracy activists like Peng Ming-min and Linda Arrigo, legends for their involvement with the anti-autocratic movements of the 1960s and 1970s, respectively. (Peng’s "A Taste of Freedom", a gripping account of life in a dictatorship and of Taiwan’s early post-war independence movement, is a must-read.)
I do not know if „Almost Home: Taiwan“ will bet he most polished documentary on Taiwan ever produced, but I believe that Taiwan needs more people telling this kind of stories if it wants to make the world aware of its democracy and the dangers it is facing. So it probably deserves all the suport it can get.
(And speaking of it, you can support this blog by clicking the Flattr button below.)
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Cheap labor, no rights? Taiwan's 2nd class foreigners
Jingmei Prison shows how Taiwan does not deal with its past
The strange case of Hsu Hsin-liang, who says he wants to run for President
When I first met Victoria Linchong in January 2010, she was busy travelling around Taiwan with her small video camera, doing interviews with Aborigines in Taitung and with former democracy activists in Taipei. She told me she was an actress from New York City, doing a documentary about her parents’ home – Taiwan.

Victoria calls „Almost Home: Taiwan“ a „documentary on Taiwan’s struggle for democracy“, but it is just as much about her own family. Born in the U.S., in 1986 she came to Taiwan with her father for the first time to attend a family funeral. She accompanied him again in 2008. Taiwan had changed a lot by then. This time, she took a video camera and recorded scenes of that very personal journey of discovery. The idea: turn it into a documentary.
“Almost Home: Taiwan” is a feature-length documentary that examines the legacy of political repression and the emergence of Taiwanese identity and independence, through the reunion of a Taiwanese family after 22 years.
In the documentary, filmmaker Victoria Linchong returns to Taiwan with her family, searching for long-lost connections and becoming re-acquainted with the unique culture of the island and its wild beauty. Bridging the deeply personal and globally political, “Almost Home: Taiwan” clarifies the controversies surrounding Taiwan, while introducing viewers to raucous night markets, aboriginal festivals, saint trees and kissing fish.
This is Victoria introducing the project herself:
One and a half years after she came to Taiwan once more for interviews and additional footage, Victoria has almost finished her film. Being a TV journalist, I know what it means to start out with nothing but an idea, but I can only try to imagine (weiterlesen …)
Mo 18 Apr 2011
Posted by Klaus under
Gesellschaft,
Taiwan-Kolumne Schlagwörter:
Durchschnittseinkommen,
Durchschnittsgehalt,
Einkommen,
Gehalt,
Kosten,
Krankenversicherung,
Lebenshaltungskosten,
Preise,
Rentenversicherung,
Sozialversicherung,
Taiwan [7] Comments
Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.
Rechnen Sie noch immer Euro-Preise in D-Mark um? Dann seien Sie froh, dass Sie nicht in Taiwan leben – da ist die Rechnerei noch komplizierter. Eine pralle Brieftasche voller Hunderter und Tausender sieht zwar gut aus, aber hundert Neue Taiwan-Dollar (NTD) sind gerade mal 2,50 Euro wert (oder fünf Mark, wem das lieber ist).
Was kann ich mir dafür kaufen? Eine komplette Mahlzeit zum Beispiel. Ob in zahllosen kleinen Restaurants oder bei der Garküche am Straßenrand, in Taipeh kann ich mich für 1,50 bis drei Euro satt essen. Nudeln oder Reis mit Fleisch und viel Gemüse, mit oder ohne Suppe – wer hungrig bleibt, ist selbst Schuld. Viele Taiwaner kochen nie zu Hause, weil Essen gehen so günstig ist.
Taiwan ist im asiatischen Vergleich ein reiches Land, und daher sind die Preise hier nach deutschen Maßstäben günstig, aber nicht spottbillig. Grob geschätzt kosten Lebensmittel, U-Bahn-Fahrten oder Zeitungen etwa ein Drittel bis ein Viertel so viel wie in Deutschland. Den Liter Benzin gibt es für 80 Cent, einen Big Mac für 1,50. Natürlich sind auch die Einkommen entsprechend niedriger: 800 Euro monatlich beträgt das Einstiegsgehalt für viele Uni-Absolventen, 1000 Euro gelten als ordentlicher Verdienst, und für 2000 Euro muss man schon Manager oder Ingenieur sein. Dazu kommt der Neujahrsbonus: Als vor kurzem das Jahr des Kaninchens anbrach, haben wieder alle Firmen rote Umschläge verteilt. Je nach Branche und Geschäftslage steckten darin zwischen einem halben und sechs Monatsgehältern. Wer kurz vorher kündigt, ist selbst Schuld und geht leer aus.
Aufs Einkommen zahlen die meisten Taiwaner fünf Prozent Steuern, der Spitzensatz liegt bei 40 Prozent ab ca. 100.000 Euro Jahresverdienst. Nur etwa 1,5 Prozent kostet die 1995 eingeführte allgemeine Krankenversicherung, der so gut wie jeder angehört. Die wirklich Reichen kommen oft ungeschoren davon, denn Aktiengewinne und Dividenden sind so gut wie steuerfrei – eine Ungerechtigkeit, die mit verantwortlich ist für die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Wie sehr sich viele Probleme in Taiwan und Deutschland ähneln, verblüfft mich immer wieder.
Am anderen Ende der Einkommensskala hat Taiwan immerhin einen gesetzlichen Mindestlohn eingeführt: 2,50 Euro pro Stunde oder 450 Euro pro Monat bei Vollzeitbeschäftigung bekommen viele Fabrikarbeiter oder Servicekräfte. Die offizielle Arbeitslosenrate liegt bei ca. fünf Prozent, und die Regierung würde sie gern wieder unter drei Prozent drücken. Wer seinen Job verliert, bekommt bis zu sechs Monate Arbeitslosengeld.
Nicht alles ist günstig. Weil Taiwan zu klein für Rinderhaltung ist und Milchprodukte kein Teil der traditionellen Ernähung sind, kosten Käse und Milch mich etwa doppelt so viel wie in Deutschland. Richtig tief in die Tasche greifen muss, wer sich eine Wohnung kaufen will – zumindest in der Hauptstadt Taipeh. Im Schnitt 14 Jahresgehälter legt man hier für die eigenen vier Wände auf den Tisch. Zum Vergleich: Das wäre in Deutschland mindestens eine halbe Million Euro. Die eigene Wohnung gehört aber für viele zum Heiraten dazu, und so verschulden sich junge Paare bis über beide Ohren und verbrauchen dazu die Ersparnisse der Eltern, in der Hoffnung auf spätere Wertzuwächse – und darauf, dass die Blase nicht platzt.
Ein ganz toller Text über die Arbeitswelt in Taiwan aus deutscher Perspektive mit noch mehr Infos steht hier. Dazu hatte ich vor fast drei Jahren auch schon mal was geschrieben. Und hier hat die US-Regierung Taiwans Sozialversicherungssysteme vorbildlich zusammengefasst.
Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.
Rechnen Sie noch immer Euro-Preise in D-Mark um? Dann seien Sie froh, dass Sie nicht in Taiwan leben – da ist die Rechnerei noch komplizierter. Eine pralle Brieftasche voller Hunderter und Tausender sieht zwar gut aus, aber hundert Neue Taiwan-Dollar (NTD) sind gerade mal 2,50 Euro wert (oder fünf Mark, wem das lieber ist).
Was kann ich mir dafür kaufen? Eine komplette Mahlzeit zum Beispiel. Ob in zahllosen kleinen Restaurants oder bei der Garküche am Straßenrand, in Taipeh kann ich mich für 1,50 bis drei Euro satt essen. Nudeln oder Reis mit Fleisch und viel Gemüse, mit oder ohne Suppe – wer hungrig bleibt, ist selbst Schuld. Viele Taiwaner kochen nie zu Hause, weil Essen gehen so günstig ist.

Taiwan ist im asiatischen Vergleich ein reiches Land, und daher sind die Preise hier nach deutschen Maßstäben günstig, aber nicht spottbillig. Grob geschätzt kosten Lebensmittel, U-Bahn-Fahrten oder Zeitungen etwa ein Drittel bis ein Viertel so viel wie in Deutschland. Den Liter Benzin gibt es für 80 Cent, einen Big Mac für 1,50. Natürlich sind auch die Einkommen entsprechend niedriger: (weiterlesen …)
So 17 Apr 2011
It seems quite natural that someone who has been head of the DPP twice is now competing for its Presidential nomination. However, the closer one looks at the case of Hsu Hsin-liang (許信良), the more unsusual it appears to be.
For example, a Chinese dissident has mentioned Hsu's name in connection with alleged plans for a Beijing-funded political organization, to be established as a puppet party in Taiwan after the 2012 Presidential elections (see below).
He has also been called a "DPP turncoat" whose "position in the election primary is exactly the same as the KMT's."
Hsu admitted he has a slim chance of winning the primaries, but said he wants to "make society care about the issues I hold close to my heart. (...) This is my motive; I have no other motives.”
Some of his political views are far removed from DPP mainstream.
Taipei Times
Asked about his views on cross-strait relations, including Chinese pressure on Taiwan’s international space, Hsu said: “I only care about social welfare and everything else comes second.”
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=22PWDuqUof4;]
This video is an excerpt from the first TV debate between the three DPP candidates for the Presidential ticket, broadcast on April 9, 2011. There were two more on April 13 and 16, and a last one will follow on April 20. The DPP wants to settle on a candidate by May 4.
Although it looks like the race will be between political heavyweights Tsai Ing-wen and Su Tseng-chang, Hsu manages to steal the limelight and make a lot of headlines.
Taipei Times
The most emotional performance came from Hsu Hsin-liang (許信良) when he said that Taiwan should “open up wide to Chinese money, students and tourists” — true to his election announcement that he did not expect to win, but hoped to influence election policy.
“The single most important issue is Taiwan’s economic growth,” Hsu said.
“I care about cross-strait ties because I care about their economic impact. Only with growth can we craft and fund better social welfare policies,” Hsu said.
AP
A veteran politician said Saturday that Taiwan's main opposition party should drop its anti-China stance and sanction unrestricted Chinese investment in the self-governing island in order to win next year's presidential election.
(Equating the DPP with "anti-China" is a mistake often made by some western media organizations reporting from Taiwan.)
In an editorial, the Taipei Times called Hsu's candidacy a sign of the DPP's "democratic maturity".
During the last almost 40 years, Hsu Hsin-liang has switched his political affiliation so often that he has been called "the master (chameleon), bar none" of Taiwanese politics:
A man who has always wanted to lead the parade, but has rarely had a sustainable following. He is a man who loves to talk and press the flesh, but has not had a recognizable job in decades. Yet, surprisingly, he seems to live well enough — so much so that he makes many wonder where his money comes from.
Hsu started out with the Kuomintang (KMT) in the early 70's and won the Taoyuan County Commissioner Elections in 1977 as a independent. He was DPP Chairman from 1992-93 and 1996-98, twice failing to secure his party's Presidential ticket. He split with the DPP and ran as an independent candidate in Taiwan's 2000 elections. Hsu supported the KMT in 2004 and the DPP again in 2008. In March 2011, to everyone's surprise, he announced his participation in the current DPP primary.
That did not come cheap.
When registering his candidacy, Hsu had to pay a USD 170,000 fee that, according to the Taipei Times, he borrowed from his brother's business connections. (Two-thirds of the sum will apparently be returned once a candidate drops out of the race.)
And now for something completely different.
In 2009, the Chinese dissident Yuan Hongbing (袁红冰) published his book "Taiwan Disaster" (台灣大劫難). The English translation, titled "The Taiwan Crisis: China's Plan to Annex Taiwan without a Battle by 2012", came out in 2010. In Taiwan, it is available here, here and in the Taoyuan Airport bookshop.
Yuan, a former law professor at Peking University and self-proclaimed drinking companion of China's Vice President Xi Jinping during the 1980's, currently lives in exile in Australia. He claims to have been provided with highly classified internal CCP documents revealing China's strategies to annex Taiwan.
One of those strategies, he claims, is to establish a Chinese-run "Taiwan Socialist Democratic Party" within Taiwan.
Even if Taiwan became "one country, two systems" and continued under a "democratic system", pro-independence ideas could not be allowed to "roam free" or else China would face endless troubles. Even if China politically allies top KMT members through United Front operations, there is a substantial portion of base members and Taiwanization groups who are deeply anti-Communist. Moreover, the KMT's ability to take control of society during a drastic time of change is questionable. Given the KMT's political position and ability, it would be unwise to completely trust the KMT and put all of China's political eggs in one basket. China must set up a powerful organization in Taiwan that fully complies to Beijing's political will in order to ensure that China's political plans are successfully realized during and after reunification. Only then can China be assured that Taiwan will not continue to be a troublemaker after reunification. (pp. 135 f.)
But how to give a puppet party a credible facade?
Wang Huning acted as chief counsultant to the preparation team. He demanded that the team pay particular attention in pulling out a few iconic characters from both the KMT and the DPP to enter the SDP and to hand them important jobs. Wang believed that if representatives from both the KMT and the DPP became iconic figures of the SDP, then sharp polarization would be sparked in both camps. (...) By Wang Huning's suggestion, the preparation team listed Song Chuyu, Hsu Hsinliang (sic) and twenty other marginalized figures from the KMT and DPP as important targets for becoming Central Committee members of the SDP. (...) After continuous discussion, it is confirmed in the "Political Strategies to Solve the Taiwan Problem" that the SDP will be publically registered after the spring elections in 2012, just before the presidential inauguration. The first mission of the SDP will be determined by the outcome of the election. If the DPP wins, the SDP will announce a "Taiwan Independence" threat before the new president is in office, unite with the KMT, and call on China to send in troops to control the situation. If the KMT wins, then the SDP will take all effective measures to push the KMT into signing a reunification agreement revoking Taiwan as Republic of China, abolishing the ROC constitution, and implementing the constitution of Communist China before the 18th Congress in 2012. (pp. 141 f.)
Yes, that sounds like on huge conspiracy theory. Let's all hope it is.
Meanwhile, Hsu Hin-liang has won the support of other marginalized former DPP figures, notably former Kaohsiung County Commissioner Yang Chiu-hsing (楊秋興), who ran against the DPP as an independent candidate last November after not securing his party's nomination for the post of Greater Kaohsiung Mayor. And of former independence movement icon and DPP Chairman Shih Ming-teh (施明德), by now a highly polarizing figure detested by many of his former supporters.
Taipei Times
Shih and Hsu denied that they were aligned with the Chinese Nationalist Party (KMT).
There is suspicion that Hsu will run for President as an independent candidate once the DPP turns him down again - although when he tried that in 2000, having just stepped down from the DPP Chairmanship, he did not even collect 1% of the vote.
Back in 2006, Jerome Keating wrote about Hsu in "Taiwan: The Struggles of a Democracy":
His hatred for the DPP, which twice passed him over, influences his speech. Yet the man cannot bear to bow out of the limelight. There is only one place left he has not tried, the PRC. There he will have to give up many illusions of being the great leader. His monk image won't sell; and one wonders what he would then say about democracy. Stranger things have happened. (p. 105)
Only one thing is for sure: This will be a very exciting year for everyone interested in Taiwanese politics.
I am a German reporter living and working in Taiwan. Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog. You can also follow me on Twitter and Facebook.
It seems quite natural that someone who has been head of the DPP twice is now competing for its Presidential nomination. However, the closer one looks at the case of Hsu Hsin-liang (許信良), the more unsusual it appears to be.
For example, a Chinese dissident has mentioned Hsu’s name in connection with alleged plans for a Beijing-funded political organization, to be established as a puppet party in Taiwan after the 2012 Presidential elections (see below).
He has also been called a “DPP turncoat” whose “position in the election primary is exactly the same as the KMT’s.”
Hsu admitted he has a slim chance of winning the primaries, but said he wants to “make society care about the issues I hold close to my heart. (…) This is my motive; I have no other motives.”
Some of his political views are far removed from DPP mainstream.
Taipei Times
Asked about his views on cross-strait relations, including Chinese pressure on Taiwan’s international space, Hsu said: “I only care about social welfare and everything else comes second.”
This video is an excerpt from the first TV debate between the three DPP candidates for the Presidential ticket, broadcast on April 9, 2011. There were two more on April 13 and 16, and a last one will follow on April 20. The DPP wants to settle on a candidate by May 4.
Although it looks like the race will be between political heavyweights Tsai Ing-wen and Su Tseng-chang, Hsu manages to steal the limelight and make a lot of headlines.
(weiterlesen …)
So 3 Apr 2011
Do 24 Mrz 2011
Taiwans Convenience Stores sind toll. Es gibt sie überall, sie bieten fast alles und entwickeln sich auch noch ständig weiter. Dass es so etwas in Deutschland nicht gibt, ist einer der Gründe dafür, dass viele Taiwaner das Leben dort langweilig und unpraktisch finden.
Ein schönes Radiostück über die "Minimärkte" findet sich bei den "Taiwan für Anfänger"-Beiträgen von RTI, die ich hiermit mal wieder wärmstens empfehle.
Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.
Frage ich Taiwaner, was ihnen an ihrem Land gefällt, dann lautet die Antwort oft nicht etwa „unsere Berge“, „wir dürfen die Regierung kritisieren“ oder „dass wir eines der reichsten Länder Asiens sind“, sondern: „Das Leben hier ist so praktisch.“ Um das zu verstehen, muss man sich vor Augen halten: Mit 23 Millionen Menschen auf der Fläche Baden-Württembergs hat Taiwan nach Bangladesch die weltweit zweithöchste Bevölkerungsdichte aller Flächenstaaten. Etwa jeder Dritte wohnt wie ich im Großraum Taipeh. Dass trotzdem alles funktioniert, liegt an der guten Infrastruktur: U-Bahnen, Züge und Busse, Telekommunikation – und überall Einkaufsmöglichkeiten. Typisch für Taiwan sind die allgegenwärtigen „Convenience Stores“, die ich hier mal „Minimärkte“ nennen will.
Wer in Deutschland spät noch Hunger hat oder dringend etwas besorgen muss, dem bleibt oft nur die Fahrt zu einem überteuerten Tankstellen-Laden. Die Taiwaner haben es besser: Sie spazieren um die Ecke zum nächsten „7/11“ oder „Family Mart“, zu „Hi Life“ oder „OK Mart“. Das sind rund um die Uhr geöffnete, blitzsaubere kleine Supermärkte, in denen es auf 50-100 Quadratmetern so gut wie alles gibt: kühle Getränke und heiße Snacks, Tütensuppe und Zahnpasta, Regenschirme und Hundefutter, Zeitschriften und Zigaretten, Badeschlappen und Bananen, Heftpflaster und Handykarten, DVDs und Radiergummis, Whisky und Waschmittel, Sonnencreme, Spielzeugautos und vieles mehr.
Die Preise sind nur ein wenig teurer als in normalen Supermärkten, das Personal (oft sind vier oder fünf Angestellte zugleich im Laden) begrüßt und verabschiedet jeden Kunden im Chor, und das beste: Minimärkte gibt es wirklich überall. Etwa 10.000 sind es in Taiwan, und wenn ich mich an manchen Kreuzungen in Taipeh einmal um die eigene Achse drehe, sehe ich vier oder fünf auf einen Schlag.
Dass die Minimärkte aus dem Alltag in Taiwan nicht wegzudenken sind, liegt auch daran, dass die großen Ketten sich im Konkurrenzkampf ständig etwas Neues einfallen lassen. So steht nun in jedem Laden eine moderne Kaffeemaschine, und der Becher Cappuccino kostet nur einen Euro – ein Drittel so viel wie in der Kaffeehauskette nebenan. Die Läden fungieren auch als Postämter und Banken: Ich kann mir meine Päckchen hierher liefern lassen, beim Abholen meine Telefon- und Stromrechnung bezahlen und am Automaten Geld abheben. Es gibt Farbkopierer, von denen ich auch Faxe nach Deutschland senden kann, und Marktführer 7/11 bietet Computer-Terminals, an denen sich Fotos und Dokumente vom USB-Stick ausdrucken und per Touchscreen Konzertkarten und Zugtickets bestellen lassen.
Warmes Essen gibt es nicht nur aus der Mikrowelle: Würstchen drehen sich auf einem Elektrogrill, hartgekochte Eier ziehen in heißem Tee vor sich hin, Fleischbällchen schöpft man sich samt heißer Brühe in kleine Suppenschüsseln, und in einem Glasschränkchen locken gedämpfte Hefeklöße mit Fleisch- oder Gemüsefüllung. Wer hier nichts findet, hat keinen Hunger. Minimärkte sind nun mal einfach: Praktisch.
Taiwans Convenience Stores sind toll. Es gibt sie überall, sie bieten fast alles und entwickeln sich auch noch ständig weiter. Dass es so etwas in Deutschland nicht gibt, ist einer der Gründe dafür, dass viele Taiwaner das Leben dort langweilig und unpraktisch finden.
Ein schönes Radiostück über die “Minimärkte” findet sich bei den “Taiwan für Anfänger”-Beiträgen von RTI, die ich hiermit mal wieder wärmstens empfehle.

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.
Frage ich Taiwaner, was ihnen an ihrem Land gefällt, dann lautet die Antwort oft nicht etwa „unsere Berge“, „wir dürfen die Regierung kritisieren“ oder „dass wir eines der reichsten Länder Asiens sind“, sondern: „Das Leben hier ist so praktisch.“ Um das zu verstehen, muss man sich vor Augen halten: Mit 23 Millionen Menschen auf der Fläche Baden-Württembergs hat Taiwan nach Bangladesch die weltweit zweithöchste Bevölkerungsdichte aller Flächenstaaten. Etwa jeder Dritte wohnt wie ich im Großraum Taipeh. Dass trotzdem alles funktioniert, liegt an der guten Infrastruktur: U-Bahnen, Züge und Busse, Telekommunikation – und überall Einkaufsmöglichkeiten. Typisch für Taiwan sind die allgegenwärtigen „Convenience Stores“, die ich hier mal „Minimärkte“ nennen will.
Wer in Deutschland spät noch Hunger hat oder dringend etwas besorgen muss, dem bleibt oft nur die Fahrt zu einem überteuerten Tankstellen-Laden. Die Taiwaner haben es besser: (weiterlesen …)