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Kurz vor meiner Abreise aus Taiwan wurde ich noch interviewt – von drei Deutsch-Studenten der Soochow-Universität. Die hatte ich zuvor schon einmal besucht, um mir eine Unterrichtsstunde anzusehen. Christin, Kai sowie Josef (nicht im Bild) arbeiten für das Campus-Radio, wo es neben Beiträgen aus der Reihe „Spaß an Deutsch“ (z.B. Begriffe zu den Themen Musik und Film) auch die Rubrik „Teehaus-Talks“ gibt. Dort könnt Ihr Euch das ganze Gespräch anhören. Es dauert allerdings ein wenig länger, wir sind halt ins Plaudern gekommen…

Die drei sprechen, wie auch viele ihrer Kommilitonen, hervorragendes Deutsch. Respekt! Das hat mir wieder mal deutlich gemacht, wie sehr ich in Sachen Chinesisch noch am Anfang stehe.

Es geht im Gespräch zunächst um mein Stipendium, meine Arbeit als Journalist, später auch um meine Eindrücke von Taiwan, dieses Blog, die Kenntnisse der Deutschen über Taiwan u.v.m. Ich hoffe, dass es für die Hörer an der Uni auch wirklich von Interesse war. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, und es war schön, die drei kennen zu lernen. Kai möchte eventuell demnächst in Deutschland Film- oder Theaterregie studieren. Drücken wir ihr die Daumen!


Spätestens seit meinem ersten Besuch im Deutschen Kulturzentrum in Taipeh wollte ich wissen: Wie funktioniert das, wenn Taiwaner Deutsch lernen?

Vielleicht kennt Ihr das Gefühl: Immer, wenn ich ein bisschen über die Feinheiten des Deutschen nachdenke, bin ich heilfroh, dass ich meine Muttersprache sozusagen instinktiv beherrsche und keine Dativ-Genitiv-männlich-weiblich-Tabellen samt Ausnahmeregeln auswendig lernen muss. Deutsch ist bestimmt nicht die einfachste Sprache für Ausländer. (Chinesisch auch nicht, aber das ist diesmal ausnahmsweise nicht das Thema.)

Über das Kulturzentrum habe ich Heinz Lohmann kennen gelernt, der seit 25 Jahren in Taiwan lebt und hier Deutsch unterrichtet. Er hat mich zunächst mal in seinen Fortgeschrittenen-Kurs am Kulturzentrum eingeladen, wo ich etwas über Medien in Deutschland erzählen durfte.

Die Studenten in diesem Kurs lernen zum Teil schon seit über zehn Jahren Deutsch und sind ziemlich fit. Weil die meisten von ihnen arbeiten, findet der Kurs am Samstag statt. Da sitzt die Rechtsanwältin neben der Computerexpertin, die Staatsanwältin neben der Englischlehrerin.

Da das Thema im Lehrbuch gerade „Medien“ ist, konnte ich über öffentlich-rechtliches Fernsehen erzählen, über die Unterschiede von ARD, ZDF und dritten Programmen, deutsche Tageszeitungen, die Arbeit in einer Nachrichten-Redaktion und auch darüber, warum Themen aus Taiwan in deutschen Medien, vor allem im Fernsehen, so selten eine Rolle spielen.

Ziemlich komplexe Themen also, aber die Studenten mussten nur ganz selten nach der Bedeutung eines Wortes fragen, haben viele Fragen gestellt und auch von der Situation in Taiwan erzählt. Die Privatsphäre von Politikern wird hier z.B. offenbar so gut wie gar nicht respektiert, beim kleinsten Anlass wird auch ihre Familie von Kamerateams verfolgt. Bei den privaten Nachrichtensendern ersetzt Skandalisierung oft die Politikberichterstattung.

Ein paar Tage später hat Heinz Lohmann mich dann an seine Hochschule eingeladen, die Soochow-Universität. Dort gibt es eine Deutsch-Abteilung, in der er als Dozent arbeitet.

Ich habe einen Kurs mit Studenten besucht, die seit drei Jahren Deutsch lernen. Sie sind alle Anfang 20. Einige von ihnen waren gerade für ein Jahr an der Uni Münster, da gibt es ein Austauschprogramm.

Auch diese Studenten beherrschen die deutsche Sprache richtig gut, Aussprache und auch Grammatik. Sehr beeindruckend. Da es ein Konversations-Kurs war, haben sie sich vor allem miteinander unterhalten und gegenseitig befragt (mich auch), und zwar zum Thema „Sport“: Treibst Du regelmäßig Sport? Warum ist Sport gesund? Kann Sport auch gefährlich sein? Warum betreiben manche Leute Extremsportarten? Außerdem habe ich festgestellt, dass sie dank ihres Lehrbuchs z.B. mehr über die Biografie von Reinhold Messner wissen als ich.

Unterm Strich habe ich zwar nicht wirklich mitbekommen, wie Ausländer die deutsche Sprache mit all ihren Feinheiten lernen. Aber dass es funktionieren kann, und sogar ziemlich gut, weiß ich jetzt.


Heute ist ein trauriger Tag. In einer Stunde mache ich mich zum letzten Mal auf zu meinem Chinesisch-Kurs an der Uni. Die zwölf Wochen gingen vorbei wie im Flug.

Das heißt aber nicht, dass ich schon auf gepackten Koffern sitze. Ich werde noch ein paar Wochen in Taiwan bleiben und versuchen, vieles von dem zu sehen, wozu der Kurs mir keine Zeit ließ. Und noch ein bisschen mehr: Kommende Woche bin ich von Montag bis Donnerstag in Hongkong. Das liegt quasi um die Ecke. Ich sehe es mir nicht nur aus Neugier an, sondern auch, weil mein Visum Ende Mai abläuft und ich bei erneuter Einreise nach Taiwan wieder 30 Tage Aufenthalt bekomme. Am 20. Juni fliege ich dann zurück nach Deutschland.

Jetzt möchte ich noch ein Versprechen einlösen: Birger hatte vor einiger Zeit gefragt, wie das Eintippen von chinesischen Schriftzeichen am Computer funktioniert.

Gucken wir uns mal eine taiwanische Computer-Tastatur an. Überraschung: Sie hat nicht etwa 2000 Tasten, sondern sieht fast so aus wie im Westen.

So weit ich es verstanden habe, gibt es im wesentlichen drei verschiedene Methoden, um mit ein paar Dutzend Tasten zehntausende Schriftzeichen einzutippen. Und immer funktioniert es so wie beim SMS-Tippen: Nach Beginn der Eingabe macht die Software Vorschläge mit den wahrscheinlichsten Varianten, und je mehr man eintippt, desto präziser werden die Vorschläge. Für besonders häufige Begriffe muss man also nur eine oder zwei Tasten drücken.

Wie das allerdings vor dem Aufkommen grafischer Benutzeroberflächen funktioniert hat, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.

一 „Zusammenbasteln“

Es ist ja nicht so, dass alle chinesischen Schriftzeichen sich völlig voneinander unterscheiden. Sie sind vielmehr zu großen Teilen aus wiederkehrenden Elementen zusammengesetzt, die immer neu kombiniert werden.

So bedeutet das Zeichen 貝 z.B. „Muschel“, steht aber als Bauteil für „Geld“. Und taucht deshalb etwa in folgenden Zeichen auf:

  • 買 kaufen
  • 賣 verkaufen
  • 貴 teuer

Auf der Tastatur seht ihr unter den Buchstaben links und rechts die häufigsten Elemente der chinesischen Schriftzeichen. Unter dem „D“ findet sich zum Beispiel links ein Baum 木 und rechts eine Sonne 日. Ich vermute, wenn man die beiden kombiniert, schlägt das System als einen der ersten Treffer 東 vor. Guckt Euch das Zeichen mal genau an (Schrift vergrößern). Es ist quasi ein Baum, hinter dem die Sonne aufgeht. Und es heißt… Osten. Denn im Osten geht nun mal die Sonne auf.

Weitere nette Beispiele für zusammengesetze Zeichen:

  • 媽 Mutter = Frau 女 + Pferd 馬
  • 好 gut = Frau 女 + Sohn 子
  • 明 hell = Sonne 日 und Mond 月
  • 家 Zuhause = Schwein 豬 unter einem Dach

Diese Methode benutzen die Leute, wenn sie zwar wissen, wie ein Zeichen aussieht, aber nicht unbedingt, wie es ausgesprochen wird. Soll ja vorkommen.

二 Bopomofo

Der andere Ansatz: Man nähert sich dem Schriftzeichen über die Aussprache. Da gibt es außer den Umschriften, die lateinische Zeichen verwenden (wie Pinyin, s.u.) ein System mit dem schönen Namen „Bopomofo“, das wohl vor allem auf Taiwan verwendet wird. Dabei wird jedem der möglichen Laute (Konsonanten und Vokale), also „b“, „p“, „ei“, „ian“ usw. ein Haken-ähnliches Symbol zugewiesen. Diese Symbole seht ihr rechts neben den lateinischen Buchstaben. Sie finden sich auch auf taiwanischen Handy-Tastaturen und neben den Schriftzeichen in Kinder- oder Sprachlern-Büchern.

Das heißt, wer 好 hao=“gut“ tippen will, drückt zuerst das Bopomofo-Zeichen für „h“, also ㄏ und dann für „ao“, also ㄠ.

In Taiwan ist Bopomofo extrem verbreitet, weil es in den Grundschulen gelehrt wird. Es kommt auch Japanern, die chinesisch lernen wollen, entgegen, da es in deren Sprache ein ähnliches Lautschrift-System namens Katakana gibt. Auch einige westliche Sprachstudenten schwören drauf, weil sie es für „exakter“ halten als Pinyin – lateinische Buchstaben verführen dazu, sie falsch auszusprechen.

In der Volksrepublik scheint es dagegen wirklich so zu sein (bitte korrigiert mich ggf.), dass die Menschen lateinische Buchstaben lernen müssen, weil dort als Umschrift Pinyin verwendet wird.

三 Pinyin

Das Pinyin-System habe ich ja ansatzweise hier schon mal erklärt. Ich halte es für ziemlich praktisch, da ich keinen Nerv hatte, mit Bopomofo quasi noch mal ein neues Alphabet zu lernen. Man muss halt nur immer bedenken, dass die korrekte Aussprache mit dem, was wir gemeinhin mit den Buchstaben verbinden, nicht viel zu tun hat.

先生 z.B. heißt „Herr“ (wörtliche Übersetzung: „zuerst geboren“). In Pinyin schreibt man es xiānshēng. Ausgesprochen wird es aber, ganz grob vereinfacht, „chiän-schang“ (ch wie in „ich“, nicht wie in „Bach“).

Auf meinem Mac habe ich das Programm QIM installiert, mit dem das Pinyin-Eintippen in jedem Programm problemlos möglich ist. Ich kann mit einem Tastendruck hin- und herschalten.

So sieht es z.B. aus, wenn sich in Word das Fenster (oder genauer: der Floater) mit den Vorschlägen öffnet:


Chinesisch lernen macht Spaß! Ich weiß, am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich geändert. Wer als unvorbelasteter Westler diese Sprache lernen will, kann sich in Zukunft sämtliche Gehirnjogging-Ratgeber sparen. Es ist faszinierend, wie sich die Informations-Partikel, die zu Beginn ziemlich unkoordiniert im Hirn herumschwirren, nach und nach zusammensetzen und Sinn ergeben.

Nehmen wir mal die Schriftzeichen. Davon gibt es ziemlich viele, und auf den ersten Blick ergeben sie keinen großen Sinn. Teilweise sehen sie sich sogar zum Verwechseln ähnlich.

Allein mit den Schriftzeichen in der unteren Bildhälfte lassen sich allerdings schon solche Sätze bilden:

  • 李先生不是英國人 („Herr Li ist kein Engländer.“)
  • 他是中國人 („Er ist Chinese.“)
  • 您貴姓 („Wie lautet Ihr werter Name?“)
  • 我姓馬,你呢 („Ich heiße Ma, und Sie?“) (Könnte ein Zitat des künftigen Präsidenten sein)

(Falls die Schriftzeichen zu klein dargestellt werden, kann man im Browser-Menü die Schriftgröße verändern. Falls sie gar nicht angezeigt werden, muss man die passenden Schriften installieren.)

Es steckt also ein System hinter diesen nur scheinbar willkürlichen Zeichen. Was für eines? Das habe ich bisher noch nirgendwo (auch nicht in unserem Unterricht) so anschaulich und einleuchtend erklärt bekommen wie in diesem Flash-Video. Unbedingt anschauen! Ein paar Minuten, nach denen Ihr klarer seht – versprochen.

Und woher stammt dieses schöne Video, und noch einige mehr? Von dieser Website.


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