In Taiwan beschäftigen Coronavirus und Covid-19 uns schon seit Januar. Deutschland hat sich mit einer umfassenden Reaktion mehr Zeit gelassen. Dabei hatten beide Länder ihre ersten einheimischen Ansteckungen am selben Tag gemeldet. Ich vergleiche die Reaktionen. Mit Zeitachse.

Zwei Länder, eine Herausforderung

Anmerkung: Seit der Veröffentlichung vor einigen Tagen wurde dieser Beitrag oft geteilt. Das ist schön, denn Taiwan verdient Aufmerksamkeit. Darunter sind aber auch – z.B. auf Twitter – eine Reihe Accounts vom scharf rechten Rand. Ein kurzer Blick auf einige dieser Profile macht deutlich, was von diesen Leuten zu halten ist. Wer „Gutmensch“ für ein Schimpfwort hält oder „linksgrünversifft“ für einen akzeptablen Begriff, wer generell Menschenfeindlichkeit zum Leitprinzip erhebt, der macht sich in meinem Augen lächerlich und disqualifiziert sich für jeden ernsthaften Diskurs. Solchen Gesellen sei gesagt: Ich will Eure Reichweite nicht, ich will Eure Klicks nicht. Auch wenn ich die deutsche Virus-Krisenpolitik (vor allem von Ende Januar bis Ende Februar) kritikwürdig finde, stehen wir nicht auf der gleichen Seite.

Im Vergleich mit fast allen anderen Ländern liegen die Infektionszahlen in Taiwan (aktuelle Zahlen hier) sehr niedrig. Irgendetwas wird Taiwan wohl richtig gemacht haben. Und deshalb fühlen ich – und alle, die ich kenne – uns hier derzeit auch ziemlich sicher.

„In Taiwan ist die Welt noch fast in Ordnung – zumindest in Sachen Covid-19“, habe ich in einem Artikel für „Zeit Online“ geschrieben. Unter der Überschrift „Wie man in Ostasien erfolgreich das Virus bekämpft“ berichte ich über Taiwan und andere Kollegen über Südkorea, Singapur und Japan.

Schutzmasken sind wichtig in Taiwan

Aus Platzgründen konnte ich nicht alles ansprechen, was wichtig ist – etwa die Bedeutung einer (dank Rationierung) stabilen Versorgung mit Mundschutz-Masken für das Sicherheitsgefühl der Taiwaner. Jeden Tag sieht man vor Apotheken lange Schlangen von Menschen, die geduldig anstehen für ihre drei Masken pro Person und Woche. Ganz neu gibt es auch die Möglichkeit, Schutzmasken online zu bestellen und in einen Convenience Store liefern zu lassen.

In Europa wird die Bedeutung von Masken zur Prävention ja auch von Experten bezweifelt. Einigkeit herrscht aber darüber, dass sie bei bereits Infizierten – auch, wenn diese noch keine Symptome zeigen – die Ausbreitung verhindern können. Daher verstehen Taiwaner nicht, wieso viele Europäer nach wie vor die Stirn runzeln, wenn Menschen, die sich gesund fühlen, eine Schutzmaske tragen. Davon abgesehen, signalisiert der Mundschutz hier Anderen: Ich weiß Bescheid, ich sorge mich auch, ich handle verantwortlich. Vielleicht ist dies ein weiteres Beispiel für den Gegensatz von eher kollektivistisch gegenüber eher individualistisch geprägten Gesellschaften – Etiketten, die man „Asien“ und „dem Westen“ ja gerne verpasst.

Was Taiwaner an Deutschlands Krisenmanagement nicht verstehen:

Wieso konnten Menschen aus Risikogebieten einreisen, ohne verpflichtend in Heimquarantäne zu gehen, und können es noch immer?

Wieso wurde Menschen, die zwar Symptome zeigen aber keinen Kontakt zu bestätigten Fällen hatten oder aus Risikogebieten kamen, zumindest noch vor ein paar Tagen explizit nicht zu Tests geraten?

Wieso steht Föderalismus effizienten Maßnahmen oft im Weg? Und wieso werden genesene Fälle nicht zentral erfasst?

Jedenfalls gehört es in Taiwan zum guten Ton, zumindest in der U-Bahn und bei Zugfahrten eine Maske zu tragen. Auf der Straße oder im Park sind sie dagegen gar nicht so allgegenwärtig, wie man meinen könnte. Das Leben hier läuft im Großen und Ganzen schon ganz normal weiter. Einige Restaurants sind nicht so voll wie sonst, größere Veranstaltungen werden abgesagt, aber Einschränkungen spürt man nicht unbedingt.

Gute Informationen zum Coronavirus in Taiwan

Bevor ich gleich eine Zeitleiste der wichtigen Entwicklungen und Entscheidungen teile, möchte ich noch auf einige weitere lesenswerte deutsche Berichte und Informationsquellen zum Thema Taiwan und Covid-19 hinweisen.

Die besten immer aktualisierten deutschen Informationsquellen zu Taiwan und dem Virus sind diese:

Auf Englisch ist die Taiwan-Coronavirus-Übersicht bei Wikipedia ganz brauchbar. Die aktuellen offiziellen Zahlen aus Taiwan stehen immer hier. Englische Mitteilungen des Krisenzentrums hier.

Coronavirus-Zeitleiste: Taiwan und Deutschland

31.12.2019: Nach Meldungen über verdächtige Erkrankungen gehen Taiwans Kontrolleure an Bord von gelandeten Maschinen aus Wuhan. Sie untersuchen Passagiere noch vor dem Aussteigen.

1.1.2020: China schließt den Markt in Wuhan, von dem aus die Erkrankung sich wahrscheinlich ausbreitete.

7.1.: Das neuartige Coronavirus wird als 2019-nCoV identifiziert.

11.1.2020: China bestätigt offiziell den ersten Todesfall.

20.1.: Taiwan aktiviert sein nationales Krisenzentrum.

22.1. Taiwan stoppt alle einheimischen Reisegruppen von der Reise nach Hubei/Wuhan.

23.1.: Chinas Regierung riegelt die Stadt Wuhan ab.

24.1.: Taiwans Regierung verbietet den Export von Gesichtsmasken.

25.1.: Chinesisches Neujahrsfest.

26.1.: Taiwan verhängt Einreisestopp für alle Einreisenden aus Wuhan sowie für alle Reisegruppen aus ganz China.

27.1.: Erste einheimische Infektion in Taiwan bestätigt (sieben Fälle hatten die Krankheits bereits aus China mitgebracht).

27.1.: In Bayern wird die erste Infektion in Deutschland gemeldet.

27.1.: Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, im ZDF: „Gerade an den Flughäfen ist man sehr, sehr gut gewappnet. Insofern ist die Gefahr für die deutsche Bevölkerung sehr gering.“

27.1.: Taiwan verknüpft Einreisedaten mit der Gesundkeitskarte. Ärze können sofort erkennen, ob Patienten kürzlich in Risikogebieten waren.

30.1.: WHO erklärt internationalen Gesundheits-Notstand.

31.1. China meldet fast 10.000 Fälle. Dazu ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn „So wie sich die Lage momentan darstellt, ist das deutsche Gesundheitswesen sehr gut darauf vorbereitet.“

31.1.: Italien stoppt Flüge aus Taiwan (dank der WHO-Definition, die Taiwan und China in einen Topf wirft).

31.1.: USA verbieten Einreise von Ausländern, die innerhalb der letzten 14 Tage in China waren.

1.2.: Deutschland holt rund 100 Personen aus Wuhan zurück.

2.2.: Taiwan verschiebt das Ende der Schulferien vom 11.2. auf den 25.2.

4..2.: „Die Gesundheitsminister von EU und G7 wollen stärker zusammenarbeiten, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Das ist Ergebnis intensiver Gespräche von Spahn mit seinen internationalen Amtskollegen.“

6.2.: Taiwan verbietet die Einreise chinesischer Staatsbürger, egal woher.

6.2.: Taiwan rationiert die Ausgabe von Gesichtsmasken (zunächst zwei pro Person und Woche).

Anstehen für die wöchentliche Gesichtsmasken-Ration in Taipeh

7.2.: Taiwan verbietet Einreise von Ausländern, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in China, Hongkong oder Macau aufgehalten haben (und keine Aufenthaltsgenehmigung/ARC haben).

8.2.: Ein unter Heimquarantäne stehender Ausländer raucht im Treppenhaus seines Hotels und muss dafür 300 EUR Strafe zahlen.

10.2.: Wer in China/Hongkong/Macau umgestiegen ist, muss in Taiwan 14 Tage in Heimquarantäne.

12.2.: Spahn spricht im Bundestag zur „Strategie zur Vorbeugung gegen das Coronavirus in Deutschland“. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland schätzt das Robert Koch-Institut aktuell weiterhin als gering ein. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 16 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert, die alle isoliert wurden und in Behandlung sind.

15.2.: Flugreisende aus China werden ab sofort nach Kontakt mit Infizierten und Aufenthalten in Infektionsgebieten befragt. Dazu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Wir müssen bei der Einreise aus China wissen, wer Kontakt mit infizierten Patienten hatte und wer aus Infektionsgebieten kommt. Das ermöglicht eine konkrete Testung am Flughafen. Das ist eine der Lage angemessene Methode, um die Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland und Europa zu verhindern.“

16.2.: Taiwan meldet den ersten (und bislang einzigen) Todesfall durch das Virus.

18.2.: Die Infektionszahlen in Südkorea beginnen drastisch zu steigen.

21.2.: Die Zahl der offiziell bestätigten Infektionen im Iran beginnt drastisch zu steigen.

21.2.: Die Infektionszahlen in Italien beginnen drastisch zu steigen. Einzelne Orte werden abgeriegelt.

24.2.: Angesichts der Entwicklung in Italien rechnet Spahn damit, dass sich das Coronavirus auch in Deutschland ausbreiten kann. „Durch die Lage in Italien ändert sich auch unsere Einschätzung der Lage: Corona ist als Epidemie in Europa angekommen. Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann“, so Spahn. Dafür sei Deutschland bestmöglich vorbereitet.

25.2.: Die ersten Erkrankungen in Nordrhein-Westfalen (Kreis Heinsberg) und in Baden-Württemberg werden gemeldet.

25.2.: Aktuell befinden sich in Taiwan fast 13.000 Personen im Heimquarantäne, etwa 16.000 haben sie bereits hinter sich. (Diese Zahlen werden offenbar nicht regelmäßig veröffentlicht.)

25.2.: Taiwans Parlament erhöht die Strafen für Verstöße gegen Quarantänemaßnahmen und andere Vergehen.

25.2.: Alle Einreisenden aus Südkorea müssen in Taiwan 14 Tage in Heimquarantäne.

26.2.: „Ziel sei es, so Spahn, die Infektionsketten so schnell wie möglich zu unterbrechen. Kontaktpersonen der Infizierten müssten dafür identifiziert und untersucht und anschließend in häuslicher Quarantäne betreut werden. Das deutsche Gesundheitswesen sei für diese Situation gut vorbereitet. Spahn ordnete zudem an, dass Piloten auf noch mehr Flügen als bislang vor der Landung in Deutschland dem Tower über den Gesundheitszustand ihrer Passagiere zu berichten haben. Das gilt künftig auch für Flüge aus Iran, Südkorea, Japan und auch aus Italien. Bislang galt das nur für Direktflüge aus China.“

27.2.: Bundesinnen- und Bundesgesundheitsministerium setzen einen im Pandemieplan des Bundes vorgesehenen Krisenstab ein.

28.2.: Alle Einreisenden aus Italien müssen in Taiwan 14 Tage in Heimquarantäne.

3.3.: Ein aus China eingereister Taiwaner drückt sich um die Heimquarantäne, fährt durchs Land und muss 30.000 EUR Strafe zahlen.

3.3.: Prof. Christian Drosten im NDR zur Heimquarantäne für Kontaktpersonen von Infizierten: „Ich glaube, dass es nicht mehr lange durchzuhalten ist, dass man Kontakte immer für 14 Tage komplett in die Heimisolierung gibt, und diese Patienten sind eben doch — das wird der Eindruck zeigen — im Wesentlichen eher mild infiziert. Diese Patienten werden das zum Teil auch nicht einsehen. Was das soll, solange immer zu Hause bleiben zu müssen. … Das wäre zum Beispiel mal eine erste Maßnahme: Wenn man sagen würde, das ganze System wird durch diese Isolierungsmaßnahmen überfordert, dann könnte man ja mal sagen: Okay, da machen wir ab jetzt nur noch eine Woche und nicht zwei.

Zu Proben und Tests: „Wir haben leider im Moment sehr viel Arbeit damit, den Kollegen, die Fälle haben, jeweils hinterher zu telefonieren. Wir erfahren zum Teil nur aus den Medien, wo solche Fälle auftauchen. Wir kennen aber viele Kollegen und rufen dann einfach an und fragen: Wollt ihr uns nicht eine Probe schicken? Dann sequenzieren wir das. Dann können wir mal sagen, wo das vielleicht herkommt oder ob bestimmte Übertragungsketten stimmen. Das braucht relativ viel Koordination. Man muss mit allen mal geredet haben, und dazu fehlt die Zeit.“

3.3.: Der Export von medizinischer Schutzausrüstung (Atemmasken, Handschuhe, Schutzanzüge etc.) aus Deutschland ins Ausland wird verboten.

4.3.: „Die gemeinsamen Bemühungen zur Eindämmung des Coronavirus sowie der neue Pandemieplan des RKI waren Thema beim Treffen mit den Gesundheitsministern der Länder. „Der neue Plan ist eine Empfehlung – keine Vorschrift. Die lokalen Behörden können die Situation vor Ort am besten einschätzen und entscheiden“, so Spahn.“

7.3.: Taiwan stuft Deutschland, Frankreich und Spanien in Warnstufe 2 ein: Einreisende sollen ihren Zustand aufmerksam beobachten und möglichst zuhause bleiben.

8.3.: Italien erklärt große Teile im Norden des Landes zur Sperrzone.

7.-9.3.: Am 25. Spieltag spielt die Fußball-Bundesliga vor vollen Stadien.

9.3.: Die ersten beiden Covid-19-Todesfälle in Deutschland.

10.3.: Der deutsche Krisenstab empfiehlt die Absage aller Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 erwarteten Teilnehmern.

10.3.: Italien erklärt das ganze Land zur Sperrzone.

11.3.: Taiwan stuft weitere europäische (u.a. Österreich, Schweiz) und arabische Länder in Warnstufe 2 ein (erhöhte Aufmerksamkeit, noch keine Quarantäne).

11.3.: WHO stuft Coronavirus-Krise als Pandemie ein.

11.3.: Kanzlerin Merkel tritt mit Spahn in der Bundespressekonferenz auf. „Wenn das Virus da ist und noch keine Immunität der Bevölkerung gegenüber diesem Virus vorliegt, keine Impfmöglichkeiten existieren, auch noch keine Therapiemöglichkeiten, dann wird ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung – Experten gehen von 60 Prozent bis 70 Prozent aus – infiziert, solange dieser Zustand so bleibt.“

12.3.: USA verkündet Einreisestopp aus Europa (mit Ausnahme von Großbritannien).

12.3.: Taiwan meldet den 49. Infektionsfall. Bisher ein Toter.

12.3.: Das Robert-Koch-Institut meldet für Deutschland 2369 Infektionen. Bisher sechs Tote.

12.3.: Prof. Christian Drosten im ZDF bei Maybrit Illner: „Wir müssen uns erst mal klar machen, dass wir das ganze Geschehen sicherlich viel früher bemerkt haben als unsere Nachbarn. Wir haben deswegen ein gutes Zeitfenster, um jetzt auch mit kühlem Blick Dinge zu machen und nicht mit Hektik. Das ist, glaube ich das allerwichtigste.“

13.3.: Ein aus China zurückkehrender Spiegel-Reporter wundert sich sehr:

14.3.: Taiwan meldet 53 Fälle.

14.3.: Das RKI meldet für Deutschland 3062 Fälle (3675 laut Johns Hopkins).

14.3.: Warnstufe 3: Wer während der letzten 14 Tage vor Einreise im Schengen-Raum (inkl. D, A, CH), Großbritannien oder Irland war, muss in Taiwan nun für 14 Tage in Heimquarantäne. Wer dafür keine Unterkunft findet, kann sich in einer Quarantäne-Sammeleinrichtung einquartieren lassen.

16.3.: Taiwan meldet jetzt 67 Fälle und setzt insgesamt 42 Länder auf Warnstufe 3. Wer trotz Warnung in eines dieser Länder reist, soll seine Behandlungkosten selbst zahlen müssen. Auch die Namen dieser Betroffenen sollen veröffentlicht werden.

16.3.: Bundesregierung und Ministerpräsidenten einigen sich auf eine Reihe von Maßnahmen, um das öffentliche Leben in Deutschland und damit das Tempo der Ausbreitung des Virus einzuschränken.

17.3.: Taiwan meldet 77 Fälle. Weiterhin nur ein Todesfall. Von den zuletzt hinzugekommenen 31 Fällen (Taiwaner und Ausländer) hatten sich 30 im Ausland infiziert und die Erkrankung mit nach Taiwan gebracht. Der 31. wurde von Besuch aus den USA angesteckt. Für 99 Länder gilt nun Warnstufe 3 (verpflichtende Heimquarantäne nach Einreise), darunter ganz Asien und Europa.

17.3.: Das RKI meldet für Deutschland 7165 Fälle, darunter zwölf Tote.

17.3.: Beschluss der EU: Vorerst sollen nur noch EU-Bürger einreisen. dürfen.

18.3.: Taiwan meldet insgesamt 100 Fälle. Von den 23 neu hinzugekommenen haben wiederum 21 das Virus aus dem Ausland mitgebracht. Taiwan verbietet ab morgen die Einreise aller Ausländer, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Alle Einreisenden, auch Taiwaner, egal woher, müssen 14 Tage in Heimquarantäne. Wer seit dem 5.3. aus Europa, Ägypten oder der Türkei einreiste, muss rückwirkend 14 Tage in Quarantäne.

18.3.: Fernsehansprache von Angela Merkel. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“

19.3.: Virologe Alexander Kekulé lobt Taiwans Maßnahmen in einem Interview und kritisiert Versäumnisse in Deutschland.

19.3.: In New Taipei City sollen städtische Sportzentren, Museen und Büchereien schließen.

20.3: Taiwan meldet nun 135 Fälle und zwei Tote.

20.3.: Das RKI meldet für Deutschland 13.957 Fälle und 17 Tote.

22.3.: Auf Taiwans Flughäfen sollen keine internationalen Transfers mehr stattfinden.

22.3.: Bund und Länder verschärfen die Regeln zur Minimierung von Kontakten. „Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet.“

Diese Liste ist ein work in progress. Ich bitte um Ergänzungen, Hinweise, Korrekturen.

Ich bin seit mehr als zehn Jahren der einzige deutsche Reporter, der in Taiwan lebt und regelmäßig für deutsche Medien berichtet. Wer meine Arbeit unterstützen möchte, kann gern bei Patreon vorbeischauen.


11 Kommentare zu “ Coronavirus: Was Taiwan schneller (und besser?) gemacht hat als Deutschland ”

  1. Günter Whittome sagt:

    Guter Überblick, Klaus! Tja, Taiwan hat halt schon die Erfahrung mit SARS gemacht, es sieht so aus, dass Deutschland/Europa diese Erfahrung erst machen muss. Ich habe ein paar Taiwanesen, die ich kenne gefragt, woher die verbreitete Angewohnheit hierzulande kommt (auch bevor sich dieser Virus ausgebreitet hat), Gesichtsmasken zu tragen. Da sind zum einen Motorrollerfahrer, Leute, denen die Luft im Winter zu kalt ist oder die sich vor der Luftverschmutzung schützen wollen. Ansonsten war die einhellige Antwort darauf: SARS! Außerdem spielt sicher eine Rolle, dass China quasi vor der Haustür liegt und man in Deutschland/Europa gedacht hat, „das ist weit weg, bis auf ein paar einreisende Einzelfälle wird das uns nicht betreffen“. Schade, eigentlich wollten wir im Sommer wieder nach Deutschland…

  2. Kilsky sagt:

    Ich würde noch die Veranstaltung von Karneval in die Timeline aufnehmen.

  3. Heinz Lohmann sagt:

    In Deutschland denkt man bei den Mundmasken zu einseitig an den Schutz der eigenen Person. In Taiwan ist es sehr oft auch Rücksichtnahme auf andere. Man will sie nicht mit der eigenen Erkältung anstecken. So erlebe ich es bei meinen Studenten. Diese Haltung wird anscheinend in Deutschland weniger verstanden.
    Mit den gegenwärtigen Maßnahmen fühle ich mich in Taiwan relativ sicher. Es läuft hier anscheinend besser im Gesundheitssystem.

    • Dr. Big Man sagt:

      Aber wäre es nicht noch besser bei bekannter eigener Erkältungs-Infektion zuhause zu bleiben (#StayTheFuckHome) als mit Maske bestenfalls unzureichend zu versuchen die Mitmenschen zu schützen? 🤷🏼‍♂️

  4. Rudiger sagt:

    Danke, super informativ!!

  5. Markus sagt:

    Danke für den super interessanten Einblick! Viele Grüße nach Taiwan

  6. Adrian sagt:

    Super Arbeit Klaus! Danke für den Vergleich. Hör dir dazu gerne auch mal den Podcast von Drosten an (NDR) vom 17.3. (Nr. 15), er zeigt noch einmal Unterschiede auf (nach dem 27.1. hatte man die Lage im Griff und es gab lange keinen neuen Infektionsherd in D). Eine Frage hätte ich noch: Wie schätzt du die Dunkelziffer in Taiwan ein? Mach weiter so!

  7. Laurens sagt:

    Danke für den interessanten Überblick, Klaus. Ich halte per Skype Kontakt mit Taiwan und bin erstaunt, dass das öffentliche Leben in Taichung offensichtlich weitergeht und erst in diesen Tagen über ein Verbot von grösseren Veranstaltungen diskutiert wird. Einen Bericht über Änderungen in Deinem Alltag und dem von anderen Bewohnern Taipeis in Zeiten von Corona fände ich mal richtig spannend.

    Selbst musste ich meine Reise nach Taiwan anfangs März wg der Corona-Geschichte und der Absage der Fahrradmesse in Taipei streichen. War ich Mitte Februar noch froh, nicht nach Fernost reisen zu müssen, wär ich inzwischen lieber in Taiwan als in der Schweiz.
    Auch bei der nun zu beobachtenden, zweiten Infektionswelle scheint Taiwan mit dem Ansatz „Tracking and Testing“ auf gutem Weg, um das Virus an einer weiten Ausbreitung in der Population zu hindern. In der Schweiz musste dieses Ziel schon bald aufgegeben werden.
    Tja, aussitzen scheint nun die Devise. Home Office-Routine ist immerhin gegeben.

  8. Lieber Klaus, vielen Dank für die vielen wichtigen Tipps und Infos. Wir wären ja jetzt eigentlich in Taiwan, aber das COVID 19 hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier in Deutschland ist ja echt Ausnahmezustand. Wir haben gerade eine Website mit Hilfe zu emotionaler Selsbthilfe aktiviert, http://www.innen-leben.org . Habe mich auch ein wenig als Taiwan-Herold auf YouTube verdingt :-)https://www.innen-leben.org/2020/03/30/was-taiwan-besser-macht/

    Wären jetzt echt gern in Taiwan und kommen so bald es geht :-). Bis bald. Michael

  9. Lieber Klaus,

    sehe gerade bei Anne WIll, dass wir es hier in Deutschland echt nicht hinbekommen, Atemschutzmasken in benäötigter Menge selbst herzustellen. Hast Du einen Info, wieviele Masken in Taiwan gerade hergestellt werden? Auch die FFP2 Masken. Ggf. könnte Taiwan ja die Bundesregierung beraten :-). Ich leite Deine Antwort gern auch an meinen Presseverteiler weiter.

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