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Selten genug: Die Welt zu Gast in Taiwan

Meine stärkste Erinnerung an das „Sommermärchen“ der WM 2006 ist der Tag des Eröffnungsspiels. Am Münchner Marienplatz kam ich aus der U-Bahn und stand plötzlich inmitten tausender fröhlich feiernder Gäste aus aller Welt. Damals galt Deutschland noch nicht als so cool und attraktiv wie heute, und es war eine überraschende Erkenntnis: Die sind wirklich alle extra hierher gekommen. Und es gefällt ihnen auch noch bei uns!

Taiwan hat gerade seine eigene Version so eines Sommermärchens erlebt. (mehr …)


Taiwan: Eine Sportnation?

Eine ganze Reihe Sportler aus Taiwan hat Weltruhm erlangt – meist in Sportarten, die in Deutschland nicht besonders populär sind.

Jeremy Lin, Superstar

Vom Bankdrücker zum globalen Basketball-Star: Wenn Sie die Geschichte von Jeremy Lin noch nicht kennen, bemühen Sie mal die Suchmaschine ihres Vertrauens. In Taiwan jedenfalls scheint es seit Wochen kaum ein wichtigeres Thema zu geben.

Die Menschen sehen Lin als einen der ihren, auch wenn er gebürtiger Amerikaner ist – schließlich sind seine Eltern einst aus Taiwan in die USA ausgewandert. Und natürlich hat es riesiges Underdog-Identifikationspotential, wenn ein keine zwei Meter großer Asian-American sich in einer so körperbetonten Liga wie der NBA nicht nur durchsetzt, sondern so auftrumpft, dass ihm die Sportwelt zu Füßen liegt.

Den Rummel hat der in Taipeh lebende Blogger Sascha Pallenberg ganz gut hier beschrieben: Linsanity in Taipei from a German perspective. Auch Lin selbst – der viel auf seinen christlichen Glauben gibt, was ihn dann doch von den meisten Taiwanern unterscheidet – fand in einer Pressekonferenz neulich nette Worte für Taiwan.

Vielleicht bringt Jeremy Lins Erfolg nun einige junge TaiwanerInnen dazu, mehr Zeit auf dem Sportplatz zu verbringen. Und wer es mehr in den Beinen hat als im Wurfarm, könnte Fußball spielen. Denn da gibt es hier noch viel Aufzubauen – anders als im Basketball, wo in der Profiliga Begegnungen wie Taiwan Beer vs. Kinmen Liquor an der Tagesordnung sind.

Jubeln für Taiwans Fußballnationalteam

An mir liegt es nicht, wenn Sie noch nie von Taiwans Fußballnationalmannschaft gehört haben. Ich habe mein Bestes getan. Beim wichtigen Olympia-Qualifikationsspiel gegen Jordanien im März vergangenen Jahres hatte ich so viele Westler wie möglich zusammengetrommelt, um im Stadion von Taipeh europäische Atmosphäre zu erzeugen.

Leider vergeblich. Taiwans U23 unterlag mit 0:2 (Spielbericht), und das Land muss weiter auf seinen ersten Auftritt auf internationaler Fußballbühne warten. Es war ein unterhaltsamer Abend, aber Fußball ist einfach nicht Taiwans Nationalsport – das ist Baseball.

Nationalsport Baseball

baseball taiwan

Die Begeisterung für das Spiel mit Schläger und Handschuh kam nicht etwa aus Amerika, sondern auf dem Umweg über Japan auf die Insel. Taiwan war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts japanische Kolonie. Heute gibt es eine Profiliga, einige Taiwaner spielen in US-Teams, und wenn ich am Wochenende durch die Parks an den Flussufern radle, sehe ich überall Mannschaften auf öffentlichen Baseballplätzen trainieren.

Mit Japan und Südkorea liegt Taiwan in ewiger Rivalität um die Baseball-Vorherrschaft in Asien. Welch eine Demütigung, als man 2008 bei den olympischen Spielen in Peking ausgerechnet gegen China eine Niederlage einstecken musste!

Taiwan bei Olympia

Leider darf Taiwan bei internationalen Wettbewerben nur unter der Bezeichnung „Chinese Taipei“ und ohne Nationalflagge antreten, weil China so eifersüchtig darüber wacht, dass Taiwan nicht als selbstständiges Land geführt wird. Um so größer der Jubel in Taiwan, wenn Athleten Edelmetall mit nach Hause bringen.

2004 in Athen gab es in der Kampfsport-Disziplin Taekwondo die beiden ersten und bisher einzigen olympischen Goldmedaillen. Starke Frauen erringen immer wieder gute Platzierungen: Taiwans Gewichtheberinnen und das Frauen-Tauziehteam stehen regelmäßig auf dem Treppchen.

Und auch die derzeit wohl beste Golfspielerin der Welt hat ihren Abschlag in Taiwan erlernt: Yani Tseng ist erst 22, gewinnt aber ein wichtiges Turnier nach dem anderen. Taiwaner sind nicht für ihren athletischen Körperbau bekannt, und „körperlose“ Sportarten dominieren. Der beliebteste Breitensport ist Basketball – und das nicht erst seit Jeremy Lin. Auch ordentliche Tennisspieler bringt Taiwan hervor. Einer schaffte es 2010 ins Viertelfinale von Wimbledon.

Städtische Sportzentren

Körperliche Erschöpfung und Schwitzen gelten vielen Taiwanern, die das Leben gerne ausgewogen angehen, als übermäßige Belastung. Wer sich trotzdem sportlich betätigen will, hat aber viele Gelegenheiten. Schulen und Universitäten öffnen abends ihre Plätze für die Allgemeinheit, und Taipeis Verwaltung hat in jedem Viertel städtische Sportzentren errichtet, mit Kursräumen, Badminton-Courts, Schwimmbädern usw. Für nur 1,30 Euro kann ich hier eine Stunde lang ohne weitere Verpflichtungen ins Fitnesscenter.

Universiade 2017 in Taipei

Vor kurzem hat Taipei international aufgetrumpft: Die Stadt wird 2017 die Universiade ausrichten, quasi die olympischen Spiele der Studenten. Weil Taiwan gut abschneiden will, wird nun darüber diskutiert, wie man Nachwuchssportler besser fördern kann. Über die Ausbildung an Taiwans Sport-Universitäten stand kürzlich übrigens ein interessanter Artikel in einer Regierungszeitschrift.

2009 fanden in Taiwan bereits zwei internationale Sport-Großveranstaltungen statt: Die World Games in Kaohsiung und die Deaflympics in Taipeh.

Damals entstand auch dieser Fernsehbericht, auf den ich heute noch ein bisschen stolz bin:

Dieser Text war ursprünglich eine Folge meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

Taiwan Zeitungsartikel Sport